×
×

Zahnfleischkorrekturen: Die wichtigsten Fragen

Diesen Artikel mit Freunden teilen
Wenn das Zahnfleisch Probleme macht, gibt es verschiedene Therapieformen zur Korrektur. (kasanka19 / Fotolia)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters NEUES AUS DER ZAHNHEILKUNDE

Das Interview mit einem Experten klärt über Probleme und mögliche Korrekturen des Zahnfleisches auf.

Das Zahnfleisch erfüllt im menschlichen Gebiss zentrale Aufgaben. Bei Problemen wie etwa dem Rückgang des Zahnfleisches sind moderne Mittel der Zahnheilkunde gefragt. Wir haben uns mit Dr. Michael Müller von der Universitätszahnklinik Wien unterhalten und ihm die wichtigsten Fragen rund um Zahnfleischkorrekturen gestellt.

Was sind die wichtigsten Aufgaben des Zahnfleisches?

Dr. Michael Müller: Das Zahnfleisch, auch Gingiva genannt, besteht aus unterschiedlichen anatomischen Strukturen, die den Halt des Zahnes im Kieferknochen gewährleisten und einen Abschluss gegenüber der Mundhöhle mit einem immunologischen Abwehrsystem umfassen. Auf der anderen Seite ist das Zahnfleisch in der ästhetischen Zone wichtig für ein gesundes Lächeln und trägt immens zu den natürlichen Proportionen im Gesicht und zur Rot-Weiß-Ästhetik bei.

In welchen Fällen ist eine Zahnfleischkorrektur medizinisch notwendig?

Dr. Michael Müller: Die medizinische Notwendigkeit ist nur bei wenigen Veränderungen des Zahnfleisches gegeben. Dies betrifft beispielsweise Zustände, wenn Lippen- oder Wangenbändchen an der falschen Stelle mit dem Zahnfleisch verwachsen sind. Des Weiteren bei fehlender "befestigter" Gingiva – also jenem Teil des Zahnfleisches, der fest mit der knöchernen Basis verwachsen ist – und eingeschränkter Hygienefähigkeit in diesen Arealen. Dünne Schleimhautverhältnisse und eine starke Progression bestehender Zahnfleischrückgänge (Rezessionen) zählen ebenfalls zu den Behandlungsfeldern.

 

Letztendlich zählt auch der Wunsch des Patienten, aus ästhetischen Gründen eine Zahnfleischkorrektur durchführen zu lassen – dies ist aber immer gesondert und auch gesetzlich nach den Richtlinien der plastischen ästhetischen Chirurgie abzuhandeln.

In welchen Fällen wünschen sich Patienten eine rein ästhetische Zahnfleischkorrektur?

Dr. Michael Müller: Das Verständnis und auch die Schönheitsideale oder das Streben danach haben sich in den letzten Jahren natürlich verändert. Ein ästhetisches Lächeln hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Somit ist der Wunsch nach Korrektur bei Rezessionen, veränderter Rot-Weiß-Ästhetik und "Gummy Smile", also einer überdurchschnittlichen Sichtbarkeit des Zahnfleisches, gestiegen.

Welche Risiken bzw. danach möglichen Komplikationen gibt es bei einer Zahnfleischkorrektur?

Dr. Michael Müller: Natürlich birgt jeglicher chirurgischer Eingriff Gefahren. Dazu zählen Nachblutungen, abgestorbenes Gewebe und auch die Abstoßung des transplantierten Gewebes oder Ersatzmaterials. Dabei gilt es, die Risiken zu minimieren, indem allgemeinmedizinische gesundheitliche Probleme abgeklärt werden und streng nach den Richtlinien der plastischen Parodontalchirurgie vorgegangen wird. Darüber hinaus sollten ein minimalinvasives Vorgehen, geeignete Instrumente und passendes Nahtmaterial zum Einsatz kommen. 

Welche neuen Methoden haben sich in den letzten Jahren im Bereich der Zahnfleischkorrekturen etabliert?

