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Akuter Lärmschaden

Mädchen hört laut Musik
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Lautes Musikhören kann die Ursache für einen akuten Lärmschaden sein. (fizkes - Shutterstock.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters SCHWERHÖRIGKEIT

Der akute Lärmschaden ist durch die ständig zunehmende Lärmbelastung eine häufig auftretende Schädigung des hochsensiblen Hörorgans. Er wird in 3 Gruppen eingeteilt: das Knalltrauma, das Explosionstrauma und die akute Lärmschwerhörigkeit.

Schwerhörigkeit und möglicher Tinnitus sind oft die Folge eines akuten Lärmschadens. Die Symptome verbessern sich innerhalb von 24 Stunden in vielen Fällen von selbst bzw. sind sie bei rascher, medizinischer Behandlung gut therapierbar. Als Auslöser gelten nicht nur Feuerwerkskörper, platzende Airbags und Betriebsunfälle, sondern auch übermäßige Lärmbelastung durch laute Musik und Gewehrschüsse bei der Jagd. Oft kommt es auch zu einer einseitigen Taubheit.

Wie häufig tritt ein akuter Lärmschaden auf und wer ist davon betroffen?

Der akute Lärmschaden, insbesondere das Knalltrauma, tritt sehr häufig auf. Genaue Zahlen existieren nicht. Man geht aber davon aus, dass etwa 2 Drittel der Bevölkerung über 65 Jahre einen Hörschaden infolge einer Lärmbelastung haben. Besonders auffällig ist die Zahl der lärmgeschädigten Jugendlichen: zirka 10 % (bis zu 20 % in den USA). Laute Musik, besonders seit der Erfindung der portablen Musikgeräte in den 1980er-Jahren, kann hier als Hauptursache betrachtet werden. Betroffen sind - je nach Art des Traumas - unterschiedliche Zielgruppen.

Akuter Lärmschaden: Ursachen/Symptome/Verlauf

Bei allen akuten Traumata kommt es zu einer akuten Hörverminderung. Jeder Betroffene empfindet das anders, beschrieben wird es jedoch oft als "Rauschen im Ohr", "dumpfes Gefühl", "Wattegefühl im Ohr" oder "das Ohr ist verschlagen". Begleitet wird der Hörverlust manchmal auch von Tinnitus (Ohrgeräusche wie Klingeln oder Pfeifen), aber das ist individuell verschieden. Beim Explosionstrauma ist das Auftreten eines begleitenden Schwindelgefühls möglich. Oft ist auch nur ein Ohr betroffen (einseitige Taubheit).

 

Aufbau des Ohrs

Das Ohr besteht aus dem Außenohr, dem Mittelohr und dem Innenohr. Das Außenohr (Ohrmuschel und äußerer Gehörgang) dient der Schallaufnahme und ist durch das Trommelfell vom Mittelohr getrennt. Im Mittelohr befindet sich die Paukenhöhle mit den 3 Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel. Sie übertragen die Bewegungen des Trommelfells auf das flüssigkeitsgefüllte Innenohr, das aus mehreren bogenförmigen Gängen und der sogenannten Schnecke (Cochlea) besteht. In ihr befinden sich die Sinneszellen des Hörorgans, die Haarzellen. Eindringender Schall wird durch sie an die Nervenfasern und damit ins Hörzentrum des Gehirns weitergeleitet.

 

Ein akuter Lärmschaden ist die Schädigung des Innenohrs durch akustische Energie (Schall). Er ist immer abhängig von Lautstärke, Einwirkungszeit und der individuellen Empfindlichkeit der Person sowie deren genetischer Veranlagung. Besonders in jungen Jahren regeneriert sich das Hörorgan nach einem akuten Lärmschaden schnell, häufige Lärmüberlastung kann es jedoch dauerhaft schädigen.

 

Dabei unterscheidet man:

  • Knalltrauma: durch einen kurzen Knall (unter einer Millisekunde und ab 140 dB) kommt es zur Schädigung der Haarzellen im Innenohr
  • Explosionstrauma: Schädigung der Haarzellen im Innenohr und Riss des Trommelfells durchplötzlicheextreme Lärmbelastung (über 3 Millisekunden und ab 140 dB)
  • Akute Lärmschwerhörigkeit: durch Lärmbelastung (ab 100 dB) über einen längeren Zeitraum werden die Haarzellen des Innenohrs geschädigt, z.B. bei einem Rockkonzert.

 

Im Gegensatz dazu steht der chronische Lärmschaden. Dauerhafte Schwerhörigkeit ist die Folge.

 

Knalltrauma

Das Knalltrauma entsteht durch einen kurz einwirkenden Knall - es reicht schon eine Millisekunde - mit hoher Lautstärke (zirka 140 dB); die Druckwelle wird durch das Trommelfell und die Gehörknöchelchen in das Innenohr übertragen und es kommt zu einer mechanischen Schädigung der Innenohrhärchen (Haarzellen). Dabei wird jedoch das Trommelfell nicht verletzt. Das Knalltrauma ist gut heilbar, speziell junge Menschen erholen sich rasch davon. Kommt es jedoch berufsbedingt oder aus anderen Gründen zu regelmäßigen Knalltraumata, kann der akute Lärmschaden in einen chronischen übergehen.

