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Cochlea-Implantat (CI)

Cochlea gegen Schwerhörigkeit
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Cochlea-Implantate erlauben ihren Trägern ein neues Lebensgefühl. (npudov / Shutterstock.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters SCHWERHÖRIGKEIT

Ein Cochlea-Implantat ist vor allem für jene Menschen eine Option, bei denen herkömmliche Hörgeräte keine entscheidende Verbesserung mehr erzielen.

Wenn Hörgeräte nicht mehr ausreichen oder eine angeborene Hörstörung vorliegt, kommt möglicherweise ein Cochlea-Implantat in Frage. Voraussetzung dafür ist, dass der Hörnerv intakt ist. Das Cochlea-Implantat-System wandelt Schall in elektrische Impulse um, mit denen der Hörnerv stimuliert wird. Sprache, Klänge und Geräusche können so wieder wahrgenommen werden.

Wie funktioniert ein Cochlea-Implantat?

Ein Cochlea-Implantat besteht aus mehreren Teilen. Außen am Kopf bzw. hinter dem Ohr sitzt der Sprachprozessor mit den Mikrofonen und der Spule. Unter der Haut liegt der Implantatskörper. Der Elektrodenträger, der in die Cochlea im Innenohr eingeführt wird, ist mit dem Implantat verbunden. Das Cochlea-Implantat ersetzt die verloren gegangene Funktion des Innenohrs, Reize an den Hörnerv weiterzuleiten.

 

Die Mikrofone am Sprachprozessor nehmen Schallschwingungen auf. Im Prozessor werden diese in elektrische Signale umgewandelt und dann von der Spule per Radiowellen durch die Haut zum innenliegenden Implantat übertragen. Von dort geht die Information weiter zum Elektrodenträger in der Cochlea. Durch die elektrischen Impulse der Elektroden wird der Hörnerv angeregt und im Gehirn entsteht ein Höreindruck.

Für wen eignet sich ein Cochlea-Implantat?

Cochlea-Implantate kommen hauptsächlich für Menschen mit hochgradiger Schwerhörigkeit infrage, bei denen ein Hörgerät für das Verstehen von Sprache nicht mehr ausreicht. Auch bei Babys und Kleinkindern, die mit einer hochgradigen Schwerhörigkeit zur Welt kommen, ist ein Cochlea-Implantat eine Therapie-Möglichkeit. Die Voraussetzung ist allerdings, dass der Hörnerv funktioniert. Dies wird im Rahmen der Voruntersuchungen festgestellt.

 

Bei Erwachsenen, die plötzlich ertauben bzw. deren Schwerhörigkeit so weit fortgeschritten ist, dass das Sprachverstehen zu stark eingeschränkt ist, lautet die klare Empfehlung, sich möglichst bald für ein Implantat zu entscheiden. Denn je länger eine Schwerhörigkeit besteht, desto eher kommt es zu neurologischen Veränderungen, die bei einer späteren Rehabilitation wieder rückgängig gemacht werden müssen. Je kürzer die Zeit bis zur Versorgung mit einem CI – desto größer ist deshalb der Therapieerfolg.

Kosten eines Cochlea-Implantats

In Österreich trägt in der Regel die implantierende Klinik die Kosten für die Implantation und das Implantat-System. In Deutschland werden die Kosten eines Cochlea-Implantats derzeit von der Krankenkasse zur Gänze übernommen und in der Schweiz übernimmt die Alters- und Hinterlassenenversicherung die Kosten für ein CI.

Vorgangsweise für die Versorgung mit einem Cochlea-Implantat

Nach einem ersten Beratungsgespräch mit dem HNO-Arzt wenden sich Betroffene an eine Implantationsklinik. Dort finden umfassende Voruntersuchungen statt, um die Eignung des Betroffenen für ein CI festzustellen.

 

Außerdem wird Betroffenen empfohlen, sich mit Menschen, die bereits ein CI tragen, auszutauschen. Deren Erfahrungen können ein wichtiger Beitrag bei der Entscheidung für oder gegen ein Implantat sein. Die konkrete Beratung zur Auswahl des Implantates erfolgt in den Kliniken. Bei der Entscheidung für ein Implantat sollten unter anderem folgende Fragen berücksichtigt werden:

 

  • Gibt es in der jeweiligen Klinik ein umfassendes Angebot an Rehabilitationsmaßnahmen nach der Operation, wie z. B. Logopädie? Im Idealfall wird ein mehrwöchiger Rehabilitationsaufenthalt von der Klinik unterstützt.
  • Wie gut ist die Erreichbarkeit der Klinik? Dies kann von Bedeutung sein, da es gerade am Anfang notwendig ist, häufiger zu Terminen, bei denen der Sprachprozessor individuell eingestellt wird, in die Klinik zu fahren.
  • Sind der rasche Austausch von defekten Prozessoren und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen gewährleistet?
  • Gibt es kompatible Zusatzgeräte (für Handy, Fernsehen, Vorträge usw.)?
  • Wie bedienerfreundlich ist der Sprachprozessor?

 

Nach der Operation bleiben Betroffene für einige Tage im Spital. Eine Cochlea-Implantat-Operation ist für HNO-Chirurgen inzwischen ein Routineeingriff und Komplikationen treten nur äußerst selten auf.

Wie geht es nach der Cochlea-Operation weiter?

Ein paar Tage bis Wochen nach der Implantation erfolgt die Aktivierung des Implantates an der jeweiligen Klinik. Die ersten Höreindrücke sind ein aufregendes Erlebnis. Sie unterscheiden sich von Mensch zu Mensch, jeder empfindet das neue Hören anders. Der Sprachprozessor wird von einem Audiologen individuell für den CI-Träger angepasst und im Laufe der nächsten Monate immer wieder nachjustiert. Das noch ungewohnte Hörerlebnis mit dem Cochlea-Implantat entwickelt sich nun langsam aber stetig. Der Sprachprozessor wird dazu regelmäßig den Veränderungen des Hörempfindens angepasst.

 

Es liegt nun am Träger des Cochlea-Implantats zu lernen, die neuen Hörwahrnehmungen zu interpretieren und mit dem Sprachprozessor und eventuellen Zusatzgeräten umzugehen. Auch wenn dies mit einem Zeit- und Energieaufwand verbunden ist, lohnt es sich, motiviert und konsequent zu üben. Die zurückgewonnene Hörfähigkeit und damit die Möglichkeit, wieder an sozialen Aktivitäten teilnehmen zu können sind ein Geschenk von unschätzbarem Wert, das man sich selber machen kann.

AUTOR


Corina Scherrer, BSC MSC
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


27.04.2020
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