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Alzheimer

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Mehr als 100.000 Österreicher sind an Morbus Alzheimer erkrankt. (bilderstoeckchen - Fotolia.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters DEMENZ

Alzheimer ist eine Form von Demenz, die mit 80 % aller Demenzerkrankungen am häufigsten auftritt. Durch eine aktive Teilnahme am Leben kann der gefürchteten Geisteskrankheit Alzheimer bis zu einem gewissen Grad vorgebeugt werden.

Validation, eine spezielle Kommunikations- und Umgangsform mit Alzheimer-Patienten, ist eine weitere Möglichkeit, in frühen Phasen das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhöhen. Einen Alzheimer-Test gibt es nicht, der Mini-Mental-Status- und Uhrentest können aber aussagen, ob eine Demenz wahrscheinlich ist.

Häufigkeit von Alzheimer

An Morbus Alzheimer leiden heute mehr als 100.000 Österreicher, im Jahr 2050 sollen es weit mehr als doppelt bis knapp dreimal so viele sein, weltweit rechnet man dann mit mehr als 120 Millionen Alzheimer-Patienten. Die große Zunahme hat auch mit der immer älter werdenden Gesellschaft zu tun: Von den 60-Jährigen leidet jeder Hundertste an Alzheimer, von den 90-Jährigen bereits jeder Dritte. Neben dem Alter ist auch das Geschlecht ein Risikofaktor: Frauen erkranken doppelt so häufig.

Ursache, Symptome, Verlauf von Alzheimer

Zu den Ursachen gehören Proteine und Plaques, die sich im Gehirn bilden und dort die Nervenzellen schädigen, Nervenzellen sterben nach und nach ab. Wie diese Proteine und Plaques entstehen, ist noch nicht restlos geklärt. Zu den Veränderungen im Gehirn kommt es übrigens bereits rund 20 Jahre vor dem Auftreten erster Anzeichen.

Alzheimer-Verlauf

Alzheimer schreitet langsam fort - man spricht von einer leichten, mittelschweren und schweren Form. Der Betroffene verliert nach und nach Kurzzeitgedächtnis, Orientierung, Sprache, Erinnerung.

 

Leicht

Am Anfang werden die Sätze etwas kürzer, fällt einem das eine oder andere Wort nicht ein, ist es "nur" der Schlüssel, den man nicht mehr findet. Die Fähigkeit, sich an weit zurückliegende Dinge zu erinnern, ist oft noch nicht beeinträchtigt.

 

Mittelschwer

Bei der mittelschweren Form werden die Betroffenen unruhig, finden sich in ihrer gewohnten Umgebung nicht mehr oder nur noch schwer zurecht, alltägliche Tätigkeiten - wie Waschen oder Essen - fallen schon schwer.

 

Schwere Form

Zum Schluss weiß der Betroffene nicht mehr, welcher Tag heute ist, die Orientierung fehlt völlig, der Kranke kennt die eigene Tochter, den Partner nicht mehr. Auch die Persönlichkeit geht allmählich verloren, das Sozialverhalten ändert sich - bis nichts mehr von dem Menschen bleibt, der er einmal war.

Sieben Alzheimer-Warnzeichen

Laut amerikanischem National Institute on Aging können folgende 7 Warnzeichen auf eine Alzheimer-Erkrankung hinweisen:

  1. Der Erkrankte wiederholt immer wieder die gleiche Frage.
  2. Der Erkrankte erzählt immer wieder die gleiche kurze Geschichte.
  3. Der Erkrankte weiß nicht mehr, wie bestimmte alltägliche Verrichtungen wie Kochen, Kartenspiel, Handhabung der TV-Fernbedienung funktionieren.
  4. Der Erkrankte hat den sicheren Umgang mit Geld, Überweisungen, Rechnungen und Ähnlichem verloren.
  5. Der Erkrankte findet viele Gegenstände nicht mehr oder er legt sie an ungewöhnliche Plätze (unabsichtliches Verstecken) und verdächtigt andere Personen, den vermissten Gegenstand weggenommen zu haben.
  6. Der Erkrankte vernachlässigt anhaltend sein Äußeres, bestreitet dies aber.
  7. Der Erkrankte antwortet auf Fragen, indem er die ihm gestellte Frage wiederholt.

