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Diabetes-Vorstufe

Fettiges Essen erhöht das Diabetes-Risiko
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Darf´s ein bisschen weniger sein? Üppiges Essen und wenig Bewegung erhöhen das Diabetes-Risiko (Creativa Images - Shutterstock.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters DIABETES

Prädiabetes ist eine Vorstufe von Diabetes (Diabetes mellitus), die sich bei 5 bis 10 % aller Betroffenen zu einem Typ-2-Diabetes entwickelt. Prädiabetes verursacht zunächst keine Symptome.

Die Blutzuckerwerte liegen bei der Diabetes-Vorstufe zwar noch unter dem kritischen Diagnosewert, doch bereits über dem Normalwert. Der ständig erhöhte Blutzuckerspiegel kann mitunter bereits organische Veränderungen mit sich bringen, wie erektile Dysfunktion, Nerven- oder Nierenschädigung, beginnende Sehschwäche oder ein erhöhtes Risiko, eine Herzerkrankung wie Herzinfarkt zu entwickeln. Eine Veränderung der Lebensführung, vor allem gesunde Ernährung und Bewegung können langfristig verhindern, dass aus einem Prädiabetes ein Typ-2-Diabetes entsteht.

Diabetes-Vorstufe: Häufigkeit

In Österreich sind etwa 574.000 Menschen von einer Prädiabetes bzw. einer Glucoseintoleranz betroffen, das entspricht einem Anteil von 9 % an der Gesamtbevölkerung. In ganz Europa liegt dieser Anteil ebenfalls bei 9 %.

Diabetes-Vorstufe: Ursachen und Verlauf

Im Zuge eines Typ-2-Diabetes ist die Insulinfreisetzung und Wirkung gestört. Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Seine Aufgabe ist es, zugeführten Zucker in die Körperzellen zu transportieren. Reagieren die Körperzellen weniger sensibel auf das Hormon, man spricht von einer Insulinresistenz. In der Folge verbleibt der Zucker vermehrt im Blut und wird nicht weiter transportiert, ein erhöhter Blutzuckerspiegel ist nun messbar. Als Antwort darauf produziert die Bauchspeicheldrüse zunächst mehr Insulin (Hyperinsulinämie).

Diabetes-Vorstufen-Stadien

  • Stadium I: Einsetzende Insulinresistenz, die dauerhaft besteht und nur durch Reduktion des Bauchumfanges und Training markant bleibt. Sie kann durch Medikamente ein wenig verringert werden kann. Zusätzlich besteht eine Hyperinsulinämie.
  • Stadium II: Die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse können die Insulinresistenz nicht mehr ausreichend ausgleichen, vor allem nach den Mahlzeiten entsteht ein (passagerer) relativer Insulinmangel.
  • Stadium III: Die Beta-Zellen gleichen die Insulinresistenz nicht aus, der Blutzuckerspiegel steigt und bleibt erhöht.

 

Von einem Prädiabetes sprechen Ärzte, wenn der Blutzuckerwert unter dem Diabetes-Schwellenwert, aber bereits über dem Normalwert liegt und wenn der Körper auf eine genormten Zufuhr von Zucker automatisch mit einer krankhaften Steigerung der Blutzuckerwerte reagiert ( gestörte Glucosetoleranz).

 

Um eine Diabetes-Vorstufe (Prädiabetes) handelt es sich - in Zahlen und Werten ausgedrückt -, wenn

  • der Nüchtern-Glucosewert (IFG, Impaired Fasting Glucose) zwischen 100 und 125 mg/dl liegt (oder 5,6 bis 6,9 mmol/l).
  • eine gestörte Glucosetoleranz (IGT, Impaired Glucose Tolerance) vorhanden ist: Die Glukosewerte sind 2 Std. nach Belastung höher als 140 mg/dl, aber niedriger als 200mg/dl.

 

Bei Prädiabetikern liegen häufig bereits eine Insulinresistenz und eine Störung der Beta-Zellenfunktion vor, beide Parameter sind für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes verantwortlich. Weiters erhöhen sich die Risiken für Bluthochdruck, Entzündungsvorgänge und Herzkreislauf-Erkrankungen. Neuen Studien zufolge ist auch das Schlaganfallrisiko erhöht.

