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Migräne

Mann mit Migräne
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Der Schmerz bei Migräne entsteht durch eine Verengung der Blutgefäße. (Damir Khabirov / Shutterstock.com)

Die Migräne ist ein anfallsartiger, heftiger Kopfschmerz. Fast 14 % der Frauen und 8 % der Männer bekommen regelmäßig Migräneanfälle.

Die pulsierenden Kopfschmerzen treten meist einseitig auf und werden von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheue oder Geruchs- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Bei der Migräne mit Aura kommt es vor dem eigentlichen Anfall zu Seh- oder anderen Wahrnehmungsstörungen. Die Betroffenen haben ein starkes Ruhe- und Rückzugsbedürfnis. Je nach Intensität helfen gegen Migräne schmerzstillende Medikamente. Auslöser einer Migräne sind vielfältig und nicht immer dringend vorhanden. Unter anderem können histamin- und glutaminhaltige Lebensmittel ursächlich sein, aber auch physiologische und/oder unphysiologische Hormonschwankungen begünstigen eine Attacke.

Häufigkeit von Migräne

Migräne zählt in Österreich neben Wirbelsäulenbeschwerden, Bluthochdruck oder Allergien zu den häufigsten Krankheitsbildern. Vor allem zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr treten Migräneanfälle öfter auf. Jede 4. Frau (knapp 25 %), aber nur jeder 9. Mann (knapp 10 %) ist von Migräne betroffen, die auch immer häufiger bei Kindern auftritt. Bei den unterschiedlichen Migränearten haben zirka 80 bis 85 % der Betroffenen eine Migräne ohne Aura, 10 bis 15 % der Betroffenen eine Migräne mit Aura.

Video: Mehr als nur Kopfweh: Migräne richtig behandeln 

Ass. Dr. Felix Müller (Abteilung für Neurologie, Leitung der Kopfschmerzambulanz, LK Mistelbach-Gänserndorf) erklärt, was Migräne zu besonders unangenehmen Kopfschmerzen macht und wie man sie behandeln kann. (Webinar, 17.2.2021) 

 

Ursachen von Migräne

Die Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung mit zahlreichen Begleitsymptomen, wie Übelkeit, Lichtscheue oder Geruchsempfindlichkeit. Sie entsteht durch eine Minderaktivität von Neuronen der Großhirnrinde, dadurch verengen sich die Blutgefäße. Diese Verengung der Blutgefäße ist Folge und nicht Ursache der Minderaktivität der Großhirnrinde. Nach der Minderaktivierung kommt es dann zu einer Entzündung der Blutgefäße, was den pulsierenden Kopfschmerz hervorruft.


Mit Hilfe von modernen Bildgebungstechniken können die Schmerzzustände und Auraphänomene sichtbar gemacht werden. Die 2 häufigsten Migränearten sind die Migräne mit Aura (10 bis 15 % der Migränefälle) und die Migräne ohne Aura (80 bis 85 % der Migräneanfälle).

Migräne mit Aura

Bei der Migräne mit Aura treten Ausfallserscheinungen auf, aber auch Reizphänomene können dem Migräneanfall vorausgehen. Die Ausfallserscheinungen entsprechen der Minderaktivierung der Hirnrinde, die Reizerscheinungen den Randgebieten der Minderaktivierung. Dazu gehören Sehstörungen wie Gesichtsfeldausfälle, Flimmern etc.) Kribbeln und Schwäche in den Extremitäten sowie Sprachstörungen, Gleichgewichtsstörungen und ähnliche neurologische Ausfälle.

Migräne ohne Aura

Die Migräne ohne Aura ist gekennzeichnet durch einen halbseitigen, oft pulsierenden Kopfschmerz, der vor allem hinter den Augen und der Stirn auftritt.

