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Herpes

Abbildung einer Fieberblase
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Herpesinfektionen im Lippen- oder Genitalbereich heilen meist nach einigen Tagen ab. (cessna152 / Fotolia.com)

Weltweit existieren zahlreiche Herpesviren. 8 davon sind sogenannte "humane Herpesviren", die Menschen infizieren und unterschiedliche Erkrankungen verursachen können.

So verursacht das Epstein-Barr-Virus unter anderem das Pfeiffersche Drüsenfieber, das Varizella-Zoster-Virus Feuchtblattern und Gürtelrose (Herpes zoster). Am häufigsten infizieren sich Menschen aber mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1, etwa 85 % der Bevölkerung sind betroffen. Bei manchen Menschen verursacht das Virus immer wieder Fieberblasen. Die kleinen Bläschen sind mit virushaltiger Flüssigkeit gefüllt und treten im Bereich des Mundes (Herpes labialis) auf. Deutlich weniger Menschen sind mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 2 infiziert. Dabei bilden sich die Bläschen meist an den Geschlechtsteilen (Herpes genitalis). 

Häufigkeit von Herpes

Am häufigsten sind Menschen mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 infiziert, etwa 85 % der Bevölkerung tragen den Krankheitserreger in sich. Die Viren werden von Mensch zu Mensch übertragen, häufig erfolgt schon eine Übertragung zwischen Mutter und Baby. Die Infektion bleibt oft unbemerkt, doch hat man das Virus einmal im Körper, bleibt es dort lebenslänglich und kann von Zeit zu Zeit reaktivieren. Eine Reaktivierung kann symptomlos verlaufen – die Betroffenen sind infiziert und das Virus vermehrt sich, ohne dass es zur Bläschenbildung kommt. Obwohl der Betroffene keine Symptome verspürt, vermehren sich also die Viren, werden über die Schleimhäute ausgeschieden und können auf andere Menschen übertreten. Weit verbreitet sind auch Epstein-Barr-Virus, Zytomegalievirus und Varizella-Zoster-Virus sind auch weltweit stark verbreitet.

Die verschiedenen Viren im Detail

Es gibt mehr als 100 verschiedene Herpes-Viren, 8 davon verursachen beim Menschen Erkrankungen. Man bezeichnet sie daher auch als "humane Herpesviren". Am häufigsten kommen folgende Viren vor: 

  • Herpes-simplex-Viren (HSV): verursachen Fieberblasen oder Genitalherpes
  • Varizella-Zoster-Viren (VZV): sind Erreger für Windpocken oder Herpes zoster
  • Zytomegalievirus (CMV)

  • Epstein-Barr-Virus (EBV): Verursacher des Pfeifferschen Drüsenfiebers

Herpes-simplex Typ 1 (Fieberblasen) 

Die bekannteste Herpesviruserkrankung sind die sogenannten "Fieberblasen", sie werden vom Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) verursacht. Die Erstinfektion ist meist harmlos und asymptomatisch, oder aber sie geht mit Fieber und Mundschleimhautentzündung einher. Nach einer ersten Ansteckung bleiben die Viren lebenslang im Körper, und bleiben latent in Ganglienzellen. Dabei richten sie zwar meist keinen Schaden an, können jedoch immer wieder "ausbrechen". Solche Reaktivierungen bleiben oft ohne Symptome, oder es bilden sich an speziellen Hautstellen (Lippe, Genitalschleimhaut) kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die spannen, brennen und schmerzen. Die Übertragung des Virus erfolgt generell durch Tröpfcheninfektion oder Kontakt mit infizierter Schleimhaut (oral, genital, anal) oder Haut. Eine Infektion ist schon ab dem frühen Kindesalter möglich, z.B. wenn die Mutter Herpesvirus-Trägerin ist, bei ihr das Virus reaktiviert und das Kind durch Speichel infiziert wird. Nachweisbar ist das Virus direkt aus dem Bläscheninhalt oder später durch Identifizierung der spezifischen Antikörper, die sich gegen das Virus richten, im Blut.

