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Psoriasis-Arthritis

Frau greift sich auf schmerzendes Knie.
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Bei der Psoriasis-Arthritis tritt Schuppenflechte in Kombination mit Gelenkentzündungen, z.B. im Knie auf. (Africa Studio / Fotolia.com)

Bei der Psoriasis-Arthritis tritt Schuppenflechte (Psoriasis) in Kombination mit einer Entzündung der Gelenke (Arthritis) auf.

Viele Psoriasis-Patienten entwickeln zusätzlich zur Schuppenflechte auch eine Psoriasis-Arthritis. Je schneller die Erkrankung erkannt und gebremst wird, desto besser können Gelenke geschützt und Deformationen vermieden werden.

Zusammenfassung

  • Die Psoriasis-Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die bei ca. einem Fünftel der Menschen mit Schuppenflechte auftritt.
  • Die Gelenke sind geschwollen, gerötet und schmerzhaft.
  • Psoriasis-Arthritis ist nicht ansteckend.
  • Eine frühzeitige Diagnose und Therapie ist wichtig, um bleibende Gelenkschäden zu verhindern.
  • Die Erkrankung ist nicht heilbar, mit der richtigen Therapie kann die Lebensqualität aber deutlich gesteigert werden.

Psoriasis-Arthritis im Überblick

Art

Autoimmunerkrankung

Ursache

genetische Veranlagung

Übertragung

nicht ansteckend

Erkrankungsdauer

nicht heilbar

Symptome

schmerzende, geschwollene Gelenke

Therapie

medikamentös, ergänzend physikalische Therapie

Was ist Psoriasis-Arthritis?

Der Name der Erkrankung "Psoriasis-Arthritis" setzt sich aus den Begriffen Schuppenflechte (Psoriasis) und einer Entzündung der Gelenke (Arthritis) zusammen. Betroffen sind dabei meist die Gelenke der Finger oder Zehen. Die Psoriasis-Arthritis tritt bei ca. einem Fünftel der Patienten mit Psoriasis auf. Oft besteht zunächst über viele Jahre nur eine Psoriasis der Haut, bevor eine Psoriasis-Arthritis hinzukommt. Aber auch Fälle mit geringfügiger oder sogar fehlender Hautbeteiligung sind keine Seltenheit. Psoriasis-Arthritis verläuft chronisch und in Schüben. Die Erkrankung kommt bei Erwachsenen in allen Altersgruppen vor, meist tritt sie zwischen 35 und 55 Jahren erstmalig auf. Männer und Frauen sind gleichermaßen davon betroffen.

Ursachen von Psoriasis-Arthritis

Die Psoriasis-Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Fehlreaktionen des Immunsystems Gelenkschädigungen verursachen. Es kommt zu Entzündungen und in weiterer Folge einem strukturellen Umbau in den betroffenen Gelenken. Die Ursache der Erkrankung ist nicht vollständig geklärt.

Video: Psoriasis-Arthritis: Entzündete Gelenke bei schuppender Haut

OA Dr. Raimund Lunzer (Facharzt für Innere Medizin, KH der Barmherzigen Brüder Graz) spricht davon, wie man Psoriasis bzw. Psoriasis-Arthrithis erkennt und am besten behandelt. Er erklärt, ob Biologika hilfreich sein können und erzählt von den bevorzugten Therapieformen seiner PatientInnen. (Webinar, 27.10.2021)

Symptome bei Psoriasis-Arthritis

Bei den meisten Patienten, die an Psoriasis-Arthritis erkranken, reagiert zuerst die Haut. Es kommt zu geröteten, oft juckenden, schuppenden Hautstellen. Vorwiegend finden sich diese Herde an Ellenbogen, Knie, im Nabelbereich und auf der Kopfhaut. Diese Hautveränderungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manchmal liegen aber nur sehr wenige Hautveränderungen vor oder sie fehlen sogar gänzlich.

 

Die Gelenkentzündungen zeigen sich oft an Gelenken der Hände und Füße bzw. der Finger und Zehen oder der Wirbelsäule. Sie können aber auch große Gelenke (z.B. Ellenbogen, Knie) befallen. Bevorzugt erkranken einzelne Finger- oder Zehengelenke. Durch entzündliche Veränderungen der umgebenden Weichteile kann es zur Schwellung eines ganzen Fingers kommen ("Daktylitis", umgangssprachlich "Wurstfinger" genannt). Auch eine Verdickung der Nägel, eine Abhebung des Nagelbettes, kleine punktförmige Einkerbungen oder weiße Punkte treten häufig in Kombination auf. Die Psoriasis-Arthritis verläuft in wiederkehrenden Schüben, wobei die beschwerdefreie Zeit unterschiedlich lange ausfallen kann.

