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TCM: Mit Nadeln und Kräutern gegen den Kopfschmerz

Akupunktur gegen Kopfschmerzen
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Akupunkturnadeln können gegen Kopfschmerzen helfen. (Andrey_Popov / Shutterstock.com)

Etwa 800.000 Österreicher haben regelmäßig Kopfschmerzen, die häufig den ganzen Tag über in unterschiedlich hoher Intensität auftreten.

Kopfschmerzen mindern die Leistungsfähigkeit und die Lebensfreude. Aus der Sicht der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sind an Kopfschmerzen jedoch meist Organe und Meridiane mitbeteiligt. Je nachdem, wo die Beteiligung liegt, helfen Akupunktur und Kräutermedizin, um der Schmerzspirale zu entkommen. Zuallererst muss eine genaue schulmedizinische ärztliche Abklärung und im Bedarf eine gezielte Behandlung stattfinden.

Zu welcher Körperregion (Organ und Meridian) hat der Kopfschmerz Bezug?

Die Traditionelle Chinesische Medizin betrachtet den Menschen in seiner Ganzheit. Demnach können Kopfschmerzen viele Facetten haben, je nachdem in welchem Bereich des Kopfes, zu welchen TCM-Syndromen, in welcher Intensität und Modalität sie auftreten.

 

Die Organbezeichnung dieses Artikels basiert auf TCM und ist nur teilweise mit der uns gewohnten schulmedizinischen vergleichbar. In Österreich dürfen nur Ärzte eine Diagnose stellen, Akupunktur praktizieren und mit chinesischen Heilkräutern therapieren. Eine fundierte Ausbildung ist Pflicht: Das ÖAK-Diplom gibt es für Akupunktur und "Chinesische Diagnostik und Arzneitherapie". Der diplomierte TCM-Arzt ordnet die Schmerzen wie folgt den Organen zu:

  • drückende, dumpfe Schmerzen: "Milz und Bauchspeicheldrüse" können in Verbindung stehen.
  • heftig pulsierender Kopfschmerz an den Schläfen: ist möglicherweise ein Anzeichen, dass "die Galle und Leber" aus der Balance gekommen ist.
  • Kopfschmerz, der sich in den Nacken und Rücken fortsetzt: kann Probleme im Blasen-Meridian signalisieren.
  • Stirnkopfschmerz: kann ein Anzeichen für Beteiligung von "Magen- und Darm- Störungen" sein.
  • Kopfschmerz am Scheitel und an den Schläfen: kann bei Störungen der "Leberfunktion" auftreten.

 

Bleibt es bei einem einmaligen Kopfschmerz, muss keine Therapie erwogen werden. Betroffene, die jedoch an häufig wiederkehrenden Beschwerden laborieren, sollten mit einer gezielten Behandlung beginnen, um zu verhindern, dass sich der Schmerz chronifiziert. Die TCM bietet je nach Kopfschmerzmuster unterschiedliche Behandlungen. Vor allem die Akupunktur hat sich bei Kopfschmerzen bewährt. Durch eine gezielte Therapie ist es möglich, den Schmerzkreislauf zu durchbrechen.

 

Aus der Sicht der TCM gibt es unterschiedliche Leitsymptome:

  • heftige pulsierende Kopfschmerzen in der Schläfengegend: Aufsteigendes Leber-Yang
  • Kopfschmerz wie Leere im Kopf: Nieren-Yin-Mangel
  • Kopfschmerz mit Abgeschlagenheit: Blutmangel
  • Dumpfe, drückende Kopfschmerzen: "Schleimbildung"
  • Stechender, bohrender Kopfschmerz: "Blutstau"

Aufsteigendes Leber-Yang

Ursache sind Emotionen wie Ärger, Zorn, Sorgen oder Frustration. Diese negativen Gefühle können, wenn sie länger andauern, das Aufsteigen des Leber-Yang, des Leber-Feuers, begünstigen. Dieses aufsteigende "Feuer" blockiert im Laufe der Zeit die Meridiane der Gallenblase und Leber. Die Folgen sind heftige pulsierende Kopfschmerzen in der Schläfengegend, hinter den Augen, mitunter auch nur auf eine Kopfseite beschränkt. Der Betroffene hat das Gefühl, in seinem Kopf herrscht ein "Überdruck". Therapie: mithilfe der Akupunktur kann dieser Art des Kopfschmerzes abgeholfen werden. Dabei werden unterschiedliche Akupunkturpunkte herangezogen, wie z.B. Le2, Le3 (Lebermeridian, um Hitze abzuleiten), G20, G5 (Gallenblasenmeridian, um die Gallenblase zu deblockieren), Le8 (Lebermeridian, um die Leber zu schützen). Ergänzend dazu kann die chinesische Kräuterrezeptur Tian Ma Gou Teng Yin die Leber beruhigen, Hitze nehmen und das Nieren-Qi steigern.

