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Lehrer dürfen Diabetes-Kindern nun offiziell helfen

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In Österreich gibt es derzeit rund 1.600 schulpflichtige Kinder mit Typ-1-Diabetes. (Africa Studio / Fotolia)

Langjährige Forderung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) nun Realität: Lehrende sind abgesichert, wenn sie Kinder bei medizinischen Tätigkeiten unterstützen.

Bisher bedeutete jede medizinische Hilfestellung, die das Lehrpersonal bei Kindern durchführte, ein persönliches Haftungsrisiko, da es sich im rechtsfreien Raum bewegte. Durch eine neue Regelung im Schulunterrichtsgesetz wurde die medizinische Hilfestellung durch Lehrer definiert, womit diese Tätigkeiten nun unter die Diensthaftung fallen.

 

 „Die ÖDG hat diese Änderung seit Jahren gefordert, denn diese Regelung bringt für alle Lehrenden, die schon bisher chronisch kranke Kinder unterstützt haben, endlich Rechtssicherheit“, erklärt Assoz. Prof. PD OÄ Dr. Sabine Hofer, Kinderärztin an der Medizinischen Universität Innsbruck und Vorstandsmitglied der ÖDG. „Die notwendige Hilfestellung für Kinder mit Diabetes ist weiterhin auf freiwilliger Basis verankert. Jetzt geht es darum jenen Pädagogen, die in ihrer Klasse ein Kind mit Diabetes haben, die Informationen und Ressourcen zu bieten, die notwendig sind, um diese Unterstützung kompetent durchzuführen. Dabei geht es nicht um komplexe Tätigkeiten, die nur von Fachpersonal zu bewältigen sind, sondern um kleine Erinnerungen, Rücksicht auf notwendige Blutzuckermessungen, die Supervision bei einfachen Rechenvorgängen der Insulinpumpe oder Basiswissen in Erster Hilfe und vor allem Verständnis für spezifische krankheitsbedingte Notwendigkeiten.“

Kinder brauchen Unterstützung

„In Österreich gibt es derzeit rund 1.600 schulpflichtige Kinder mit Typ-1-Diabetes. Pro Jahr kommen zusätzlich 250 bis 300 Neudiagnostizierte dazu“, berichtet Univ. Prof. Dr.Alexandra Kautzky-Willer von der Univ.-Klinik für Innere Medizin III, Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, an der Med Uni Wien und Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft. „Wir beobachten eine Steigerungsrate bei Neuerkrankungen von 3,5 Prozent pro Jahr und dieser Anstieg schreitet kontinuierlich über die letzten 40 Jahre voran. Durch die deutliche Zunahme sind auch immer mehr Schulen mit dem Thema Diabetes konfrontiert.“

 

Kinder verbringen immer mehr Zeit in der Schule. Sie besuchen den Hort oder Nachmittagsunterricht. Dort bekommen sie auch ihr Mittagessen. Für Kinder mit Diabetes bedeutet das eine zusätzliche Herausforderung, denn sie müssen in diesem Rahmen mehrmals Blutzucker kontrollieren und Insulin spritzen. Änderungen im Tagesablauf, die im Schulalltag immer wieder vorkommen können, wie eingeschobene Stunden und verschobene Pausen sind für Kinder mit Diabetes problematisch, weil sie auf einen regelmäßigen Tagesablauf mit regelmäßiger Nahrungszufuhr angewiesen sind, um ihren Blutzucker stabil zu halten. Das Mittagessen in der Schule ist für Kinder mit Diabetes eine besondere Herausforderung, da sie die Broteinheiten-Berechnung meist selbst durchführen müssen. In all diesen Situationen brauchen die Kinder Hilfe von Erwachsenen.

Das 5 Säulen Modell der Betreuung

Um Kinder mit Typ-1-Diabetes in der Schule optimal zu betreuen, braucht es fünf Säulen beziehungsweise fünf Personengruppen, die gut informiert und abgestimmt interagieren sollten:

  • Zuallererst die Kinder selbst, die man mit altersgerechten Schulungen, idealerweise in Diabetes-Zentren, sehr gut stärken kann, damit sie selbst kompetente Entscheidungen treffen können.
  • Die Eltern, die durch klare Kommunikation an Kinder und Lehrer Unterstützung geben. Zum Beispiel sollten typische Unterzuckerungssymptome bei ihrem Kind kommuniziert werden, oder eindeutige Angaben darüber geliefert werden, welche Nahrung in welcher Menge gegeben werden soll. Beschreibungen und Handlungsanweisungen, am besten verschriftlicht, schaffen Klarheit und geben Sicherheit.
  • Die Lehrer, auf deren Seite es noch Informationsmängel rund um das Thema Kinder mit Diabetes gibt. Um diese Infolücken zu schließen, wird demnächst ein spezielles Fortbildungsmodul gemeinsam von ÖDG und ÖDV (Österreichische Diabetikervereinigung) für Lehrer angeboten.
  • Schulärzte können bei der Vermittlung medizinischer Themen wertvolle Unterstützung liefern. Für sie gibt es regelmäßige Fortbildungen zu Diabetes bei Kindern. Im Herbst wird eine DFP-Fortbildung zu diesem Thema speziell für Schulärzte publiziert.
  • Und zuletzt eine sehr wichtige aber kaum bekannte Säule: die Diabetes-Nannies. Diabetesberater kommen in die Schule, begleiten und schulen dort das Lehrpersonal im Umgang mit den Bedürfnissen eines Kindes mit Typ-1-Diabtetes.

Hofer führt aus: „Die Diabetes-Nannies sind ein hervorragendes Konzept. Leider gibt es sie noch nicht flächendeckend und auch die Finanzierung ist nicht immer sichergestellt. Es kommt immer wieder vor, dass Eltern privat eine Diabetes-Nanny bezahlen, um Lehrer über den Umgang mit Diabetes zu informieren.“

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


05.09.2018

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