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Altersschwerhörigkeit

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Der Grund für Altersschwerhörigkeit ist der natürliche Alterungsprozess der Sinnesorgane. (Alexander Raths - Fotolia.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters SCHWERHÖRIGKEIT

Bei der Altersschwerhörigkeit (Presbykusis) handelt es sich um eine dauerhafte Hörminderung, die beide Ohren gleichermaßen beeinträchtigt. Betroffen sind Menschen ab dem 50. Lebensjahr.

Ursache der langsam fortschreitenden Schwerhörigkeit ist im Gegensatz zur Neugeborenenschwerhörigkeit der natürliche Alterungsprozess des Sinnesorgans, speziell der Sinneszellen im Innenohr. Dadurch wird die Schallempfindung gestört, es kommt zur Hörminderung. Anfangs können Betroffene die hohen Frequenzen nicht mehr richtig hören, später werden erst mittlere, dann selbst tiefere Töne nicht mehr wahrgenommen. Ohrengeräusche (Tinnitus) können ein Begleitsymptom der Schwerhörigkeit sein. Der Arzt prüft das Hörvermögen mit Hilfe spezieller Testverfahren. Die Behandlung erfolgt meist durch ein Hörgerät, in seltenen, schwergradigen Fällen durch ein Cochlea-Implantat.

Wie häufig tritt Schwerhörigkeit auf?

Die Altersschwerhörigkeit ist die häufigste Form der Hörminderung. Da die Schwerhörigkeit aufgrund von Alterungsprozessen der Sinneszellen auftritt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, an Prebykusis zu erkranken mit dem Lebensalter. Betroffene sind durchschnittlich älter als 50 Jahre. Bei den über 65-Jährigen ist bereits etwa jeder 3. Österreicher betroffen.

Ursachen/Symptome/Verlauf von Schwerhörigkeit

Presbykusis ist eine Schallempfindungs-Schwerhörigkeit. Das heißt, dass die Schallübertragung vom Außenohr über das Mittelohr bis zum Innenohr funktioniert. Im Innenohr, genauer gesagt in der Hörschnecke, kommt es dann aber zu Problemen bei der Weiterleitung der Informationen über die sogenannten Haarfasern und die Nervenbahnen zum Gehirn. Der Grund dafür ist der natürliche Alterungsprozess der Sinnesorgane. Ständiger Lärm, laute Musik, Rauchen, einseitige Ernährung und zu wenig Sport sowie eine genetische Veranlagung können die Degeneration der Zellen zusätzlich fördern.

 

Ab dem 50. Lebensjahr kommt es vermehrt zum Abbau und Verschleiß der Sinneszellen. Dieser Alterungsprozess schreitet langsam voran, mit ihm nimmt der Hörverlust stetig zu.

  • Anfangsstadium: Anfangs können die Betroffenen erst die hohen Frequenzbereiche nicht mehr hören. Die Verständnisschwierigkeit macht sich beispielsweise bei Zischlauten wie "f", "s" und "sch", sowie durch das Überhören vom Klingeln des Weckers oder des Telefons bemerkbar.
  • Fortgeschrittenes Stadium: In fortgeschrittenem Stadium werden auch die mittleren und tiefen Töne nicht mehr gehört. Die Hörminderung betrifft jetzt einen Großteil des Sprachverständnisses, da neben den Zischlauten auch Vokale schlecht gehört werden. Dadurch macht sich die Schwerhörigkeit bei größeren Gesprächsrunden, beim Telefonieren und beim Fernsehschauen bemerkbar. Es werden aber auch Geräusche im Haushalt (Surren des Kühlschranks) und der Natur (Rascheln der Blätter oder Rauschen des Meeres) überhört.

 

Soziale Isolation durch Schwerhörigkeit

Diese Hörminderung führt zu starken Verständnisschwierigkeiten, da die Betroffenen einzelne Silben, vor allem Zischlaute und die Vokale E und I nicht wahrnehmen können, Wortteile fehlen. Im Gespräch versuchen sie das Gesagte aus dem Satzkontext zu schlussfolgern. Je mehr Silben fehlen, desto schwieriger wird es, sich Sätze zusammenzureimen. Daher kommt es häufig zu Missverständnissen, sodass sich Betroffene aus Angst, ihre Schwäche zuzugeben oder immer wieder nachfragen zu müssen, zurückziehen und das Gespräch meiden. Nicht selten kommt es vor, dass Menschen mit Altersschwerhörigkeit dadurch sozial isoliert werden und vereinsamen. In größeren Gruppen mit verschiedenen Gesprächsteilnehmern ist die Verständnisschwierigkeit am stärksten ausgeprägt.

 

Mögliches Begleitsymptom: Tinnitus

Zusätzlich zur Hörminderung können auch Ohrengeräusche (Tinnitus) auftreten. Der Tinnitus ist an sich keine Art der Schwerhörigkeit. Das Auftreten und die Lautstärke dieser zischenden, klopfenden, piependen oder dröhnenden Ohrengeräusche kann das Hörvermögen aber zusätzlich beeinträchtigen.

