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Schläfrigkeit: Apnoe als mögliche Ursache?

Schläfrige Frau gähnt vor Müdigkeit im Büro
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Viele Menschen in Österreich kennen das Gefühl, auch tagsüber schläfrig zu sein. (fizkes / Shutterstock.com)

Dieser Artikel ist Teil des Themenschwerpunktes SCHLAFAPNOE

Immer mehr Menschen haben mit Schlafstörungen zu kämpfen. Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie spielen dabei eine Rolle, aber auch die Schlafapnoe ist ein Faktor.

Fast jeder zweite Österreicher leidet unter Schlafproblemen. Diese wurden vor allem durch die Pandemie verstärkt: So schlafen 32 Prozent der Menschen in Österreich seit Corona schlechter. Dabei unterschätzen wir die Wichtigkeit eines guten Schlafes: Schlafmangel und Schlafstörungen machen uns anfällig für Krankheiten, können Depressionen und Übergewicht fördern. Eine häufige Ursache dafür ist die Obstruktive Schlafapnoe (OSA), wie in einer aktuellen nationalen Erhebung aufgezeigt wurde.

Erhebung zeigt: Tagesschläfrigkeit steigt mit dem Alter

Mit 22 Prozent leidet über ein Fünftel der Österreicher an Tagesschläfrigkeit, zeigt die Umfrage der SPECTRA-Marktforschung. Bei der österreichweiten Befragung mit 1.002 Teilnehmern wurde die Wahrscheinlichkeit, in verschiedenen Situationen einzuschlafen, untersucht. "Die Ergebnisse der Erhebung zeigen, dass über ein Fünftel der österreichischen Bevölkerung eine überdurchschnittliche Tagesschläfrigkeit zeigen. Von diesen sind vier Prozent in einem hohen Ausmaß betroffen. Besonders signifikant ist, dass die Tagesschläfrigkeit im Alter ansteigt: In der Gruppe der über 70-Jährigen ist die Tagesschläfrigkeit am höchsten", erklärt Romana Forster-Gartlehner von SPECTRA.

Sträflich unterschätzt: Die Bedeutung von gesundem Schlaf

"Während es für Müdigkeit einfache Gründe gibt, kann die Schläfrigkeit als extreme Form von Müdigkeit gefährlich werden. Schläfrigkeit kann nämlich pathologische Hintergründe haben, wie das Restless-Legs-Syndrom, Narkolepsie oder die obstruktive Schlafapnoe", erklärt Prof. Dr. Ingo Fitze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité. Er bezeichnet Schlafstörungen als eine der Volkskrankheiten unserer Zeit. Es ist durch zahlreiche Studien bewiesen, dass uns Schlafmangel und Schlafstörungen anfällig für Krankheiten machen, Depressionen verursachen oder unsere Konzentration massiv negativ beeinträchtigen können. Schläfrigkeit kann auch verheerende Folgen für die Wirtschaft haben.

 

Zahlen dazu liefert eine US-amerikanische Arbeitnehmerstudie:

  • 76% fühlen sich in der Arbeit müde
  • 53% fühlen sich weniger produktiv
  • 44% haben Probleme, sich zu konzentrieren

Eine Studie in Deutschland beziffert den volkswirtschaftlichen Schaden durch unausgeschlafene Arbeitnehmer auf 52 Milliarden Euro. Leider lässt sich Schlaf weder aufsparen, noch kann man Schlafmangel wieder aufholen.

Weltweit sind fast eine Milliarde Menschen betroffen

Die Obstruktive Schlafapnoe ist eine Atemstörung, bei der es im Schlaf zu wiederholten Atemaussetzern von mindestens 10 Sekunden kommt. Typische Symptome sind eine unregelmäßige Atmung und lautes Schnarchen. Viele Betroffene warten lange zu, bis sie sich an Schlafmediziner wenden, meist drängen die Partner zur Untersuchung. "Der Schnarcher merkt nicht, dass er schnarcht", betont Josef Hoza, Leiter der Selbsthilfegruppe Schlafapnoe Österreich. Weltweit leiden 936 Millionen Menschen an der Atemstörung, in Österreich sind es 350.000.

 

Risikofaktoren sind:

  • Männliches Geschlecht
  • Alter über 40 Jahre
  • Übergewicht
  • Bluthochdruck

Mehr Schlaflabor-Betten benötigt

Dabei wird das Risiko einer obstruktiven Schlafapnoe weitgehend unterschätzt. Sie kann ohne Therapie sogar lebensgefährlich werden. "In Österreich weisen etwa 4 Prozent der Bevölkerung eine therapiepflichtige OSA auf. Von diesen befindet sich nur ein Viertel unter einer effizienten Therapie zur Vorbeugung kardiovaskulärer Folgeerkrankungen", betont der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung, OA Dr. Rainer Popovic. Ob eine OSA einer Therapie bedarf oder welche Therapieform am ehesten in Frage kommt, wird im Schlaflabor besprochen. Dabei steht einer kleinen Anzahl an Schlaflaboren ein hoher Bedarf an Behandlungsplätzen gegenüber.

Möglichkeiten der Heimdiagnostik

Leidtragende dieser Defizite sind laut Josef Hoza letztlich die Betroffenen: "Aus Sicht der Patienten wäre für eine bessere Versorgung der Ausbau von Schlaflaborplätzen wünschenswert. Zusätzlich könnte die Möglichkeit der Heimdiagnostik unter Risikopatienten bekannter gemacht werden." Mittels Leihgeräten kann bereits heute per Antrag jeder eine häusliche Vordiagnostik zuhause durchführen.

Möglichkeiten der Heimdiagnostik

Leidtragende dieser Defizite sind laut Josef Hoza letztlich die Betroffenen: "Aus Sicht der Patienten wäre für eine bessere Versorgung der Ausbau von Schlaflaborplätzen wünschenswert. Zusätzlich könnte die Möglichkeit der Heimdiagnostik unter Risikopatienten bekannter gemacht werden." Mittels Leihgeräten kann bereits heute per Antrag jeder eine häusliche Vordiagnostik zuhause durchführen.

Medienkonsum verkürzt Schlaf

Fitze zufolge hat sich in den vergangenen 100 Jahren die durchschnittliche Schlafdauer pro Nacht um zwei Stunden reduziert. Dafür gebe es zwei Gründe: zum einen künstliches Licht und zum anderen der Medienkonsum in Form eines letzten E-Mail-Checks oder eines letzten Blicks auf den Feed eines Social Media-Kanals vor dem Schlafengehen. Wenn diese Dinge zur Gewohnheit werden, können massive gesundheitliche Probleme entstehen. 

AUTOR


Sara Mohammadi Fatideh
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


22.06.2021
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