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Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

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27.000 Menschen erleiden in Österreich jährlich einen Herzinfarkt. (Kzenon / Fotolia.com)

Bei einem Herzinfarkt kommt es zum Verschluss eines Herzkranzgefäßes.

Aufgrund der mangelnden Sauerstoffversorgung am Herzmuskel tritt ein starkes Engegefühl in der Brust auf, begleitet von Symptomen wie Todesangst und Schweißausbrüchen. Brennende Schmerzen strahlen in die verschiedenen Körperregionen aus. Bei Frauen können auch "untypische" Herzinfarkt-Symptome wie ErbrechenRückenschmerzen oder Atemnot auf einen Infarkt deuten.

 

Rund 32.000 Menschen werden hierzulande jährlich mit einem Herzinfarkt konfrontiert. Zeit ist ein entscheidender Faktor: Je schneller die Durchblutung durch die Behandlung im Notarztwagen bzw. im Spital wiederhergestellt wird, desto weniger Herzmuskelgewebe stirbt unwiederbringlich ab. Stirbt viel Herzmuskelgewebe ab, endet der Herzinfarkt mit einer Herzschwäche oder sogar tödlich.

Häufigkeit des Herzinfarkts

In Österreich erleiden pro Jahr zirka 32.000 Menschen einen Herzinfarkt. Die Sterblichkeit von Herzinfarkten ist seit Jahren rückläufig. Starben im Jahr 1991 noch 151 Menschen von 100.000 an den Folgen eines Herzinfarkts, so sank die Zahl 2016 auf 55. Damit sterben heute 3x weniger Menschen an einem Herzinfarkt als noch vor 30 Jahren.

 

Zwar sind immer häufiger Frauen von einem Herzinfarkt betroffen – ein Grund dafür ist, dass Frauen ihre Symptome nicht richtig wahrnehmen und zu spät das Krankenhaus aufsuchen – nach wie vor erleiden und sterben aber mehr Männer an den Folgen eines Infarkts.

Video: Leben nach dem Herzinfarkt

OA Dr. Alexander Nahler (Abteilung für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin, Kepler Universitätsklinikum Linz) gibt im Webinar einen Überblick, wie nach einem Herzinfarkt eine hohe Lebensqualität möglich ist und worauf Betroffene besonders achten müssen. (11.11.2020)

Ursachen des Herzinfarkts

Ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt) entsteht, wenn der Blutfluss in einer Herzkranzarterie plötzlich unterbrochen wird. Die häufigste Ursache dafür ist ein Blutgerinnsel, das sich durch Arterienverkalkung (Arteriosklerose) in einer verengten Herzkranzarterie bildet und das Gefäß komplett verschließt. Dadurch wird Herzmuskelgewebe, das hinter dem Verschluss liegt, nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Es stirbt unwiederbringlich ab, wenn das Gefäß nicht binnen kürzester Zeit wiedereröffnet wird.

 

Auch beim Schlaganfall, bei dem es aus verschiedenen Gründen zu einem Verschluss der Hirnarterie bzw. zu einer Hirnblutung kommt, muss das verletzte Gefäß binnen weniger Stunden wiedereröffnet werden, sonst kommt es zu einer nachhaltigen Schädigung der Gehirnzellen.

Symptome des Herzinfarkts

Folgende Beschwerden sind Alarmzeichen und können bei Männern und Frauen auftreten:

  • Plötzlich auftretende linksseitige Schmerzen in Brust, Schulter und linker Körperhälfte, die auch in Ruhe nicht nachlassen

  • Atembeklemmungen, Erstickungsgefühl

  • Tiefe, dumpfe Schmerzen in der Brustmitte, hinter dem Brustbein. Diese Schmerzen können sich auf den linken oder rechten Arm, bis zum Hals, in den Oberbauchbereich bis auf den Rücken ausbreiten

  • Kalter Schweiß

  • Todesangst

  • Rasender Puls, Herzjagen

 

Die Schmerzen fühlen sich bei einem akuten Infarkt "brennend" oder auch "bleiern-drückend" an, sie dauern länger als 20 Minuten und verschwinden auch im Ruhezustand nicht. Infarkte ereignen sich häufig in den Morgenstunden.

 

Es können aber auch Symptome auftreten, die Betroffene nicht einem Infarkt zuschreiben. Häufig sind Frauen betroffen. Alarmzeichen sind:

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Unerklärliche Schmerzen im Magen und oberen Bauchbereich

  • Unerklärliche Atembeklemmungen

  • Schwindelgefühle bis zur Bewusstlosigkeit

  • Druck in der Brustmitte verbunden mit Schmerzen in einem Arm oder im Kiefer

 

Diese "untypischen" Herzinfarkt-Symptome sind bei Frauen häufiger zu beobachten als bei Männern. Sie leiden bei einem Herzinfarkt häufig auch unter Würgegefühl, Übelkeit bis Erbrechen, Schweißausbrüchen, aber auch unter Schmerzen in der Schulter bzw. zwischen den Schulterblättern. Oft werden diese Beschwerden mit Erkrankungen des Magen-Darmtraktes oder Wirbelsäulenschmerzen verwechselt.

Was tun bei einem Herzinfarkt?

  1. Rettung rufen, Tel: 144

  2. Schnell handeln, nicht zuwarten, die Beschwerden verschwinden nicht von selbst. Jede Minute der Minderdurchblutung der Herzkranzgefäße schädigt das Herz, die Wahrscheinlichkeit für Folgeschäden steigt. Wird das verschlossene Herzkranzgefäß innerhalb der ersten zwei Stunden nach einem Infarkt wieder geöffnet, bestehen gute Chancen, die Ausdehnung des Infarkts gering zu halten.

