×
×
articleicon

Erektile Dysfunktion (Impotenz)

Impotenz und psychische Probleme verstärken sich oft gegenseitig
Diesen Artikel mit Freunden teilen
Rund 300.000 Männer sind in Österreich von einer erektilen Dysfunktion betroffen. (Drobot Dean / Fotolia.com)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters TESTOSTERONMANGEL

Als erektile Dysfunktion wird eine Störung der Erektion bezeichnet, die über mehrere Monate andauert.

Die Schwellkörper im Penis werden nicht ausreichend durchblutet, das Glied wird zuwenig hart oder die Erektion kann nicht aufrecht erhalten werden. Viele Männer leiden im Laufe ihres Lebens an einer mäßigen bis schweren erektilen Dysfunktion, mit steigendem Alter treten diese Potenzprobleme häufiger auf. Obwohl Erektionsstörungen die Lebensqualität massiv beeinträchtigen, scheuen viele Männer davor zurück, einen Arzt aufzusuchen. Eine erektile Dysfunktion bedeutet aber nicht das Ende des Sexuallebens: Je früher sie erkannt und behandelt wird, desto besser sind ihre Therapiemöglichkeiten. Der Anfang einer erfolgreichen Therapie beginnt mit einem offene Gespräch mit Ihrer Partnerin.

Wie häufig ist eine erektile Dysfunktion?

In Österreich sind zwischen 300.000 und 500.000 Männer von einer mäßigen bis schweren erektilen Dysfunktion betroffen. Mit zunehmendem Alter und dem Auftreten von Begleiterkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Diabetes etc.) treten Erektionsstörungen häufiger auf. Bei 7 von 10 Männern sind körperliche Ursachen der Grund für eine erektile Dysfunktion, aber es gibt immer auch eine psychische Komponente, die nicht unterschätzt werden darf. Durchschnittlich liegt der Anteil betroffener Männer bei den 40-jährigen Männern bei rund 15 %, bei den 65-jährigen steigt er aber auf über 40 % an.

 

Neben den Erektionsstörungen zählt der vorzeitige Samenerguss zu den häufigsten Sexualstörungen des Mannes und betrifft je nach Studie zwischen 20 und 35 % aller Männer.

Was sind die Ursachen für eine erektile Dysfunktion?

So komplex und vielschichtig der Ablauf einer Erektion ist, so vielfältig können die Ursachen von Erektionsstörungen sein. Dabei spielen psychische und körperliche Faktoren wie auch der Lebensstil (z. B. Bluthochdruck…) eine Rolle. 
Erektionsprobleme sind häufig auch ein erstes Anzeichen für andere Krankheiten oder Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, hoher Blutdruck, Gefäßerkrankungen oder erhöhte Cholesterinwerte. Die Penisarterie ist sehr dünn, ist sie durch arteriosklerotische Ablagerungen verengt, so ist das ein wichtiger Hinweis auf den Zustand des gesamten Gefäßsystems. Schon deshalb sollte die Erektionsstörung ernst genommen und mit dem Arzt besprochen werden.

 

Körperliche Ursachen einer erektilen Dysfunktion:

  • Gefäß- und Herzerkrankungen (Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall etc.)
  • Erhöhter Blutzucker – Diabetes mellitus
  • Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose)
  • neurologische Erkrankungen, wie z.B. Bandscheibenvorfall, Multiple Sklerose
  • Nervenschädigungen
  • Operationen an der Prostata oder im Unterleibsbereich
  • Fehlbildungen oder Erkrankungen der Gefäße in den Schwellkörpern des Penis
  • hormonelle Störungen (Schilddrüsenunterfunktion, Testosteronmangel etc.)
  • Nieren- oder Leberinsuffizienz
  • Medikamente (vor allem Mittel gegen Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen, Blutfettsenker, Antidepressiva, Entwässerungsmittel, Entzündungshemmer)
  • Übergewicht, Alkohol, Drogen, Nikotin
  • Testosteronmangel im Alter: Da der Testosteronspiegel mit zunehmendem Alter sinken kann, ist eine Abnahme der sexuellen Aktivität (Libido) möglich. Weiters können depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit, verringertes Lustgefühl oder auch schnellere Ermüdbarkeit auftreten. Eine Abklärung und ggf. eine Testosteronersatztherapie sollte dann mit dem Arzt besprochen werden.