Nieren-Yin-Mangel

Schmerzen aufgrund eines Yin-Mangels betreffen vor allem den Kopf, der Schmerz kommt aus dem Inneren, meist ist er verbunden mit einem Gefühl der allgemeinen Schwäche, Leere und Antriebslosigkeit. Bei Druck auf die schmerzhaften Bereiche oder durch Wärme bessern sich die Symptome. Ursachen für die Schmerzen sind aus chinesischer Sicht eine Leere der Niere, Nierenschwäche (Yin-Mangel). Meist tritt dies bei Personen auf, die eine chronische Erkrankung haben: z.B. Schlafstörungen oder Kraftlosigkeit im Rahmen eines Burnout-Syndroms.

 

Therapie: Akupunktur an den Punkten LG20 (Mittellinie des Kopfes, ein Punkt am Hinterkopf), N3 (Nierenmeridian "Yuan-Punkt", wirkt ausgleichend), B23 (Nierenmeridian, stärkt die Blase), M36 (Magenmeridian, baut Blut und Yin auf). Die chinesische Pflanzenheilkunde unterstützt die Wirkung mithilfe der Rezeptur Zuo Gui Wan ("Pille, die die linke Niere stärkt").

Blutmangel

Bei Blutmangel kommen zu den Kopfschmerzen auch Müdigkeit, Abgeschlagenheit und innere Leere hinzu. Auch innere Unruhe oder Schweißausbrüche können Begleitsymptome sein. Häufig betrifft dies Frauen, vor allem nach der Regelblutung. Akupunktur ist hilfreich, vor allem an den Punkten LG20, LG23 ("Lenker-Gefäß", Sondermeridian, der an der Rückenseite entlang bis über den Kopf führt, stärkt das Qi zum Kopf), M36 und B20 (Magen- und Blasenmeridian, die das Blut stärken über die Verbesserung der Verdauung), H7 (Herzmeridian, stärkt das zum Herz fließende Blut). Ergänzend dazu ist die chinesische Kräutertherapie der Rezeptur Ba Zhen Tang ("Acht Schätze") hilfreich, eine Kombination unterschiedlicher Pflanzen, die Blutbildung und Qi stärkt.

Schleimbildung

Dumpfe, drückende Kopfschmerzen, begleitet von Schwindelgefühl und verstopfter Nase, können ein Hinweis auf einen Mangel an Milz-Qi sein. Meist kommt es zur vermehrten Schleimbildung, ausgehend von der Lunge, daher sind auch Husten oder Bronchitis häufige Begleitsymptome. Ziel der TCM ist es, die Lunge zu wärmen und Schleim zu lösen. Auch hier ist die Akupunktur eine Behandlungsmöglichkeit. Sie konzentriert sich auf die Punkte LG20, LG23 ("Lenker-Gefäß", stärkt das Qi, führt es zum Kopf), M36 (Magenmeridian, gegen Müdigkeit), MI6, MI9 (Milzmeridian, "entstaut Nässe und Schleim"). Die Kräuterrezeptur Ban Xia Bai Zhu Tian Ma Tang wirkt schleimlösend, stärkt die "Milz" und harmonisiert die "Leber".

Blutstau

Stechender, quälender Kopfschmerz, der mitunter immer an einer Stelle bohrt, ist meist ein Anzeichen dafür, dass Blutstau vorliegt. Typischerweise treten die Schmerzen am Scheitel, über der Stirn oder am Hinterkopf auf. Für die Akupunktur werden vor allem folgende Punkte herangezogen: MP10 (Magen-Pankreasmeridian, lokaler Schmerzpunkt, liegt über dem Knie), G8 (Gallenmeridian, über Ohrspitze), bei Scheitelkopfschmerz LG20 (auf der Mitte des Schädeldaches). Die Rezeptur Tong Qiao Huo Xue Tang (eine Mixtur u.a. aus Ingwer, Distel und Pfingstrosenwurzel u.a.) stärkt die Fließeigenschaft des Blutes und reguliert die Funktion von Galle und Bauchspeicheldrüse.

Begleitende Maßnahmen

Ergänzend zu diesen Behandlungsoptionen raten Mediziner zu Bewegungstherapien wie Qigong, Taijiquan oder Yoga, die vor allem für chronisch Kopfschmerzbetroffene Erleichterung bringen. Auch Tuina-Massage und Shiatsu sind bewährte Behandlungen, um den Dauerkopfschmerz in den Griff zu bekommen. Diese gelernten medizinischen Assistenten können auch einfache Akupressurgriffe für Selbsthilfe zeigen.

AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


27.06.2014 / 27.10.2020
MEDIZINISCHER EXPERTE
PROF. Dr. Alexander Meng
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie Vizepräsident Österreichische Gesellschaft für Akupunktur, www.meng.at
QUELLEN
R. Strich, T. Rarreck, Z. Zhang: TCM in der Sportmedizin, Thieme Verlag, 1. Aufl., Stuttgart, 2010
TCM in Prävention und Therapie, A. Meng, Maudrich Verlag, 1. Aufl., Wien, 2011

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