Diagnose von Alzheimer

Für die Diagnose ist der Facharzt für Neurologie oder Psychiatrie zuständig. Er wird unter anderem einen Uhrentest und einen Gedächtnistest (Alzheimer-Test, Mini-Mental-Status-Examination = MMSE) vornehmen, der 9 Aufgabenbereiche umfasst. Überprüft werden: Merk- und Erinnerungsfähigkeit, zeitliche und räumliche Orientierungsfähigkeit, Sprechen und Sprachverständnis, Lesen, Schreiben, Zeichnen, Rechnen. Für jede richtig erfüllte Aufgabe gibt es einen Punkt von insgesamt 30. 20 bis 26 Punkte bedeuten leichte Demenz, 11 bis 19 mittelschwere, 0 bis 10 schwere Demenz und 27 bis 30 ist normal. Dieser Test alleine ist aber zu wenig, um eine Demenz zu beweisen. Zusätzlich helfen Blutuntersuchung, eine spezielle Form der Magnetresonanztomographie und eine Untersuchung des Liquor (Hirnflüssigkeit) auf alzheimertypische Veränderungen bei der Diagnose, die so mit hoher Zuverlässigkeit gestellt werden kann. 100-prozentig aber kann die Krankheit erst nach dem Tod durch eine histologische Untersuchung des Gehirns gesichert werden.

 

Verwechslungsgefahr mit Altersdepression

Allerdings: Nicht jedes Vergessen muss gleich Alzheimer sein. Mitunter steckt eine Depression dahinter. Ein wichtiger Unterschied zwischen Depression und Alzheimer ist die Orientierungsfähigkeit. Depressive können in der Regel Datum, Uhrzeit und Ort richtig angeben, Alzheimer-Patienten sind dazu häufig nicht mehr in der Lage.
Die Österreichische Ärztekammer hat im Rahmen ihrer Kampagne "Leben mit Vergessen" die Checkliste "Vergesslich oder dement" aufgelegt, mittels welcher Angehörige herausfinden können, ob der Betroffene gefährdet ist.

Therapie von Alzheimer

Medikamentös (Tabletten, Pflaster) kann man die Krankheit im besten Fall ein wenig hinauszögern, aber nicht stoppen und schon gar nicht heilen. Experten sind sich sicher: Arzneien sind umso effektiver je früher sie eingesetzt werden.

 

Alzheimer-Impfung

Eine Alzheimer-Impfung ist noch in Entwicklung. Komplementär dazu können Ginkgo biloba und Vitamin E helfen.

 

Förderung des sozialen Umfelds

Angehörige können mit aktivierender Pflege noch vorhandene Fähigkeiten und damit Selbstständigkeit und ein positives Selbstwertgefühl fördern. Dabei unterstützen auch Gedächtnistraining sowie Physio- und Bewegungstherapie, Musik- und Psychotherapie, kognitives Training. Auch der Besuch einer Memory-Klinik (Liste unter anderem bei der Initiative Leben mit Vergessen) ist sehr empfehlenswert.

 

Validation

Sehr hilfreich für Angehörige und Alzheimerkranke ist auch die Validation, eine einfühlsame, spezielle Kommunikations- und Umgangsform, die man in Kursen erlernen kann (unter anderem beim Roten Kreuz). Validation basiert auf einer wertschätzenden Geisteshaltung dem Alzheimer-Kranken gegenüber: Der Betreuer versetzt sich in die Welt des Kranken, verurteilt nicht, bessert nicht aus, sondern akzeptiert das Verhalten des Patienten als zugehörig zu seiner Welt. Naomi Feil, die Begründerin der Validation, betont immer wieder, dass hinter jedem Verhalten eines desorientierten Menschen, mag es noch so verrückt oder absurd wirken, ein Grund steckt. Validation ist auch imstande, Ängste und Unruhegefühle des Patienten zu lindern.

Fragen an den Arzt

  • Wie soll ich mich verhalten, wenn ich bei einem Angehörigen Anzeichen für Alzheimer bemerke?
  • Welche Form der Therapie ist die passende für meinen Angehörigen?
  • Gibt es neue Medikamente oder Ansätze in der Behandlung?
  • In welchem Stadium der Erkrankung befindet sich mein Angehöriger?
  • Wie wahrscheinlich sind "wache Phasen"?
AUTOR


Claudia Richter
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


10.08.2017
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ-Prof. Prim. Dr. Peter Kapeller
Neurologie – Abteilungsvorstand an der Abteilung für Neurologie, LKH Villach
LETZTES REVIEW
QUELLEN
Validation: Ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen, N. Feil, V. de Klerk-Rubin, Ernst Reinhardt Verlag, 10. Auflage, München, 2013
Interview mit Prof. Dr. Peter Kapeller
Österreichische Alzheimergesellschaft, Alzheimer Selbsthilfe, Demenz-Hilfe
Pressekonferenz „Hoffnung für Alzheimerpatienten und ihre pflegenden Angehörigen“
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