Viren im Winterschlaf 
Die HS-Viren Typ 1 gelangen ins Innere der Nervenzellen und verbleiben latent in den Ganglienzellen des Trigeminus-Hirnnervs. Bestimmte Faktoren, wie Stress, starke Sonnen(UV)-Bestrahlung oder Fieber können die Viren erneut aktivieren und neue Viruspartikel werden produziert, die über die Nervenbahnen an die Hautoberfläche gelangen und an der bereits infizierten Stelle entstehen neuerlich "Fieberblasen".

 

Komplikationen 
Selten kann es durch Herpes-simplex-Viren zu einem Virusbefall der Hornhaut kommen, und das kann zu schweren Komplikationen und im schlimmsten Fall zu Erblindung führen. Die Herpes Enzephalitis wird ebenfalls vom HSV Typ 1 verursacht. Bei dieser sehr seltenen Gehirnentzündung gelangt das Virus über die Nervenbahnen ins Gehirn und befällt dort vor allem das Temporalhirn. Erste Anzeichen einer Infektion können hohes Fieber und Kopfschmerz sein, sowie Schwindel, Wahrnehmungs- oder Geruchsstörungen und motorische oder sprachliche Beeinträchtigungen. Nachweisbar ist das Virus dann über die Gehirnflüssigkeit (Liquor). Bei rechtzeitiger Behandlung mit einem Virustatikum kann die Erkrankung geheilt werden. Bleibt eine unverzügliche Therapie aus, ist das Sterblichkeitsrisiko sehr hoch.

Herpes-simplex Typ 2 (Herpes genitalis) 

Eine andere Variante des Herpes-simplex-Virus ist HSV-2. Das HSV Typ 2 wird hauptsächlich durch Sexualkontakt übertragen und befällt daher vor allem die Schleimhaut der Geschlechtsorgane. An der Genitalschleimhaut bildet es schmerzende, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen. Vor allem wenn Mütter kurz vor oder bei Geburt eine HSV-2-Infektion oder Reaktivierung durchmachen, kann es zu einer Infektion des Neugeborenen kommen. Dies ist überaus gefährlich und kann zu einer schweren, generalisierten, und manchmal tödlichen Infektion des Kindes führen. Um das zu verhindern, wird bei akut infizierten Müttern ein Kaiserschnitt in Betracht gezogen.

Varizella-Zoster-Viren (VZV) 

Das Herpes-Zoster-Virus kann einerseits Windpocken (Varizellen), andererseits aber Gürtelrose (Zoster) verursachen. Bei einer Windpockenerkrankung dringen die Viren zuerst über Tröpfcheninfektion in den Körper, gelangen in die Blutbahn und verteilen sich von dort über den gesamten Körper. Typischerweise entstehen kleine Bläschen, die virushaltig und hochansteckend sind. Das Immunsystem kämpft gegen die Virusvermehrung an und es dauert bis zu 2 Wochen, ehe alle Bläschen abgeheilt sind. Die Erkrankung verläuft meist unspektakulär, selten kann es zu Infektionen des zentralen Nervensystems und – vor allem bei erwachsenen Patienten – zu Lungenentzündungen kommen. Windpocken in der Schwangerschaft können äußerst selten zu Schädigungen des Ungeborenen führen, wie etwa zu Fehlbildungen. Man geht davon aus, dass man an Windpocken im Prinzip nur einmal erkrankt. Die Viren überleben nach der Infektion aber in Rückenmarkszellen. Wenn sie wieder reaktivieren, wandern sie vor allem bei älteren Personen oft wieder an die Hautoberfläche und verursachen dort in einem begrenzten Hautareal einen schmerzhaften Ausschlag. Man spricht dann von "Gürtelrose" (Herpes Zoster). Vor allem bei älteren Menschen kann es auch zu heftigen Nervenschmerzen kommen.