Psychische Ursachen einer erektilen Dysfunktion:

  • Partnerschaftsprobleme
  • Stress
  • Versagensängste oder eine unrealistische Erwartungshaltung
  • Depressionen
  • Traumatische sexuelle Erfahrungen

Erektile Dysfunktion: Symptome

Bei der erektilen Dysfunktion werden die Schwellkörper im Penis nicht ausreichend durchblutet. Das Glied wird oder bleibt nicht hart, ein befriedigendes Sexualleben ist dadurch erschwert. Hat der Betroffene mehrere Wochen mit seiner Erektion Probleme, so sprechen Ärzte von einer erektilen Dysfunktion. Obwohl das Selbstwertgefühl und die Partnerschaft oft beeinträchtigt sind, scheuen viele Betroffene davor zurück, einen Arzt aufzusuchen.

 

Organisch bedingte erektile Dysfunktion

Eine organisch bedingte erektile Dysfunktion macht sich oft bemerkbar durch

  • verlangsamten Erektionsbeginn und verkürzte Erektionszeit
  • schleichenden Verlauf
  • kontinuierliche Verschlechterung
  • seltene Erektion bzw. keine Erektion in den Morgenstunden
  • oft ist auch eine Masturbation mühsam.

Erektile Dysfunktion: Prognose

Generell gilt: je früher eine Therapie bei der erektilen Dysfunktion einsetzt, desto besser ist es für Ihr Sexualleben. Sind Grunderkrankungen wie Diabetes oder Gefäßerkrankungen optimal behandelt, verbessern sich oftmals auch die Symptome einer erektilen Dysfunktion. Bei psychogenen Erektionsstörungen ist eine sexualtherapeutische Begleitung oft erfolgreich.

Wie wird eine erektile Dysfunktion diagnostiziert?

Treten beim Geschlechtsverkehr regelmäßig Erektionsstörungen auf, sollte der Betroffene einen Facharzt für Urologie aufsuchen und seine Probleme schildern. Dieser wird in einem Beratungsgespräch verständnisvoll auf das Anliegen reagieren. Je nachdem, ob eine körperliche oder psychische Ursache der Grund für das Potenzproblem ist, gibt es Therapiemöglichkeiten, bei denen eine rasche Besserung eintritt.

 

Neben der körperlichen Untersuchung, der Abklärung von bestehenden Erkrankungen und den Details zur Medikamenteneinnahme werden auch persönliche Fragen zum Sexualleben geklärt:

  • Befragung der sexuellen Gewohnheiten, Frequenz des Geschlechtsverkehrs (früher/jetzt)
  • Fragen zu morgendlicher und nächtlicher Erektion, Erektion bei Masturbation
  • Frage zu vorzeitigem Samenerguss und situationsbedingten Störungen
  • Fragen über Art, Beginn und Dauer der Erektionsstörung
  • Fragen zu Libido- oder Orgasmusstörungen
  • Fragen zu vorhandenen Partnerkonflikten
  • Fragen zu sonstigen Stressfaktoren

 

Im Anschluss daran wird eine allgemeine urologische Untersuchung durchgeführt:

  • Allgemeine Untersuchung mit Testen der Reflexe, Tastuntersuchung der Prostata, der Hoden und des Penis, Überprüfen der Blasenfunktion.
  • Anordnung einer Blutuntersuchung, bei der unter anderem die Werte von Testosteron, Schilddrüsenhormonen, Cholesterin und Blutzucker bestimmt werden.
  • Bei einer Gefäßuntersuchung werden mittels Ultraschall die Blutgefäße des Penis sowie die Blutzirkulation überprüft.
  • Sollte der Verdacht auf eine generalisierte Erkrankung (Hochdruck, Diabetes, etc.) vorliegen, so sollte unbedingt der Hausarzt bzw. ein Internist beigezogen werden.

 

Wird im Rahmen der Untersuchung schließlich eine erektile Dysfunktion festgestellt, kann je nach Ursache die Behandlung gestartet werden.

