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Bettnässen bei Kindern

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Bettnässen hat in erster Linie körperliche Ursachen. Die Psyche spielt als Ursache für Bettnässen keine große Rolle, sehr wohl jedoch, wenn das Bettnässen unbehandelt bleibt. (Jörg Lantelme / Fotolia.com)

Bettnässen ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Kindern. Jedes 8. bis 10. Volksschulkind nässt nachts ein. 

Schuld daran sind jedoch häufig keine psychischen Belastungen, denn Bettnässen hat zu 80 % körperliche Ursachen. So kann ein noch nicht ausgereiftes Hormonsystem, eine erschwerte Weckbarkeit, aber auch eine genetische Disposition vorliegen, wenn nachts die Blase "überläuft". Mit ärztlicher Behandlung und medikamentöser Therapie lässt sich das Problem jedoch in den Griff kriegen - und den Leidensdruck für Kinder und Eltern nehmen. 

Häufigkeit von Bettnässen

In Österreich sind etwa 10 % bis 15 % aller Sechs- bis Zehnjährigen und 2 % aller 15-Jährigen vom Problem des Bettnässens betroffen. Bettnässen ist damit eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindesalter. Allerdings ist auch die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich das Problem spontan wieder löst. 

Was ist Bettnässen?

Ein Kind ist üblicherweise nach dem 5. Lebensjahr auch nachts trocken. Nässt es ab diesem Alter wiederkehrend im Schlaf ein, spricht man von Bettnässen. Generell unterscheidet man 2 Arten des Bettnässens:

  • wenn das Kind noch nie nachts trocken war (zirka 80 %)

  • wenn das Kind bereits trocken war und nach mindestens 6 Monaten wieder einnässt 

 

Bei Kinder unter 5 Jahren wird nächtliches Einnässen als normal betrachtet, tritt es in den Jahren danach auf, sollte eine ärztliche Abklärung und Behandlung in Erwägung gezogen werden. 

Ursachen des Bettnässen

Um eines gleich vorweg zu nehmen: nächtliches Einnässen ist in vielen Fällen kein psychisches Problem des Kindes. In 8 von 10 Fällen liegen körperliche Ursachen zugrunde, wie etwa eine noch nicht ausgereifte nervöse Steuerung der Blasenentleerung. Auch Trinkgewohnheiten, wenn etwa das Kind den Großteil des täglichen Flüssigkeitsbedarfs erst abends trinkt, können die Problematik begünstigen oder hervorrufen.

 

Folgendes sind die häufigsten Ursache: 

Hormonelle Steuerung 

Das Antidiuretische Hormon (ADH) sorgt dafür, dass der Harn nachts stärker konzentriert wird, sodass die Blase nicht überläuft. Ein noch nicht ausgereifter Tag-Nacht-Rhythmus der Wirkung dieses Hormons kann dann dazu führen, dass in der Nacht verstärkt Urin ausgeschieden wird - das kann zum Bettnässen führen.


Genetische Komponente 

Eine familiäre Disposition wird inzwischen anerkannt. Kinder, deren Eltern auch Bettnässer waren, haben ein Risiko von 75 %, ebenfalls nachts einzunässen. War nur ein Elternteil betroffen, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 45 %.
Buben sind doppelt so häufig betroffen wie Mädchen.

  • Trinkverhalten: Trinkt das Kind eher abends viel und nicht über den Tag verteilt, kann nächtliches Einnässen die Folge sein.
  • BeeinträchtigterAufweckmechanismus: Das Kind schläft überaus tief, sodass es kaum aufzuwecken ist. Es merkt also nicht, dass die Blase voll ist.


Die Psyche spielt bei der Krankheitsentstehung keine große Rolle, sehr wohl jedoch, wenn das Bettnässen unbehandelt bleibt. Das Kind schämt sich, es kommt zu einem verminderten Selbstwertgefühl, Störungen bei Sozialkontakten, Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu sexuellen Problemen im Erwachsenenalter. 

Diagnose von Bettnässen

Für Kinder, vor allem für Schulkinder, wird nächtliches Einnässen zum sozialen und psychischen Problem: sie schämen sich, haben Angst, ihre Mitschüler könnten von ihrem Problem erfahren, ihr Selbstwertgefühl sinkt und Sozialkontakten fallen schwer. 
 

Daher sollten Eltern mit ihrem Kind möglichst früh einen Facharzt für Pädiatrie oder für (Kinder-) Urologie aufsuchen, um eine genaue Diagnose und eine entsprechende Behandlung zu ermöglichen. 
 

Um das Problem zu erkennen, bedarf es einiger schmerzfreier Untersuchungen. 
 

