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Sport bei Tumorerkrankungen

Mann wandert in der Natur
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Walking, Wandern oder Schwimmen sind bei Krebs besonders geeignet, um die Ausdauer zu trainieren. (Pixabay.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters BRUSTKREBS

Eine Krebserkrankung und sportliche Betätigung schließen einander nicht aus - ganz im Gegenteil: Krebspatienten profitieren von einem gezielten Bewegungsprogramm.

Eine Reihe medizinisch-wissenschaftlicher Studien belegt die günstigen Effekte eines moderaten Trainings für Krebspatienten: Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt zu und Erschöpfungszustände oder depressive Verstimmungen gehen zurück. Krebspatienten, die sich regelmäßig bewegen, schlafen auch besser und unterstützen ihr Immunsystem. Nur in wenigen Situationen, wie z.B. bei fieberhaften Infekten, sollten anstrengende Tätigkeiten vermieden werden. Idealerweise lassen sich Krebspatienten vor dem Trainingsbeginn immer von ihrem behandelnden Arzt beraten.

Tumorerkrankungen - positive Auswirkungen von Sport

Die günstigen Auswirkungen sportlicher Betätigung reichen von einem Plus an Beweglichkeit und Befindlichkeit bis hin zur Stärkung von Immunsystem, Stimmung und Selbstvertrauen. Krebs-Spezialisten wie der Wiener Onkologe Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig raten ihren Patienten daher unbedingt zu körperlicher Aktivität, denn wissenschaftliche Daten belegen den Nutzen auch im Hinblick auf die sinnvolle Unterstützung der Krebsbehandlung. "Patienten, die intensiven Chemotherapien unterzogen werden, bewältigen diese besser, wenn sie die Behandlung körperlich gut trainiert beginnen. Auch unter laufender Tumorbehandlung sollten Patienten nach Möglichkeit körperlich aktiv bleiben. Damit reduzieren sie die Nebenwirkungen der Chemotherapie, den Antibiotika-Verbrauch, ebenso die Länge des Spitalsaufenthaltes, und sie verbessern ihr Wohlbefinden", betont Ludwig. In klinischen Studien wird derzeit beforscht, ob sich auch die Rückfallrate senken lässt - für Brust- und Darmkrebs gibt es bereits Hinweise auf bessere Heilungsraten durch ein Ausdauertraining.

Richtig trainieren bei Tumorerkrankungen

Idealerweise erstellt der behandelnde Arzt ein individuelles Trainingsrezept, wobei eine Kombination von Ausdauer- und Krafttraining anzustreben ist. Die Ausdauer trainieren lässt sich z.B. durch Walking, Wandern oder Schwimmen bzw. auf dem Fahrrad-Ergometer. Empfohlen wird, 3mal wöchentlich zu trainieren, jeweils für 20 bis 45 Minuten mit höchstens 70 % der eigenen maximalen Leistungsfähigkeit.

 

Krafttraining

Krebspatienten sollten sich auch nicht scheuen, für das Krafttraining Hanteln zu verwenden oder in ein Fitnessstudio mit professioneller Beratung zu gehen: Hier wird die Trainingsintensität nach der momentanen Leistungsfähigkeit ermittelt. Ein individuell erstellter Trainingsplan fördert zudem die Motivation, denn für alle Sporteinsteiger gilt: Wer die eigenen Fortschritte sichtbar macht - z.B. durch ein Trainingstagebuch - bleibt längerfristig motiviert zum Training.

 

Der Trainingseinstieg

Der Zeitpunkt des Einstiegs sowie Art und Umfang des Trainings richten sich nach der Erkrankung und dem jeweiligen Allgemeinzustand. Es ist aber durchaus möglich, schon während einer Chemotherapie mit einem Bewegungsprogramm - etwa auf einem Bett-Fahrrad oder einem Fahrradergometer - zu beginnen. Nach Operationen hängt es von der Wundheilung ab, wann mit dem Training begonnen werden kann. Idealerweise geht die Physiotherapie bzw. medizinische Trainingstherapie im Rahmen der Rehabilitation nahtlos in das Trainingsprogramm über. Besonders schätzen Patienten hierbei die individuelle Beratung durch ihren Arzt bzw. Therapeuten.

 

Die richtige Ausrüstung

Für sportelnde Krebspatienten gelten dieselben Regeln wie für alle Hobby- und Leistungssportler: Tragen Sie beim Training im Freien funktionale, dem Wetter angepasste Kleidung (Kopf und Hände vor Wind und Wetter schützen!) und Schuhwerk mit rutschfester Sohle! Auch das richtige Umfeld gehört dazu: Mitunter erhöht der Kontakt in der Gruppe die günstigen Auswirkungen auf die Psyche wie Angstabbau und gesteigertes Selbstvertrauen zusätzlich.

Tumorerkrankungen - mögliche Risiken des Trainings

Die möglichen Risiken des Trainings für Krebspatienten werden heute als äußerst gering angesehen: Sogar Patienten mit schweren Begleiterkrankungen können von einer medizinischen Trainingstherapie profitieren. Bei verminderter Immunfunktion sollte allerdings der Besuch eines Schwimmbades auf Grund des Infektionsrisikos vermieden werden. Auch bei fieberhaften Infektionen, schwerer Anämie oder erhöhter Blutungsneigung sollten anstrengende körperliche Tätigkeiten vermieden werden. Eine individuelle ärztliche Beratung verschafft Sicherheit jeweils über Art und Ausmaß des individuell besten Trainings.

Verletzungsrisiko

Im Rahmen einer Krebserkrankung bzw. –behandlung auftretende erniedrigte Werte der Blutplättchen (Thrombozyten) können ein erhöhtes Blutungsrisiko nach Verletzungen bedeuten. Zudem empfiehlt die Österreichische Krebshilfe, nach Operationen Sportarten mit schnellen Bewegungen oder Schlägen (z.B. Tennis) eher zu vermeiden. Die richtige, auf Erkrankung und Person abgestimmte Ernährung hilft jedenfalls, körperliche Schwäche zu überwinden und damit das Verletzungsrisiko zu minimieren.

AUTOR


Mag. Christina Lechner
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Sylvia Neubauer


ERSTELLUNGSDATUM


02.02.2017
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.Prof. Dr. Karl-Heinz Wagner
Stv. Leiter des Departments für Ernährungswissenschaften der Universität Wien
QUELLEN
L. Bourke et al.: Interventions for promoting habitual exercise in people living with and beyond cancer, In: Cochrane Database Syst Rev. 2013
EJ Philip et al.: Physical activity preferences of early-stage lung cancer survivors, In: Support Care Cancer, 2013
R. Crevenna: Medizinische Trainingstherapie für Krebspatienten. In: Bewegung und Krebs. Krebs:hilfe! Nr. 6/2012
J. Thaler: Ein Überblick: Was ist gesichert? In: Bewegung und Krebs. Krebs:hilfe! Nr. 6/2012
Interview mit Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig
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