 

Folgende Beschwerden können Anzeichen für Psoriasis-Arthritis sein:

  • Schwellungen und Schmerzen in und um Gelenke – in erster Linie Zehen,- Knie-, Sprung- und Fingergelenke, Ellenbogen oder auch Gelenke der Wirbelsäule – weisen auf entzündliche Prozesse hin. 
  • Häufig tauchen auch Veränderungen an den Nägeln sowie Schmerzen und Entzündungen an den Sehnen und Sehnenansätzen auf. Oft sind die Beschwerden am Morgen am stärksten und nehmen im Verlauf des Tages ab ("Morgensteifigkeit").
  • Psoriasis an der Haut: Gerötete, silbrig schuppende, oft juckende Hautbezirke (Psoriasis Plaques) an den für Psoriasis typischen Arealen wie Ellenbogen, Knie oder Kopfhaut.

Formen der Psoriasis-Arthritis

Man unterscheidet fünf Formen der Psoriasis-Arthritis:

  • Distale (entfernte) Psoriasis-Arthritis: Sie ist die häufigste Form. Es kommt zu einer schmerzhaften Entzündung der Hand- und Fußgelenke sowie oft einer morgendlichen Steifigkeit der Gelenke. Charakteristisch ist die asymmetrische Ausprägung (im Vergleich zur rheumatoiden Arthritis).
  • Monarthritis großer Gelenke: Diese Form tritt entweder allein oder in Kombination mit dem distalen Typ auf und befällt ein oder beide Hüft-, Knie- oder Sprunggelenke. Auch die Kiefergelenke können betroffen sein.
  • Axialer Typ: Hier kommt es zu einer Arthritis der Wirbelsäule (oft Halswirbelsäule und Kreuzbein-Beckenbereich).
  • Arthritis mutilans: Die seltenste Form der Psoriasis-Arthritis ist durch Knochenschwund und Zerstörung der betroffenen Gelenke gekennzeichnet. Sie stellt einen Endzustand der Psoriasis-Arthritis nach langer unbehandelter Krankheit dar. An den betroffenen Finger- und Fußgelenken kommt es zu Verformungen und Funktionseinschränkungen.
  • POPP-Syndrom (Psoriatische Onycho-Pachydermo-Periostitis): Eine sehr seltene Form, die mit Nagelzerstörung, Entzündung der Knochenhaut und Verdickung des Bindegewebes von Fingern einhergeht. Die Großzehe ist am häufigsten betroffen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose Psoriasis-Arthritis?

Bei Verdacht auf Psoriasis an der Haut ist meist der Hautarzt (Dermatologe) der erste Ansprechpartner. Kommt es zudem zu Schwellungen und Entzündungen der Gelenke, sollte auch ein Rheumatologe aufgesucht werden. Dieser wird, neben der klinischen Untersuchung, ein Röntgen der betroffenen Gelenke und eine Blutuntersuchung anordnen, um andere Ursachen von Gelenkbeschwerden, wie zum Beispiel Rheumatoide Arthritis, auszuschließen.

 

Weiterführende Untersuchungen sind neben Röntgen auch Ultraschall und Magnetresonanztomographie (MRT). Bei diesen bildgebenden Untersuchungen wird auf typische Knochenveränderungen wie Knochenerosionen (Abbau des Knochens) oder -proliferationen (abnorme Knochenneubildung), sowie Sehnenentzündungen geachtet.

Wie wird Psoriasis-Arthritis behandelt?

Die Therapie der Psoriasis-Arthritis richtet sich nach den individuellen Beschwerden und deren Ausprägung. Eine frühzeitige Therapie ist wichtig, um bleibende Gelenkschäden zu vermeiden. Sie soll Schmerzen und Schwellungen lindern und das Fortschreiten der Erkrankung vermindern. Je früher eine Therapie beginnt, desto länger können die beschwerdefreien Intervalle andauern und ein dauerhafter Schaden der betroffenen Gelenke verhindert werden. Grundsätzlich sollte die Therapie interdisziplinär von einem Rheumatologen gemeinsam mit einem Dermatologen festgelegt werden.

  • Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)
    Zu Beginn werden meist schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente (NSAR) eingesetzt (z.B. Diclofenac, Ibuprofen). Führt diese Therapie zu keiner ausreichenden Besserung kommen Basistherapeutika zum Einsatz.
  • Basistherapeutika (DMARDs)
    Um das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und die beschwerdefreie Zeit zu verlängern, werden Medikamente, die das Immunsystem modulieren oder hemmen, eingesetzt. Zu den Wirkstoffen gehören Methotrexat, Sulfasalazin, Leflunomid und Ciclosporin.
  • Glukokortikoide
    Glukokortikoide (Kortikosteroide; u.a. Kortison) wirken unter anderem entzündungshemmend und können als Tablette eingenommen oder in die betroffenen Gelenke injiziert werden. Diese Therapie kommt aber aufgrund besser verträglicher Alternativen nur mehr selten zum Einsatz.
  • Biologika
    Biologika sind biotechnologisch hergestellte Medikamente, die im Fall der Psoriasis-Arthritis und Psoriasis gezielt bestimmte Botenstoffe blockieren, die Entzündungen auslösen. Sie werden eingesetzt, wenn die Therapie mit Basistherapeutika nicht ausreichend wirksam oder unverträglich ist. Biologika werden unter die Haut gespritzt (als Fertig-Spritze oder mit einem sogenannten PEN) und können auch in Kombination mit Basistherapeutika eingesetzt werden. Viele Biologika aus der Psoriasistherapie sind mittlerweile auch für die Behandlung der Psoriasis-Arthritis wirksam und zugelassen.
  • "Small Molecules"
    Diese Medikamente dringen direkt ins Zellinnere ein und modulieren dort die Informationswege, die zu einer überschießenden Entzündungsreaktion führen. Die Medikamente, z.B. der Wirkstoff Apremilast, können als Tablette eingenommen werden.
  • Physikalische Therapie
    Bei der phyiskalischen Therapie kommen Kälte- und Stromanwendungen sowie Physiotherapie und Ergotherapie zum Einsatz.

Wie verläuft Psoriasis-Arthritis?

Eine dauerhafte Heilung der Psoriasis-Arthritis ist derzeit nicht möglich. Eine frühzeitige Diagnose und ein rechtzeitiger Therapiebeginn sind aber wichtig, um bleibende Gelenkschäden zu verhindern. Regelmäßige Kontrollen beim Rheumatologen zur Anpassung der Therapie sind erforderlich.

Was können Betroffene selbst tun?

  • Bewegung, Sport und Gymnastik führen zu mehr Beweglichkeit und zu einer Entlastung der Gelenke. Liegen bereits Schädigungen im Gelenksapparat vor, sollten gelenkschonende Sportarten wie z.B.: Schwimmen oder Nordic Walking betrieben werden.
  • Die Haut sollte gut mit rückfettenden Salben und Cremes gepflegt werden. Bei zusätzlichem Befall der Haut (z.B.: Plaque-Psoriasis) sind jedoch eine individuelle Therapie und regelmäßige Kontrollen beim Dermatologen notwendig.
  • Bei der Ernährung sollte auf eine ausgewogene, nährstoffreiche Kost sowie auf eine ausreichende Zufuhr von Vitaminen geachtet werden.
  • Vom Konsum von größeren Mengen an Alkohol und Softdrinks raten Studien ab.
  • Ein rechtzeitiger Rauchstopp kann sich positiv auf den Verlauf auswirken und sollte unbedingt angestrebt werden.
  • Die Vermeidung von Übergewicht trägt zur Entlastung der Gelenke bei.
  • Heilbäder, Moor sowie physikalische Therapien (z.B. Behandlung mit kaltem Rotlicht) können die Beschwerden der Psoriasis-Arthritis lindern.
  • Ein Besuch in Selbsthilfegruppen ermöglicht den Austausch mit anderen Betroffenen.
AUTOR


Silke Brenner, Mag. Birgit Guth
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


12.03.2014 / 28.02.2022
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Paul Jauker
Foto (c): privat
Facharzt für Dermatologie und Venerologie
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