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Gehörgangsentzündung (Otitis externa, Badeotitis, Außenohrentzündung)

Frau mit Gehörgangsentzündung hat Ohrenschmerzen
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Ohrenschmerzen sind das signifikanteste Symptom einer Otitis externa. (Stefano Garau / Shutterstock.com)

Gehörgangsentzündungen sind meist schmerzhaft, aber gut behandelbar. Kontakt mit Wasser und falsche Hygienemaßnahmen begünstigen eine Infektion.

Da die Otitis externa gehäuft nach dem Schwimmen auftritt, wird sie auch Badeotitis genannt. Ein feuchter oder durch Wattestäbchen (wenn auch nur geringfügig) verletzter Gehörgang bietet Bakterien und Pilzen einen optimalen Lebensraum. Die Infektion führt zu charakteristischen Ohrenschmerzen, weswegen die Schmerzstillung neben dem Abtöten des Erregers einen hohen Stellenwert hat.

Häufigkeit

Jeder 10. Mensch in Österreich leidet einmal in seinem Leben an einer Otitis externa. Bei Kindern tritt sie am häufigsten im Alter zwischen 7 und 12 Jahren auf. Bei Frauen liegt der Häufigkeitsgipfel zwischen dem 45. und 54. Lebensjahr, bei Männern ist dieser etwas nach hinten verschoben, nämlich zwischen dem 65. und 74. Lebensjahr.

Ursachen, Symptome und Verlauf einer Otitis externa

Bakterien, Pilze und Allergene sind mögliche Erreger von Gehörgangsentzündungen. Die meisten Infektionen werden durch Bakterien verursacht, die häufigsten Vertreter dabei sind Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus.

 

Es gibt einige Faktoren, die das Auftreten einer Otitis externa begünstigen:

  • anatomische Veränderungen des Gehörgangs inkl. starker Behaarung,
  • Verletzungen des Gehörgangs,
  • regelmäßiges Tragen von Ohrstöpseln oder Hörgeräten,
  • Hauterkrankungen wie Psoriasis oder Ekzeme,
  • Wasser bzw. Feuchtigkeit und Seife im Gehörgang.

Die Otitis externa äußert sich durch Juckreiz sowie eine Rötung und Schwellung des Gehörgangs, auch ein Ausfluss aus dem Ohr kann vorhanden sein. Zudem treten mäßige bis starke Schmerzen auf. Charakteristisch für die Infektion sind der Tragusdruckschmerz (Schmerzverstärkung bei Druck auf den Knorpel vor dem Eingang des Gehörgangs) und der Schmerz beim Ziehen an der Ohrmuschel nach hinten oben. Je stärker die Schmerzen, desto schwerwiegender ist die Entzündung.

 

Formen der Otitis externa und Verlauf

Ärzte unterscheiden zwei verschiedene Formen der Gehörgangsentzündung:

  • Akute Otitis externa diffusa: Die gesamte Gehörgangshaut ist entzündet und geschwollen. Davon gibt es unterschiedlich starke Ausprägungen.
  • Akute Otitis externa circumscripta: Eine oder mehrere Haarbalgdrüsen sind entzündet und geschwollen, üblicherweise im äußeren Bereich des Gehörgangs, was man als Gehörgangsfurunkel bezeichnet.

In der Regel lässt sich die Otitis externa gut behandeln: Die Entzündung spricht nach ca. zwei bis drei Tagen auf die Therapie an und heilt innerhalb etwa einer Woche aus. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn der Betroffene Fieber hat: Das spricht dafür, dass die Infektion nicht mehr auf das Ohr beschränkt ist, sondern den gesamten Körper betrifft.

 

Bei immungeschwächten Personen oder jenen mit Diabetes kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommen: Man spricht dann von einer Otitis externa maligna. Bei dieser Sonderform stirbt Gewebe ab, auch Knochen und umgebendes Weichteilgewebe können von der Entzündung betroffen sein.

Diagnose einer Gehörgangsentzündung

Um die Diagnose zu sichern, werden einerseits die zuvor genannten Risikofaktoren gemeinsam mit dem Arzt erfasst, andererseits findet eine Untersuchung des Ohrs statt. Der Arzt testet, ob der charakteristische Schmerz bei Druck auf den Tragus bzw. Zug auf die Ohrmuschel auftritt. Zudem sieht er mit dem Otoskop in das Ohr hinein, um das Ausmaß der Rötung und Schwellung zu beurteilen. Ein Abstrich wird bei protrahierten (länger andauernden) Verläufen genommen, um den Erreger identifizieren zu können.

