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Ischiasschmerzen (Ischialgie)

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Bei Ischiasschmerzen ist in den meisten Fällen die Lendenwirbelsäule betroffen. (Lars Zahner / Fotolia.com)

Unter Ischias (auch Ischialgie, Ischiassyndrom oder Ischiasschmerzen genannt) versteht man Schmerzen unterschiedlicher Intensität entlang des Ischiasnervs, fallweise heftig ziehend. 

Die Schmerz-Symptome verlaufen von der Lendenwirbelsäule im unteren Rücken über das Gesäß, die Rückseite der Oberschenkel bis in die Unterschenkel und können bis in die Füße ausstrahlen. Häufig ist ein gereizter Nerv schuld an den Schmerzen. Ist ein Ischiasschmerz vorhanden, fällt es schwer, auf Zehenspitzen oder den Fersen zu gehen. Die Behandlung z.B. mit entzündungshemmenden Medikamenten richtet sich nach der Ursache der Schmerzen. Schätzungen zufolge ist jeder 5. Österreicher fallweise mit Ischiasschmerzen konfrontiert. 

Häufigkeit

Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden in Österreich. In den meisten Fällen ist davon die Lendenwirbelsäule betroffen. Bei einem großen Teil dieser Patienten treten Reizungen des Ischiasnervs auf. Es wird geschätzt, dass rund 20 % der Bevölkerung zumindest einmal im Leben von Ischiasschmerzen betroffen sind. 

Ursachen

Der Ischiasnerv ist der längste und dickste Nervenstrang im menschlichen Körper. Seine Aufgaben: Er sendet Empfindungen an den Beinen an das Rückenmark, von dort werden die Botschaften an das Gehirn weitergeleitet. In umgekehrter Richtung dient der Ischiasnerv dazu, Befehle des Gehirns über das Rückenmark an die Beine zu leiten. Ein solcher Befehl kann z.B. lauten, einen Muskel zusammenzuziehen. 
 

Ischiasschmerzen können verursacht werden durch... 

  • einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (im unteren Rückenbereich) 
  • chronisch-degenerative Veränderungen. So kann etwa eine durch Verschleiß bedingte Verengung des Wirbelkanals in der Lendenwirbelsäule die Nervenfasern ständig reizen oder gar zusammendrücken, wodurch ebenfalls heftige Schmerzen entstehen können 
  • entzündete Nerven im Lendenwirbelbereich
  • neurologische Erkrankungen (wie die Neuroborreliose)
  • Infektionen von Bandscheiben oder Wirbelknochen
  • seltene Tumorerkrankungen 

Symptome

Leitsymptom für eine Reizung des Ischiasnervs sind heftige Schmerzen, die sich vom unteren Rücken über das Gesäß und die Rückseite der Oberschenkel bis in die Kniekehlen ziehen und bis in die Zehen ausstrahlen können. Auch Gefühlsstörungen, Kribbeln und Taubheitsgefühle bis hin zu Lähmungserscheinungen in den Füßen sind möglich. 
 

Ischiasschmerzen und gleichzeitige Schwäche von Bein- oder Fußmuskeln sind Alarmsymptome, die sofort ärztlich begutachtet werden sollten. 

Verlauf

Der Verlauf ist in den meisten Fällen harmlos, zumeist bessern sich die Schmerzen im Laufe der Therapie binnen Tagen, spätestens nach wenigen Wochen verschwinden sie wieder. In seltenen schweren Fällen dagegen kann eine Operation an der Wirbelsäule nötig werden. Diese Maßnahme steht an letzter Stelle. Die regelmäßige ärztliche Verlaufskontrolle ist wichtig, um die Behandlung, Operation oder nicht, in die richtigen Bahnen zu lenken. 

 

ISCHIASSCHMERZEN 

HEXENSCHUSS 

WAS VERSTEHT MAN UNTER... 

Der Ischiasnerv ist gereizt bzw. wird gequetscht 
 

Bestimmte Muskelbereiche im unteren Rückenabschnitt verkrampfen sich schmerzhaft 

MÖGLICHE AUSLÖSER 

Bandscheibenvorwölbung, Bandscheibenvorfall 
 

Abrupte, ruckartige Bewegungen, das Heben schwerer Lasten 

WO SIND DIE SCHMERZEN SPÜRBAR? 

Ischiasbeschwerden strahlen in den Po oder das Bein aus, bewegen ist meist möglich 
 
Der Hexenschuss schmerzt direkt im Rücken, es ist nur schwer möglich, aufrecht zu gehen

Diagnose

Grundlage einer Diagnose ist die sorgfältige Schmerzanamnese, körperliche Untersuchung der Wirbelsäule und die neurologische Untersuchung. Auf das Vorliegen eines Dehnungsschmerzes des Ischiasnervs (Lasègue-Test genannt) wird besonderes Augenmerk gelegt. Dabei liegt der Patient flach auf dem Rücken und das gestreckte Bein wird vom Arzt langsam und vorsichtig angehoben. Schießen bis zu einem Winkel von etwa 45 Grad plötzlich heftige Schmerzen vom Rücken in das Bein ein und strahlen sie bis unter das Knie aus, wird der Ischiasnerv als Ursache der Schmerzen gesehen. 
 

Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomographie und Kernspintomographie den Verdacht absichern und auch andere Ursachen ausschließen oder diese bestätigen. 
 

Von den Ischiasschmerzen abzugrenzen ist die Lumbalgie (der sogenannte Hexenschuss). Hier schmerzt ausschließlich der Bereich des unteren Rückens (der Bereich der Lendenwirbelsäule), der Schmerz zieht sich jedoch nicht in die Beine hinunter. 

Therapie

Anfangs entlastet man die Wirbelsäule, indem man sich in "Stufenlagerung" hinlegt: Der Oberkörper liegt dabei flach, während die Beine hoch gelagert werden. Das entlastet den Druck auf die bedrängte Nervenwurzel. Völlige körperliche Schonung ist jedoch keine Dauerlösung und sollte auf wenige Tage beschränkt bleiben. In den meisten Fällen verabreicht der Arzt schmerz- und entzündungshemmende Medikamente. Injektionen an die gereizten Nervenwurzeln und Schmerzpunkte unterstützen die Heilung. Treten zusätzlich zu den Schmerzen auch Taubheitsgefühle oder gar Lähmungserscheinungen auf, muss engmaschig kontrolliert werden, fallweise ist eine Operation erforderlich. 
 

Nach Abschluss der Akuttherapie und nach Abklingen der Schmerzen empfiehlt sich in vielen Fällen Physiotherapie oder Rückentraining, um die Muskulatur im geschwächten Bereich zu stärken und um weiteren Ischialgien vorzubeugen. Eine konsequente Umsetzung des erlernten Verhaltens im Alltag wird dringend empfohlen, um Wiederholungen der Probleme und eine mögliche Chronifizierung der Schmerzen zu verhindern. 

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Dauerhafte körperliche Schonung ist keine Option. Im Gegenteil, Patienten sollen sich nach Anleitung eines Physiotherapeuten (nach Abklingen der Schmerzen) ausreichend bewegen. Die Absolvierung einer Rückenschulung hilft, weitere Vorfälle vorzubeugen. Bei Übergewicht wird zur Gewichtsreduktion (mehr Bewegung, kalorienärmere Ernährung) geraten. 

AUTOR


Dr. Thomas Hartl
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


10.07.2014
MEDIZINISCHER EXPERTE
OA Dr. Thomas Kalmar
Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie Krems
LETZTES REVIEW
QUELLEN
100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie, C. Mayer, W. Siems, Springer Verlag, Berlin, 2011

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