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Scheideninfektionen

Scheidenpilz und bakterielle Vaginose
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Scheideninfektionen machen sich meist durch Juckreiz und Brennen im Intimbereich bemerkbar. (Siriluk ok / Shutterstock.com)

Starkes Jucken und Brennen im Genitalbereich, verbunden mit einem auffälligen Ausfluss: Diese Beschwerden kennen etwa 3/4 aller Frauen. Verursacht werden sie meist durch Bakterien und/oder Pilze.

Video: Tabuthema Vaginalinfektion. Achtung vor falscher Selbstdiagnose!

Dr. Christine Chung, MPH (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Wien) gibt einen Überblick zum Thema Scheideinfektionen. Sie erklärt, warum das Tabu gebrochen werden muss und wie Frauen die Problematik bestmöglich vermeiden können. (Juli 2020)

Die natürliche Scheidenflora einer gesunden Frau besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Bakterienstämme und ist ein wichtiges Schutzschild vor unangenehmen Infektionen. Zahlreiche Laktobazillen, die nach ihrem Entdecker auch als "Döderlein-Bakterien" bezeichnet werden, sorgen für ein leicht saures Milieu in der Scheide (pH 3,8 – 4,5), in dem sich krankmachende Keime nur schwer vermehren können. Das vaginale Gleichgewicht kann durch eine Vielzahl von körpereigenen und äußeren Faktoren gestört werden: Stress, Antibiotika, orale Kontrazeptiva (Pille), ein geschwächtes Immunsystem, chronische Erkrankungen (z. B. Diabetes) übertriebene bzw. falsche Intimhygiene, ungeschützter Geschlechtsverkehr oder hormonelle Veränderungen (z. B. Schwangerschaft, Wechseljahre) können die Balance des natürlichen Scheidenmilieus leicht zum Kippen bringen. Die wichtigen Laktobazillen werden dann reduziert und in Folge können sich unerwünschte Mikroorganismen ansiedeln und ungehindert vermehren.

 

Tatsächlich sind ca. 70 % der Frauen regelmäßig davon betroffen: unangenehmes Brennen, quälender Juckreiz oder ein übelriechender Ausfluss sind meist keine Anzeichen mangelnder Hygiene, sondern oft ein deutlicher Hinweis auf eine Scheideninfektion. Überwiegend handelt es sich um eine sogenannte bakterielle Vaginose (40 – 50 % der Fälle) – verursacht durch Bakterien – oder um eine vaginale Candidose (20 – 25 %) – ausgelöst durch Pilze. Doch nicht immer ist nur eine Erregerart für das Krankheitsbild verantwortlich: Häufig spricht man von einer Mischinfektion (Bakterien und Pilze sind gleichzeitig zu finden).

Ursachen und Symptome einer Scheideninfektion

Bakterielle Vaginose

Die bakterielle Vaginose ist gekennzeichnet durch einen Rückgang nützlicher Laktobazillen und überschießendem Wachstum anderer Bakterienarten, die normalerweise nur in geringer Zahl in der Scheide vorkommen. Dazu zählen neben Gardnerella vaginalis und Atopobium vaginae vor allem Bakterien der Gattungen Megasphaera, Prevotella und Mobiluncus. Der pH-Wert der Scheide erhöht sich dadurch deutlich (pH > 4,5). Bei ca. 50 % der betroffenen Frauen kündigt sich eine bakterielle Vaginose mit einem dünnflüssigen, gräulich bis gelblichen Ausfluss an, verbunden mit einem unangenehm fischigen Geruch. Gelegentlich können auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Wasserlassen sowie leichter Juckreiz und vaginale Rötungen auftreten.

 

Vaginale Candidose

Gleichzeitig mit der bakteriellen Infektion oder auch als einzelnes Phänomen kann es auch zu einer übermäßigen Vermehrung von Pilzen im Scheidenmilieu kommen. In den meisten Fällen ist ein Hefepilz namens Candida albicans als Verursacher einer vaginalen Candidose bekannt. Andere Pilzarten, wie Candida glabrata oder Candida tropicalis, sind eher selten für eine Infektion verantwortlich. Ähnlich wie bei der bakteriellen Vaginose reicht eine Besiedelung mit dem Pilz allein für die Entstehung einer Infektion noch nicht aus. Erst eine aus dem Gleichgewicht geratene Scheidenflora kann die unkontrollierte Ausbreitung des Pilzes begünstigen.

 

Typische Symptome einer Pilzinfektion sind eine Rötung und Schwellung im gesamten inneren und äußeren Vaginalbereich sowie ein ausgeprägter Juckreiz und ein Brennen beim Toilettengang. Zu den besonders störenden Begleiterscheinungen zählt zudem der bröckelnde, weiße und weitgehend geruchlose Ausfluss.

 

Symptome eines ScheidenpilzesSymptome einer bakteriellen Vaginose
Brennen und Jucken der ScheideBrennen und Jucken der Scheide
Schmerzen beim HarnlassenSchmerzen beim Harnlassen
Weißlicher Ausfluss, mitunter dicklich-bröckeligWeißer dünnflüssiger Ausfluss
Die Geschlechtsteile sind rötlich gefärbtDie Geschlechtsteile sind nicht rötlich gefärbt
Meist kein GeruchFischartiger Geruch

Diagnose von Scheideninfektionen

Die klinischen Symptome einer Scheideninfektion sind sehr vielseitig und können je nach Erreger und abhängig vom weiblichen Immun- bzw. Hormonstatus sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, einander ähneln oder sogar gänzlich fehlen. Bei Bakterien- und Pilzinfektionen ist besondere Vorsicht geboten, da sie – ohne Abstrich – häufig verwechselt werden.

