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Golferellenbogen durch Überlastung

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Bei einem Golferarm schmerzt der Ansatz der Muskelsehnen im Innenbereich des Ellenbogens. (LStockStudio/Shutterstock)

Beim so genannten "Golferellenbogen" handelt es sich um eine Erkrankung, die Schmerzen in den Sehnen der Unterarmmuskeln an der Innenseite des Ellbogens verursacht.

Der Name rührt daher, dass das Krankheitsbild besonders häufig bei Golfspielern diagnostiziert wird, da hier beim Spielen eine wiederkehrende Belastung auf die Hand- und Ellbogenmuskulatur wirkt. Der Wiener Schulterspezialist und Teamarzt des FK Austria Wien, Dr. Marcus Hofbauer, erklärt dazu: „Trotz des Namens betrifft die Erkrankung nicht nur Golfer – sogar das Gegenteil ist der Fall. Deutlich häufiger findet man die Ursache in Überbelastungen im Alltag oder bei der Arbeit.“

Wie häufig ist der Golferellenbogen?

Im Gegensatz zu einer weiteren typischen Erkrankung der Muskulatur im Bereich des Ellbogens, dem sogenannten "Tennisarm", ist der Golferellenbogen deutlich seltener. Die Beschwerden treten meist zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr auf, weshalb man auch von der "midlife crisis der Sehne" spricht, wobei Männer tendenziell häufiger betroffen sind.

Ursachen des Golferellenbogens

Tatsächlich kann die Ursache für die Diagnose Golferellenbogen darin liegen, dass man zu viel Platz auf dem Golfplatz verbringt, wenn es durch regelmäßige Fehlbelastungen der Muskelgruppen zu Entzündungen kommt. Die meisten Betroffenen jedoch haben sich diese Erkrankung nicht mit dem Golfschläger in der Hand zugezogen. Denn: viel öfters trifft es Menschen, die ihre Unterarmmuskeln normalerweise wenig fordern und diese mit plötzlichen, ruckartigen Bewegungen überlasten. Überlastungen sind meist Folgen von falsch ausgeführten Bewegungen:

  • Bei Sportarten: mit ruckartigen Bewegungsabläufen, wie beim Werfen oder Gewichte heben. Besonders bei ungewohnten Arm-Bewegungen oder unzureichendes Training auf die Belastung.
     
  • Beim Arbeiten: Diese führen bei einer schlechten Bewegungs- und Haltungskoordination wie sie beispielsweise häufig bei Malern oder Automechaniker auftritt
     
  • Im Alltag: Aus dem gleichen Grund, der einer schlechten Bewegungs- und Haltungskoordination, können auch alltäglichen Bewegungen die Ursache sein. So können Computerarbeiten oder bestimmte Hausarbeiten, wie z.B. Kochen, einen Golferellbogen verursachen.

Durch diese Arten der Überbelastung kommt es am inneren Ellbogen zu kleinsten Verletzungen (Mikrotraumen) am Bindegewebe und der Muskulatur. Diese spielen eine große Rolle beim Verschleiß der Muskelsehnen und führen im Endeffekt zu entzündlichen Veränderungen im Muskelgewebe – der Auslöser für Schmerzen, die durch ein Abwinkeln oder Drehen des Unterarms intensiviert werden.

Symptome und Verlauf des Golferellenbogens

Zum Hauptsymptom zählen Schmerzen im inneren Ellbogen, diese strahlen zum Teil in den gesamten Unterarm aus. Meist treten die Beschwerden bei der Bewegung des betroffenen Arms auf, wenn die Muskulatur angespannt und belastet wird. Sie können aber auch in Ruhephasen präsent sein, vor allem wenn die Entzündung fortgeschritten ist und dadurch die betroffene Stelle anschwillt und druckempfindlich wird. In einigen Fällen verschwinden die Symptome schon nach wenigen Wochen wieder. Manchmal halten sie jedoch einige Monate an – grundsätzlich sind 80% der Betroffenen innerhalb eines Jahres schmerzfrei.

Wie erfolgt die Diagnose des Golferellenbogens?

Für die Diagnose des Golferellenbogens kommen vorrangig bildgebende Verfahren, wie zum Beispiel Ultraschall oder Röntgen zum Einsatz – Laboruntersuchungen haben dabei meist nur einen ausschließenden Charakter. Vorab erfragt der Arzt, bei welchen körperlichen Tätigkeiten die Beschwerden spürbar sind und ob es womöglich Vorerkrankungen gibt. Eine Untersuchungs-Art wäre beispielsweise, dass der Arm mit der Handfläche nach unten ausgestreckt wird. Dabei wird der Arm nach unten gedrückt, sodass der Betroffene gegen den Widerstand halten muss.

Therapie des Golferellenbogens

Nach einer Diagnose sollten betroffene Personen den Arm zunächst schonen. Dies bedeutet, jene körperlichen Tätigkeiten soweit es geht zu vermeiden, die die Überlastung des Armes verursacht haben. Grundsätzlich werden bei der Behandlung vorrangig konservative Therapiemöglichkeitenangewendet. Zu diesen zählen unter anderem:

  • Schmerzmittel
    In besonders schwerwiegenden Fällen können Schmerzmedikamente und Kortison-Spritzen die Beschwerden lindern. Dadurch, dass das Kortison den Heilungsprozess stören kann, wird diese Form der Behandlung sehr sparsam eingesetzt.
  • Physikalische Therapien
    Darunter finden einerseits Maßnahmen, wie die Behandlung mit TENS-Ströme, eine schmerzlindernde Reizstrombehandlung, die Betroffene sogar selbst zu Hause durchführen können.Aber auch miteiner Kälte- oder Ultraschallbehandlungkönnen gute Erfolge erreicht werden.
  • Bandagen oder Tapen
    Generell ist die Wirkung von Bandagen oder Tapes begrenzt, können aber kurzfristig zu einer Schmerzlinderung führen. Dabei wird vor allem das Handgelenk in eine neutrale Position gebracht und stabilisiert. Ein Drehen des Gelenkes wird dadurch erschwert und ein Zug auf das Gewebe vermindert.

Chirurgische Behandlung
Die letzte Therapiemöglichkeit stellt eine Operation dar. Diese Option kommt aber nur bei Patienten in Frage, bei denen sich die Beschwerden auch nach Monaten oder Jahren nicht verbessern.

 

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Um den Heilungsprozess zu unterstützen, sollte die betroffene Stelle ruhig gestellt werden. Sprich: Das Golf spielen oder andere wiederkehrende Tätigkeiten in die Warteschleife setzen. Zusätzlich können exzentrische Übungen wie das Handgelenk beugen und überstrecken, ein wirksames Mittel sein, um die Regeneration zu beschleunigen. Konsequent durchgeführte Dehnungsübungen vermindern dabei die Zugkraft am Sehnenansatz und reduzieren somit Muskelanspannungen. Doch Vorsicht: Es sollten nur Übungen ausgeführt werden, die von einem Arzt oder Therapeuten empfohlen wurden. Andernfalls können falsch ausgeführte Übungen den Heilungsprozess verlängern – vor Trainingsbeginn sollte man seinen behandelten Arzt konsultieren.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


09.08.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
Prof. Dr. Marcus Hofbauer
Foto (c): Hofbauer/privat
Oberarzt und Leiter des Forschungsclusters für Sport- und Gelenkserhaltung an der Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie im AKH, Leiter der Privatordination "ArthroSportClinic" an der Privatklinik Döbling
QUELLEN
Interview mit Prof. Dr. Marcus Hofbauer am 07.08.2019

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