An vorderster Stelle steht eine ausführliche Anamnese. Dabei fragt der Arzt nach der Häufigkeit des Einnässens, der Menge des Harnverlustes und ob die Stuhlfrequenz und -konsistenz normal ist. Wenn Vorerkrankungen, wie etwa ein Vorgeschichte mit Harnwegsinfekten, Nierenerkrankungen oder neurologische Erkrankungen bestanden haben, muss der Arzt auch das wissen. Auch die Familien- und Sozialanamnese sind von Bedeutung. 
 

Günstig ist es, bereits beim ersten Arztbesuch ein "Blasentagebuch" (Miktionsprotokoll) mitzubringen. Eltern erstellen dabei gemeinsam mit dem Kind ein Tagebuch über 48 Stunden. Darin wird festgehalten, welche Mengen das Kind zu welchem Zeitpunkt trinkt und wieviel Urin wann ausgeschieden wird. 
 

Nach einer körperlichen Untersuchung wird eine Harnanalyse durchgeführt, um beispielsweise einen Harnweginfekt als Ursache auszuschließen. Letzter Schritt ist ein Blasen- und Nierenultraschall, er gibt Aufschluss darüber, ob ein organisches Leiden vorliegt. 

Therapie von Bettnässen

Je nach Ursache des Bettnässens stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung. 
 

So kann eine entsprechende Verhaltenstherapie in Kombination mit Medikamenten eine sinnvolle Behandlungsoption darstellen. Eine medikamentöse antidiuretische Therapie (Desmopressin) zielt darauf ab, den Mangel an ADH auszugleichen. Der synthetisch hergestellte Botenstoff wird täglich vor dem Zubettgehen eingenommen und erreicht eine Erfolgsrate von bis zu 85 %. Üblicherweise sprechen Kinder sehr rasch auf die Medikation an. 
 

Eine weitere nicht-medikamentöse Möglichkeit bietet die „Alarmtherapie“. Dabei ist ein Sensor mit einem Funkwecker verbunden; der Sensor liegt in der Unter- oder Pyjamahose des Kindes und alarmiert, sobald erste Tröpfchen Harn ausgeschieden werden. Das Kind erwacht und geht zur Toilette. Dadurch lernt es auch, die Blasenkontraktion zu unterdrücken und rechtzeitig vor dem Einnässen aufzuwachen. Die Therapie wird frühestens ab dem 6. Lebensjahr empfohlen, ein Erfolg stellt sich im Durchschnitt nach 8 bis 12 Wochen ein. 
 

Auch Biofeedback kann hilfreich sein, vor allem um die Körperwahrnehmung zu schulen und die Blasenkontrolle zu verbessern. 

Bettnässen: Was Sie selbst tun können

Motivieren Sie Ihr Kind, belohnen Sie es, wenn es die Therapie exakt nach den Empfehlungen des Arztes durchführt, so können Sie den Behandlungserfolg steigern. Ihr Kind braucht Sie – geben Sie ihm Sicherheit und die Zuversicht, dass Sie das Problem gemeinsam in den Griff bekommen werden. Strafen und tadeln Sie Ihr Kind niemals. Es nässt nicht ein, um Sie zu ärgern, sondern weil ein körperliches Problem vorliegt. 
 

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nach 18 Uhr nicht mehr zu viel trinkt, sowie darauf, dass die Blase vor dem Schlafengehen noch gründlich entleert wird. 
 

Tägliche Einschlafrituale und fixe Schlafenszeiten schaffen Sicherheit und Vertrauen. Ein gleichbleibender abendlicher Ablauf trägt dazu bei, dass das Kind zur Ruhe kommt und sich entspannt. Nehmen Sie sich für dieses Ritual einige Minuten Zeit – oder lesen Sie Ihrem Kind eine Geschichte vor – auch das entspannt. 
 

Achten Sie darauf, dass die Therapie richtig, regelmäßig und in der entsprechenden Dosierung durchgeführt wird. Sie brauchen Geduld, denn eine medikamentöse Therapie mit ADH dauert etwa 3 Monate. Erst danach ist der kindliche Körper erst in der Lage, ADH selbst adäquat bilden zu können. Erwarten Sie sich keine spontanen, frühzeitigen Erfolge und haben Sie Geduld. Ein Abbruch der Therapie bedeutet, dass der bisherige Behandlungsweg umsonst beschritten wurde; sie müssen mit einer neuerlichen Therapie dann wieder von vorne beginnen. 

AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


11.08.2016
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Manuela Hiess
Univ.-Klinik für Urologie AKH, Medizinische Universität Wien

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