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Risikoschwangerschaft

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Wenn eine Risikoschwangerschaft vorliegt, werden Mutter und Kind noch engmaschiger betreut als in einer normalen Schwangerschaft. (serhiibobyk - Fotolia.com)

Wenn Frauenarzt oder Frauenärztin von einer Risikoschwangerschaft sprechen, schrillen bei den werdenden Eltern meist die Alarmglocken. Dabei bedeutet das in vielen Fällen nur, dass vorsichtshalber eine engmaschigere Betreuung stattfindet.

Bei manchen Frauen besteht durch Vorerkrankungen oder in der Schwangerschaft auftretende Probleme eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Schwangerschaft oder Geburt nicht "normal" ablaufen können. Dabei handelt es sich aber nur um eine statistische Wahrscheinlichkeit - nicht jede Risikoschwangerschaft bedeutet nämlich, dass es wirklich zu Problemen kommt. In den allermeisten Fällen können schwierige Situationen rechtzeitig erkannt werden, vor allem dann, wenn eine genaue Überwachung durch Ärztin oder Arzt stattfindet.

Wann spricht man von einer Risikoschwangerschaft?

Aufgrund von Faktoren, die das Kind oder die Mutter betreffen, kann eine Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft werden. Häufige Faktoren, die Ärztinnen und Ärzte zu intensiveren Kontrollen veranlassen, sind etwa hoher Blutdruck, Diabetes, Über- oder Untergewicht der Mutter sowie Mehrlingsschwangerschaften. Bei einer belasteten Krankengeschichte der Mutter (z.B. aufgrund von Herz- oder Lungenproblemen) ist eine besonders engmaschige ärztliche Überwachung notwendig.

 

Auch ein höheres Alter der Mutter wird immer wieder als Risikofaktor angeführt - jedoch ist das Alter für sich genommen kein Ausschlussgrund für einen normalen Schwangerschaftsverlauf. Spätgebärende (erste Schwangerschaft mit 35 oder mehr Jahren) haben Studien zufolge aber eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, mittels Kaiserschnitt zu entbinden und länger in den Wehen zu liegen. Auch genetische Defekte wie das Down-Syndrom können wegen Spontanmutationen im Erbgut des Embryos häufiger auftreten als bei jüngeren Müttern.

Risikofaktoren für eine Schwangerschaft

In der Medizin sind verschiedene Risikofaktoren bekannt, die eine Schwangerschaft komplizierter machen können, aber nicht müssen. Hier einige Beispiele:

 

Alter

Sowohl sehr junge Frauen (unter 18) als auch Frauen ab 35 Jahren - dabei sind vor allem jene gemeint, die zum ersten Mal ein Kind gebären - haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Während es bei jungen Frauen häufiger zu hohem Blutdruck, Blutarmut und einem früheren Einsetzen der Wehen kommt, ist bei älteren Frauen die Gefahr für Chromosomenschädigungen und eine schwierigere Geburt erhöht. Wiederum gilt aber: Es handelt sich lediglich um ein statistisches Risiko - die meisten Schwangerschaften und Geburten verlaufen auch in späteren Jahren normal.

 

Gesundheitliche Probleme der Mutter

Wenn die Mutter bereits vor der Schwangerschaft gesundheitliche Probleme hat, sorgen die Frauenärztinnen und Frauenärzte für eine intensivere Betreuung der Schwangeren. Das ist bei folgenden Erkrankungen der Fall:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Lungenkrankheiten oder nach einer Lungentransplantation
  • Leberschäden
  • Nierenleiden
  • Schilddrüsenerkrankungen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion, Schilddrüsenüberfunktion)
  • Diabetes
  • Autoimmunerkrankungen (z.B. Multiple Sklerose, Lupus)
  • Epilepsie
  • Hoher Blutdruck
  • Starkes Unter- oder Übergewicht
  • HIV/AIDS

 

Schwangerschaftskomplikationen

Während der Schwangerschaft können einige Risikofaktoren auftreten, die Ärztin oder Arzt dazu veranlassen, diese als Risikoschwangerschaft einzuordnen:

  • Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaft
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Infektionen (z.B. Röteln, Toxoplasmose)
  • Rhesusinkompatibilität (neben der Blutgruppe, wird auch der Rhesus-Faktor bestimmt - wenn dieser bei der Mutter negativ und beim Kind positiv ist, kann es nach vorangegangener Sensibilisierung zu Komplikationen kommen)
  • Präeklampsie (veraltet auch: Schwangerschaftsvergiftung; gekennzeichnet durch erhöhten Blutdruck, Eiweiß im Urin, Ödeme, samt Schwindel und Übelkeit) oder Eklampsie (zu den Symptomen der Präeklampsie kommen noch Krampfanfälle hinzu)
  • Enges Becken der Mutter oder Beckenfehlstellung
  • Frühzeitiges Einsetzen der Wehen
  • Veränderungen der Plazenta oder des Fruchtwassers
  • Probleme bei der Blutgerinnung
     

Probleme bei vorangegangenen Schwangerschaften

Folgende Punkte führen dazu, dass die Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft wird:

  • Vorangegangene Fehl- oder Totgeburten
  • Vorangegangene Operationen an der Gebärmutter und Geburt(en) per Kaiserschnitt: In manchen Fällen ist eine Geburt auf natürlichem Wege dann nicht mehr möglich.

Nur weil in vorherigen Schwangerschaften Probleme aufgetreten sind, heißt das aber noch lange nicht, dass das wieder so sein muss.

