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Die schlimmsten Schmerzerlebnisse

Frau mit Gürtelrose hat starke Schmerzen
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Starke Schmerzen und damit einhergehende psychische Belastung treten mitunter auch bei der Gürtelrose auf. (Ruslan Huzau / Shutterstock.com)

Dieser Artikel ist Teil des Themenschwerpunktes GÜRTELROSE

Dermatologe Prim. Univ.-Doz. Dr. Robert Müllegger erklärt, warum die Gürtelrose keine Bagatellerkrankung ist.

Prim. Univ.-Doz. Dr. Robert Müllegger, Abteilung für Dermatologie und Venerologie am Landesklinikum Wiener Neustadt, hat in seinem Beruf oft mit Gürtelrose-Betroffenen zu tun. Welche Personen besonders gefährdet sind, wie gut die Allgemeinheit über die Krankheit informiert ist und wie man sich davor schützen kann, erklärt er im Interview.

Die Gürtelrose soll weltweit im Vormarsch sein. Ist das nur demografisch bedingt?

Prim. Müllegger: Die Inzidenz nimmt seit Jahrzehnten graduell zu. Es gibt mehrere potentielle Erklärungen hierfür, an erster Stelle die stetig steigende Lebenserwartung. Aufgrund dieser demografischen Entwicklung kommt auch die Gürtelrose häufiger vor.

 

Ein zweiter Risikofaktor ist, dass verschiedene das Immunsystem unterdrückende Maßnahmen und Krankheiten die Gürtelrose fördern. Und nachdem wir heute viele moderne Medikamente bei der Hand haben, die das Immunsystem supprimieren, mag das auch zur Erhöhung der Inzidenz beitragen.

Deckt es sich mit Ihrer Erfahrung als Dermatologe, dass die Gürtelrose oft verharmlost oder tabuisiert wird?

Prim. Müllegger: Meine Erfahrung ist eher, dass viele Menschen Angst davor haben. Dadurch, dass die Gürtelrose so häufig ist, kennt fast jeder einen Verwandten oder jemanden im weiteren Bekanntenkreis, der schon einmal davon betroffen war. So hören wir, wenn wir mit den Menschen sprechen, Aussagen wie: "Oh ja, mein Opa war betroffen … und hat unerträgliche Schmerzen gehabt." Dass das keine harmlose Erkrankung ist, ist also meines Erachtens in der Bevölkerung schon bekannt. 

Wann erkrankt man an Gürtelrose?

Prim. Müllegger: Das Varizella-Zoster-Virus verursacht bei der Primärinfektion Windpocken. Danach verbleibt das Virus lebenslang im Körper, wird aber durch das Immunsystem unterdrückt. Die Gürtelrose ist ein Folgeereignis, wenn das ursprüngliche Virus reaktiviert wird.

Wie häufig ist eine Erkrankung?

Prim. Müllegger: Das Risiko, Gürtelrose zu bekommen, ist enorm hoch. Mit jedem Lebensjahrzehnt wird es höher. Jeder dritte Österreicher, der nicht geimpft ist, bekommt – über die gesamte Lebenszeit betrachtet – Gürtelrose. Und mindestens die Hälfte aller Patienten ab etwa 70 Jahren sind von einer Komplikation betroffen. An vorderster Stelle sind die Post-Zoster-Schmerzen zu nennen, die mindestens drei Monate – aber bei manchen Patienten viele Monate und Jahre – andauern können und quälend sind. Wer Erfahrung mit Zoster-Patienten hat, weiß, dass sie zu den Fällen mit den stärksten Schmerzerlebnissen in der Humanmedizin zählen. Und noch dazu sind sie sehr schwierig behandelbar.

Können Sie Beispiele für Personen nennen, die ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben? 

Das sind zum Beispiel Menschen mit Rheuma, einem schweren Nierenleiden, Lupus, HIV-Infektion oder Krebs; oder Patienten, die eine Transplantation hinter sich haben oder ein immunsuppressives Medikament einnehmen müssen.

Wegen der Vielfalt möglicher Symptome ist aber ja die Früherkennung nicht immer so einfach …

Prim. Müllegger: Wenn der Hautausschlag der Gürtelrose einmal vorhanden ist, dann lässt sich die Diagnose leicht stellen. Schwierig gestaltet sie sich hingegen, wenn die Schmerzen der Gürtelrose vorhanden sind, aber noch keine Hautveränderungen. Es wird oft primär an Herzinfarkt, Lungenentzündung, Blinddarmentzündung und vieles andere mehr gedacht.

Wie kann man sich schützen?

Prim. Müllegger: Im Österreichischen Impfplan wird die Impfung jedem Menschen über 50 Jahren empfohlen. Zusätzlich ist die Impfung Patienten ab dem 18. Lebensjahr mit schweren Grunderkrankungen oder in einer immunsuppressiven Situation empfohlen.

Was sind das beispielsweise für Personen, die schon unter 50 Jahren ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben?

Prim. Müllegger: Das sind zum Beispiel Menschen mit HIV-Infektion, Rheuma, einem schweren Nierenleiden, Lupus oder Krebs; oder Patienten, die eine Transplantation hinter sich haben oder ein immunsuppressives Medikament einnehmen müssen.

AUTOR


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ERSTELLUNGSDATUM


30.11.2021
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