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Eisenmangel und Eisenmangelanämie

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Der Körper benötig Eisen, um den roten Blutfarbstoff Hämoglobin zu bilden. (reichdernatur - Fotolia.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters BLUTARMUT ERKENNEN

Müdigkeit, Schwindel, Herzklopfen, rascher Pulsanstieg bei Belastung, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen. Das sind nur einige der vielfältigen Symptome, die Eisenmangel verursachen kann.

Der Körper braucht Eisen für die Blutbildung und für eine Reihe von Stoffwechselvorgängen, wie die Sauerstoffversorgung der Zellen. Zu Eisenmangel kommt es häufig nach starkem Blutverlust (z. B. nach Operationen, Blutspenden, Menstruation). Auch falsche Ernährung oder Krankheiten können Ursachen für Eisenmangel sein. Eisen kann der Körper selbst nicht bilden, er ist daher auf die Zufuhr durch die Nahrung angewiesen. Aus einem Eisenmangel kann sich eine Eisenmangelanämie entwickeln. Damit wird eine Erkrankung bezeichnet, die aufgrund eines andauernden Eisenmangels keine ausreichende Blutbildung ermöglicht.

Häufigkeit von Eisenmangel

Von Eisenmangelanämie sind in Mitteleuropa vor allem Frauen im gebärfähigen Alter betroffen. Fast 90% der erwachsenen Frauen nehmen täglich zu wenig Eisen zu sich. Etwa jede 5. erwachsene Frau hat eine problematische Eisenversorgung, auch Mädchen in der Pubertät können betroffen sein.

 

Im Durchschnitt betrifft die Mangelerkrankung ungefähr 10% der Bevölkerung. Bei Männern tritt ein Mangel eher im Alter auf, es können aber auch junge Männer (v. a. Sportler) betroffen sein. Weltweit haben etwa 600 Millionen Menschen eine Eisenmangelanämie.

Wie entsteht Eisenmangel?

Das im Körper vorliegende Eisen bildet u. a. den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Ist der Körper mit Eisen unterversorgt, sinkt die Hämoglobinkonzentration im Blut. Das Protein Hämoglobin ist für den Körper lebenswichtig, denn es transportiert den Sauerstoff aus den Lungen zu jeder einzelnen Körperzelle. Bekommt der Körper zu wenig Eisen zugeführt, kann kein Hämoglobin gebildet werden, die Sauerstoffversorgung ist nicht ausreichend und es kommt zu den "klassischen" Symptomen, wie MüdigkeitKopfschmerzen etc. Eisenmangel bezeichnet daher ein Missverhältnis aus Eisenbedarf und tatsächlich zugeführtem Eisen über die Nahrung.

 

Die Aufnahme (Resorption) von Eisen erfolgt im oberen Teil des Dünndarms. Dabei können jedoch maximal 20% des zugeführten Eisens auch tatsächlich aufgenommen werden. Im Dünndarm wird es mithilfe des Transporteiweiß-Stoffes "Transferrin" ins Knochenmark geleitet. Dort werden rote Blutkörperchen (Erythrozyten) gebildet, akut nicht verwertbares Eisen kann mithilfe des Eisenspeicherproteins Ferritin gespeichert werden oder wird von Fresszellen aufgenommen und ausgeschieden.

 

Von einer Eisenmangelanämie spricht man bei

  • Frauen, wenn die Hämoglobinkonzentration unter 12 g/dl liegt.

  • Männern, wenn die Hämoglobinkonzentration unter 13 g/dl im Blut sinkt.

 

Im Körper liegen 3-5 Gramm Eisen vor, bei Männern und Frauen nach der Menopause etwa nur mehr 1 Gramm. Der größte Anteil wird für die Hämoglobinbildung verwendet, etwa 500-1000 mg (Männer) und 300-400 mg (Frauen) werden gespeichert. Frauen verlieren während der Menstruation täglich etwa 1-3 mg Eisen. Bei einer durchschnittlichen Tageszufuhr kann der Körper jedoch maximal ein Fünftel aufnehmen, der Rest wird mit dem Stuhl ausgeschieden. Männer sollten täglich etwa 10 mg, Frauen 15 mg Eisen über die Nahrung zu sich nehmen.

