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Diabetes bei Kindern

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Kinder und Jugendliche mit Diabetes müssen regelmäßig Blutzucker messen. (Andrey Popov - Fotolia.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters DIABETES

Die überwiegende Anzahl (95 %) der "zuckerkranken" Kinder erkrankt am angeborenen Diabetes mellitus Typ 1, die erworbene Form, Typ-2-Diabetes, tritt bei Kindern und Jugendlichen nur sehr selten auf.

Insgesamt sind in Österreich zirka 3.000 Kinder unter 15 Jahren von Diabetes betroffen, sehr oft Jugendliche in der Pubertät. Die ersten Anzeichen sind Durstgefühl, häufiges Urinieren, Abgeschlagenheit, Müdigkeit sowie Leistungs- und Konzentrationsschwäche sowie Heißhungerattacken.

 

Wird die Krankheit nicht rechtzeitig diagnostiziert, besteht die Gefahr einer Ketoazidose, einer schweren Stoffwechselentgleisung, aus der sich ohne schnelle medizinische Hilfe ein lebensgefährliches diabetisches Koma entwickeln kann. Bei Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr erzeugt; das fehlende Insulin muss zeitlebens medikamentös ersetzt werden.

Diabetes bei Kindern: Häufigkeit

In Österreich sind zirka 2.500 bis 3.000 Kinder und Jugendliche (bis 15 Jahre) an Diabetes erkrankt. 95 % davon sind Typ-1-Diabetiker, weshalb diese Form auch als juveniler Diabetes bezeichnet wird; im Gegensatz dazu wird Typ-2-Diabetes oft fälschlicherweise "Altersdiabetes" genannt.

 

Hierzulande erkranken pro Jahr rund 300 Kinder an Diabetes, wobei Buben etwas häufiger als Mädchen betroffen sind. Während die Zahl der Diabetes-Typ-2-Neuerkrankungen konstant niedrig bleibt, ist es in den vergangenen Jahren zu einem starken Anstieg der jugendlichen Typ-1-Diabetiker gekommen. Am häufigsten erkranken Kinder an der Schwelle zur Pubertät, ein weiterer Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr.

Diabetes Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen

Da Typ-2-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen in Österreich (und in Europa) viel seltener auftritt, soll hier nur kurz darauf eingegangen werden. Prinzipiell steigt auch die Zahl der unter 15-Jährigen an, die an Typ-2-Diabetes leiden, allerdings nur sehr leicht, weil die Zahl der extrem stark übergewichtigen Kinder und Jugendlichen hierzulande ebenfalls (noch) nicht so sehr zunimmt – starkes Übergewicht ist die Hauptursache für Diabetes Typ 2. Wie Diabetes Typ 1 zeigt sich auch Typ 2 zunächst in vermehrtem Durst, vermehrtem Harndrang und Müdigkeit, doch ist Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen gut heilbar, indem Übergewicht durch mehr Bewegung und eine Ernährungsumstellung abgebaut wird. Wenn das gelingt, verschwindet die Krankheit oft von selbst. Wenn nicht, ist eine Therapie mit oralen Antidiabetika angezeigt.

So entsteht Typ-1-Diabetes bei Kindern

Diabetes mellitus Typ 1 ist eine chronische Erkrankung des Stoffwechsels und zählt zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Das körpereigene Immunsystem greift die insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse an, die dabei entstehende Entzündungsreaktion (Insulitis) führt im Laufe der Zeit zu einer Zerstörung der Beta-Zellen, sodass immer weniger Insulin gebildet wird. Dadurch wird der Traubenzucker (Glucose) im Blut immer schlechter den Körperzellen zugeführt - die ihn als Energielieferant benötigen - und verbleibt im Blut.

 

Der Grund für diese Reaktion des Immunsystems ist nicht bekannt, klar ist nur, dass die Genetik offenbar eine wichtige Rolle spielt: Kinder eines Elternteils mit Typ-1-Diabetes haben ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko. Haben beide Eltern Typ-1-Diabetes, dann liegt die Wahrscheinlichkeit der Kinder, einen Diabetes zu entwickeln, bei 25 %.

 

Das vermehrte Auftreten von Diabetes Typ 1 bei Jugendlichen spricht dafür, dass noch andere Ursachen wie Übergewicht, das höhere Alter in welchem Frauen Kinder gebären oder übertriebene Hygiene in Frage kommen.

Diabetes bei Kindern: Symptome

Die ersten Anzeichen, dass Ihr Kind an Diabetes erkrankt sein könnte, sind starkes Durstgefühl und vermehrtes Trinken, häufiges Urinieren, Gewichtsabnahme, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Leistungs- und Konzentrationsschwäche und Heißhungerattacken. Bei Kleinkindern kommt es vor, dass sie in der Nacht wieder einnässen und oft über Kopf- oder Bauchschmerzen klagen.

 

Gefährlich wird es, wenn diese Symptome nicht sehr ausgeprägt sind (was vorkommen kann) und die Krankheit daher nicht rechtzeitig diagnostiziert wird. Dann besteht die Gefahr einer Ketoazidose, einer schweren Stoffwechselentgleisung, aus der sich ohne schnelle medizinische Hilfe ein lebensgefährliches diabetisches Koma - ein Zustand der Bewusstlosigkeit - entwickeln kann. Die Anzeichen sind Übelkeit, Erbrechen, Schwäche, Azetongeruch (riecht ähnlich wie Nagellackentferner) in der Atemluft, angestrengte Atmung und Müdigkeit.

