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Zahnimplantate nach Computerplanung

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Viele Zahnärzte planen Zahnimplantate mittlerweile am Computer. (Elnur / Fotolia)

Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters NEUES AUS DER ZAHNHEILKUNDE

Ein Experte der Universitätszahnklinik Wien erklärt die Bedeutung der Computerplanung bei Zahnimplantaten.

Die Medizin ist längst im digitalen Zeitalter angekommen, das gilt auch für die Zahnheilkunde. DDr. Christoph Vasak ist im Fachbereich Orale Chirurgie an der Universitätszahnklinik in Wien tätig. Im Interview klärt er über Möglichkeiten und Grenzen der Computerplanung von Zahnimplantaten auf.

Welche Schritte sind bei der Planung vor der Zahnimplantation notwendig?

DDr. Christoph Vasak: Zahnimplantate sind meistens schraubenförmige, aus Titan hergestellte, künstliche "Zahnwurzeln", die in den Kieferknochen anstelle von verlorengegangenen Zähnen eingesetzt werden können. Auf Zahnimplantate können in weiterer Folge künstliche, vom Zahntechniker erstellte einzelne Zahnkronen, Zahnbrücken, Zahnbögen des Ober- bzw. Unterkiefers oder ein abnehmbarer Zahnersatz fixiert werden. Somit erfolgt jede Planung vor Zahnimplantation individuell nach den Wünschen und Bedürfnissen der Patienten. Um eine gute Einheilung von Zahnimplantaten im Kieferknochen gewährleisten zu können, ist neben dem Ausschluss allgemeinmedizinischer Risikofaktoren die präzise Beurteilung der zahnmedizinischen Gegebenheiten vorzunehmen.

 

Im ersten Schritt erfolgt eine 2-dimensionale Übersichtsröntgenaufnahme (Panoramaröntgen), um neben der zahnmedizinischen Untersuchung des Patienten die anatomischen Verhältnisse (wie z. B. Zähne, Kieferknochen, Kieferhöhlen, Nerven, Gefäße, etc.) sichtbar und somit beurteilbar zu machen. Sollte das 2-dimensionale Panoramaröntgen für die Beurteilung z. B. des Nervenverlaufs im Unterkiefer nicht ausreichend sein, kann eine 3-dimensionale röntgenologische Untersuchung in Form einer Computertomographie zusätzlich durchgeführt werden, um eine sichere Implantation ohne etwaige Komplikationen planen zu können. Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Planung von Zahnimplantaten ist der anschließend geplante Zahnersatz in Form von Kronen oder Brücken. Um ein ästhetisches wie funktionelles Ergebnis für den Patienten erzielen zu können, sollten die Zahnimplantate nicht nur ideal im Kieferknochen verankert, sondern auch nach dem geplanten Zahnersatz optimal ausgerichtet werden.

Welche Vorteile bietet die Planung am Computer?

DDr. Christoph Vasak: Die 3-dimensionale Planung der bevorstehenden Zahnimplantation am Computer ermöglicht der Behandlerin bzw. dem Behandler die Operation bereits virtuell "durchzuführen". Das heißt, dass nach einer präzisen präoperativen Diagnostik die geplanten Implantate 3-dimensional optimal am Computer positioniert werden können - einerseits unter Beachtung anatomisch sensibler Strukturen (wie z. B. Nerven, Gefäße, Nachbarzähne, etc.) sowie unter optimaler Nutzung des vorhandenen Kieferknochens und andererseits unter Einbeziehung des späteren Zahnersatzes (wie z. B. Kronen und Brücken) nach Funktion und Ästhetik.

 

Die Voraussetzungen für die Planung einer Zahnimplantation am Computer sind eine präzise präoperative prothetische Planung des späteren Zahnersatzes, eine 3-dimensionale röntgenologische Untersuchung (Computertomographie) und eine entsprechende Planungssoftware. Die virtuelle Planung bietet weiters bei der Zahnimplantation an sich den Vorteil, durch die auf Basis der virtuellen Planung erstellten Operationsschablone eine minimal-invasive Implantation mit reduzierten postoperativen Beschwerden zu ermöglichen.

Ist eine Computer-Planung bei Implantationen mittlerweile Standard? In welchen Fällen wird sie besonders oft angewandt?

