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Windeldermatitis und Windelsoor

Ein Baby wird gewickelt, hat gerade eine neue Windel bekommen und ist glücklich.
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Häufiges und rechtzeitiges Wickeln schützt Babys Haut. (Onjira Leibe / Shutterstock.com)

Windeln reizen die Haut – eine Windeldermatitis (Windelausschlag) kann die Folge sein. Kommt eine Besiedelung mit Hefe-Pilzen hinzu, spricht man von Windelsoor.

Windeln erleichtern den Alltag und sind aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Doch sie haben auch eine Schattenseite: Sie können Windeldermatitis und Windelsoor verursachen. Die Babys klagen nicht zu Unrecht – die Ausschläge der Haut im Windelbereich jucken und schmerzen.

Häufigkeit von Windeldermatitis

Die Windeldermatitis (Windelausschlag) ist eine der häufigsten Hauterkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern. Verstärkt tritt sie im 9. – 12. Lebensmonat auf. Bis zu 35 % aller Säuglinge erkranken ein- oder mehrmals daran, etwa 25 % leiden sogar regelmäßig unter einer Windeldermatitis. Eine mittelstarke oder starke Form der Windeldermatitis tritt in 10 – 20 % der Fälle auf. Hierbei treten häufig zusätzliche Hautpilz-Infektionen oder bakterielle Besiedelungen auf.

 

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Ursachen

Die Windeldermatitis kann man als eine Zivilisationskrankheit bezeichnen. Denn nur durch den Einsatz einer Windel entsteht ein feucht-warmes Klima mit schlechter Luftzufuhr. Diese Bedingungen führen zu einer Durchfeuchtung (Hyperhydration) der oberen Hautschicht. Schäden, welche durch die mechanische Reizung der Windel entstehen, fallen bei feuchter Haut wesentlich größer aus, als auf trockener Haut. Aufgrund der Durchfeuchtung wird die Haut außerdem durchlässig für Infektionserreger und Substanzen aus Urin und Stuhl.


Das Problem, das im Stuhl und Urin selbst besteht, sind Verdauungsenzyme, wie Lipasen, Ureasen und Trypsin. Diese sind in den Ausscheidungen noch vorhanden und reizen die Haut (bei Durchfall und anderen Darmerkrankungen​​​​​​​ ist die Konzentration von Verdauungsenzymen besonders hoch). Aktiviert werden diese Enzyme verstärkt bei einem erhöhten pH-Wert. Der "Teufelskreis": Der Harnstoff im Urin wird durch die Enzyme (Ureasen) abgebaut und Ammoniak wird freigesetzt. Da Ammoniak alkalisch ist, steigt der pH-Wert der Haut.

Symptome und Verlauf der Windeldermatitis

Die typischen Symptome einer Windeldermatitis sind folgende Erscheinungen der Haut im Windelbereich:

  • Rötung
  • Pusteln
  • Aufquellungen
  • Häufig glänzende Oberfläche
  • Offene Hautstellen
  • Ein besonders schwerer Verlauf verursacht mehr- bzw. tiefschichtige Defekte der Haut (Ulzerationen, Erosionen)

 

Bei Windelsoor, einer zusätzlichen Infektion mit einem Hefe-Pilz (Candida albicans), sind folgende besonderen Merkmale zu beobachten:

  • Schuppensaum am Übergang zur gesunden Haut
  • Feuchtglänzende, scharf abgegrenzte Hautrötungen in der Gesäßfalte und im Genitalbereich
  • Stecknadelgroße Pusteln oder Knötchen im Randbereich des Ausschlags (Satellitenpapeln)

 

Eine hinzukommende Infektion mit Bakterien ist eher selten. Sie äußert sich durch:

  • Nässende Hautrötungen
  • Pusteln und Blasen
  • Bei einer schweren Infektion: offene und blutende Hautstellen

Diagnose

Die Diagnosestellung erfolgt durch einen Arzt (Hausarzt, Kinderarzt oder Hautarzt), indem er die Haut gründlich auf die typischen Merkmale der Windeldermatitis begutachtet. Der Arzt achtet bei der körperlichen Untersuchung auch auf mögliche Symptome außerhalb des Windelbereichs. Bei Windelsoor kann beispielsweise zusätzlich der Mundbereich mit Hefe-Pilzen besiedelt sein. Außerdem findet durch den Arzt eine Abgrenzung zu anderen Hauterkrankungen statt.

