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Neue Richtlinien: Wann müssen die Mandeln raus?

Ärztin schaut einem kleinen Mädchen in den Mund.
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Ein kurzer Blick in den Hals soll künftig nicht mehr reichen, um über eine Mandel-Entfernung zu entscheiden. (goodluz - Fotolia.com)

Mandeln oder keine Mandeln? - Das ist gerade in der Kindheit oft eine wesentliche Frage. HNO-Ärzte wollen diese nun einheitlicher beantworten und definieren 3 Entzündungen in einem Jahr als Kriterium für eine Mandel-Entfernung.

Die Mandeln sitzen am Eingang zum Schlund und treten aufgrund ihrer großen Oberfläche naturgemäß mit Dingen in Kontakt, die wir essen oder einatmen. Was zunächst widersprüchlich klingt: Ihr Sinn ist es, sich zu entzünden. Tatsächlich ist ein Anschwellen der Mandeln eine völlig natürliche Abwehrreaktion des Körpers, tritt bei jedem Kind mehrmals auf und bleibt ohne Symptome. Eine akute Mandelentzündung, die sich auch durch Schmerzen bemerkbar macht, ist vor allem in den ersten 5 Lebensjahren häufig.

Mehr als ein Blick in den Rachen

Aufgrund der verschiedenen Behandlungsansätze haben deutsche HNO-Ärzte gemeinsam Richtlinien entwickelt, wie Diagnose und Therapie aussehen sollen. Demnach reicht es nicht mehr, einfach nur in den Rachen zu blicken. Stattdessen wurde ein Punktesystem entwickelt anhand dessen die Mandelentzündung eingestuft werden soll. Wesentlich ist dabei etwa, ob auch die Lymphknoten angeschwollen sind und ob Fieber auftritt. So soll bestmöglich erkannt werden, was die Entzündung ausgelöst hat: Bakterien oder eine Virusinfektion.

Entfernung nicht unumstritten

Je nach Erkenntnis sieht die Behandlung unterschiedliche Schritte vor. Penizilline etwa können bei einer bakteriellen Infektion sinnvoll sein, bei einem Virus helfen sie hingegen so gut wie gar nicht. Letzterer ist eigentlich nur durch Bettruhe auszukurieren. Eine Entfernung der Mandeln ist heutzutage relativ umstritten. Sie soll daher erst dann angedacht werden, wenn drei akute Entzündungen innerhalb eines Jahres auftreten.

Gefährliche Nachblutungen

Kritisch bei einem derartigen Eingriff sind vor allem die möglichen Nachblutungen, in sehr seltenen Fällen besteht sogar Lebensgefahr. Da bei Virusinfektionen oftmals die gesamte Rachenschleimhaut betroffen ist, hilft der Eingriff manchmal auch nicht wirklich weiter. Ärzte ziehen bei regelmäßigen Problemen immer häufiger eine nur teilweise Entfernung der Mandeln in Betracht. Allen Richtlinien zum Trotz halten die HNO-Ärzte aber fest, dass die finale Entscheidung für oder gegen eine Mandelentfernung auch vom Einzelfall abhängig ist.

AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


07.07.2016

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