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Lebensmittel, die Kopfschmerzen verursachen

Bestimmte Lebensmittel können Kopfschmerzen verursachen.
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Mehr als 1 Million Menschen sind in Österreich regelmäßig von Kopfschmerzen betroffen. (Maridav / Fotolia.com)

Plötzlich auftretende Kopfschmerzen können viele verschiedene Ursachen haben. Auch einige Lebensmittel kommen als Auslöser in Frage.

Es wird zwischen über 200 verschiedenen Kopfschmerzarten unterschieden, entsprechend vielseitig sind auch die möglichen Auslöser. Wenn die Denkzentrale schmerzhaft pocht, ist das nur in seltenen Fällen als Indiz für eine schwere Erkrankung zu deuten. Zumeist sind es vergleichsweise harmlose Ursachen wie Stress, Flüssigkeitsmangel oder eben auch der Konsum bestimmter Lebensmittel, die die Beschwerden verursachen. Welche Nahrungsmittel sich wie auf Kopfschmerzen auswirken, kann wiederum bei jedem Menschen individuell etwas anders aussehen.

Die häufigsten Auslöser von Kopfschmerzen

Wenngleich jeder Mensch ein wenig anders tickt, gibt es einige Lebensmittel und Inhaltsstoffe, die besonders häufig mit Kopfschmerzen assoziiert werden können:

  • Alkohol

  • Kaffee

  • Schokolade

  • Histamin

  • Zucker

  • Aspartam

  • Geschmacksverstärker (Glutamat)

Alkohol als typischer Auslöser

Übermäßiger Alkoholkonsum ist in vierlei Hinsicht ungesund für den menschlichen Körper. Insbesondere Gelegenheitstrinker kennen ihn zudem als Auslöser teils heftiger Kopfschmerzen. Wer an einem Abend etwas zu viel vom Genussmittel erwischt hat, läuft Gefahr, am nächsten Tag mit einem hartnäckigen Kater und einem entsprechend pochenden Schädel aufzuwachen. Bei Betroffenen regelmäßiger Migräneattacken ist Studien zufolge neben der Menge auch die Wahl des Alkohols ein wichtiger Faktor.

 

Rotwein ist demnach ein beosnders starker Auslöser, während Wodka bei Migränepatienten vergleichsweise selten für Kopfschmerzen sorgt. Auch Bier schnitt in einer Tagebuch-Studie der MedUni Wien einigermaßen gut ab, manche Betroffene berichten sogar von einem positiven Effekt. Als Therapeutikum eignet sich das Hopfengetränk natürlich dennoch nicht. Prinzipiell ist sowohl bei chronischen, als auch bei akuten Beschwerden Alkohol immer als Auslöser in Betracht zu ziehen.

    Kaffee: Effekt in beide Richtungen möglich

    Ein weiteres flüssiges Genussmittel, das manchmal mit Kopfweh in Verbindung gebracht wird, ist Kaffee. Tatsächlich ist der Zusammenhang noch weitgehend unerforscht, es gibt allerdings Indizien in beide Richtungen. Eine mögliche Erklärung für Kopfschmerzen nach dem Kaffeekonsum ist die durch Koffein ausgelöste vermehrte Ausscheidung von Magnesium und Noradrenalin. Bei empfindlichen Menschen könnte dies ein Hämmern bzw. Pochen im Kopf auslösen. Doch auch vom genauen Gegenteil wird häufig berichtet. So schwören viele darauf, dass der Kaffee als Kopfschmerz-Killer wirkt.

    Schokolade kann zu Kopfschmerzen führen

    Kopfweh nach Schokolade? Das kann schon passieren. Einen wissenschaftlich gesicherten Zusammenhang gibt es jedoch auch dafür nicht. Doppelblinde, placebokontrollierte Studien erbrachten kontroverse Ergebnisse: In einer Untersuchung erlitten 5 von 12 Patienten nach Schoko-Verzehr eine Migräne-Attacke, während von den 8 Probanden, die nur Placebo erhielten, keiner über Migräne klagte. Andere Ergebnisse lieferte eine weitere Studie: 19 % der Patienten bekamen nach Schokolade-Genuss Kopfweh, aber auch 12 % der Placebogruppe. Die Liste der unterschiedlichen Studienergebnisse ließe sich fortsetzen.

