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Reizdarm (Colon irritabile)

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Beim Reizdarm mit Blähtyp haben die Betroffenen oft mit starken Blähungen zu kämpfen. (photophonie - Fotolia.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters MAGNESIUM & DARM

Das Reizdarmsyndrom ist ein Sammelbegriff für Beschwerden des Verdauungstraktes, denen keine feststellbaren, krankhaften Organveränderungen zugrunde liegen. Betroffene haben dennoch einen sehr hohen Leidensdruck: Reizdarm-Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen und Stuhlprobleme sind existent und mindern die Lebensqualität.

Die Darmerkrankung kann den oberen Verdauungstrakt, Dickdarm oder Dünndarm betreffen. Je höher die Einschränkung der Lebensqualität durch das Reizdarmsyndrom ist, desto häufiger sind Depressionen Begleiterscheinung. Bei der Diagnosestellung können via H2-Atemtest Fructoseintoleranz und Laktoseintoleranz ausgeschlossen werden und via Darmspiegelung Morbus Crohn sowie Colitis ulcerosa. Erst wenn alle möglichen anderen Darmerkrankungen ausgeschlossen wurden, kann das Reizdarmsyndrom als solches diagnostiziert werden.

Häufigkeit

Das Reizdarmsyndrom tritt sehr häufig auf: 50 % aller Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden haben ein Reizdarmsyndrom, wobei Frauen doppelt so oft betroffen sind wie Männer. Insgesamt klagt jeder 5. Österreicher über reizdarmartige Symptome.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind noch nicht endgültig geklärt. Gründe können sowohl eine veränderte Kommunikation zwischen Gehirn und Verdauungstrakt, als auch eine Störung bestimmter körpereigener Botenstoffe (u.a. Serotonin) sein. Oder es liegt eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber normalen Bewegungen des Magen-Darm-Traktes vor. Die folgenden 4 Typen des Reizdarmsyndroms sind bekannt:

  • Blähtyp (Distension): leidet vermehrt unter Blähungen.

Dem Blähtyp liegt eine Veränderung der Darmbeweglichkeit (Motilität) zugrunde – Ist die Peristaltik verlangsamt, werden auch Gase langsamer abtransportiert. Das fördert die Entstehung von Blähungen.

  • Diarrhoetyp: leidet vermehrt unter Durchfall.

Mehr als 3 Stuhlgänge am Tag, breiiger oder flüssiger Stuhl, Stuhldrang und erhöhtes Stuhlvolumen sind die Symptome.

  • Obstipationstyp: leidet vermehrt unter Verstopfung.

Weniger als 3 Stuhlgänge pro Woche, harter oder schafskotartiger Stuhl sowiegroße Anstrengung während des Entleerens kennzeichnen diesen Typ.

  • Schmerztyp: leidet vermehrt unter Bauchschmerzen. Der Schmerztyp empfindet den normalen Verdauungsvorgang bereits als schmerzhaft.

 

Reizdarm Symptome:

  • Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe

  • Rumoren, Blähungen

  • Stuhldrang

  • Völlegefühl

  • Unvollständige Stuhlentleerung

  • Verstopfung

  • Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfällen

  • Typisch ist auch eine Besserung der Beschwerden nach der Entleerung

Reizdarm und Depression

Ein Reizdarmsyndrom verkürzt weder die Lebenszeit, noch ist es eine lebensbedrohliche Erkrankung. Jedoch ist die Lebensqualität häufig stark eingeschränkt - 60 % der Betroffenen leiden auch an einer Depression. Betroffene fühlen sich von Arzt, Familie und Freunden häufig nicht ernst genommen.

 

Häufige Begleiterkrankungen:

  • Gynäkologisch bedingte Unterleibsschmerzen

  • Migräne

  • Depression

  • Erschöpfungszustände

  • Kreislaufstörungen

  • Reizblase

  • Neurosen (z.B.zwanghafte Angst vor Krebs)

  • Schmerzen im After beziehungsweise Enddarm

 

Das spricht gegen ein Reizdarmsyndrom:

  • Gewichtsverlust

  • Fieber

  • Blut im Stuhl

  • fettiger Stuhl

  • Blutarmut

 

Die letztgenannten sind Alarmsymptome und müssen unverzüglich ärztlich abgeklärt werden, am besten endoskopisch.