Dr. Michael Müller: Die Techniken haben sich zuletzt wieder weiterentwickelt und verfolgen minimalinvasive Ansätze mit Schonung des Zahnfleisches im Zahnzwischenraum. Zusätzlich gibt es neue erprobte tierische Materialien, die die operative Dauer verkürzen und auch durch Vermeidung  zusätzlicher Wunden an der Entnahmestelle eine Heilung unter weniger Schmerzen ermöglichen. Auch an der Universitätszahnklinik beschäftigen wir uns mit dieser Thematik und versuchen neue Standards in der plastischen parodontalen Chirurgie zu etablieren. Studien mit Wachstumsfaktoren werden auch in Zukunft neue Weg beschreiten und den Patientenkomfort noch zusätzlich verbessern.

Welchen Kostenrahmen müssen sich Patienten bei einer Zahnfleischkorrektur ungefähr vorstellen? Inwiefern gibt es eine Unterstützung seitens der Krankenkasse?

Dr. Michael Müller: Seitens der Krankenkasse gibt es keine Vergütung für parodontale plastische Eingriffe. Diese Therapien stellen außervertragliche Leistungen dar. Von der Krankenkasse übernommen werden Lippen-/Wangenbändchenkorrekturen. Die Kosten variieren je nach Größe der Rezessionen, die zu behandeln sind, der Technik und den verwendeten Materialien. Aus diesem Grund gibt es keine allgemeingültigen Preise, weil die OP-Notwendigkeit individuell gestellt werden muss. Als Anhaltspunkt muss bei kleinen Eingriffen mit ungefähr 280 € gerechnet werden und einem steigenden Preis bei großen, aufwendigen Eingriffen und multiplen Rezessionen auf bis zu 1.200 €. 

AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


25.09.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Michael Müller
Foto (c): Universitätszahnklinik Wien
Zahnarzt in Wien
WEITERE GESUNDHEITSFENSTER-ARTIKEL
Digitale Zahnheilkunde
Dr. Christoph Kurzmann und Tom Vaskovich von der Universitätszahnklinik Wien beantworten Fragen zur digitalen Zahnheilkunde.
Invisalign – Unsichtbare Zahnspange
Die Aligner-Therapie ist auch als unsichtbare Zahnspange bekannt. Ein Experte der Universitätszahnklinik Wien beantwortet uns die wichtigsten Fragen.
Zahnimplantate nach Computerplanung
Zahnheilkunde im digitalen Zeitalter: Ein Experte der Wiener Universitätszahnklinik klärt über die Computerplanung bei Zahnimplantaten auf.
Der Laser in der Zahnheilkunde
Der Laser hat gegenüber herkömmlichen Zahnbehandlungen viele Vorteile, wie ein Experte der Universitätszahnklinik Wien im Interview betont.

Ihre Wahlmöglichkeiten hinsichtlich Cookies auf dieser Website.


minimed.at verwendet Cookies, um Ihr Nutzungsverhalten automationsunterstützt zu analysieren und Ihnen personalisierte Werbung einzublenden, die Ihren ermittelten Interessen entspricht. Sie können hier alle zustimmungspflichtigen Cookies akzeptieren oder ablehnen


oder weitere Informationen in unsere Cookie-Richtlinie einsehen und sich dann entscheiden. Die erteilte Zustimmung können Sie jederzeit für die Zukunft widerrufen, lässt aber bereits auf Grund der erteilten Zustimmung erfolgte Verarbeitungen unberührt. minimed.at verwendet ebenso Cookies, um Ihnen die Nutzung von gesund.at zu ermöglichen und nutzerfreundlich zu gestalten und Zugriffe auf gesund.at zu analysieren. Diese Cookies können Sie hier abwählen.

Weitere Informationen zu den Cookies und den Auswahl- und Kontrollmöglichkeiten sowie zur Ausübung des Widerrufsrechtes finden Sie hier.