 

In der Schwangerschaft ist der Bedarf erhöht, hier sollte die werdende Mutter auf eine Tagesdosis von 30 mg kommen. Bleibt eine Eisenmangelanämie unbehandelt, kann das zu schweren Erkrankungen führen, wie etwa zu Schleimhautveränderungen an Zunge, Rachen und Speiseröhre (Plummer-Vinson-Syndrom).

Ursachen für Eisenmangel

  • Blutverlust: chronischer Blutverlust aufgrund bestimmter Magen-Darm-Erkrankungen, Polypen, Karzinomen, Darmgeschwüren etc. Starker Blutverlust während der Menstruation, aufgrund von Operationen oder nach häufigem Blutspenden.

  • Eisenarme Ernährung: Ein Mangel ergibt sich aus einem Missverhältnis zwischen tatsächlicher Aufnahme und Eisenbedarf. Mit ausgewogener Ernährung kann der tägliche Eisenbedarf gedeckt werden. Vor allem Menschen in besonderen Stoffwechselsituationen (Schwangere, Stillende, Kinder, ältere Menschen) benötigen mehr Eisen als die übliche Tagesdosis.

 

Einen Eisenmangel weisen am häufigsten nachstehende Personengruppen auf:

  • Frauen (aufgrund von Regelblutung, Schwangerschaft und Geburt)

  • Menschen nach Operationen (Blutverlust)

  • Chronisch Kranke (vor allem Herzererkrankungen)

  • Menschen mit Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn mit chronischem Blutverlust)

  • Hochleistungssportler (vor allem Frauen)

  • Betroffene mit rheumatoiden Erkrankungen, Krebs- oder Nierenerkrankungen

  • Blutspender (bei einer Blutspende verliert der Körper zirka 250 mg Eisen)

  • Ältere Menschen

  • Vegetarier und Veganer (die aufgrund des Fleischverzichts weniger Eisen zu sich nehmen)

  • Kinder im Wachstum

  • Babys, die nicht gestillt werden (Muttermilch ist eine Eisenquelle)

Verlauf und Symptome von Eisenmangel

Ein Eisenmangel kann sich schleichend bemerkbar machen. Symptome wie Kopfschmerzen und Energielosigkeit können mitunter über Jahre auftreten, ohne dass die Betroffenen an einen Eisenmangel denken. Doch durch den oft jahrelang nicht bemerkten Eisenmangel kommt es zu Blutarmut und zu einem Mangel an roten Blutkörperchen. Die Körperzellen werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen bzw. eine Eisenmangelanämie sind die Folgen.

Diagnose von Eisenmangel

Eine Eisenmangelanämie lässt sich durch eine Laboruntersuchung des Blutes feststellen. Zur umfassenden Diagnose wird nicht nur der Eisenanteil herangezogen, sondern nachstehende wichtige Parameter:

  • Ferritin (Eisenspeicherprotein): muss mind. 30 μg/l betragen. Ferritin ist ein wichtiger Marker, der einen Eisenmangel bereits in einem leichten Stadium zeigt. Der Wert kann jedoch "verfälscht" werden, wenn z. B. eine Entzündung oder eine Lebererkrankung vorliegt

  • Transferrinsättigung (Transferrin = Eisentransportprotein) mind. 15%: Der Anteil der mit Eisen gesättigten Transferrinmoleküle im Plasma beträgt üblicherweise 16-45%. Liegt dieser Wert unter 15% bildet der Körper aufgrund von Eisenmangel zu wenig rote Blutkörperchen. Für manche Patientengruppen wie z. B. Herzpatienten, teilweise auch gynäkologische Patientinnen, liegt der untere Sättigungswert bei 20%. 
    Liegen Entzündungen vor, kann dieser Wert stark absinken und lässt nicht definitiv auf einen Eisenmangel schließen.

  • Hämoglobinkonzentration im Blut: bei Frauen mind. 12 mg/dl, bei Männern mind. 13 mg/dl.