 

Grundsätzlich kommt es in fortgeschrittenem Alter bei allen Menschen zu einem degenerativen Abbau der Hörnerven. Besonders häufig sind aber Menschen mit folgenden Risikofaktoren betroffen:

  • Rauchen
  • Jahrelange Lärmeinwirkung (über 85 Dezibel)
  • Durchblutungsstörungen
  • Medikamenteneinnahme
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Genetische Veranlagung

Diagnose von Schwerhörigkeit

Die Diagnose einer Altersschwerhörigkeit stellt der Facharzt mit Hilfe verschiedener Hörtests. Davor kann er aber bereits im Patientengespräch wichtige Hinweise auf die Erkrankung erhalten. Presbykusis tritt häufig bei älteren Patienten auf, die Hörminderung ist dauerhaft und wird mit der Zeit schlimmer, außerdem sind beide Ohren gleichermaßen betroffen. Treffen diese Punkte zu, kann der Arzt eine Verdachtsdiagnose stellen. Zur Absicherung wird er eine Tonschwellen- und Sprachaudiometrie durchführen.

  • Tonschwellenaudiometrie: Mit der Tonschwellenaudiometrie stellt der Arzt fest, ob es sich bei der Hörminderung um eine Schalleitungs- oder eine Schallempfindungs-Schwerhörigkeit handelt. Dafür spielt er dem Betroffenen einzelne unterschiedlich hohe und tiefe Töne (Reintöne) erst über einen Kopfhörer, dann über einen Knochenhörer vor.

 

Wer Altersschwerhörigkeit hat, hört die Töne über beide Hörer ähnlich schlecht, da das Hörproblem erst im Innenohr bei der Weiterleitung der Informationen an das Gehirn auftritt. Hierbei ist die Schallempfindung gestört.

 

Liegt die Ursache der Schwerhörigkeit dagegen im Außen- oder Mittelohr, sollte der Knochenhörer besser funktionieren als der Kopfhörer. In diesem Fall wäre die Schallleitung behindert, während die Empfindung im Innenohr intakt ist.

  • Sprachaudiometrie: Mit diesem Test wird das Sprachverständnis überprüft. Dafür werden dem Betroffenen mehrsilbige Zahl- und einsilbige Testwörter vorgespielt. Bei einer Schallempfindungs-Schwerhörigkeit wie der Altersschwerhörigkeit können die Betroffenen einzelne Wortteile und Silben nicht wahrnehmen, vor allem, wenn sie die hohen Frequenzbereiche betreffen.

Therapie bei Schwerhörigkeit

Zur Therapie einer Schallempfindung-Schwerhörigkeit verschreiben Ärzte für gewöhnlich ein Hörgerät. Bei hochgradig Schwerhörigen kann auch ein sogenanntes Cochlea-Implantat hinter dem Ohr und im Innenohr angebracht werden.

  • Hörgerät: Hörgeräte sollen den Hörverlust kompensieren, um das Sprachverständnis so weit zu verbessern, dass der Alltag ohne Probleme bewältigt werden kann. Dafür wird ein elektrisches Hörgerät je nach Modell in der Ohrmuschel oder hinter dem Ohr befestigt. Über ein Mikrofon wird das Tonsignal aufgenommen, ein Filter mindert die Störgeräusche, bevor das Signal über einen Verstärker an das Mittelohr weitergeleitet wird. Zum Schlafen, Duschen, Schwimmen oder Ähnlichem kann das Gerät ganz einfach abgenommen werden.
  • Implantat: Bei implantierten Hörgeräten wird das Schallsignal in elektrische Impulse umgewandelt. Sie bestehen aus zwei Teilen, einem am Kopf angebrachten Sprachprozessor mit integriertem Mikrofon zur Schallaufnahme und einem im Innenohr installierten Wandler. Dieser empfängt die elektrischen Impulse und gibt sie über die Hörnerven ab. Die sogenannten Cochlea-Implantate kommen zum Einsatz, wenn das Innenohr mit seinen Haarfasern fast vollkommen funktionsuntüchtig ist. Das Gerät übernimmt dabei die Funktionen des Innenohrs, indem es die elektrischen Reize an den Hörnerv weiterleitet.

Schwerhörigkeit: Was kann der Betroffene selber tun?

Dauerhafter Lärm, laute Musik über den MP3-Player oder durch häufige Besuche in der Disco beschleunigen den Alterungsprozess der Hörnerven. Um das zu verhindern, sollten Sie bereits in jungen Jahren auf Ihre Umgebungsgeräusche achten und Lärm meiden.

 

Das Gehör wird durch winzige Blutgefäße versorgt. Um den Blutkreislauf zu fördern und die Verkalkung der Gefäße zu verhindern, sollten Sie auf eine gesunde Ernährung und viel Bewegung achten. Außerdem sollten Sie das Rauchen vermeiden.

 

Der Abbau der Hörnerven ist ein langsam fortschreitender Prozess. Häufig fällt die geminderte Hörleistung erst dann auf, wenn sich die Nachbarn über den zu lauten Fernseher beschweren oder es aufgrund der Hörminderung immer wieder zu Missverständnissen im Gespräch kommt.

AUTOR


Nadja Heine
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


24.04.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Uwe Leidhold
Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Krems (NÖ)
QUELLEN
Interview mit Dr. Uwe Leidhold, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, T. Lenarz, H. Boenninghaus, Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2012
Harrisons Innere Medizin, A. Fauci, E. Braunwald, D. Kasper, S. Hauser, D. Longo, J. Jameson, herausgegeben von M. Dietl, N. Suttorp, M. Zeitz, ABW Wissenschaftsverlag GmbH, Berlin, 2009
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