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Tympanoplastik

Abbildung eines Ohrs
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Bei Schäden an Trommelfell oder Mittelohr kommt die Methode der Tympanoplastik zum Einsatz. (Voyagerix / Shutterstock.com)

Die Tympanoplastik ist eine Operation am Mittelohr und Trommelfell, mit der Schäden behoben werden können.

Löcher im Trommelfell bzw. entzündete oder verletzte Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel) können Schwerhörigkeit oder immer wiederkehrende Ohrinfektionen (z.B. chronische Mittelohrentzündung) verursachen. Das Trommelfell wird bei dem Eingriff mit körpereigenem Gewebe geschlossen bzw. zerstörte Gehörknöchelchen mit körpereigenen oder künstlichen Transplantaten wiederhergestellt. Die Operation erfolgt unter Vollnarkose, je nach Schädigung kommen unterschiedliche Verfahren (Typen) zum Einsatz. Ziel ist ein sicherer Verschluss des Mittelohres zum äußeren Gehörgang und damit eine Verbesserung der Hörleistung. Für gewöhnlich handelt es sich bei der Tympanoplastik um einen komplikationsarmen Eingriff. Die Kosten trägt die Krankenkasse.

Wem nützt die Tympanoplastik?

Die Tympanoplastik nützt Menschen mit:

  • Hörminderung durch Verletzungen oder Entzündungen des Trommelfells bzw. der Gehörknöchelchen
  • Chronischer Mittelohrentzündung und daraus resultierender Schwerhörigkeit
  • Loch im Trommelfell durch ein abgestoßenes Paukenröhrchen (wird bei chronischen Mittelohrentzündungen eingesetzt, Sekret kann dadurch abfließen)

Was passiert bei der Tympanoplastik?

Die Tympanoplastik erfolgt meist unter Vollnarkose. Je nach Erkrankung kann auch eine lokale Betäubung ausreichend sein. Es handelt sich um ein mikrochirurgisches Verfahren und eine meist anspruchsvolle Operation. Hinter der Ohrmuschel oder im Gehörgangseingangsbereich wird ein kurzer Schnitt gesetzt.

 

Je nach Schädigung des Mittelohres werden anschließend unterschiedliche Verfahren angewandt:

  • Myringoplastik oder Tympanoplastik Typ 1: Löcher im Trommelfell werden anhand sogenannter Faszien-, Perichondrium- oder Perichondrium-Knorpel-Transplantate verschlossen, also mit körpereigenen Materialen. Die 3 Gehörknöchelchen (Amboss, Hammer, Steigbügel) sind nicht beschädigt, nur das Trommelfell wird behandelt.
  • Tympanoplastik Typ 2: Die Gehörknöchelchen und wenn nötig auch das Trommelfell müssen durch die Operation saniert werden, nur der Steigbügel funktioniert noch.
  • Tympanoplastik Typ 3: Nach dieser Methode wird operiert, wenn Hammer und / oder Amboss beschädigt sind. Je nach Erkrankung wird auch das Trommelfell operativ behandelt.
  • Tympanoplastik Typ 4: Dies wird auch als Schallprotektion bezeichnet. Das sogenannte runde Fenster (Paukentreppe zwischen Innen- und Mittelohr), über das Schallwellen ins Ohr gelangen, wird zum Schallschutz abgedeckt. Heutzutage wird anstatt dieser Methode zumeist die Steigbügeloperation (auch Stapesplastik, v.a. bei Otosklerose) angewandt, bei der eine winzige Prothese an das Gehörknöchelchen, den Amboss, angeklippt wird.

 

Findet der Einschnitt am Gehörgangseingangsbereich statt, hinterlässt die Operation eine 1 bis 2 cm lange Narbe. Diese verblasst aber mit der Zeit. Bei der Myringoplastik wird körpereigenes Material (z.B. Knorpel) verwendet, um das Trommelfell zu schließen. Dieses wird aus der unmittelbaren Umgebung des Einschnitts verwendet und hinterlässt normalerweise keine sichtbaren Spuren.

Wann kommt die Tympanoplastik zum Einsatz?

Die Operation kommt bei Schwerhörigkeit, deren Ursache im Mittelohr liegt, sowie bei chronischen Mittelohrentzündungen zum Einsatz. Bei gutem Heilungsprozess und zufriedenstellenden Ergebnis bleibt es bei einem einmaligen Eingriff.

Wer führt eine Tympanoplastik durch?

Speziell erfahrene Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten führen Tympanoplastiken im Krankenhaus durch. Die Nachbetreuung kann in der jeweiligen Ambulanz des Spitals stattfinden.

Was müssen Sie nach der Operation beachten?

Obwohl die Operation in den meisten Fällen problemlos verläuft, können folgende Komplikationen auftreten:

  • Verschlechterung der Schwerhörigkeit
  • Der neue Trommelfellverschluss hält nur für kurze Zeit
  • Abstoßung der Prothesen
  • Flüssigkeit tritt immer wieder aus dem operierten Ohr aus

Selten kann es zu Irritationen des Geschmacksnervs kommen. Der Gesichtsnerv ist meist nur bei Fehlbildungen oder besonders aggressiven Mittelohrerkrankungen gefährdet. Treten solche Schwierigkeiten auf, muss der Eingriff eventuell wiederholt oder eine andere Methode zur Verbesserung der Hörleistung (z.B. ein Hörgerät) in Betracht gezogen werden.

 

Direkt nach der Operation ist mit leichten Schmerzen am betroffenen Ohr zu, die bei Bedarf mit schmerzlindernden Medikamente behandelt werden. In den folgenden Tagen muss man die Wunde und den Gehörgang unbedingt vor Wasser und Schmutz schützen. Haarewaschen ist daher nur mit einer Abdeckung des Ohres, etwa mit einer Folie, möglich. Auch starkes Schnäuzen und Niesen sollte so gut wie möglich in den ersten 3 Tagen nach der Tympanoplastik vermieden werden.

Was kann man selbst zum Gelingen der Operation beitragen?

Nach der Entlassung sollte man sich mindestens 3 Wochen lang schonen und keinesfalls Sport betreiben. Nach 6 bis 8 Tagen werden die Nähte entfernt, eine sogenannte Gehörgangstamponade (Plastikschienchen mit schaumartigem Material, mit Verband am Ohr befestigt) bleibt zirka für 2-3 Wochen im Ohr. Beim Kontrollbesuch in der Ambulanz wird die Tamponade dann entfernt.

 

Wann sportliche Betätigung oder auch Flugreisen wieder möglich sind, hängt vom individuellen Heilungsfortschritt ab. Treten nach der Entlassung Schmerzen, Fieber, starke Rötungen oder übelriechender Ausfluss aus dem Ohr auf, sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen.

Wo liegen die Grenzen der Tympanoplastik?

Die Tympanoplastik ist eine Operationsmethode, die am Mittelohr eingesetzt wird. Schwerhörigkeit, die vom Innenohr ausgeht, kann dadurch nicht verbessert werden.

Kosten & Krankenkasse

Die Kosten für eine Tympanoplastik werden von der österreichischen Gesundheitskassa getragen.

AUTOR


Mag. Julia Wild
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Elisabeth Mondl


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


08.09.2017 / 27.11.2020
MEDIZINISCHER EXPERTE
Prof. Dr. Tilman Keck
Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Vorstand der Abt. für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf-, Hals- und Plastische Gesichtschirurgie Krankenhaus der Elisabethinen GmbH Graz
QUELLEN
Pschyrembel - Therapie, 4. Auflage, Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin, 2009
Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie, J. Strutz, W. Mann, 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2010
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