Wie wird eine erektile Dysfunktion therapiert?

Wichtig für die Therapie einer Erektionsstörung sind eine genaue Diagnosestellung und das Behandeln ihrer eigentlichen Ursachen. Je früher eine Therapie bei der erektilen Dysfunktion begonnen wird, desto besser sind auch ihre Heilungschancen. Jede Therapie sollte immer individuell geplant werden. Der Urologe wird die verschiedenen Therapiemöglichkeiten erklären und die für den Patienten optimalste Behandlung vorschlagen.

 

Folgende Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Einnahme von Tabletten (Phosphodiesterasehemmern, z. B. Viagra, Levitra, Cialis oder Spedra bzw. deren Generika)
  • Injektion von Medikamenten in den Schwellkörper = SKAT-Therapie)
  • Hormonersatztherapie (wird nur bei einem Testosteronmangel eingesetzt)
  • Schwellkörperimplantate
  • Gefäßchirurgische Maßnahmen

 

Phosphodiesterasehemmer

Die Wirkstoffe Sildenafil, Vardenafil, Tadalafil und Avanafil gehören zu den sogenannten Phosphodiesterasehemmern. Die Potenzmittel erleichtern durch eine gefäßerweiternde Wirkung die Entstehung einer Erektion, wenn der Mann sexuell erregt wird. Die Einnahme erfolgt ungefähr eine Stunde vor dem beabsichtigten Geschlechtsverkehr. Die Unterschiede der 4 Wirkstoffe liegen im Wirkungseintritt und der Dauer der Wirkung. Alle 4 Wirkstoffe unterliegen der Verordnung durch den Arzt. Als Alternative bieten sich Wirkstoffe wie z. B. Alprostadil an, welches vor dem Geschlechtsverkehr direkt in den Schwellkörper des Penis injiziert oder in der Harnröhre eingeführt wird.

 

Schwellkörperautoinjektionstechnik (SKAT)

Bei dieser Therapieform wird mit einer feinen Nadel das Hormon Prostaglandin E1 in den Schwellkörper eingespritzt, um eine artifizielle Erektion zu erzielen (keine Stimulation nötig). Bei dieser Therapieform wird der Betroffene genau eingewiesen, wie das zu geschehen hat – allerdings muss man bereit sein, sich eine Nadel in den Penis zu stechen.

 

Schwellkörperimplantate

Wenn andere Behandlungsmöglichkeiten nicht zum Ziel führen oder nicht verwendet werden dürfen, bleibt die Möglichkeit eines Schwellkörper-Implantats. Hier wird ein System aus Kunststoffschläuchen und Pumpen in die Schwellkörper bzw. Hodensack eingesetzt und durch Drücken eines Ventils am Hodensack wird Flüssigkeit in die Schwellkörperschläuche eingeleitet, und der Penis wird steif.

 

Gefäßchirurgische Maßnahmen

Ziel des operativen gefäßchirurgischen Eingriffes ist es, die Schwellkörper wieder ausreichend mit Blut zu versorgen. Diese Therapiemaßnahme wird nur mehr in seltenen Fällen, z. B. bei jungen Männern nach Gefäßverletzungen, durchgeführt.

 

Psychotherapie – Hilfe bei seelischen Erektionsproblemen

Ist eine psychische Ursache für die Erektionsstörung mitverantwortlich, kann eine Psychotherapie helfen.  

Erektile Dysfunktion: Was kann der Betroffene tun?

  • Zur Vorsorgeuntersuchung gehen: Spätestens ab dem 45. Lebensjahr sollten sich Männer jedes Jahr vom Urologen durchchecken lassen.
  • Durch eine ausgewogene Vollwerternährung mit viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, Seefisch und Hülsenfrüchten wird der Körper optimal mit Nährstoffen und Vitaminen versorgt.
  • Die Verwendung von kaltgepressten, pflanzlichen Ölen mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Rapsöl, Olivenöl) kann viel dazu beitragen, das Cholesterin in Balance zu halten und damit die Gefäße zu entlasten.
  • Regelmäßiger Sport regt das Herz-Kreislauf-System an.
  • Ist Stress die Ursache einer erektilen Dysfunktion, können Entspannungstechniken helfen.
AUTOR