Risikofaktoren von Migräne

Mögliche Auslöserfaktoren (Trigger) für die Entstehung einer Migräne können mit Hilfe eines Kopfschmerztagebuches oder Kalenders ermittelt werden:

  • Stress, körperliche oder seelische Belastung
  • Histaminhaltige Nahrungsmittel wie Rotwein, Schokolade oder Käse
  • Glutaminhaltige Nahrungsmittel wie Soja- oder Weizenprodukte
  • Kupferhaltige Nahrungsmittel wie Schokolade, Nüsse, Weizenkeime
  • Nitrithaltige Nahrungsmittel wie Salami, Wurst, Fleischwaren
  • Die Einnahme der Pille kann Migräne verstärken
  • Hormonveränderungen
  • Periode (häufig vor oder während der Regelblutung)
  • Unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Äußere Reize wie Gerüche, Lärm oder Licht
  • Medikamente
  • Geschmacksverstärker
  • Hoher Kaffeekonsum
  • Übermäßiger Kochsalzgebrauch
  • Klimawechsel

 

Mehr lesen » Migräne verhindern: 7 Tipps

Symptome von Migräne

Migräneanfälle beginnen oft in den frühen Morgenstunden. Zahlreiche Symptome können eine Migräne begleiten wie Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit, Reizbarkeit, Schwitzen, Überempfindlichkeit auf Licht oder Geräusche und auch Geruchsempfindlichkeit.

 

Mediziner sprechen von Migräne, wenn folgende Beschwerden auftreten:

  • Halbseitenkopfschmerz (Seitenwechsel ist möglich)
  • Pulsierender oder pochender Schmerz
  • Verstärkung der Schmerzen durch körperliche Anstrengungen
  • Beeinträchtigung der Alltagsaktivitäten

Mindestens eines der folgenden Symptome muss zusätzlich auftreten: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Lärm oder Lichtscheuheit.

 

Mögliche Beschwerden bei Migräne mit Aura

  • Visuelle Phänomene: Zusätzlich noch visuelle Phänomene (Lichtblitze, Halbseitenblindheit, Halluzinationen), Sprach- und Sprechstörungen, Kribbeln in Händen und Füßen, Lähmung einer Körperhälfte
  • Dauer der Aura: Aura dauert weniger als eine Stunde an
  • Intervall der Aura: Intervall von Aura und Kopfschmerz beträgt weniger als eine Stunde, Aura tritt immer fast immer vor dem Kopfschmerz auf

Verlauf von Migräne

Viele Betroffene wissen um ihre Auslöser bei Migräne Bescheid und versuchen diese zu meiden. Kommt es trotzdem zu einem Migräneanfall, ziehen sie sich in einen ruhigen, dunklen Raum zurück oder nehmen Medikamente ein, sobald erste Anzeichen auftreten. Migränetagebücher helfen dabei, die Auslöser zu erkennen.


Ein Anfall kann wenige Stunden bis Tage (72 Stunden) andauern.

Diagnose von Migräne

Die erste Anlaufstelle bei wiederholter Migräne sollte der Neurologe sein. Neben einer allgemeinen neurologischen Untersuchung wird der Arzt beim Beratungsgespräch nach Dauer und Frequenz, Lokalisation, Intensität und den Begleitsymptomen fragen.

 

Zum Ausschluss von anderen Kopfschmerzarten – wie durch Medikamente verursachte Kopfschmerzen, akuten Blutungen zwischen den Hirnhäuten, Hirnhautentzündungen (Meningitis), epileptischen Anfällen oder Beschwerden des Bluthochdrucks (hypertensive Krise) – kommen noch andere Untersuchungsmethoden zum Einsatz:

 

Bei klassischen Beschwerden, ist die Diagnose klinisch zu stellen und bedarf oft keiner Zusatzdiagnostik.

 

Mehr lesen » Kopfschmerzambulanz

Therapie bei Migräne

Jeder Migränebetroffene benötigt eine individuell angepasste Therapie und sollte daher unbedingt mit einem Arzt darüber sprechen. Auch die Dosierung von Schmerzmitteln sollte mit einem Arzt abgestimmt werden.