DDr. Christoph Vasak: Die Computer-Planung ist vor der Zahnimplantation kein Muss. Der Großteil der durchgeführten Zahnimplantationen erfolgt klassisch durch Begutachtung und Planung anhand von 2-dimensionalen bzw. 3-dimensionalen Röntgenaufnahmen ohne Planungssoftware am Computer. Die virtuelle Implantationsplanung am Computer stellt eine Erweiterung der Behandlungsoptionen dar, um komplexe und schwierige Patientenfälle (wie z. B. Zahnimplantate bei sehr engen Zahnlücken, bei den Knochenaufbau vermeidenden Implantationen, bei zahnlosen Patienten) präziser planbar und komplikationslos umsetzbar zu machen. Nicht die Art und Weise der Implantationsplanung ist entscheidend, sondern die für den Patienten nach präziser präoperativer Befunderhebung sichere und komplikationslose Zahnimplantation mit gewünschtem Ergebnis.

Was hat sich in diesem Bereich in den letzten Jahren getan?

DDr. Christoph Vasak: Eine Innovation der letzten Jahre im Bereich der computergestützten Zahnimplantation war die Entwicklung und Einführung eines rein digitalen Arbeitsablaufes. Das heißt, dass durch moderne Intraoralscanner eine digitale Erfassung der Oberflächen des Oberkiefers und Unterkiefers die klassische Abformung ersetzen kann. Ebenso kann die präoperative prothetische Diagnostik und Planung der späteren Kronen und Brücken rein digital am Computer hochpräzise vorgenommen und nach der Implantation zum gewünschten Zeitpunkt digital ausgefertigt werden.

Wie präzise ist die Computer-Planung? Kann es durch Ungenauigkeiten auch zu Komplikationen kommen?

DDr. Christoph Vasak: Die Computer-Planung an sich kann sehr präzise durchgeführt werden, entscheidend für die Behandlungssicherheit ist allerdings die Umsetzungsgenauigkeit der virtuellen Planung in die chirurgische Realität. Üblicherweise erfolgt die Umsetzung der Planung durch Anwendung von Implantationsschablonen, die sich auf der Kieferschleimhaut, dem Zahnfleisch oder an den noch vorhandenen Zähnen abstützen können. Die Art der Schablonenfixierung am zu implantierenden Kiefer hat Einfluss auf die Umsetzungsgenauigkeit - je sicherer der Sitz der Schablone, desto genauer das spätere Ergebnis. In der Computer-Planung wird jedes Implantat mit einem Sicherheitsabstand von ca. 1,5 bis 2 mm dargestellt.

 

Durch unsere klinischen Studien zur Vermessung der Umsetzungsgenauigkeit und Behandlungssicherheit konnten wir feststellen, dass keine Maximalabweichungen außerhalb dieser Sicherheitsabstände gemessen wurden, wodurch eine Unterschreitung dieser Sicherheitsabstände in der Computer-Planung Komplikationen provozieren kann. Eine hundertprozentige Genauigkeit der Umsetzung nach virtueller Planung ist nicht realisierbar. Bei der Behandlung von komplexen Patientenfällen ist die computergestützte Zahnimplantation durch Schablonen gegenüber der klassischen Zahnimplantation die präziseste Methode der Umsetzung einer präoperativen prothetischen Planung.

Video: Vortrag über Computerplanung bei Zahnimplantaten

Im Rahmen des Tages der offenen Tür der Universitätszahnklinik Wien hat DDr. Christoph Vasak einen Vortrag mit dem Titel "Computerplanung bei Zahnimplantaten" gehalten.

AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


26.09.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
Priv. Doz. DDr. Christoph Vasak
Foto (c): Universitätszahnklinik Wien
Spezialist für Orale Chirurgie und dentale Implantologie in Wien
QUELLEN
"Clinical and radiological evaluation of a template-guided (NobelGuide™) treatment concept." von C. Vasak, RJ. Kohal, S. Lettner, D. Rohner
"A randomized clinical trial comparing guided implant surgery (bone- or mucosa-supported) with mental navigation or the use of a pilot-drill template." von M. Vercruyssen, C. Cox, W. Coucke, I. Naert, R. Jacobs, M. Quirynen, J. Clin Periodontol.
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