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Alles über HNO-Tumoren

HNO-Ärztin untersucht ältere Patientin.
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Als HNO-Tumoren werden verschiedene Krebsarten bezeichnet, die an unterschiedlichen Stellen im Kopf- oder Halsbereich auftreten. (Erica Smit / Shutterstock.com)

Einen umfassenden Einblick in das Fachgebiet der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde boten die beiden Fachärzte Dr. Carina Schmied und Dr. Jörg Neugebauer von der Abteilung für HNO-Erkrankungen am Landesklinikum Wiener Neustadt.

Im Volksbanksaal Baden herrschte bei den MINI MED-Studierenden am 21. Jänner höchste Aufmerksamkeit, handelte es sich doch um ein außerordentlich komplexes Thema, über das die beiden Referenten ehrenamtlich informierten. So sind es am häufigsten Entzündungen, Tumore oder Brüche, die in das Fachgebiet der HNO fallen, wie etwa Entzündungen im Hals, in der Nase (Rhinitis), in den Ohren (z. B. ein Trommelfelleinriss), im Mittelgesicht (z. B. Nebenhöhlenbeschwerden) oder des Gleichgewichtsorgans (Schwindel). Darüber hinaus bietet die HNO-Medizin eine Basisversorgung bei Tumorerkrankungen.

Im Auge behalten

„Nicht bei jedem Tumor handelt es sich um eine Krebserkrankung“, beruhigt Medizinerin Carina Schmied. „Als Tumor wird eine Neubildung von Körpergewebe bezeichnet, medizinisch spricht man von „Neoplasien“, die gutartig oder bösartig sein können“, erklärt die Fachärztin. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass ein gutartiger (medizinisch: benigner) Tumor dort verbleibt, wo er entstanden ist; ein bösartiger (medizinisch: maligner) Tumor kann über die Lymphe wandern oder sich über viele Jahre Latenzzeit verändern. So etwa können Schäden im Erbmaterial oder Fehler beim Ablesen der Erbinformation zu einer Veränderung der Zellbiologie führen.

 

Anlagen für eine Zellveränderung haben viele von uns, diese muss jedoch nicht „ausbrechen“. Vor allem aber sind es Lebensstilfaktoren, die Tumoren begünstigen können. „Etwa die Hälfte aller Tumore sind durch entsprechende Lebensstilfaktoren vermeidbar“, weiß Facharzt Dr. Neugebauer. Ungeschütztes Sonnen oder Umweltfaktoren, wie Chemikalien, Asbest oder ionisierende Strahlung können die Tumorentstehung begünstigen. Aber auch Krankheitserreger, wie etwa Viren oder Bakterien sowie das Alter sind Risikofaktoren. „Ein bösartiger Tumor kann metastasieren. Von diesen bösartigen Zellen überlebt zwar nur jede 1.000., die gesunden Zellen haben die Situation zwar unter Kontrolle, doch die wenigen bösartigen Zellen können sehr aggressiv sein“, so Carina Schmied.

Hals-Kopf-Tumore nehmen zu

Etwa 80 Prozent der Tumore im HNO-Bereich sind Plattenepithelkarzinome. Drei Prozent aller Krebsneuerkrankungen sind HNO-Tumore, Tendenz: steigend. 2015 lag die Prävalenz bei 1.238 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner bezogen, davon wurden 328 Fälle an Kehlkopfkrebs verzeichnet (295 Männer, 33 Frauen). Gründe für die hohe Anzahl an Tumorerkrankungen sind Nikotin und Alkohol. „Vier von fünf Betroffene mit einem HNO-Tumor rauchen. Hinzu kommt, dass jeder 33. Tumor bei Frauen und jeder 11. bei Männern auf einen zu hohen Alkoholkonsum zurückzuführen ist“, erklärt Jörg Neugebauer. Aber auch Übergewicht und UV-Strahlung sind nicht zu unterschätzende Risikofaktoren.

 

Darüber hinaus sind bei einem Viertel der HNO-Krebsfälle humane Papillomaviren (HPV) mit im Spiel, also jene Viren, die auch Gebärmutterhalskrebs auslösen. Eine Impfung gegen HP-Viren ist möglich. Für Kinder zwischen 9 und 12 Jahren ist diese gratis und wurde bisher in erster Linie eingesetzt, um Gebärmutterhalskrebs zu vermeiden. Nun zeigt sich aber, dass die Impfung auch vor den zunehmenden Fällen einiger Hals-Kopf-Tumore schützen könnte.

Wann zum Arzt?

Warnsymptome sollte man daher immer ernst nehmen. Charakteristisch dabei sind Atemnot, Stimmveränderungen, Heiserkeit, Schluckprobleme, Fremdkörpergefühl, Blutungen oder Schmerzen. Tritt dazu auch eine Lymphknotenschwellung auf, die nach wenigen Tagen nicht abklingt, ein ständiges Hüsteln oder Nachtschweiß, sollte ein Facharzt für HNO hinzugezogen werden. Entsprechende Vorsorge, wie etwa Rauchverzicht, Alkoholkonsum in Maßen sowie eine regelmäßige HNO-Kontrolle tragen dazu bei, das Risiko einer Tumorerkrankung zu reduzieren.

Bildgebende Verfahren

Die Diagnosemethode hängt im Wesentlichen davon ab, wo ein möglicher Tumor liegt. CT und MRT eignen sich zur Untersuchung von Weichteilen, Muskeln oder Fettbereichen, mithilfe eines PET-CT hingegen kann man die Tumoraktivität nachweisen, wenn dem Betroffenen vor der Untersuchung ein radioaktives Mittel verabreicht wird. Im Zuge eines HNO-Status führt der Facharzt eine Endoskopie (z. B. Nase, Rachen) durch und kann im Zuge dessen Gewebeproben entnehmen. In Narkose werden Untersuchungen wie die Panendoskopie oder die Mikrolaryngoskopie, bei der der Kehlkopf bis hin zur Speiseröhre mit einer starren Röhre untersucht werden kann. Ein histologischer Befund ergibt schließlich Klarheit, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Tumor handelt.

 

Die Therapie bietet in erster Linie chirurgische Verfahren, die von Mikrolaryngoskope über Laserchirurgie bis hin zur Roboterchirurgie reichen. „Mithilfe des Da Vinci-Roboters ist es möglich, Tumore aus bisher nicht zugänglichen Bereichen zu entfernen“, beschreibt Jörg Neugebauer den Vorteil der neuen Technologie, „so etwa kann der vierarmige, präzise arbeitende Roboter, der von Fachärzten mit einer Spezialkonsole gesteuert wird, auch Tumore entfernen, die hinter der Nase liegen.“ Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind die Radiochemotherapie, eine Kombination aus Radiologie und Chemotherapie, sowie die Protonentherapie im MedAustron in Wiener Neustadt.

AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


20.02.2019

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