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Medizinische Möglichkeiten bei Kinderwunsch

Pärchen denkt über ein Baby nach
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Es gibt viele medizinische Möglichkeiten, wenn das Wunschbaby auf sich warten lässt. (detailblick-foto - fotolia.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters KINDERWUNSCH

In Österreich bleibt etwa jedes 6. Paar ungewollt kinderlos. Die Gründe dafür sind vielfältig, sie reichen von medizinischen (z.B. Unfruchtbarkeit) über Risikofaktoren (Übergewicht, Diabetes) bis hin zu Lebensstilfaktoren (Stress, Rauchen).

Auch das zunehmend höhere Lebensalter von Erstgebärenden, im Schnitt liegt es bei 29,5 Jahren, ist ein Umstand, das die Chancen auf eine Schwangerschaft von Jahr zu Jahr verringert. Die beste Zeitspanne läge, hormonell gesehen, bei Frauen etwa 5 -10 Jahre früher. Doch ein lang gehegter Kinderwunsch muss nicht unerfüllt bleiben. Die "medizinisch unterstützte Fortpflanzung" bietet eine Reihe von Möglichkeiten, wenn das Wunschkind ausbleibt.

Störung der Fruchtbarkeit

Viele Paare, bei denen der Partner die vom Gynäkologen oder Andrologen die Diagnose "Störung der Fruchtbarkeit" erhält, reagieren zunächst geschockt. Während es vor 40 Jahren noch undenkbar war, ein Kind anders als durch Geschlechtsverkehr zu zeugen, bietet die moderne Reproduktionsmedizin heute eine Reihe von Methoden, die den Wunsch nach einem Kind nachkommen können. Mehr als 5.200 Paare haben 2013 von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, knapp 2.200 Kinder sind dank dieser medizinischen Hilfe geboren worden.

 

Die rechtlichen Grundlagen zur medizinisch unterstützten Fortpflanzung regelt das seit Mitte 1992 geltende Fortpflanzungsmedizingesetz, das jetzt Anfang 2015 novelliert wurde. Demnach dürfen Männer und Frauen mit Fruchtbarkeitsstörungen (z.B. PCO-Syndrom, Endometriose, eingeschränkte Samenqualität) medizinische Unterstützung in Anspruch nehmen. Das Gesetz regelt u.a., mit welchen Behandlungsmethoden medizinisch unterstützte Fortpflanzung vorgehen darf, nämlich grob zusammengefasst mit:

  • Insemination: Einbringen von Samen in die Geschlechtsorgane einer Frau (Insemination)
  • In-Vitro-Fertilisation: Vereinigung von Eizellen mit Samenzellen außerhalb des Körpers einer Frau. In weiterer Folge der IVF werden entwicklungsfähigen Zellen in die Gebärmutter oder den Eileiter einer Frau geschleust. Klappt eine In-vitro-Fertilisation nicht, gibt es auch noch andere Methoden

 

Eine Kinderwunschbehandlung können Ehepaare oder Paare in eheähnlicher Gemeinschaft, sowie gleichgeschlechtliche Paare in Anspruch nehmen. Die Eizellen stammen von der leiblichen Mutter, seit Anfang 2015 ist auch eine Eizellenspende möglich. Dabei darf die Frau, die die Eizellen zur Verfügung stellt, nicht älter als 30 Jahre sein, die Eizellen-Empfängerin nicht älter als 45 Jahre.

 

Die Samenzellen können vom Partner bzw. von einem Dritten stammen. Eine Samenspende kann erfolgen, wenn der Mann beispielsweise von selbst keine Samenzellen produzieren kann, von einer bösartigen Erkrankung betroffen ist, eine Chemotherapie geplant ist, wenn aufgrund genetischer Faktoren die Gefahr einer Missbildung besteht bzw. die Hoden operativ entfernt wurden

 

Gemäß den Empfehlungen der österreichischen IVF-Gesellschaften sollten 1 bis max. 2 befruchtete Eizellen bzw. Embryonen in die Gebärmutter eingebracht werden. Sind mehrere Embryonen vorhanden, dürfen sie kryokonserviert, also bei -196 Grad tiefgekühlt maximal 10 Jahre lang aufbewahrt werden. Auch Samen kann auf diese Weise aufbewahrt werden.

Was ist assistierte Reproduktion?