Diagnose des Reizdarms

Die Diagnosestellung bei Reizdarmsyndrom ist langwierig und muss erst eine Reihe anderer Krankheiten ausschließen. Dem Gastroenterologen stehen neben dem Abtasten des Bauches und dem Abhören von Darmgeräuschen mit dem Stethoskop verschiedene Untersuchungen zur Verfügung. Mit einem Wasserstoffatemtest können Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie eine Laktose- oder Fructoseintoleranz ausgeschlossen werden.

 

Weitere Untersuchungen können sein:

  • Enddarmuntersuchung

  • Magen- bzw. Darmspiegelung (Koloskopie) - um Darmkrebs auszuschließen

  • Blutuntersuchung (Leber- und Nierenwerte, Elektrolyte, Blutsenkungsgeschwindigkeit und Blutbild; Ermittlung der Schilddrüsenwerte)

  • Stuhluntersuchung

  • Ultraschalluntersuchung

  • Röntgenuntersuchung (eventuell mit Kontrastmittel)

  • Computertomographie

Therapie des Reizdarms

Eine sicher wirksame Therapie bei Reizdarm gibt es leider nicht. So wie jeder unterschiedlich auf bestimmte Nahrungsbestandteile reagiert, laboriert nicht jeder Reizdarm-Betroffene an denselben Symptomen. Ein Ernährungstagebuch, in dem Sie Ihr Essverhalten auflisten und andere Einflüsse, die auf Sie einwirken (z.B. Stress in der Arbeit), kann wertvolle Informationen zur Therapie beisteuern. Sie können so lernen, was Sie vermeiden sollen, oder was die Symptome Ihres Reizdarms verbessern kann.

 

Diätetische Maßnahmen

Faserreiche Kost mit Ballaststoffen, wie etwa Leinsamen und Flohsamen können bei Durchfall helfen. Das Weglassen unverträglicher Nahrungsbestandteile  nach Absprache mit einem Arzt oder durch einen Diätologen hilft vorsorglich. Blähende, fette, sehr heiße oder kalte Speisen sollten gemieden werden.

 

Medikamentöse Therapie

Bei leichten Bauchschmerzen (Abdominalbeschwerden) können milde Wärmeanwendungen helfen.

  • Blähtyp: Fencheltee mit Zusatz von Kümmel, Anis, Pfefferminz

  • Obstipationstyp: ballaststoffreiche Kost und reichlich trinken, eveventuell temporär milde Laxantien - Der Gastroenterologe kann bei Schmerzen kurzfristig Spasmolytika verschreiben - Probiotika helfen den Darm zu regulieren.

  • Diarrhoetyp: Probiotika können den Darm wieder ins Lot bringen.

  • Schmerztyp: Spasmolytika werden oft vom Gastroenterologen gegen die Schmerzen verabreicht.

 

Psyche

Liegen dem Reizdarmsyndrom psychische Ursachen zugrunde, kann Psychotherapie helfen, insbesondere Entspannungstherapie und Stressmanagement. Eine entspannte Grundhaltung kann sich positiv auf den Verdauungsvorgang auswirken. Bei 30 bis 50 % der Patienten verbessern sich die Symptome mit Placebotabletten (ohne Wirkstoffe), was die Rolle des psychischen Gleichgewichts als Ursache des Reizdarmsyndroms untermauert. In speziellen Fällen kommen auch Medikamente zur Anwendung, die regulierend auf die Wahrnehmung von Verdauungsvorgängen wirken können, in diesem Zusammenhang etwas unglücklich als Antidepressiva bezeichnet.

Fragen an den Arzt

  • Wenn ich Stress habe, leide ich oft an Durchfall. Kann ein Reizdarm dahinter stecken?

  • Welche Untersuchungen muss ich machen, um andere Erkrankungen auszuschließen?

  • Was kann ich an meinem Ernährungsverhalten ändern, um die Symptome zu lindern?

  • Können Medikamente helfen, meine Lebensqualität zu steigern?

  • Kann sich das Reizdarmsyndrom von selbst bessern?

AUTOR


Elisabeth Mondl


ERSTELLUNGSDATUM


15.03.2016
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Thomas Haas
Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie
QUELLEN
Interview mit Dr. Thomas Haas
Herold 2013 - Reizdarmsyndrom S. 485-486
Herold 2013 - Reizdarmsyndrom S. 485-486
Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, S. Andreae et al., 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2008
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