 

Lebensstil

Wenn die Mutter raucht oder Alkohol konsumiert, erhöht sich das Risiko für Schädigungen des Embryos und Fehlgeburten.

Was machen Ärzte im Fall einer Risikoschwangerschaft?

Die Durchführung einer genauen Anamnese, einiger Tests und Untersuchungen gibt Ärzten und Eltern wichtige Anhaltspunkte, ob Grund zur Sorge um die Mutter oder das heranwachsende Kind besteht. Die für den Mutter-Kind-Pass erforderlichen Untersuchungen (Bestimmung verschiedener Blutparameter, Ultraschall, gynäkologische Untersuchungen etc.) geben Aufschluss darüber, ob weitere Schritte eingeleitet werden müssen. Wenn etwa der zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche (SSW) durchgeführte Zuckerbelastungstest Hinweise auf einen prädiabetischen Stoffwechsel gibt, ist es oft notwendig, dass die Schwangere mit Insulin therapiert werden muss.

 

Folgende pränataldiagnostische Untersuchungen werden im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen durchgeführt:

  • Routine-Ultraschall: Der Routine-Ultraschall wird zwischen der 11. und 13., das Organscreening zwischen der 20. und 23. SSW und in der 30. bis 34. SSW durchgeführt und liefert Aussagen über das Befinden des Embryos bzw. Fötus. Sind familiäre Gesundheitsprobleme bekannt, kann das heranwachsende Kind auch gezielter untersucht werden.
  • Organscreening: Zwischen der 20. und 23. SSW findet eine ausführlichere Ultraschalluntersuchung statt, bei der alle Organe des Kindes soweit möglich genau begutachtet werden. Zeigen sich hier Auffälligkeiten, werden weitere Untersuchungen eingeleitet.

 

Folgende Untersuchungen können zusätzlich durchgeführt werden, wenn Arzt oder Ärztin eine Notwendigkeit dafür sehen - nur in diesem Fall übernimmt die Krankenkasse auch die Kosten dafür:

  • Combined Test: Bei Verdacht darauf, dass die Mutter ein Kind mit Down-Syndrom gebären könnte, zahlt die Krankenkasse einen Combined Test. Mithilfe einer Ultraschall-Untersuchung wird die Nackenfalte des Embryos in der 11.-14. SSW gemessen und bestimmte Werte im Blut der Mutter analysiert. Die Diagnose ist dadurch aber noch nicht gesichert - dies geschieht erst durch invasive Verfahren wie die Fruchtwasseruntersuchung.
  • Nicht-invasiver Pränataltest (NIPT): Dieser Test kann schon vor der 11. SSW durchgeführt werden. Im mütterlichen Blut ist auch genetisches Material des Fötus enthalten, die sogenannte zellfreie DNA. Über die Menge und Verteilung der zellfreien DNA kann berechnet werden, wie hoch das Risiko ist, dass das Kind von einer Trisomie 21 (oder einer anderen genetischen Veränderung) betroffen ist.
  • Chorionzottenbiopsie (Mutterkuchenpunktion): Bei der Chorionzottenbiopsie wird eine Gewebeprobe aus dem Mutterkuchen entnommen und hilft dabei, das Risiko für genetisch bedingte Erkrankungen abzuschätzen - und das schon viel früher als bei der Amniozentese, nämlich ab der 9. SSW. Das Untersuchungsergebnis ist relativ rasch bekannt. Allerdings kann es durch diese invasive Untersuchung zu Komplikationen kommen.
  • Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung): Zwischen der 14. und 16. SSW kann bei Verdacht auf eine Chromosomenstörung eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt werden. Allerdings birgt diese u.a. das Risiko eines vorzeitigen Blasensprungs. Bis das Ergebnis der Untersuchung vorliegt, dauert es allerdings 3-4 Wochen.

 

Medizinische Entscheidungen bei einer Präeklampsie

Die Auswirkungen für Mutter und Kind sind je nach vorliegenden Problemen sehr unterschiedlich. Bei Bluthochdruck, wie er etwa bei einer Präeklampsie vorliegt, kann es zu einer Ablösung des Mutterkuchens und starken Blutungen kommen. Frauenärztin oder Frauenarzt müssen in jeder Risikoschwangerschaft individuell entscheiden, ob das längere Verbleiben des Kindes im Bauch der Mutter für beide besser ist oder nicht. Bei Vorliegen einer Präeklampsie wird ehestmöglich die Geburt eingeleitet.

Was können Betroffene tun?

Wenn eine Frau weiß, dass sie gesundheitliche Probleme hat, die eine Schwangerschaft verkomplizieren können, sollte sie bereits frühzeitig Kontakt mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt aufnehmen. Bei schweren Erkrankungen ist es ratsam, schon vor der Schwangerschaft zu besprechen, welche Auswirkungen eine geplante Schwangerschaft auf die Gesundheit von Mutter und Kind haben könnte.

 

Generell sollten Schwangere auf einen gesunden Lebenswandel mit Sport oder regelmäßiger Bewegung achten und dafür sorgen, während der Schwangerschaft nicht zu viel Gewicht zuzunehmen.

AUTOR


Mag. Marie-Thérèse Fleischer, BSc


ERSTELLUNGSDATUM


31.08.2017
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.-Prof. Dr. MSc René Wenzl
Leiter des zertifizierten Endometriosezentrums der Medizinischen Universität Wien, Universitätsklinik für Frauenheilkunde
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