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Frozen Shoulder (Schultersteife)

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Physiotherapie ist eine der Möglichkeiten zur Therapie der Frozen Shoulder. (Lopolo/Shutterstock.com)

Die Schultersteife ist ein Krankheitsbild, das einem sprichwörtlich den Schwung aus den Armen nimmt und höllische Schmerzen verursachen kann.

Betroffene klagen dabei häufig über Probleme bei alltäglichen Bewegungen. Selbst das zum Ohr führen des Handys kann dann, aufgrund des erstarrten Schultergelenkes, zur Qual werden. Der Wiener Schulterspezialist und Teamarzt des FK Austria Wien, Dr. Marcus Hofbauer erklärt: „Bei der Schultersteife, auch als 'Frozen Shoulder' bekannt, handelt es sich um eine spontan auftretende Erkrankung der Gelenksschleimhäute. Dadurch entstehen Schulter- sowie Oberarmschmerzen und die Beweglichkeit des Schultergelenks wird massiv eingeschränkt.“

Häufigkeit der Frozen Shoulder

Schätzungsweise sind 2 bis 5% der Bevölkerung von diesem Krankheitsbild betroffen, dabei leiden Frauen tendenziell häufiger unter einer Schultersteife, als Männer. Die Betroffenen befinden sich dabei meist zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr. Zur Risikogruppe gehören vor allem Menschen mit bestimmten Stoffwechselstörungen, wie zum Beispiel Diabetes.

Ursachen

Bei der Schultersteife wird zwischen zwei Formen von Ursachen unterschieden: Die primäre und die sekundäre Form.

  • Die primäre Schultersteife beginnt oft mit einer unspezifischen Entzündung der Gelenksschleimhaut. Ärzte sind sich bei dieser Form nicht ganz einig, was die Entzündungen verursacht. Mögliche Ursachen können zum Beispiel hormonelle Veränderungen, Blutzucker- oder Stoffwechselstörungen sein. Zu Beginn der Krankheit entstehen Schulter- und Oberarmschmerzen, welche in einem weiteren Krankheitsstadium Bewegungseinschränkung führt.
  • Die sekundäre Schultersteife wird im Gegensatz zur primären, von äußeren Umwelteinwirkungen verursacht. Sie kann daher entweder nach einem Unfall, oder nach einer Schultergelenksoperation entstehen. Den Ursprung findet man dabei häufig in der Verletzung der Muskel-Sehnen-Kappe, kurz: Der Rotatorenmanschette.

Symptome/Verlauf

In der Regel verspürt der Betroffene zu Beginn der Krankheit einen dumpfen Schmerz in der Schulter, welcher in die Oberarme ausstrahlt. Neben diesem typischen Anzeichen kommt im weiteren Krankheitsverlauf eine Bewegungsunfähigkeit der Schulter hinzu. Die Schultersteife ist zwar eine langfristige und schmerzhafte Krankheit, heilt aber prinzipiell von selbst aus – dieser Prozess kann jedoch bis zu drei Jahre andauern. Die Erkrankung lässt sich in drei Stadien unterteilen:


Stadium 1: Einfrieren
In der „Einfrierungsphase“ leidet der Patient unter stetig ansteigenden Schmerzen. In diesem Stadium treten die Schmerzen vor allem nachts als sogenannte Ruheschmerzen auf. Das Einfrieren dauert gewöhnlich 6 Wochen bis 9 Monate.


Stadium 2: Gefroren
In der zweiten Phase lassen die schmerzhaften Symptome nach. Stattdessen tritt nun eine zunehmende Bewegungseinschränkung der Schulter in den Vordergrund, welche oft als Begleiterscheinung den Abbau von Muskelmasse zur Folge hat. Während der "eingefrorenen" Phase können tägliche Aktivitäten sehr schwierig sein – Sie dauert meist vier bis sechs Monate an.


Stadium 3: Auftauen
In der letzten Phase löst sich die Bewegungseinschränkung wieder langsam und die Schmerzen verschwinden beinahe vollkommen, dieses Stadium nennt man auch „Auftauen“. Bis die Beweglichkeit der Schulter vollständig wiederhergestellt wird, dauert es normalerweise ein bis drei Jahre.

Diagnose der Frozen Shoulder

Für eine Diagnose erkundigt sich der Arzt wie lange der Schmerz schon andauert, wo sich der Ausgang des Schmerzes befindet und ob diesbezüglich schon Vorbehandlungen durchgeführt wurden. Anschließend wird der Betroffene einer körperlichen Untersuchung unterzogen und vor allem Arme und Schulter genauestens beobachtet. Meist ist die Diagnose nach diesen Untersuchungen eindeutig. Um andere Ursachen aber komplett auszuschließen und strukturelle Probleme erkennen zu können, müssen bildgebende Tests angewendet werden. Für die Identifizierung möglicher Verschleißerscheinungen kommen dabei Röntgen- oder Kernspintomographie (MRT)-Geräte zum Einsatz.

Therapie der Erkrankung

Bei der Behandlung einer Schultersteife kommt es in erster Linie auf die Form der Erkrankung an – dabei gestaltet sie sich je nach Krankheitsstadium unterschiedlich.

 

Konservative Behandlung
Bei der primären Schultersteife stellt eine konsequent durchgeführte Physiotherapie, eine zentrale Behandlungsmöglichkeit dar. Dies erfordert allerdings viel Geduld und vor allem eines: Durchhaltevermögen. Die genaue Anzahl an Sitzungen und Art der Übungen hängt dabei vor allem vom Stadium der Schultersteife ab, in der sich der Patient befindet.

 

Chirurgische Behandlung
Bei der sekundären Schultersteife gilt es die Ursache der Verletzung, aus dem vorangegangenem Unfall oder anderen äußere Umwelteinwirkungen, in Erfahrung zu bringen. Darauf abgestimmt folgt eine operative Behandlung, die meist arthroskopisch (minimalinvasiv) unter Vollnarkose, erfolgt.

 

Ergänzend zu den beiden Behandlungsmethoden kann eine medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten angesetzt werden. Hier zeigt die Erfahrung, dass vor allem eine Kortison-Therapie positive Effekte erzielen kann.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Die Heilung der äußerst schmerzhaften Schultersteife braucht vor allem eines: Zeit. Der Heilungsprozess lässt sich dabei leider nicht beschleunigen. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten die Schmerzen zu lindern, um dadurch die Beweglichkeit der Schulter zu verbessern. Neben Dehnübungen und der Physiotherapie, kann auch zu Wärme- oder Kältepads gegriffen werden: Manche Menschen empfinden dies als sehr angenehme und schmerzlindernde Maßnahme.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


02.05.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
Prof. Dr. Marcus Hofbauer
Foto (c): Hofbauer/privat
Oberarzt und Leiter des Forschungsclusters für Sport- und Gelenkserhaltung an der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie im AKH, Leiter der Privatordination "ArthroSportClinic" an der Privatklinik Döbling

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