 

Eine Studie hat gezeigt, dass nur etwa ein Drittel der Frauen, die ein rezeptfreies Apothekenprodukt zur Therapie einer Pilzinfektion kauften, auch tatsächlich die richtige Selbstdiagnose gestellt hatten. Diese oftmals falsche Selbstdiagnose "Pilzinfektion" führt somit nicht nur zu unerfüllten Erwartungen an das entsprechende Produkt, sondern es geht auch wertvolle Zeit bis zur korrekten Diagnose verloren. Das Risiko, dass zum Beispiel eine bakterielle Vaginose verschleppt wird, ist durchaus beträchtlich.

 

Die Therapiewahl hängt daher stark davon ab, um welche Art von Erreger es sich handelt. Dieser kann nur vom Gynäkologen mittels eines unkomplizierten vaginalen Abstriches eindeutig identifiziert werden. Vor allem bei immer wiederkehrenden Infektionen wird eine ärztliche Diagnose dringend empfohlen.

Therapie von Scheideninfektionen

Scheideninfektionen sind mit Medikamenten, die gegen einzelne Erreger wirken, zu behandeln (Antibiotika gegen Bakterien, Antimykotika gegen Pilze). Antiseptische Wirkstoffe (z. B. Octenidin) wirken gegen ein breites Erregerspektrum, beseitigen Pilze und Bakterien gleichzeitig, und stellen damit einen Vorteil auch bei sogenannten Mischinfektionen dar.

 

Die Therapie der bakteriellen Vaginose erfolgt in der Regel mit oral oder vaginal zu verabreichenden Antibiotika (z. B. Metronidazol, Clindamycin) oder lokal anzuwendenden Antiseptika (z. B. Octenidin, PVP-Iod). Es ist zu beachten, dass eine Antibiotikaeinnahme meist das Risiko für eine nachfolgende Pilzinfektion erhöht.

 

Weitverbreitet in der Behandlung der vaginalen Candidose sind Antimykotika aus der Wirkstoffklasse der Imidazole bzw. Azole (z. B. Clotrimazol bzw. Fluconazol) oder wiederum Antiseptika (z. B. Octenidin, PVP-Iod). Die Anwendung erfolgt hierbei in erster Linie sowohl vaginal mit Hilfe von Scheidenzäpfchen, Vaginaltabletten oder Sprays als auch topisch mit Cremes und Salben. Erst in schweren Fällen oder wenn eine Lokaltherapie ohne Erfolg bleibt, wird eine Behandlung mit Tabletten (z. B. Fluconazol) zur oralen Einnahme empfohlen. Eine Mitbehandlung für den Partner ist im Regelfall nur nötig, wenn bei diesem ebenfalls Symptome eines Pilzbefalls vorliegen.

 

Ein unnötiger oder fehlerhafter Einsatz von Antibiotika und Antimykotika birgt das Risiko einer Resistenzentwicklung der beteiligten Erreger, welche einen nachhaltigen Therapieerfolg nochmals deutlich erschwert.

Scheideninfektion während der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft ist die Scheidenflora aufgrund der hormonellen Veränderungen für Infektionen besonders anfällig. Hier ist absolute Achtsamkeit geboten, da Scheideninfektionen das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen stark erhöhen. Unbehandelt kann vor allem eine bakteriell bedingte vaginale Infektion Richtung Gebärmutter aufsteigen und schlimmstenfalls vorzeitige Wehen, einen zu frühen Blasensprung und so eine Frühgeburt oder Fehlgeburt verursachen.

 

Bei einer vorliegenden vaginalen Candidose können Pilze zudem im Verlauf einer Spontangeburt auf die Haut des Neugeborenen übertragen werden und bei diesem Krankheiten wie Mundsoor und Windeldermatitis verursachen. Der behandelnde Gynäkologe wählt in diesem spezifischen Fall Wirkstoffe, die nicht in den Körper resorbiert werden und damit das Ungeborene nicht erreichen.

Was kann die Betroffene selbst tun?

Eine Scheideninfektion ist keine klassische Geschlechtskrankheit und hat auch meist nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Sie müssen sich also nicht schämen, wenn sie eine derartige Erkrankung erleiden. Vorbeugen kann man sogar, indem man auf übertriebene Hygiene verzichtet. Scheidenspülungen, Waschlotionen und Intimsprays beeinflussen das sensible Scheidenmilieu.

 

Ideal ist Unterwäsche aus Naturfasern, die täglich gewechselt werden muss. Benutzen Sie Handtücher nicht gemeinsam, dadurch können sich Keime schnell verbreiten. Trotz einer Scheideninfektion müssen Sie nicht auf Sport verzichten: Im Schwimmbad sollten Sie nach dem Schwimmen den Badeanzug wechseln, die Feuchtigkeit begünstigt das Wachstum von Erregern. In der Sauna oder im Dampfbad auf einem (eigenen) Handtuch zu sitzen, reduziert das Risiko einer Infektion. Tampons müssen nach dem Schwimmen sofort gewechselt werden. In punkto Ernährung gilt: Pilze mögen Zucker – verzichten Sie daher weitgehend auf Süßes.­­

AUTOR


Dr. Christine Chung, MPH
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


19.08.2020
MEDIZINISCHER EXPERTE
Christine Chung
Dr. Christine Chung MPH
Foto (c): Christine Chung
Frauenärztin in Wien

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