 

Explosionstrauma

Beim Explosionstrauma kommt es neben der Schädigung des Innenohrs zusätzlich auch zu einer Schädigung des Mittelohrs, beispielsweise zu einem Riss des Trommelfells oder einer Luxation der Gehörknöchelchen. Auch hier ist eine Lautstärke von zirka 140 dB als Richtwert anzusehen, die Einwirkungszeit des Geräuschs beträgt mehr als 3 Millisekunden. Das Explosionstrauma ist ohne medikamentöse Behandlung nicht reversibel.

 

Akute Lärmschwerhörigkeit

Bei der akuten Lärmschwerhörigkeit dauert die Lärmeinwirkung länger, wie beispielsweise während eines Rockkonzerts. Auch hier kommt es zu einer Schädigung des Innenohrs, jedoch ohne Verletzung des Trommelfells.

 

 AKUTER LÄRMSCHADEN

WELCHE ARTEN GIBT ES?

Knalltrauma

Explosionstrauma

Akute Lärmschwerhörigkeit

WER IST BETROFFEN?

Jäger
Airbag
Feuerwerkskörper
Spielzeugpistolen
Schläge auf das Ohr (Ohrfeige)

Typische Kriegs- und Militärverletzung (Bombendetonation)

Betriebsunfälle - Explosion eines Kessels

Musiker ohne Lärmschutz
DJs

Chormitglieder

SYMPTOME

Akute Hörverminderung

Akute Hörverminderung

Schwindelgefühl

Akute Hörverminderung

BEGLEITSYMPTOME

Tinnitus

Tinnitus

Tinnitus

 

Chronische Lärmschwerhörigkeit durch akutes Trauma

Im Gegensatz zu den genannten akuten Traumata steht die chronische Lärmschwerhörigkeit, die aber oft auch Folge akuter Traumata sein kann. Sie entsteht durch ständige und regelmäßige Überbeanspruchung des Innenohrs. So kann z.B. ein ständig laufender Anschlagdrucker (zirka 80 dB) über einen langen Einwirkungszeitraum bereits zu chronischer Lärmschwerhörigkeit führen.

Diagnose des akuten Lärmschadens

Zu Beginn erfolgt eine allgemeine Befragung durch den HNO-Arzt nach der Lärmbelastung, dem möglichen Auslöser und dem Körpergefühl. Durch eine ohrmikroskopische Untersuchung (Otoskopie) wird ein eventueller Schaden des Trommelfells beurteilt. Danach wird beim Hörtest ein Tonaudiogramm, eine Hörkurve, erstellt. Bei etwa 4000 Hertz, im hochfrequenten Bereich, ist das Maximum der Schädigung auf der Hörkurve ersichtlich. Bei regelmäßigen Traumata werden Hörstörungen mit jedem Jahr stärker und greifen auch auf den Niedrigtonbereich über.

Therapie des akuten Lärmschadens

Der anfängliche Hörverlust sowie der mögliche Tinnitus verbessern sich oft rasch von selbst. Ist jedoch innerhalb von 24 Stunden keine Veränderung der Symptome feststellbar, so ist das Aufsuchen eines HNO-Arztes dringend anzuraten. Nach der Diagnose erfolgt eine Therapie mit Kortison-Infusionen, die jedoch nur im akuten Zustand zu einer Verbesserung führt. Die medikamentöse Behandlung ist auch ambulant möglich.

 

Die oft genannte hyperbare Sauerstofftherapie (erhöhte Sauerstoffaufnahme in der Druckkammer) hat im Falle des akuten Lärmschadens langfristig und als alleinige Therapie jedoch nicht die gewünschten Erfolge gebracht.

Akuter Lärmschaden: Was kann der Betroffene selbst tun?

Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung ist die Stressvermeidung von großer Wichtigkeit für die Regeneration des Lärmschadens. Auch die erhöhte Sauerstoffaufnahme durch leichte sportliche Betätigung wie Wandern oder schnelles Gehen fördert das allgemeine Wohlbefinden und damit das Abklingen der Symptome.

 

Wichtig ist vor allem die Prävention, um Lärmschaden zu vermeiden. Das überlegte Umgehen mit Lärm und Lärmquellen ist dabei oberstes Prinzip. Die Empfindlichkeit des Hörorgans erfordert oft, die bevorzugte Freizeitaktivität zu überdenken und beispielsweise die Jagd durch Wandern zu ersetzen.

 

Lärmschutz in Form von Kopfhörern oder Ohrenstöpseln (wie etwa bei Flughafenmitarbeitern) ist, neben der Vermeidung, der einzige Schutz.

AUTOR


Michaela Golla
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


02.01.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner
Facharzt für HNO-Krankheiten Vorstand der Univ. HNO-Klinik Wien
LETZTES REVIEW
QUELLEN
Interview mit Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Hals, Nasen und Ohrenkrankheiten
Biologie Anatomie Physiologie, N. Menche, Elsevier/Urban & Fischer, 7. Auflage, München, 2012
Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, S. Andreae et al., Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, Stuttgart, 2008
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