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Depression

Depressive Frau liegt traurig auf der Couch
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Die Behandlung einer Depression hängt von Ursache und Form der Erkrankung ab. (Tatyana Gladskih / Fotolia)

Die psychische Erkrankung "Depression" ist mehr als nur tiefe Niedergeschlagenheit, ca. 500.000 Österreicher sollen betroffen sein.

Es gibt ältere Hypothesen, die als Hauptgründe für die Entstehung einer Depression eine Störung des Botenstoffhaushalts (Serotoninmangelhypothese) im Gehirn postulieren. Moderne Erklärungsmodelle gehen in Richtung der sog. Psycho-Neuro-Immunologie und legen Nahe, dass bei Depressionen sogenannten Mikroentzündungen eine Rolle spieleen. Losigkeitssymptome wie sich wertlos zu fühlen und der Verlust an Interessen, aber auch körperliche Symptome sind häufige Anzeichen für depressives Kranksein. Als Hauptgründe für den starken Zuwachs von Depressionen – aus großen Kohortenstudien bekannt –, dass Einsamkeit und Stadtleben die stärksten Treiber für Affekterkrankungen, zu denen Angst, Panik, Zwang und Depression gehören, sind. 

 

Vom Arzt verordnete Antidepressiva, Gesprächstherapie mit Psychotherapeuten und bei leichten Verläufen auch Johanniskraut sind das Mittel der Wahl bei der Behandlung. Depression tritt als reine Depression auf (unipolare Depression) und als Phase beim manisch-depressiven Erkrankungsbild der bipolar-affektiven Störung. Häufig gibt es Begleiterkrankungen, sog. Komorbiditäten wie Suchterkrankungen, Schlafstörungen u. v. a. m. – Dies gilt es bei einer Diagnosestellung zu beachten.

Video: Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Psyche

Univ.-Prof. Dr. Christoph Pieh (Universitätsprofessur für Psychosomatische Medizin und Gesundheitsforschung, Department für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit, Donau-Universität Krems) zeigt die Zusammenhänge zwischen COVID-19 und psychischen Erkrankungen auf. (Webinar, 30.6.2021)

Häufigkeit von Depression

Mindestens 500.000 Österreicher leiden derzeit an einer behandlungsbedürftigen Depression. Es gibt eine hohe Dunkelziffer, die Zahl der Depressionen steigt stetig an. Frauen sind oberflächlich betrachtet zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Wenn man jedoch die Charakteristika der männlichen Depression und ihre anders gearteten Symptome der erhöhten Risikobereitschaft, Selbst- und Fremdaggressivität und des vermehrten Substanzkonsums berücksichtigt, dann gleicht sich die Zahl der Depressionen zwischen den Geschlechtern fast aus. Ebenso sollte die Depression bei Adoleszenten, die Depression bei Schwangeren und jungen Müttern und die Depression des älteren Menschen besonders betrachtet werden.

Ursachen / Symptome / Verlauf von Depression

Experten sehen einen der Mitauslöser für den Anstieg von Depressionen in den Anforderungen des heutigen Lebens an den Menschen: immer schneller, immer rascher, ständig durchstarten. Allerdings gibt es nicht die eine Ursache für eine Depression, wie es auch nicht ein einheitliches Bild an Symptomen gibt. Wie eingangs erwähnt legen große sozialwissenschaftliche Studien nahe, dass Weltweit gesehen 2 Haupttreiber für Affekterkrankungen zu identifizieren sind: Soziale Exklusion (Einsamkeit) und Stadtleben.

 

Botenstoffhaushalt im Gehirn

Einer der Hauptgründe für die Entstehung einer Depression ist eine Störung des Botenstoffhaushalts im Gehirn: Serotonin und/oder Noradrenalin sind in den Gehirnkreisläufen aus der Balance geraten. Die Störung ist in vielen Fällen biologisch bedingt, wiewohl Depression keine Erbkrankheit ist. 

 

Für die sogenannte Winterdepression gilt ein Mangel an Sonnenlicht als Auslöser.

