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Wattestäbchen: Der große Irrtum

Wattestäbchen im Ohr » Keine gute Idee
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Die vermeintliche "Reinigung" mit Wattestäbchen richtet meist mehr Schaden an als es Gutes tut. (BLACKDAY / Shutterstock.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters SCHWERHÖRIGKEIT

Wer verspürt nicht von Zeit zu Zeit das Bedürfnis, seine Ohren aktiv reinigen zu müssen. Dazu sollten aber auf keinen Fall Wattestäbchen verwendet werden.

Wattestäbchen werden gemeinhin oft mit Ohren in Verbindung gebracht. Schließlich bietet sich die kleine Spitze doch ideal dafür an, Schmalz oder etwaige Fremdkörper aus dem Gehörgang zu befreien. Doch hinter dieser geläufigen Annahme verbirgt sich ein großer Irrtum, bergen Wattestäbchen doch ein regelrechtes Risiko für das Ohr.

Wattestäbchen nicht in das Ohr einführen

Der Hinweis "nicht in den Gehörgang einführen" kann auf jeder Packung der harmlos aussehenden Kosmetikprodukte abgelesen werden und auch HNO-Ärzte warnen seit langem vor dieser weit verbreiteten Praxis. Trotzdem scheint sie nicht aus den Köpfen der Menschen zu bringen zu sein.

Das Ohr reinigt sich von selbst

Unsere Ohren brauchen nämlich gar keine spezielle Reinigung. Das Ohrsekret – oder Ohrenschmalz – dient als Trägersubstanz für abgestorbene Hautzellen, Schmutz und Bakterien und wird durch die Bewegung von feinen Härchen im Gehörgang nach außen befördert. Durch das Einführen von Wattestäbchen wird das Ohrenschmalz tief in den Gehörgang gedrückt und verdichtet sich dort nicht selten zu einem Pfropf, der sich dann wiederum nicht mehr von alleine löst. Durch den Versuch, den Gehörgang mit Hilfe eins Wattestäbchens zu säubern, wird der natürliche Reinigungsprozess des Ohrs also sabotiert. Dann hilft nur noch die professionelle Entfernung des Pfropfs durch einen HNO-Arzt.

 

In manchen Fällen produziert das Ohr durch die ständige Konfrontation mit dem Fremdkörper sogar noch mehr Cerumen. Dieses sollte dann regelmäßig fachgemäß durch einen HNO-Arzt entfernt werden. Wer auf die Verwendung des Wattestäbchens nicht verzichten kann, sollte damit ausschließlich die äußere Ohrmuschel reinigen, da z. B. durch Abrutschen die Gefahr besteht, dass das Trommelfell verletzt wird.

 

Wer Schmerzen im Ohr hat, weniger hört oder das Gefühl hat, das Ohr sei "schmutzig", sollte einen HNO-Arzt aufsuchen. Dort wird entschieden, ob eine professionelle Reinigung notwendig ist. Mediziner verwenden dazu ein spezielles Ohrreinigungs-Instrument oder führen eine Ohrspülung durch.

Ohrkerzen sind auch keine Lösung

Übrigens, auch von der Verwendung von Ohrkerzen raten HNO-Experten ab. Ohrkerzen sind hohle Rohre aus Paraffin oder Wachs, welche auf den Gehörgang aufgesetzt und dann angezündet werden. Dadurch soll ein Unterdruck entstehen, der das Ohr reinigen und von Ohrenschmalz befreien soll. HNO-Ärzte bestätigen diese Wirkung nicht. Es gibt keine zuverlässigen wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit von Ohrkerzen belegen. Im Gegenteil – die Verwendung von Ohrkerzen kann zu Verbrennungen des Ohrs oder zu einer Verstopfung des Gehörganges durch heißes Wachs führen.

Wozu sind Wattestäbchen gut?

Was soll man denn nun mit Wattestäbchen machen, die im Badezimmer ihr Dasein fristen und scheinbar keine Verwendung mehr haben? Es gibt immer noch einen großen Einsatzbereich für die liebgewonnen Wattestäbchen. So eignen sie sich zum Beispiel bestens, um schwer zugängliche, schmale Stellen zu reinigen – wie Computertastaturen, Fernbedienungen oder die Ränder von Lichtschaltern.

 

Auch Make-Up lässt sich damit bestens auftragen und auch wieder entfernen. In Arztpraxen sind Wattestäbchen unerlässlich um Abstriche zu nehmen. Weiters lassen sie sich verwenden, um abgesplitterte Farbe von Möbeln, Böden und Wänden auszubessern. Wattestäbchen sind also ganz und gar nicht überflüssig – nur in unseren Ohren haben sie nichts zu suchen.

AUTOR


Corina Scherrer, BSC MSC
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


27.04.2020
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