    Käse: biogene Amine sorgen für Kopfschmerzen

    Auch Käse nimmt im Reigen der Übeltäter einen festen, wenn auch keineswegs wissenschaftlich untermauerten Platz ein. Als Schuldiger am Kopfweh nach Käsekonsum werden die durch Milchsäurebakterien gebildeten biogenen Amine diskutiert, wozu etwa Histamin gehört. Das wird immer wieder als Ursache von Kopfschmerz (und anderen Problemen, wie beispielsweise Kurzatmigkeit oder Durchfall) gehandelt. Histaminhaltige Lebensmittel sind unter anderem Käse, Wein und geräuchertes Fleisch. Zu den Nahrungsmitteln, welche die Histamin-Freisetzung fördern, zählen etwa Alkohol, Schokolade, Erdbeeren, Schalentiere und Tomaten. Aber auch hier fehlen letzten Endes klare wissenschaftliche Beweise.

    Kopfschmerzen durch Zuckerersatz Aspartam

    Ebenfalls nicht ganz klar ist die Datenlage zum künstlichen Süßstoff Aspartam: Einige Untersuchungen weisen einen Zusammenhang zwischen Aspartamkonsum und Kopfweh aus, einige nicht. Genauso unterschiedlich ist die Reaktion auf hohen Zuckergenuss (mehr als 20 % der zugeführten Energie): Einige bekommen davon Kopfschmerzen, die meisten nicht.

    Geschmacksverstärker und Kopfweh

    Ziemlich ähnlich ist die Lage beim Geschmacksverstärker Natriumglutamat, der zu Kopfschmerzen führen kann. Allerdings dürften weniger als 1 % an einer Glutamatunverträglichkeit leiden und auch diese nur dann, wenn sie größere Mengen von Glutamat zu sich nehmen. Glutamat kommt übrigens in einigen Lebensmitteln von Natur aus vor, etwa in Germ, Paradeisern oder Parmesan. Als künstlich zugesetzten Geschmacksverstärker finden wir ihn in einer Vielzahl von Produkten, beispielsweise in vielen Packerlsuppen und Suppenwürfeln, in vielen Chips und Erdnuss-Llocken, in vielen Sojasaucen und Speisewürzen, in vielen Wurstwaren und Fertiggerichten.

    Kopfschmerzen: Unterschiedliche Auslöser

    Es ist, wie Ernährungsexperten immer wieder betonen, auch eine Frage der Individualität, ob jemand auf Käse und Co mit Kopfschmerz reagiert oder nicht – so individuell wie auch Gusto und Geschmack sind. Noch nicht genug damit: Ein und derselbe Mensch kann einmal auf Rotwein und Käse mit Kopfweh reagieren. Das nächste Mal isst und trinkt er Emmentaler und Chianti ohne jede negative Auswirkung. Und ein drittes Mal bleibt Sekt am Abend folgenlos, während das perlende Getränk am Nachmittag eine Migräne-Attacke beschert.

    AUTOR


    Claudia Richter
    REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


    Mag. Sylvia Neubauer


    ERSTELLUNGS-/
    ÄNDERUNGSDATUM


    22.12.2016 / 23.07.2020
    MEDIZINISCHER EXPERTE
    Univ.Prof. Dr. Christian Wöber
    Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Vizepräsident der Österreichischen Kopfschmerzgesellschaft.
    LETZTES REVIEW
    QUELLEN
    Interview Univ.-Prof. Dr. Christian Wöber, Leiter des Spezialbereichs Kopfschmerz an der Wiener Universitätsklinik für Neurologie
    Interview Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Instituts für Ernährungsmedizin
    Interview Ass.-Prof. Dr. Petra Rust, Institut für Ernährungswissenschaften
    Interview Ao. Univ. Prof. Dr. Cem Ekmekcioglu, Institut für Umwelthygiene, Zentrum für Public Health, Medizinische Universität Wien
    Interview Mag. Alexandra Hofer, Geschäftsführung Österreichische Gesellschaft für Ernährung
    Wöber, C., Brannath, W., Schmidt, K., Kapitan, M., Rudel, E., Wessely, P., Wöber-Bingöl, Ç., PAMINA, Study Group: Prospective analysis of factors related to migraine attacks: The PAMINA study, Cephalalgia 27 (2007), 304-314
    47. wissenschaftliche Fortbildungswoche der österreichischen Apothekerkammer in Schladming (23. bis 28.02.2014), Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Christian Wöber zu "Der Kopfschmerzpatient - Nutzen und Grenzen der Selbstmedikation"

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