Vielfach wird dieser Begriff mit In-Vitro-Fertilisation (IVF) assoziiert. Künstliche Befruchtung umfasst jedoch mehr als das, sie beschreibt im Allgemeinen alle Vorgänge und Maßnahmen, die ergriffen werden, um Samen- und Eizelle näher zueinander zu bringen. Dazu zählen Methoden wie

  • Intrauterine Insemination (IUI)
  • In-Vitro-Fertilisation (IVF)
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
  • Mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration (MESA)
  • Testikluläre Spermienextraktion (TESE)
  • Perkutane epididymale Spermienaspiration (PESA)

 

Intrauterine Insemination (IUI)

Bei dieser Methode wird der Samen des eigenen Partners verwendet (homologe intrauterine Insemination) - im Gegensatz dazu steht die heterologe IUI, dabei wird der Samen eines Spenders in die Gebärmutter der Frau über einen dünnen Katheter eingebracht. Sie wird empfohlen, wenn zuvor eine ausführliche Anamnese, spezielle Untersuchungen, wie ein Überprüfen der Tubenfunktion und der Spermienqualität vorangegangen ist.

 

Um den richtigen Zeitpunkt - nämlich den Eisprung- zu treffen, werden bei der Frau zuvor Ultraschall- und Urinuntersuchungen durchgeführt. Erfolgt der Eisprung, muss der Mann im Labor Spermien abgeben. Diese werden gereinigt und speziell aufbereitet, danach in die Gebärmutterhöhle (intrauterin) eingebracht, damit es anschließend zu einer Befruchtung kommt. Die Methode ist schmerzlos und in einigen Minuten durchführbar. Meist tritt eine Schwangerschaft bereits im Zuge der ersten drei Versuche ein, ab dem 8. Versuch sinkt die Chance einer Empfängnis allerdings wieder drastisch.

 

Eine Insemination wird in erster Linie Paaren empfohlen, bei denen Männer eine leicht eingeschränkte Spermienqualität haben, die Frau eine Konisation hatte oder wenn sie Antikörper gegen die männlichen Spermien im Zervikalschleim hat. Meist wird dieses Verfahren mit einer bestimmten Medikation für die Frau kombiniert. Die Chancen, schwanger zu werden liegen bei 10 %.

 

In-Vitro-Fertilisation (IVF)

Die IVF ist eine Möglichkeit für ungewollt Kinderlose, um außerhalb des Körpers eine Befruchtung im Reagenzglas vornehmen zu lassen. Die Behandlung erfolgt im ersten Schritt mithilfe einer hormonellen Stimulation, sodass mehrere Eizellen heranreifen können. Vor dem Eisprung, dieser Zeitpunkt wird genau berechnet, werden die Eizellen mit einer Hohlnadel aus den Eierstöcken entnommen.

 

Der Arzt kontrolliert diesen Vorgang über Ultraschall am Bildschirm. Der zuvor gewonnene Samen des Mannes wird aufbereitet und in einem Reagenzglas mit der weiblichen Eizelle vereinigt, im Embryonenlabor unter Temperaturbedingungen wie im Mutterleib bis zu 5 Tage kultiviert. Haben sich aus den weiblichen Eizellen Embryonen entwickelt, werden höchstens 3 davon entnommen und in die weibliche Gebärmutterhöhle implantiert. Ob das Verfahren erfolgreich war, zeigt ein Schwangerschaftstest nach 2 Wochen. Die Chancen auf Schwangerschaft liegen zwischen 25 und 30 %, bei 4 Versuchen bei 50 %.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Ist eine IVF nicht erfolgreich oder liegt primär eine stark eingeschränkte Samenqualität vor, bietet die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) eine Möglichkeit. Eine Samenzelle wird dabei in die zuvor entnommene Eizelle mit Hilfe eines speziellen Gerätes, dem sogenannten Mikromanipulator, unter dem Mikroskop injiziert. Findet eine Befruchtung statt, können nach 2-5 Tagen 1 bis 2 Embryos in die Gebärmutter eingebracht werden. Wie die IVF geht auch der ICSI eine Vorbehandlung in 3 Phasen voran. Ein Schwangerschaftstest (nach etwa 2 Wochen) zeigt, ob die Methode erfolgreich war. Die Chancen auf Schwangerschaft liegen bei 30 %.

 

Mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration (MESA) und testikuläre Spermienextraktion (TESE)

Bei MESA werden Samenzellen aus den Nebenhoden, bei TESE aus dem Hodengewebe entnommen. Die Methoden werden angewendet, wenn im männlichen Ejakulat kein Samen enthalten ist, z.B. aufgrund eines Samenleiterverschlusses oder einer Fehlbildung. MESA und TESE sind operative Eingriffe.

 

Perkutane epididymale Spermienaspiration (PESA)

Sind beim Mann keine Samenzellen im Ejakulat, können diese auch mittels Punktion aus dem Nebenhoden genommen und anschließend, wie bei ICSI direkt in eine entnommene Eizelle injiziert werden.

AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


01.07.2015
MEDIZINISCHER EXPERTE
Prim. Dr. Georg Freude
Gründer und Ärztlicher Leiter des Kinderwunschzentrums GYNANDRON Präsident der Österreichischen IVF-Gesellschaft
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