  3. Keine körperlichen Anstrengungen: Den Betroffenen hinlegen, beruhigen, bis die Rettung kommt

  4. Bei Atem- und Herzstillstand: Sofort mit der Wiederbelebung beginnen:

  • In der Akutphase eines Herzinfarktes können gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten, es kommt zum Kammerflimmern. Wenn verfügbar, sollte ein Defibrillator gegen Kammerflimmern zum Einsatz kommen, bis die Rettung vor Ort ist.
  • Eine Mund-zu-Mund-Beatmung ist nach den aktuellen Richtlinien nicht mehr erforderlich, sondern ausschließlich eine durchgehende Herzdruckmassage und Alarmierung der Rettung.

 

In der Akutphase eines Herzinfarktes können gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten, es kommt zum Kammerflimmern. Wenn verfügbar, sollte ein Defibrillator gegen Kammerflimmern zum Einsatz kommen, bis die Rettung vor Ort ist.

Diagnose des Herzinfarkts

Mittels eines Elektrokardiogramms (EKG) werden Veränderungen festgestellt, die für einen Herzinfarkt typisch sind. Eine Störung der Funktion der Herzkammern wird mittels Herz-Ultraschall sichtbar gemacht. Beim Herzinfarkt werden auch bestimmte Enzyme (CK, Troponin) freigesetzt, die sich durch eine Blutprobe nachweisen lassen.

Therapie des Herzinfarkts

Der Notarzt bekämpft die Schmerzen mittels starker Schmerzmittel (Morphium), verabreicht Sauerstoff und diagnostiziert den Herzinfarkt im EKG. Kann innerhalb von 2 Stunden keine Herzkatheter-Untersuchung zur Wiederherstellung der Gefäßdurchblutung bewerkstelligt werden, kann die Gabe von starken Blutgerinnungshemmern (siehe Lyse-Therapie) notwendig sein.

 

Eventuell werden schon im Krankenwagen Medikamente verabreicht (siehe Lyse-Therapie), die den Gefäßverschluss wieder öffnen.

 

Es gibt 3 Möglichkeiten, die Durchblutung wieder herzustellen:

 

Mechanische Aufdehnung des Gefäßes

Im Spital sollte im Idealfall binnen 2 Stunden nach der ärztlichen Versorgung durch den Notarzt eine primäre Herzkatheterintervention (PCI, percutane coronare Intervention) erfolgen. Mit Hilfe einer Angiographie wird das geschädigte Gefäß geortet. Dann wird ein Katheter über die Punktionsstelle am Unterarm oder immer seltener über die Leiste bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben und im Anschluss die geortete Verengung mit einem Ballon gedehnt (Ballondilatation) und in weiterer Folge als dauerhafte Stütze ein Stent (Maschendrahtgeflecht) implantiert. Dieser Vorgang wird mittels Röntgen überwacht.

 

Medikamentöse Öffnung des Gefäßes

Bei der sogenannten Lyse-Therapie werden bestimmte blutgerinnungshemmende Substanzen in die Vene verabreicht, um das Blutgerinnsel im Herzkrankgefäß aufzulösen. Diese Therapie ist dann sinnvoll, wenn die voraussichtliche Transportzeit zum Herzkatheter nach Auftreten der Akutsymptome mehr als zwei Stunden überschreitet, weshalb sie mitunter bereits im Notarztwagen verabreicht wird. Bei weitgehend sicherer Diagnose des Infarktes durch den Notarzt werden bereits während des Transportes noch vor Eintreffen im Krankenhaus sogenannte Plättchenaggregationshemmer wie Aspirin verabreicht.

 

Operative Wiederherstellung der Gefäßdurchblutung

Bei einer akuten Bypass-Operation wird die verengte Stelle mit einem passendem Gefäßsegment überbrückt, das aus der Brustwand oder dem Bein entnommen wird. Diese Methode kommt zum Einsatz, wenn es nicht möglich ist, einen Stent zu setzen.

Herzinfarkt: Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Rauchen, BluthochdruckDiabetes mellitus, Störung der Blutfettwerte, Stress, Bewegungsmangel und vermehrtes Bauchfett – diese Faktoren begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose (Ablagerungen in der Gefäßwand) und damit das Risiko eines Infarkts enorm und müssen unbedingt minimiert werden.

 

Eine den gültigen Richtlinien entsprechende medikamentöse Therapie ist lebenslang notwendig ebenso wie regelmäßige Kontrollen beim Facharzt für Innere Medizin oder Kardiologie. Nur dadurch kann ein weiterer Herzinfarkt verhindert werden!

 

Nach dem Krankenhausaufenthalt werden oft folgende Medikamente verschrieben:

  • Thrombozytenfunktionshemmer: Diese Wirkstoffe verhindern das Verkleben der Blutplättchen.

  • Betarezeptorblocker – kurz Betablocker: Sie drosseln die Schlagfrequenz des Herzens und beugen eine Überlastung des Herzens vor.

  • ACE-Hemmer: Sie stützen das Herz und wirken auch gegen erhöhten Blutdruck.

  • Lipidsenker/Statine, Ezetimib, PCSK9-Inhibitoren: Sie bremsen das Fortschreiten von Arteriosklerose. Das LDL-Cholesterin sollte bei allen Herzinfarktpatienten auf Werte unter 55 mg/dl abgesenkt werden.

AUTOR


Mag. Silvia Feffer-Holik
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Carola Bachbauer, BA


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


02.11.2017 / 27.10.2021
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Anna Rab
Fachärztin für Kardiologie, Innere Medizin und Intensivmedizin Herzinsuffizienz-Spezialistin
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