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Neugeborenenschwerhörigkeit

Schwerhörigkeit bei Neugeborenen
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Setzt Schwerhörigkeit während der ersten 6 Monate nach der Geburt ein, fällt das meist durch eine fehlende Reaktion der Babys auf Geräusche in ihrer Umgebung auf. (Roman Sorkin - Shutterstock.com)

Schwerhörigkeit bei Neugeborenen kann erblich veranlagt sein oder aber aufgrund von Infektionen vor und nach der Geburt entstehen. Durch die Hörminderung ist die Sprachentwicklung der Säuglinge gestört.

Neugeborene werden noch in der Klinik standardmäßig einem Hörscreening unterzogen. Später fallen die Säuglinge mit einer Hörminderung aufgrund fehlender Reaktionen auf Geräuschquellen wie Stimmen oder Rasseln auf. Zur Diagnose können eine Hirnstammaudiometrie und eine Tympanometrie durchgeführt werden. Die Behandlung erfolgt mit Hilfe eines Hörgerätes, das je nach Funktionsweise außen am Ohr getragen oder implantiert wird (Cochlea-Implantat). Kinder mit einer angeborenen oder frühkindlich erworbenen Hörminderung haben Schwierigkeiten, Sprechen zu lernen. Bei ihnen besteht auch die erhöhte Gefahr, dass sich Sprachstörungen entwickeln.

Wie häufig tritt Neugeborenenschwerhörigkeit auf?

Bei jeder 1000. Geburt tritt eine angeborene Schwerhörigkeit auf. Kranke Neugeborene sowie Frühgeburten sind 10 Mal häufiger betroffen (1 von 100 Geburten).

Ursachen/Symptome/Verlauf

Die Schwerhörigkeit bei Neugeborenen und Säuglingen kann angeboren oder frühkindlich erworben sein. Eine Unterteilung der Ursachen der Schwerhörigkeit erfolgt anhand dreier Zeiträume. Die Schwerhörigkeit kann pränatal, also vor der Geburt, perinatal, das heißt während des Geburtsvorgangs, oder postnatal, innerhalb der ersten 6 Monate nach der Geburt, entstehen.

 

PRÄNATALE URSACHEN

PERINATALE URSACHEN

POSTNATALE URSACHEN

Infektionen (wie z.B. Masern, Röteln, Toxoplasmose, Zytomegalie, Lues)

Kernikterus

Entzündung des Gehirns oder der Gehirnhaut (Enzephalitis, Meningitis)

Medikamenteneinnahme, Alkohol-und Drogenmissbrauch während der Schwangerschaft

Frühgeburten

Infektionen (z.B. Mumps, Masern, Röteln)

Genetisch bedingt durch Vererbung oder Gendefekte (Down-Syndrom)

Sauerstoffmangel während des Geburtsvorgangs (Geburtstrauma)

Mittelohrentzündung (Otitis Media)

Missbildungen der Ohrmuschel, des Gehörgangs oder Innenohrs

 

 

 

Die Folgen einer Schwerhörigkeit im Säuglingsalter sind eine verzögerte Sprachentwicklung, während es bei einer angeborenen Taubheit zu einem Fehlen der Sprachentwicklung kommt, sodass solche Kinder von Geburt an taubstumm sind.

Diagnose von Neugeborenenschwerhörigkeit

Direkt nach der Geburt wird standardmäßig ein sogenanntes Neugeborenen-Hörscreening durchgeführt. Angeborene Schwerhörigkeit ist somit leicht festzustellen. Wenn die Schwerhörigkeit während der ersten 6 Monate nach der Geburt einsetzt (postnatal), fällt das meist durch eine fehlende Reaktion der Babys auf Geräusche in ihrer Umgebung auf. Da sich Säuglinge aber nicht äußern können, ist es nicht möglich, gewöhnliche Hörtests wie bei einem Erwachsenen durchzuführen. Folgende Diagnosemöglichkeiten stehen zur Verfügung - Sie sind schmerzfrei und können sogar während des Schlafes oder beim Stillen durchgeführt werden:

  • Neugeborenen-Hörscreening: Die Untersuchung findet kurz nach der Geburt statt, sodass schwerhörige Kinder frühzeitig erkannt werden. Zuerst wird die Reaktion des Innenohrs auf Schallreize, sogenannte otoakustische Emissionen, überprüft. Dabei wird dem Kind über eine kleine Sonde ein Ton vorgespielt. Ein gesundes Ohr wirft automatisch Schallwellen zurück, die von einem empfindlichen Mikrofon gemessen werden können. Um Gewissheit zu bekommen, wird diese Untersuchung mit ein paar Tagen Abstand ein zweites Mal durchgeführt. Sollten die Ergebnisse auffällig sein, folgt eine Hirnstammaudiometrie
  • Hirnstammaudiometrie: Hierbei wird dem Neugeborenen wiederum ein Ton vorgespielt. Über eine oberflächlich am Kopf angebrachte Elektrode wird gemessen, ob sich der Hirnstrom aufgrund des einkommenden Geräusches verändert.
  • Tympanometrie: Bei der Tympanometrie wird die Funktion des Mittelohrs überprüft. Dafür wird in den Gehörgang eine kleine Messsonde eingeführt. Der Gang ist damit luftdicht abgeschlossen. Über die Sonde werden die Druckverhältnisse im Ohr geändert. Somit wird das Trommelfell auf seine Elastizität und Funktionsfähigkeit überprüft.

Therapie bei Neugeborenenschwerhörigkeit

Je nach Ursache und Schweregrad der Schwerhörigkeit kann der Arzt verschiedene Therapien anwenden. Bei schwerhörigen Neugeborenen handelt es sich dabei entweder um ein

  • Konservatives Hörgerät: wird im Ohr getragen oder hinter dem Ohr festgeklemmt
  • Knochenhörgerät: leitet die Schallschwingungen über den Schädelknochen an das Innenohr
  • Implantiertes Hörgerät: wird bei hochgradig Schwerhörigen im Innenohr eingesetzt, ist ein sogenanntes Cochlea-Implantat

 

Sollte der Grund der Schwerhörigkeit in einer Verengung des Gehörgangs liegen, kann operativ eine Gehörgangsplastik durchgeführt werden, um den Gang zu weiten. Auch Fehlbildungen der Gehörknöchel im Mittelohr sowie das Trommelfell können künstlich wiederhergestellt werden.

Was können die Eltern tun?

Mit Hilfe von intensivem Training können die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern den Defiziten bei der Sprachentwicklung entgegenwirken. Mit Durchhaltevermögen und Disziplin können sich die Kinder ganz normal entwickeln und auf eine reguläre Schule gehen.

 

Impfungen gegen Mumps, Masern und Röteln können die Wahrscheinlichkeit, dass während der Schwangerschaft eine infektionsbedingte Schwerhörigkeit entsteht, mindern.  

 

Während der Schwangerschaft sollten Mütter auf eine gesunde Ernährung achten, das Rauchen sowie den Konsum von Drogen oder Medikamente vermeiden. Vor allem in der Frühphase einer Schwangerschaft können schädliche Substanzen eine negative Auswirkung auf die Entwicklung des Kindes haben.

 

Wenn beide oder ein Elternteil von Geburt an schwerhörig ist, besteht eine erhöhte Gefahr, dass auch die Kinder erkranken. Eltern können sich bei einer genetischen Beratung über die Risiken aufklären lassen.

AUTOR


Nadja Heine
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Silvia Feffer-Holik


ERSTELLUNGSDATUM


02.01.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Uwe Leidhold
Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Krems (NÖ)
QUELLEN
Interview mit Dr. Uwe Leidhold, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, T. Lenarz, H. Boenninghaus, Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2012
Checkliste Pädiatrie, R. Kerbl, R. Kurz, R. Roos, L. Wessel, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2011
Pädiatrie, C. Speer, M. Gahr, Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2009
Kinder- und Jugendmedizin, B. Koletzko, Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2007
HNO, Augenheilkunde, Dermatologie und Urologie für Pflegeberufe, E. Oestreicher, A. Burk, R. Burk, T. Freudenberger, J. Sökeland, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2003

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