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Endometriose betrifft bis zu 300.000 Österreicherinnen

Frau mit Unterleibsschmerzen
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Wird eine Endiometriose frühzeitig erkannt, kann sie gut behandelt und die Fertilität erhalten werden. (Pixel-Shot / Shutterstock.com)

Endometriose ist eine Erkrankung, die oft unerkannt bleibt oder mit großer Verzögerung diagnostiziert wird. Mit der Aktion BEI soll Bewusstsein geschaffen werden.

Die Endometriose ist eine Erkrankung, bei der sich Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), die normalerweise nur in der Gebärmutterhöhle vorkommt, auch außerhalb im Bauchraum befindet und dort zu lokalen entzündlichen Veränderungen führt. Zwischen 120.000 und 300.000 Frauen in Österreich sind davon betroffen, die Dunkelziffer ist hoch – vielfach mit der Konsequenz, unfruchtbar zu werden. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, kann sie gut behandelt und die Fertilität erhalten werden. Bis es aufgrund der unspezifischen Symptome aber zu einer Diagnose kommt, dauert es durchschnittlich sieben bis neun Jahre. Aus diesem Grund starten die drei Medizinischen Universitäten Österreichs in Wien, Graz und Innsbruck eine Awareness-Aktion für Endometriose und in diesem Zusammenhang auch zu Unfruchtbarkeit.

Mobil für mehr Bewusstsein

Die Aktion mit dem Namen „BEI“ (Bewusstsein für Endometriose und Infertilität) beginnt am 11. März 2019 in Wien mit einem Kick-Off-Event im Van Swieten Saal der MedUni Wien (ab 18:00 Uhr), tagsüber fährt ein „BEI-Endometriose-Bus“ quer durch Wien, um die Bevölkerung zu informieren. Alle weiteren Termine und Stationen (in Klagenfurt, Graz, Innsbruck und Wels) sind auf der soeben gelaunchten Website zu www.beiaustria.at finden.

Jahrelange Schmerzen oft unnötig

„Viele Frauen haben bei der Menstruation starke Schmerzen, verbinden dies aber überhaupt nicht mit Endometriose und leiden so jahrelang – und zwar unnötig“, erklärt Assoc. Prof. Dr. Kazem Nouri von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien und Leiter des Projekts. Ständige Schmerzen im Unterleib und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr lassen darauf schließen, dass möglicherweise eine Endometriose-Erkrankung vorliegt. „Endometriose ist eine Erkrankung, die oft unerkannt ist oder mit großer Verzögerung diagnostiziert wird, die aber gut behandelt werden kann“ fasst Beata Seeber, Leiterin des Endometriosezentrums der Medizinischen Universität Innsbruck, eine der Kernbotschaften der Aktion BEI zusammen. „Mit der gemeinsamen Aktion möchten wir Frauen auf Endometriose aufmerksam machen, um eine frühzeitige Abklärung zu ermöglichen“, ergänzt Fortpflanzungsmedizinerin Priv.-Doz. Dr. Monika Wölfler von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Med Uni Graz.

Ultraschall liefert meist erste Hinweise

Einen ersten diagnostischen Hinweis erhält man meist durch eine Ultraschall-Untersuchung. Erst wenn hier Endometriose-Zysten sichtbar werden, sollte eine Bauchspiegelung durchgeführt werden, um die Herde zu lokalisieren und gegebenenfalls zu entfernen. Dadurch kann die Betroffene von den Schmerzen erlöst und die Fertilität wiederhergestellt werden. Univ. Prof. Dr. med. René Wenzl, Leiter des Endometriosezentrums der Medizinischen Universität Wien: „Jedes vierte Paar in Österreich ist ungewollt kinderlos – auch aufgrund von Endometriose – das ist bei frühzeitiger Diagnose einfach nicht nötig.“ Österreich ist dafür gut aufgestellt: Es gibt 15 Endometriose-Zentren, auch an der MedUni Wien/AKH Wien sowie an den Frauenkliniken in Graz und Innsbruck.

 

Gleichzeitig wollen die Mediziner aus Wien, Graz und Innsbruck aber auch auf das wichtige Thema Infertilität hinweisen. Die Fruchtbarkeit nimmt bei Frauen ab dem 35. und bei Männern ab dem 45. Lebensjahr rasant ab – Lifestyle-Faktoren wie Rauchen, Alkohol oder Übergewicht sind zusätzliche, negative Risikofaktoren. Nouri: „Ab dem 42. Lebensjahr liegt für Frauen die Wahrscheinlichkeit, ein Kind auf die Welt zu bringen, unter fünf Prozent.“ Das gilt auch für die künstliche Befruchtung (In-Vitro-Fertilisation) – hier sind den Möglichkeiten der modernen Reproduktionsmedizin altersmäßig ebenfalls Grenzen gesetzt.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


07.03.2019
QUELLEN
Presseaussendung der Medizinische Universität Wien vom 07.03.2019
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