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Skidaumen oder Tormann-Daumen?

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Ist beim Skidaumen das Band nicht gerissen, genügt das Ruhigstellen mittels Schiene und eventuell Schmerzstillung. (piggypa - Fotolia.com)

Beim Skidaumen handelt es sich um ein geschwollenes Daumengrundgelenk mit Bänderzerrung oder -riss. Er entsteht, wenn der Daumen von außen, von der Hand weg überdehnt wird.

Was als Skidaumen bezeichnet wird, beschränkt sich aber nicht nur aufs Skifahren und könnte daher genauso gut Tormann- oder Turner-Daumen heißen. Der Skidaumen ist eine häufige und sehr schmerzhafte Sportverletzung: in stark frequentierten Skigebieten sind etwa drei Pistensportler täglich davon betroffen. Nach Ausheilen der Verletzung hilft Ergotherapie zur Kräftigung bzw. zum Wieder-Erlernen der Handbewegungen.

Die wichtigste Erste-Hilfe-Maßnahmen beim Skidaumen

  • ein stabilisierender Verband

  • Hochlagern

  • Kühlung

  • das Aufsuchen einer Unfall-Ambulanz

 

In der Regel heilt der Skidaumen mit der richtigen Behandlung komplikationslos aus.

Skidaumen - Häufigkeit und Ursachen

Die als Skidaumen bekannte Verletzung kann übrigens auch Turner, Fußball-Torleute oder Mountainbiker betreffen. Skihandschuhe mit speziellen Daumen-Stützen sind jedenfalls kein ausreichender Schutz vor der Verletzung - ganz im Gegenteil: eine gewisse Flexibilität ist nötig, um Sturzbelastungen auszuweichen und schwerere Verletzungen etwa im Handgelenk zu vermeiden. Ein ergonomischer Griff und gut verarbeitete Schlaufen am Skistock können bei Skifahrern das Risiko des Hängenbleibens minimieren. Wie bei allen Sportverletzungen gilt: Die beste Prävention sind eine gute Kondition sowie rechtzeitige Pausen oder Aufhören bei Übermüdung. Das gilt besonders für jene, die nicht regelmäßig sporteln und sich nur selten auf die Piste wagen.

 

Das Daumengrundgelenk

 

Das Daumengrundgelenk ist die Verbindung zwischen dem ersten Mittelhandknochen und dem Fingergrundglied des Daumens. Als Scharniergelenk - im Gegensatz etwa zu einem Kugelgelenk wie beispielsweise in der Schulter - ermöglicht es Bewegungen nur um eine Achse, also Beugen und Strecken des Daumens. Die seitliche Fixierung erfolgt durch Bänder.

Wie erkennt man einen Skidaumen?

"Die als Skidaumen bezeichnete Sportverletzung ist eine Zerrung oder ein Riss (Ruptur) des inneren Seitenbandes des Daumengrundgelenks", erklärt Unfallchirurg Dr. Thomas Pokorny. "Ist das Band gerissen, kann der Verletzte meistens nicht einmal mehr ein Blatt Papier zwischen Daumen und Zeigefinger halten."

 

Als Unterscheidungsmerkmal zwischen Zerrung und Riss des Bandes wird in der medizinischen Fachliteratur eine um 30 Grad erweiterte "Aufklappbarkeit" des Daumens (bzw. um 15 Grad mehr als an der unverletzten Hand) angegeben. In der Regel wird immer eine Röntgenaufnahme angefertigt, auch um Brüche etwa im Bereich der Mittelhand, Handwurzelknochen oder knöcherne Bandausrisse zu erkennen. Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) können zusätzlich helfen, das genaue Ausmaß der Bandverletzung zu erkennen, insbesondere bei veralteten Bandverletzungen.

Therapie eines Skidaumens

Ist beim Skidaumen das Band nicht gerissen, genügt eine konservative Behandlung, also Ruhigstellen mittels Schiene und eventuell Schmerzstillung. Damit gehen innerhalb einer Woche Schwellung und Entzündung zurück, und idealerweise kann schon eine Bewegungstherapie begonnen werden. Nach 4 Wochen wird empfohlen, das Gelenk durch Anziehen und Abspreizen des Daumens zu mobilisieren. Die Schiene sollte jedoch - außer zu den Übungen - weiter getragen werden, besonders wenn mit der verletzten Hand gearbeitet wird.

 

Ist das Band gerissen, muss operiert werden, betont Unfallchirurg Pokorny. "Während bei einem Bänderriss in einem anderen Gelenk, etwa im Knöchel, die Enden wieder von selbst zusammenwachsen können, liegt beim Daumengelenk ein Muskel im Weg." Die Operation ist zwar nicht am selben Tag nötig, sollte aber spätestens innerhalb einer Woche erfolgen. Den meisten Patienten genügt eine Lokalanästhesie, sodass sie noch am selben Tag das Krankenhaus verlassen können. "Bei der Operation wird meist ein Mini-Anker am Knochen gesetzt, an dem das gerissene Band fixiert wird", erklärt Pokorny. Danach sind 6 Wochen Ruhigstellung durch Gips oder Schiene nötig. Komplikationen bzw. Spätfolgen nach einem Skidaumen gibt es nur sehr selten, etwa dann wenn es zu einer bleibenden Instabilität des Gelenkes mit vorzeitiger Abnützung und Bewegungseinschränkung kommt.

 

Gibt es nach der Verletzung Schwierigkeiten bei bestimmten Bewegungen, etwa dem Öffnen einer Wasserflasche, so kann Ergotherapie helfen: Durch passive Mobilisierung bis hin zu gezielten Übungen werden dabei das Zusammenspiel der Finger sowie die Kraft wieder verbessert. Bleibt das Gelenk weiterhin schmerzhaft und instabil, kann nur mehr eine Bandplastik durchgeführt werden. Bei dieser Operation wird das gerissene und bereits verkümmerte Band durch eine körpereigene Sehne ersetzt, welche die ursprüngliche Bandfunktion übernimmt.

AUTOR


Mag. Christina Lechner
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Sylvia Neubauer


ERSTELLUNGSDATUM


28.07.2016
MEDIZINISCHER EXPERTE
OA Dr. Matthias Wlk
Orthopädie und Orthopädische Chirurgie Leiter der Handambulanz der Herz-Jesu KH, Wien
QUELLEN
D. Anderson: „Skier´s thumb“. In: Australian Family Physician, 2010; 39(8):575-577
Interview mit Yara Peterko, Ergotherapie Austria, am 31.10.2013
Interview mit Thomas Halwachs, Einsatzleiter Bergrettungs-Ortsstelle Semmering, am 20.09.2013
Interview mit Dr. Thomas Pokorny, Abteilung für Unfallchirurgie, Landesklinik, am 20.09.2013

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