 

Psychisch belastende Situationen

Depressionen können auch durch Lebensereignisse wie Jobverlust, schwere Krankheit oder Tod eines geliebten Menschen ausgelöst werden.

 

Losigkeitssymptome

Depressionssymptome werden auch "Losigkeitssymptome" genannt: Freudlosigkeit, Lustlosigkeit, Interesselosigkeit, Sinnlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Wertlosigkeit. Schwer Depressive empfinden das Leben nicht mehr als lebenswert, fühlen unendliche Leere und tiefe Traurigkeit – 5 bis 15 % der Betroffenen nehmen sich das Leben.

 

Weitere Beschwerden

  • Schlafstörungen
  • Angstgefühle
  • Antriebsminderung
  • vermindertes Selbstwertgefühl
  • übersteigerte Schuldgefühle
  • Konzentrationsstörungen
  • innere Unruhe

 

Bei depressiven Männern kann zudem eine Tendenz zu aggressivem Verhalten, Symptome einer sogenannten "Männlichen Depression" können sein:

  • erhöhte Reizbarkeit
  • Verstimmung
  • schnelles Aufbrausen
  • vermehrte Aggression und Wutanfälle
  • Neigung zu Vorwürfen und nachtragendem Verhalten
  • erhöhte Risikobereitschaft
  • exzessives Sporttreiben
  • ausgedehnter Alkohol- und Nikotinkonsum

 

Physiologische Symptome können sein

 

Mehr lesen » Postpartale Depression

Formen der Depression

Unipolar oder bipolar, das sind die beiden großen Gruppen der Krankheit. Während bei der unipolaren Depression in Krankheitsphasen nur depressive Episoden vorkommen, sind es bei der bipolaren depressive und manische Episoden (manisch-depressiv). Sowohl bei der reinen Depression, als auch bei jener mit manischen Phasen (bipolar-affektive Störung) gibt es Phasen der Beschwerdefreiheit.

 

Mehr lesen » Depression: 13 Fragen

Diagnose der Depression

Ein ausführliches Arztgespräch – erst Hausarzt, dann Psychiater – ist immer der Grundpfeiler der Depressions-Diagnose. Eine körpermedizinische Ausschlussdiagnostik ist unerlässlich. Auch Fragebögen helfen.

Therapie der Depression

Trotz guter Therapiechancen erhalten mindestens 45 Prozent der Betroffenen keine adäquate Behandlung oder nehmen keine in Anspruch.

 

Die Therapie setzt sich aus unterschiedlichen Säulen zusammen:

  • Die wichtigste Säule jeder Depressions-Therapie ist eine Individualisierte Therapie unter Methodenintegration. Häufig medikamentöse Behandlung, mittels sogenannter Antidepressiva, die insgesamt eine gute Wirkung zeigen. Die Angst vieler Patienten vor Suchtgefahr ist dabei unbegründet. Ergänzt von einem zweiten Standbein:

  • Das zweite Standbein sind verschiedene Formen von Psychotherapie.
  • Bei leichten bis mittelschweren Depressionen kann auch konzentrierter Johanniskrautextrakt helfen.

 

Zusätzliche Möglichkeiten

Depression: Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

  • Eine Selbsthilfegruppe kann dabei helfen, manches mit anderen Augen zu sehen und wieder Sinn ins Leben zu bringen. Sporttherapie und viel Bewegung in freier Natur gelten ebenfalls als Stimmungsaufheller.
  • Wer unsicher ist, ob er an einer Depression leidet, kann einen Selbsttest machen (unter anderem bieten das österreichische Bündnis gegen Depression sowie 'Nein zur Depression' einen solchen an).
AUTOR


Claudia Richter
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Carola Bachbauer, BA


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


30.12.2016 / 14.09.2021
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. med. Marc Risch
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, sowie praktischer Arzt; Chefarzt des Clinicum Alpinum
QUELLEN
Interview mit O.Univ.Prof. Dr.h.c.mult. Dr.med. Siegfried Kasper
Patientenbroschüre: "Auswege. Ein Patienten-Leitfaden bei Depression und Angst", unter der Ägide der Österreichischen Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB), S. Kasper, C. Haring, Wien, 2011
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