 

Ziel ist es nun, die Ursache des Eisenmangels zu finden. Dazu führt der Arzt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten (Anamnese), z. B. ob er eine Operation hinter sich hat, Blutspender ist, ob möglicherweise falsche Ernährung die Ursache des Eisenmangels ist, ob Infektionen vorliegen oder starke Menstruationsblutungen auftreten. Der Arzt muss sicher gehen können, dass kein chronischer Blutverlust vorliegt (z. B. durch Blut im Stuhl, Hämorrhoiden, Darmerkrankungen). Besteht Verdacht, dass die Ursache des Eisenmangels ein schleichender Blutverlust aufgrund einer Magen- oder Darmerkrankung ist, sollte eine Gastroskopie (Magenuntersuchung) oder eine Koloskopie (Darmuntersuchung) durchgeführt werden.

Therapie von Eisenmangel

Bleibt Eisenmangel unbehandelt, kann sich daraus eine Eisenmangelanämie entwickeln. Um diese zu behandeln, gibt es drei Therapieoptionen:

  • Bewusste Ernährung

  • Gabe von Eisenpräparaten

  • Eiseninfusionen

 

Bewusste Ernährung

Um die Eisenspeicher zu füllen, ist auf eine ausreichende Versorgung mit Eisen zu achten. Um nach Erkrankungen, Operationen oder starkem Blutverlust die Eisenreserven wieder zu füllen, bedarf es einer langfristigen, bewussten Ernährung, die gegebenenfalls mit der Gabe von Eisentabletten unterstützt werden kann. Gute Eisenlieferanten sind Fleisch, Fisch, Vollkornprodukte, Eier und Gemüse (Spinat). Auch grüne frische Gewürze (Thymian, Petersilie, Majoran) enthalten reichlich Eisen. Liegt ein ausgeprägter Eisenmangel vor, lässt sich dieser allein mit eisenhältigen Lebensmitteln nicht beheben.

 

Gabe von Eisenpräparaten

Es steht eine Reihe von unterschiedlichen Präparaten zur Auswahl, die je nach dem Schweregrad des Eisenmangels dosiert werden. Die Einnahme kann problematisch sein, da sie bei manchen Betroffenen zu Nebenwirkungen führt. So etwa können Übelkeit, VerstopfungDurchfall oder Bauchschmerzen auftreten. Zu beachten ist dabei jedoch, dass Eisenpräparate auf nüchternen Magen eingenommen werden sollten. In Kombination mit einer Mahlzeit kann die Resorption geringer ausfallen. Auch bei Entzündungen sollten keine oralen Eisenpräparate verabreicht werden, da die Aufnahme in diesem Fall erschwert ist.

 

Eiseninfusionen

Mit der Eiseninfusion ist eine Möglichkeit gegeben, die Eisenreserven wieder rasch herzustellen. Die Infusion wird über die Vene verabreicht. Dadurch schließt man auch mögliche Nebenwirkungen aus, die bei einer oralen Gabe auftreten können. Diese Form der Eisensubstitution ist vor allem für Betroffene geeignet, die orale Eisenpräparate nicht vertragen, oder für die eine Versorgung durch orale Präparate nicht ausreicht. Mit neuen Infusionen können etwa 1000 mg Eisen pro Infusion verabreicht werden. Diese Behandlung ist vor allem für Menschen, die bereits an einer Eisenmangelanämie erkrankt sind, eine gute Wahl.

Was Sie selbst bei Eisenmangel tun können

Wenn Sie auf ausgewogene, bewusste Ernährung achten, decken Sie Ihren Eisenbedarf üblicherweise mit frischen Lebensmitteln. Günstig ist es, die Aufnahme von Eisen mit verschiedenen Lebensmitteln zu fördern. Sie können beispielsweise einen Vitamin-C-reichen Obstsaft zur Mahlzeit trinken oder Zitrusfrüchte als Dessert essen. Verzichten Sie auf Kaffee, Tee oder Rotwein zum Essen, die darin enthaltenen Tannine hemmen die Eisenaufnahme.

AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


23.11.2017
MEDIZINISCHER EXPERTE
OA Dr. Susanne Simon-Ecker
FA für Innere Medizin im Ordinationszentrum Confraternität
LETZTES REVIEW
QUELLEN
C. Gasche, I. Weiss: Ernährung bei Eisenmangel, Maudrich, Wien /München, 2013
H. Schrezenmeier: Eisenmangelanämie, Thieme, Stuttgart, 2011
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