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Morbus Parkinson

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Das starke Zittern der Hände ist nur eines von vielen Symptomen bei Morbus Parkinson. (Daniel Ernst / Fotolia)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters MORBUS PARKINSON

Morbus Parkinson ist eine Erkrankung des Nervensystems, die sich durch Symptome wie gebeugter Gang, Steifheit der Muskeln, kleine Schritte und auffälliges Zittern äußern kann.

Morbus Parkinson gehört mit den Demenzerkrankungen (vor allem Alzheimer) und dem Schlaganfall zu den 3 häufigsten neurologischen Krankheiten. Rund 20.000 Menschen in Österreich leiden darunter. Parkinson ist zwar nicht heilbar, lässt sich aber sehr gut medikamentös behandeln. Die Lebenserwartung bei früh Diagnostizierten ist gut, die Medikamente werden individuell auf die Beschwerden abgestimmt und diese somit effektiv gelindert.

Häufigkeit

Hierzulande sind ungefähr 20.000 Menschen an Morbus Parkinson erkrankt, erste Symptome zeigen sich häufig zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr. Bei einer von 10.000 Personen wird die Diagnose Parkinson um den 40. Geburtstag gestellt. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Morbus Parkinson führt zum fortschreitenden Verlust bestimmter Gehirnzellen im Mittelhirn, die für die willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungsabläufe zuständig sind. Dabei spielt der Botenstoff Dopamin eine entscheidende Rolle. Dopamin ist der "Schlüssel" für die motorische Signalübertragung im Gehirn. Es ist u.a. für die Koordinierung der Bewegungsabläufe zuständig und wird in speziellen Zellen der Substantia nigra gebildet. Bei der Parkinson-Erkrankung wird die Substantia nigra langsam zerstört, dadurch wird zunehmend weniger Dopamin gebildet. In Folge kommt es zu einer Fehlsteuerung der Körperbewegungen. Die Störung beginnt aber schon Jahre bevor die motorischen Symptome entdeckt werden in den tieferen Strukturen des Hirnstammes und breitet sich später über weite Teile des Gehirnes aus. Dementsprechend kommen weitere - nicht motorische - Symptome dazu.

 

Die Symptome des Morbus Parkinson können sich sehr langsam entwickeln, der Verlauf und die Ausprägung sind individuell sehr unterschiedlich. Besonders zu Beginn der Erkrankung können sich folgende unspezifische Anzeichen zeigen:

  • Geruchssinnminderung
  • Motorisches Ausleben von Träumen
  • Leise monotone Sprache
  • Verstopfung
  • Depression
  • allgemeine Unruhe
  • Schulter-Armschmerzen

 

Diese Anzeichen passen zu vielen Krankheitsbildern. Kommt es zu halbseitigen Einschränkungen der Bewegungsabläufe, leichtem Zittern in Ruhestellung sowie zu Beeinträchtigungen beim Schreiben, so sollten diese Alarmzeichen unbedingt abgeklärt werden!

 

Im Zuge des Krankheitsverlaufs wird immer weniger Dopamin gebildet, dadurch können folgende Beschwerden auftreten oder sich verschlimmern:

 

  • Die Muskeln werden steif, üblicherweise macht sich Muskelstarre auf einer Körperhälfte - oft im Nackenund Schulterbereich - bemerkbar
  • Ein Arm pendelt beim Gehen auffallend weniger mit als der andere
  • Bewegungen werden langsamer, Gesten sparsamer
  • Die Gesichtsmimik wird eingeschränkt, das Gesicht wirkt maskenhaft starr
  • Nachlassen des Geruchssinns
  • Zittern in Ruhe, das meist zuerst an einer Hand auffällt. Das Halten von Gegenständen oder das Zuknöpfen eines Hemdes wird zunehmend schwieriger. Das Zittern beeinflusst die Feinmotorik und kann sich unter Stress verstärken
  • Schwierigkeiten beim Sprechen und Schreiben
  • Depressive Verstimmungen, Rückzug vom sozialen Leben
  • Leise, eintönige Sprache
  • Zunehmende Schreibstörung (immer kleiner werdende Schrift)
  • Gehen ist - tief nach vorne gebeugt - nur noch in kleinen Schritten möglich

 

Die Ursache ist nach wie vor unklar. Die jüngst aufgestellte Hypothese besagt aber, dass eine genetische Disposition zu neurodegenerativen Erkrankungen einen Auslöser braucht, manchmal ein Defekt im hirneigenen Reparatursystem, manchmal ein Giftstoff von außen plus einem dritten Faktor. Der kann aber auch nur einfach das Alter sein. Die genauen Ursachen für die Erkrankung sind bislang noch nicht geklärt, Giftstoffe (z.B. Insektizide wie Lindan, Spritzmittel im Weinbau, Kohlenmonoxid, Mangan), Durchblutungsstörungen im Gehirn sowie wiederholte Schlaganfälle und Gehirnentzündungen können an der Entstehung wesentlich beteiligt sein. Parkinson wird sehr selten vererbt, es tritt dann meist schon in jüngeren Jahren auf.