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


05.09.2017 / 10.08.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.Prof.Dr. Andreas Jungwirth (EMCO Privatklinik)
Univ.-Prof. Dr. Andreas Jungwirth
Foto (c): Univ.Prof.Dr. Andreas Jungwirth (EMCO Privatklinik)
Facharzt für Urologie und Andrologie in Salzburg, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises für Andrologie und sexuelle Funktionsstörungen der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie
QUELLEN
Urologie, R. Hautmann, Springer Verlag, 4. Auflage, 2010, Heidelberg, 2010
A. Jungwirth, B. Esterbauer: Diagnose und Therapie der erektilen Dysfunktion. In: Journal für Klinische Endokrinologie und Stoffwechsel 2009; 2 (4), S. 21-25
Pschyrembel Klinisches Wörterbuch 2014, Walter de Gruyter, 265. Auflage, Berlin/Boston, 2013
Basiswissen Urologie, T. Gasser, Springer Verlag, 5. Auflage, Heidelberg, 2011
WEITERE GESUNDHEITSFENSTER-ARTIKEL
Testosteronmangel hat viele Folgen
Testosteronmangel: Einteilung und Diagnose
Beim Testosteronmangel wird prinzipiell zwischen zwei Formen unterschieden, die wiederum für eine unterschiedliche Symptomatik sorgen.
Manche Männer leiden unter dem Sinken des Testosteronspiegels
Der Hormonhaushalt der Männer
Ein Testosteronmangel macht sich bei älteren Männern durch vielfältige Symptome bemerkbar.
Selbsttest für Testosteronmangel
Testosteronmangel: Selbsttest
Bei manchen Männern nimmt der Testosteronspiegel so stark ab, dass es zu Beschwerden kommt.
Eine schwache Libido lässt oft die Beziehung kriseln
Wenn Mann keine Lust hat
Die Ursachen für sexuelle Lustlosigkeit bei Männern sind oft Stress, Beziehungsprobleme und Medikamentenwechselwirkungen.
Bleibt der Kinderwunsch unerfüllt, gibt es viele Untersuchungen
Untersuchungen bei Kinderwunsch (Mann)
Bei ungewollter Kinderlosigkeit kostet der Gang zum Arzt Männern oft mehr Überwindung als Frauen.

Cookie-Informationen zu dieser Website


Wir verwenden Cookies zur Bereitstellung von minimed.at, für nutzerfreundliche Features und Social-Media-Funktionen, um Zugriffe zu analysieren, relevante Inhalte vorzuschlagen und gemeinsam mit unseren Werbepartnern auf das Surfverhalten abgestimmte Werbeanzeigen einzublenden. Hier können Sie alle zustimmungspflichtigen Cookies akzeptieren oder ablehnen:


oder weitere Informationen in unserer Cookie-Richtlinie einsehen. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit widerrufen. Informationen zu den Auswahl- und Kontrollmöglichkeiten und zur Ausübung des Widerrufs- oder Widerspruchsrechtes finden Sie in unserer Datenschutzinformation.

Bitte beachten Sie, dass manche Cookies für den reibungslosen Betrieb von minimed.at unerlässlich sind. Solange Sie zustimmungspflichte Cookies nicht akzeptiert haben, werden nur solche Cookies gesetzt, die erforderlich sind, um die reibungslose Nutzung von minimed.at zu ermöglichen. Diese dienen nicht dazu, personenbezogene Daten zu sammeln und werden von Ihrer Zustimmung unabhängig verwendet.

Information zur Datenverarbeitung in Drittstaaten
Die Informationen werden durch Partner und Anbieter ggf. auch in Drittstaaten (z.B. USA) verarbeitet. Damit besteht das Risiko, dass keine Datenschutz-Aufsichtsbehörde besteht und Betroffenenrechte u.U. nicht durchgesetzt werden können. Mit deiner Einwilligung erklärst du dich ungeachtet dessen mit der Verarbeitung deiner Daten in Drittstaaten einverstanden.