Diabetes bei Kindern: Gefahr der Hypoglykämie

Hypoglykämie oder Unterzuckerung ist die häufigste Komplikation, die bei einem Typ-1-Diabetiker auftreten kann. Der Zuckermangel entsteht, wenn eine zu hohe Dosis Insulin gespritzt wurde, was vor allem bei körperlicher Betätigung wie Sport vorkommen kann  - wenn dem Körper nicht ausreichend Kohlenhydrate zugeführt wurden. Der niedrige Blutzuckerspiegel führt zu Symptomen wie Schwitzen, Zittern, Heißhungerattacken oder Krämpfen. Treten diese auf, sollte das Kind sofort zuckerhaltige Speisen oder Getränke (am besten Traubenzucker, auch Fruchtsäfte sind geeignet) zu sich nehmen, ansonsten droht Bewusstlosigkeit und Lebensgefahr.

Diagnose von Diabetes bei Kindern

Bei Verdacht wird vom Arzt die Zuckerkonzentration im Urin gemessen. Beträgt diese über 180 mg/dl ist dies ein massiver Hinweis auf Diabetes. Dann sollte das Kind sofort an ein spezialisiertes Diabetes-Zentrum überwiesen werden.

 

Die genaue Diagnose wird im Labor gestellt. Die Kriterien sind für Kinder und Erwachsenen gleich; es gilt, dass an mindestens 2 verschiedenen Tagen folgende Blutzuckerwerte gemessen werden:

  • Nüchtern-Blutzucker aus venösem Blut ≥126 mg/dl und/oder
  • Blutzucker ≥200 mg/dl 2 Stunden nach dem Essen
  • HbA1c-Wert über 6,5 %

 

Sollte es nicht klar sein, ob das Kind an Typ-1- oder Typ-2-Diabetes leidet, kann auch das sogenannte C-Peptid gemessen werden - ein Teil des Hormonvorläufers Proinsulin –, das in gleichem Maße wie Insulin von der Bauchspeicheldrüse abgegeben wird. Bei Typ-1-Kindern ist es fast nicht vorhanden, bei Typ-2-Kindern ist der C-Peptid-Wert durch die Überproduktion von Insulin erhöht.

Therapie von Diabetes bei Kindern

Die Erstbehandlung, nachdem ein Typ-1-Diabetes bei einem Kind/Jugendlichen festgestellt wurde, sollte stationär erfolgen - zum einen wegen der notwendigen Stoffwechseleinstellung, zum anderen damit die Patienten und ihre Eltern eine ausführliche Schulung zum Umgang mit der Erkrankung erhalten können. Die meisten Zentren können diese Leistung nur stationär anbieten. Nach diesen Kriterien richtet sich auch die Dauer des Klinikaufenthaltes.

 

In weiterer Folge ist eine lebenslange Insulinsubstitution notwendig, wobei es verschiedene Formen der Insulintherapie gibt. Zur Verfügung stehen eine konventionelle Insulintherapie (2-3x tgl. Insulingaben, sowie fixe Zeiten und Mengen von Kohlenhydraten), eine flexiblere Basis-Bolus-Therapie (= funktionelle Insulintherapie), sowie eine Insulinpumpentherapie.

 

Dabei wird die Behandlung von Experten gemeinsam mit der Familie auf die spezifischen Erfordernisse, Lebensumstände, die individuellen Bedürfnisse und das Alter des Kindes/Jugendlichen abgestimmt.

Diabetes bei Kindern: Tipps für Eltern

Das Wichtigste, was Sie als Eltern für Ihr Kind tun können, ist, sich genau an die Maßnahmen zu halten, die Ihnen im Zuge der Schulung in einem Diabetes-Zentrum vermittelt wurden. Besprechen Sie daher Ihre Fragen oder Probleme immer mit dem behandelnden Team. Das betrifft die Blutzuckermessung, die Sie durchführen müssen, wenn Ihr Kind noch nicht alt genug ist, um dies selbst zu erledigen, das Erkennen der Anzeichen für eine Hypoglykämie oder das Bereithalten von zuckerhaltigen Getränken oder Speisen (Traubenzucker oder Saft, ev. Obst- oder Müsliriegel), für den Fall, dass der Blutzuckergehalt Ihres Kindes absinkt.

 

Führen Sie Ihr Kind zur Selbstständigkeit, damit es notwendige Maßnahmen wie Messen (und Protokollieren im Diabetes-Pass) des Blutzuckergehaltes und Insulinspritzen bald eigenständig durchführen kann.

 

Befolgen Sie die Anweisungen der medizinischen Experten sehr genau und gewissenhaft - aber "packen Sie Ihr Kind nicht in Watte". Achten Sie darauf, dass es ein möglichst "normales" Leben führt und nicht zum Außenseiter unter Gleichaltrigen wird.

 

Abgesehen davon ist die Informationsweitergabe ein ganz wichtiges Kriterium: Informieren Sie diejenigen Personen, die Ihr Kind betreuen und beaufsichtigen - Kindergärtnerinnen, Lehrer, Tagesmütter etc. - über die Krankheit Ihres Kindes. Ebenso sollten private Freunde und Bekannte mit der Erkrankung zumindest soweit vertraut sein, dass sie im Ernstfall (vor allem bei Hypoglykämie) die richtigen Maßnahmen ergreifen können.

AUTOR


Mag. Ingo Schlager
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


01.08.2016 / 06.08.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.Prof. Dr. Birgit Rami-Merhar MBA
Leiterin der Diabetesambulanz der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen Universität Wien
LETZTES REVIEW
QUELLEN
Österreichische Diabetes Gesellschaft "Weltgesundheitstag 2016 - Diabetes im Fokus der WHO", April 2016
Diabetes bei Kindern und Jugendlichen: Grundlagen - Klinik - Therapie, T. Danne et al., 7. Auflage, Berlin, 2014
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