Der Verlauf wird in drei Phasen eingeteilt:

  • 1. Stadium: Das erste Stadium dauert etwa 4 bis 6 Jahre und wird als "Honeymoon"-Phase (von engl. honeymoon = Flitterwochen) bezeichnet. Das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich mit entsprechender Medikation etwas verlangsamen
  • 2. Stadium: Im zweiten Stadium kommt es verstärkt zu Störungen im Bewegungsablauf, eine Feinabstimmung der Wirkstoffe wird nötig
  • 3. Stadium: Im Spätstadium der Erkrankung ist es sinnvoll, die Therapie mit einer Spezialabteilung abzusprechen

Diagnose

Da das Krankheitsbild nicht auf einen Blick eindeutig ist, wird der Arzt folgende Fragen stellen, die auf Morbus Parkinson deuten:

 

  • Zittert eine Hand auch wenn Sie sie ruhig halten?
  • Leiden Sie unter Schmerzen im Nacken- und Armbereich?
  • Ist Ihre Stimme leiser als früher?
  • Meiden Sie soziale Kontakte?
  • Fehlt Ihnen jeglicher Antrieb?
  • Haben Sie bemerkt, dass Ihre Schrift kleiner wird?

 

Weiters wird der Allgemeinmediziner oder auch der Neurologe den Gang prüfen: Schwingen beide Arme mit oder nur einer, sind die Schritte eher klein oder normal, ist die Haltung nach vorne gebeugt, kommt es zu häufigem Stolpern?

 

Verdichten sich die Hinweise, werden mit Hilfe einer Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes andere Gehirnerkrankungen ausgeschlossen. Eine zusätzliche nuklearmedizinische Untersuchung (DAT-SPECT, IBZMSPECT, MIBG-SPECT oder PET-Untersuchung) kann notwendig sein. Die wichtigste Untersuchung ist und bleibt aber das ärztliche Gespräch und die neurologische Untersuchung.

Therapie

Morbus Parkinson lässt sich nicht heilen, ist aber gut behandelbar. Die Beschwerden und Symptome, die mit Parkinson einhergehen, sind nicht bei allen Betroffenen gleich, sondern variieren. Der unterschiedliche Krankheitsverlauf und die Tatsache, dass jeder Mensch auf Medikamente anders reagiert, machen eine individuelle Abstimmung der Wirkstoffe notwendig.

 

Es gibt verschiedene medikamentöse Möglichkeiten, den Mangel an Dopamin auszugleichen und die Beschwerden zu lindern:

 

  • Wirkstoffe der Medikamentengruppe L-Dopa werden nach der Einnahme u.a. im Gehirn in Dopamin umgewandelt.
  • Dopaminagonisten haben eine ähnliche Wirkung wie L-Dopa und werden entweder allein oder gemeinsam mit L-Dopa verabreicht.
  • COMT-Hemmer verlängern die Wirkungsdauer von L-Dopa.
  • MAO-B-Hemmer bremsen den Abbau von Dopamin und verlangsamen dadurch den Krankheitsverlauf, die Beweglichkeit bleibt länger erhalten.
  • Amantadin wird auch zur Behandlung von unwillkürlichen Bewegungen eingesetzt.
  • Anticholinerika beeinflussen bestimmte Botenstoffe im Gehirn, die als Gegenspieler von Dopamin agieren. Sie werden aber nur sehr vorsichtig eingesetzt, weil sie das Gedächtnis negativ beeinflussen können.

 

Physikalische Therapie ist unbedingt schon in einem frühen Stadium notwendig, um auch später die Beweglichkeit zu erhalten. Entspannungsübungen und Massagen machen steife Muskeln wieder geschmeidiger.

 

Besonders bewährt sich "Big & Loud". Das Prinzip ist, übertrieben große Bewegungen zu machen und diese laut zu kommentieren.

 

Ergotherapeuten unterstützen bei alltäglichen Tätigkeiten wie Anziehen, Duschen und Schreiben, bei Bedarf empfehlen sie Hilfsmittel und trainieren deren Gebrauch.

Musiktherapie bei Parkinson

Rhythmische Musik synchronisiert die Bewegungsabläufe bei Parkinson, die Feinmotorik verbessert sich und auch die Stimmung hellt sich auf. Besonders klassische Musik wirkt sich sehr positiv auf den Bewegungsrhythmus aus. Parkinsonbetroffene berichten, dass sie nach dem Anhören des Radetzky-Marsches leichter gehen und Bewegungen gezielter und präziser ausführen können.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Zur Stärkung der Muskulatur ist Ausdauertraining sehr wichtig (Gehen, Wandern, Schwimmen). Früher betriebene Sportarten sind nicht verboten, besonders alle Spiele mit einem Ball sind für Parkinsonbetroffene weiterhin gut machbar.

 

Morgendliche Dehnungsübungen und regelmäßige physiotherapeutische Behandlungen unterstützen die Beweglichkeit.

 

Durch das ständige Zittern kann die Nahrungsaufnahme zum Problem werden, Betroffene neigen zu Untergewicht. Daher ist es wichtig, öfter am Tag kleine Portionen kalorienreicher Nahrung zuzuführen. Ältere Menschen, Frauen und Parkinsonbetroffene haben ein vermindertes Durstgefühl und es ist daher besonders darauf zu achten, genügend zu trinken.

AUTOR


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


28.06.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
Prim. Dr. Dieter Volc
Leiter der Neurologischen Abteilung & Parkinsonzentrum der Confraternität-Privatklinik Josefstadt, Wien
LETZTES REVIEW
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