 

Etwa 80 % der Prädiabetiker sind übergewichtig. Die Risikofaktoren eine Vorstufe bzw einen Diabetes zu entwickeln, sind daher z.B.:

  • Fettansammlung am Bauch
  • Wenig körperliche Bewegung
  • Der BMI liegt über 26
  • Erhöhte Blutzuckerwerte
  • Herz-Kreislauferkrankungen wie HerzinfarktSchlaganfall, Durchblutungsstörungen... auch in der Familie
  • Fett- und zuckerreiche Ernährung
  • Bluthochdruck
  • Erhöhte Lipidwerte (Triglyceride)
  • Polyzystisches Ovar bei Frauen
  • Schwangerschaftsdiabetes oder Geburt eines Kindes mit über 4,5 kg Gewicht

 

Bei etwa 5 bis 10 % der Betroffenen entwickelt sich aus einem Prädiabetes ein Typ-2-Diabetes. Bis dahin können jedoch Jahre vergehen und die Erkrankung kann unbemerkt bleiben, da sie kaum Beschwerden verursacht. Erste Anzeichen sind:

  • Vermehrter Harndrang
  • Erhöhtes Durstgefühl
  • Antriebslosigkeit bis hin zur Depression
  • Nachlassende Sehkraft

 

Beim Auftreten derartiger Symptome sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Diabetes-Vorstufe: Diagnose

Zur Bestimmung von Blutzucker und Langzeitblutzucker (HbA1c) wird nüchtern Blut abgenommen.

 

Bei Verdacht auf Prädiabetes/Diabetes wird ein Glukosetoleranztest (oGTT) durchgeführt. Dem Betroffenen wird zunächst im nüchternen Zustand Blut abgenommen. Danach muss er eine Zuckerlösung in bestimmter Dosierung trinken, 2 Stunden nach der Blutentnahme wird neuerlich Blut entnommen, um den pathologischen Anstieg des Blutzuckerspiegels sichtbar zu machen.

 

Was bedeuten die Bluttest-Ergebnisse?

 

NORMAL

FRÜH-DIABETES

DIABETES

Blutzucker, nüchtern (mg/dl)

≤ 99

100-125

≥ 126

HbA1c (%)

≤ 5.6

5.7-6.4

≥ 6.5

Blutzucker. 2 Stunden nach Zuckerbelastung

≤ 139

140-199

≥ 200

 

Wenn die Werte im Normalbereich sind, sollte der Bluttest spätestens nach 3 Jahren, am besten jährlich im Rahmen der Gesundenuntersuchung wiederholt werden. Liegen ein oder zwei Werte im Bereich "Früh-Diabetes" bzw. "Diabetes", sollte das mit dem Arzt besprochen werden.

Therapie der Diabetes-Vorstufe

Die Behandlung basiert in erster Linie auf drei wichtigen Säulen:

  • Bewegung
  • Gewichtsreduktion
  • Ernährungsumstellung


Erste Behandlungsmaßnahme ist eine Gewichtsreduktion. Studien haben gezeigt, dass bereits eine Reduktion des Körpergewichts um 3-5kg positive Auswirkungen auf den Stoffwechsel hat, entscheidend ist die Reduktion des Bauchumfanges.

 

Gleichzeitig muss ein entsprechendes Bewegungsprogramm erfolgen, und zwar eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Empfohlen werden 150 Minuten moderates Bewegungsprogramm pro Woche, um den Stoffwechsel günstig zu beeinflussen.

 

Die Ernährung spielt ebenso eine wesentliche Rolle in der Therapie. Empfohlen wird eine ausgewogene Kost, die reich an Obst, Gemüse, und Vollkornprodukten ist. Die darin enthaltenen komplexen Zucker gehen langsamer ins Blut über und sorgen für einen gleichmäßigeren Anstieg des Blutzuckerspiegels als Einfachzucker oder Zweifachzucker, wie z.B in Weißmehl oder reinem Zucker enthalten. Außerdem enthalten sie wichtige Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe.

 

Allein durch diese Umstellung des Lebensstils könnte bei rund 60 % aller Prädiabetiker möglicherweise eine Entwicklung zum Typ-2-Diabetes verhindert werden.

Diabetes-Vorstufe: Was Sie dagegen tun können

Da der Erfolg einer Therapie vor allem in der Änderung des Lebensstils liegt, können Sie selbst das Wesentlichste dazu beitragen, wie:

  • Verzichten Sie auf Alkohol und Nikotin
  • Achten Sie auf ausreichend Schlaf
  • Bringen Sie Regelmäßigkeit in Ihren Tagesablauf
  • Vermeiden Sie Stress
  • Seien Sie konsequent

 

Eine effektive Behandlung eines Prädiabetes setzt ein eigenverantwortliches Handeln voraus und schützt Sie vor einem Typ-2-Diabetes, der schwieriger zu behandeln ist als sein Vorstadium.

AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


05.04.2017
MEDIZINISCHER EXPERTE
OÄ Dr. Claudia Francesconi
Diabetes- und Stoffwechselambulanz, Gesundheitszentrum Wien-Mitte der WGKK, Erster Sekretär der ÖDG
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