Therapie

In erster Linie wird eine Windeldermatitis oder Windelsoor lokal mit Salben behandelt. In diesen sind entzündungshemmende und desinfizierende Wirkstoffe enthalten. Häufig ist in diesen Salben Zink enthalten, das hilft bei der Wiederherstellung der Hautbarriere. Bei Windelsoor kommen Wirkstoffe hinzu, die Pilze abtöten (Antimykotika). Sind Bakterien beteiligt, kommen Antibiotika zum Einsatz.

Was kann man Zuhause zusätzlich tun?

Folgende Hausmittel bzw. Naturheilmittel wirken entzündungshemmend und desinfizierend. Sie können bei Windeldermatitis und Windelsoor ergänzend auf betroffenen Hautstellen eingesetzt werden:

  • Eichenrinde als Badezusatz: Teil- oder Vollbäder: 5 g Eichenrinde auf einen Liter Wasser, Anwendung max. 2 – 3 Wochen
  • Umschläge und Sitzbäder mit schwarzem Tee

 

Damit eine Windeldermatitis oder Windelsoor besser abheilen kann, oder erst gar nicht entsteht, gibt es folgende Tipps für den Alltag:

  • Präventiv können Salben, die einen leichten fettigen Schutzfilm bilden, beispielsweise auf Lanolin-Basis, angewendet werden – sie schützen die Haut vor Feuchtigkeit (Achtung: Bei einer Pilzinfektion dürfen keine fettenden Salben verwendet werden!). Außerdem stärken Salben mit Zink die Hautbarriere.
  • Wegwerfwindeln, die hochabsorbierend und luftdurchlässig sind, werden empfohlen. Es soll häufig gewickelt werden (mind. 6 Mal am Tag, sofort nach Urin- oder Stuhlgang). Um eine gute Luftzufuhr zu gewährleisten, sollten zusätzlich windelfreie Zeiten eingebaut werden. 
  • Babys sollten schonend gepflegt und gewaschen werden: Stuhlreste mit warmem Wasser abwaschen, vorsichtig durch Tupfen trocknen (oder auf leichter Stufe mit dem Fön); Alternativ Zink- oder Mandelöl zur Reinigung verwenden, keine oder besonders milde Seifen verwenden.
  • Stark abdichtende Salben oder Puder, die bei Feuchtigkeit verklumpen können, sollten nicht verwendet werden.

 

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Österreich: Windeldermatitis im geriatrischen und Pflege-Bereich

Zu vergessen ist nicht, dass Windeldermatitis auch im Pflege- bzw. geriatrischen Bereich Thema ist. Bei Stuhl- und Urininkontinenz, bei der Windeln wieder zur Notwendigkeit werden können, besteht das Risiko der sogenannten Inkontinenz-assoziierten Dermatitis (IAD).

 

In einer Pflegequalitätserhebung aus dem Jahr 2017 wurden die Zahlen von Patienten die an Inkontinenz und den damit verbundenen Erkrankungen leiden erhoben. Verglichen wurden die Raten von österreichischen allgemeinen Krankenhäusern, geriatrischen Krankenhäusern und Pflegeheimen. Interessant an diesen Ergebnissen ist, dass in allgemeinen Krankenhäusern mit 15,6 % (Urin) und 8,3 % (Stuhl) vergleichsweise wenige Patienten inkontinent sind (in Pflegeheimen sind 71,3 % Urin-inkontinent und 45,6 % Stuhl-inkontinent), die Rate der von IAD betroffenen Patienten aber mit Abstand am größten ist. In allgemeinen Krankenhäusern haben 6,6 % der Patienten IAD, in Pflegewohnheimen und geriatrischen Krankenhäusern sind es nur 0,7 %.

 

Die intensiven pflegerischen Maßnahmen in Pflegewohnhäusern und geriatrischen Krankenhäusern dürften die IAD weitgehend verhindern können.

AUTOR


Anna Schuster BSc


ERSTELLUNGSDATUM


27.10.2020
MEDIZINISCHER EXPERTE
Prim. MedR. Ass.-Prof. DDr. Peter Voitl MBA
Foto (c): privat
Facharzt für Pädiatrie, Gründer des Kindergesundheitszentrums Donaustadt in Wien