 

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Therapie der Otitis externa

Der Arzt nimmt eine Säuberung des Gehörganges vor. Wenn es sich um ein Furunkel handelt, das nicht von selbst aufplatzt, kann dieses aufgestochen werden. Im Rahmen der Behandlung muss anschließend einerseits der spezifische Erreger bekämpft werden, andererseits gibt es begleitende Maßnahmen, die die Beschwerden lindern:

  • Antibiotika: Diese finden bei bakteriellen Infektionen Einsatz. Bei leichten Infektionen reicht eine lokale Anwendung mittels Ohrentropfen oder einer Salbe aus. Es kann auch ein Gazestreifen, der mit Antibiotika getränkt und in den Gehörgang eingelegt wird, notwendig sein. Besteht die Gefahr einer Ausbreitung der Bakterien auf den restlichen Körper bzw. tritt Fieber auf, werden unter Umständen Antibiotikatabletten verschrieben.
  • Antimykotika: Ist der Erreger ein Pilz, wird zu dieser Medikamentenklasse, bspw. als Creme, gegriffen.
  • Entzündungshemmung: Glukokortikoide und Antihistaminika beruhigen die gereizte Haut, wenn es sich um eine allergische Reaktion bzw. ein Ekzem handelt.
  • Schmerzstillung: Dafür eignen sich z. B. Paracetamol oder nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure. Bei starken Schmerzen kann der Arzt für die erste Phase auch ein Lokalanästhetikum verschreiben; dieses kann z. B. auch auf den mit Antibiotikum getränkten Gazestreifen aufgetragen werden.
  • Desinfektion: Alkohol wird verwendet, um das betroffene Areal zu desinfizieren. Auch Ohrstöpsel und Hörgeräte sollten regelmäßig desinfiziert werden.

Gehörgangsentzündung: Was können Betroffene zusätzlich tun?

Um das (Wieder-)Auftreten einer Gehörgangsentzündung zu vermeiden, sind folgende Maßnahmen wichtig:

  • Keine Ohrschmalzentfernung mittels Wattestäbchen oder sonstigen eigenständig angewandten Methoden – Ohrschmalzentfernung durch den HNO-Arzt oder den praktischen Arzt.
  • Sorgfältiges Trocknen des Gehörgangs nach dem Baden, Duschen oder Schwimmen – z. B. sanftes Föhnen. Besonders bei bestehender Otitis externa muss verhindert werden, dass der Gehörgang nass wird.
  • Vermeiden, dass Haarshampoo in den Gehörgang eintritt.
  • Taucher können eigens für sie angefertigte Otoplastiken tragen, um den Gehörgang trocken zu halten.

Antibiotikaresistenzen in Österreich

Das Gesundheitsministerium gibt in regelmäßigen Abständen Berichte über die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen heraus. Die letzte dieser Erhebungen zeigte bei Abstrichen aus dem Ohr, dass der Erreger Pseudomonas aeruginosa auf einige Antibiotika nicht mehr anspricht. Die Resistenzrate gegenüber Aminoglykosiden betrug 4,3 %, jene gegenüber Ciprofloxacin 6,1 %. Beim Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus werden die Ohrabstriche nicht gesondert angeführt; die gesamte Resistenzrate lag bei 6,9 %.

 

Im Umkehrschluss bedeutet das für Betroffene: Falls sich die Beschwerden nicht verbessern, kann es sich um einen besonders hartnäckigen Erreger handeln, der nicht mehr auf jedes Antibiotikum anspricht. Eine ausbleibende Besserung der Beschwerden soll daher umgehend an den behandelnden Arzt rückgemeldet werden.

AUTOR


Mag. Marie-Thérèse Fleischer, BSc


ERSTELLUNGSDATUM


28.01.2021
MEDIZINISCHER EXPERTE
OA Dr. Thomas Rasse
Foto (c): Klinikum Wels-Grieskirchen
Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Klinikum Wels-Grieskirchen
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