 

Akutbehandlung bei leichten Migräneanfällen:

  • In abgedunkelten, ruhigen Raum zurückziehen
  • Kühlende Umschläge auf Stirn geben
  • Pfefferminzöl auf die Schläfe auftragen

 

Bei mittelstarken seltenen Migräneanfällen:

  • Medikamente, welche Begleiterscheinungen, wie Übelkeit oder Erbrechen, mindern
  • Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen

 

An Schmerzmitteln haben sich folgende Substanzen bewährt:

  • Acetylsalicylsäure (1000 mg)
  • Ibuprofen (800 mg)
  • Naproxen
  • Paracetamol

 

Bei häufigen, mäßigen bzw. auch bei schweren Migräneanfällen

  • Serotoninrezeptorantagonisten (Triptane)

 

Migränespezifische Medikamente

Es stehen im Moment 7 verschiedene Arten von Triptanen bei der Behandlung von Migräne zu Verfügung. Die bekanntesten sind Sumatriptan und Zolmitriptan. Diese gibt es in Form von Schmelztabletten, Tabletten, Injektionen oder Nasensprays nach ärztlicher Verordnung.

 

Vorbeugung von Attacken

Es gibt Medikamente, wie z.B. Beta-Blocker, Kalziumantagonisten, Valproinsäure, Topiramat, Naproxen und CGRP Antikörper, welche die Schwere und Häufigkeit von Migräneanfällen reduzieren können. Über deren Einsatz entscheidet der Arzt.

 

CGRP Antagonisten sind die ersten, speziell für die Migräneprophylaxe entwickelten Medikamente. Sie werden in der Prophylaxe eingesetzt und werden als monatliche Spritze in die Unterhaut verabreicht.


Bewährt haben sich auch Akupunktur, Entspannungstraining und Ausdauersportarten, wie Radfahren oder Laufen.

Was kann der Betroffene gegen Migräne tun?

  • Migränetagebuch führen
  • Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training helfen bei der Minderung von Stress
  • Ausdauersportarten, wie Laufen oder Walken fördern die Durchblutung
  • Migränetherapeutika bei ersten Anzeichen einnehmen
  • Pfefferminzöl auf die Schläfe auftragen oder den Duft im Raum verteilen
  • Vorbeugende Einnahme Magnesium pro Tag
  • Vorbeugende Einnahme Vitamin B 2 (Riboflavin) pro Tag
  • Einnahme von Vitamin C, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin B 6 und B 12, Selen und Vitamin E unterstützen den Energiestoffwechsel im Gehirn
  • Ätherische Öle wie Eukalyptus, Lavendel oder Cajeput verdünnt auf die Schläfe oder die Nasenfalte auftragen
  • Auslöser meiden: Migränepatienten legen häufig Vermeidungsstratgien an den Tag, die meist gar nicht notwendig sind. Auslöser sind nämlich selten einzelne Ereignisse (wie z.B Käse, Alkoholkonsum, …), sondern die Addition von mehreren Mini-Ereignissen. Eine gute Datenlage liegt im Grunde nur für Hormonschwankungen und menstruationsassoziierte Migräne vor. Insbesondere Schokolade ist eher ein Vorbote der Migräne als ein Auslöser – der Heißhunger auf Süßes oder Salziges kann im Grunde schon als Teil der Migräne erkannt werden. 
AUTOR


Nicole Ecker
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Carola Bachbauer, BA


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


26.02.2014 / 14.09.2021
MEDIZINISCHER EXPERTE
OA Dr. Walter Moser
Klinische Abteilung für Neurologie, Universitätsklinikum St. Pölten
QUELLEN
Aromatherapie: Grundlagen, Wirkprinzipien, Praxis, D. Wabner et al., Urban & Fischer Verlag, 1. Auflage, München, 2009
Mikronährstoffe, U. Gröber, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 3. Auflage, Stuttgart, 2011
Handbuch Mikronährstoffe, L. Burgerstein, Haug Verlag, 11. Auflage, Stuttgart, 2007
Neurologie, K.F. Masuhr et al., Thieme Verlag, 6. Auflage, Stuttgart, 2007
Klinische Neurologie, P. Berlit, Springer Verlag, 3. Auflage, Berlin Heidelberg, 2011
Medizinwissen von A-Z, TRIAS Verlag, 1. Auflage, Stuttgart, 2006
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