Zytomegalie-Virus (CMV) 

Während gesunde Menschen eine Infektion mit CMV kaum wahrnehmen, sind Personen mit starker Immunschwäche gefährdet. So etwa kann das Virus bei AIDS- oder Transplantationspatienten zu lebensbedrohlichen Erkrankungen führen. Ein erhöhtes Risiko für eine schwere Infektion besteht auch für ungeborene Kinder, wenn ihre Mütter eine Erstinfektion in der Schwangerschaft durchmachen. Die Kinder können dann über die mütterliche Plazenta mit CMV infiziert werden und angeborene Schäden, wie Hör- oder Sehschäden, Entwicklungsstörungen, Krampfanfälle, kognitive Störungen u.v.m. erleiden.

Epstein-Barr-Virus (EBV) 

Entdeckt wurde das Virus von Michael Epstein und Yvonne Barr im Jahr 1964. Von diesem Forscherduo hat es auch seinen Namen. Eine Erstinfektion verursacht das sogenannte "Pfeiffersche Drüsenfieber". Übertragen wird es durch Tröpfcheninfektion. Innerhalb von 3 Wochen nach einer Infektion treten in der Hälfte der Fälle Symptome wie hohes Fieber, und starke Kopf- und Gliederschmerzen auf. Hinzu kommen eine vergrößerte Milz, geschwollene Lymphknoten und weiße Beläge an den Mandeln, verbunden mit starken Halsschmerzen. Nach einer einmalig überstandenen Infektion ist man zwar nicht immun, doch die Symptome der Erstinfektion können nicht mehr auftreten. Das Pfeiffersche Drüsenfieber kann aber dazu führen, dass sich Betroffene noch über Monate und Wochen hin krank, müde und abgeschlagen fühlen. Eine schwerwiegende aber seltene Komplikation ist die Lungenentzündung.

Diagnose von Herpes

Der Nachweis von Herpesvirusinfektionen kann – je nach Virus – durch die Untersuchung des Blutserums, von Bläschenabstrichmaterial oder von Rachenspülflüssigkeit erfolgen. Durch bestimmte molekulare Verfahren kann man den genauen Virustyp bestimmen. Ein häufig genutztes solches Verfahren ist der Virusnukleinsäurenachweis mittles Polymerase-Kettenreaktion.

Therapie bei Herpes

Als vorbeugende Maßnahme steht einzig gegen das Varizella-Zoster-Virus eine Impfung zur Verfügung.

 

Herpesinfektionen im Lippen- oder Genitalbereich heilen meist nach einigen Tagen ab. Es gibt virushemmende (virostatische) Salben oder (bei schweren Symptomen und nur unter ärztlicher Kontrolle anzuwendende) Medikamente, die diesen Prozess beschleunigen, wenn sie sehr früh nach Auftreten der Symptome angewandt werden.

 

Bei Windpocken kann man die im Zuge der Erkrankung entstehenden juckenden Bläschen mit Puder behandeln. Eine Gürtelrose geht oft mit starken Schmerzen einher. In diesem Fall werden lokal betäubende Schmerzmittel verabreicht.

 

Bei beiden Varianten der VZV-Infektion kann der Arzt abhängig von der Schwere der klinischen Situation auch mit spezifischen Virostatika behandeln. 

 

Weder CMV- noch EBV-Infektionen werden im Normalfall (weder schwangere noch schwer immunsupprimierte PatientInnen) antiviral behandelt.

 

Für Diagnose und Behandlung von Herpesvirusinfektionen in der Schwangerschaft sind dringend und unter allen Umständen ärztlicher Rat und Betreuung erforderlich!

AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Carola Bachbauer


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


11.12.2013 / 23.03.2021
MEDIZINISCHER EXPERTE
OA Univ.-Doz. Dr. Paul Sator
Dermatologie, 1. Oberarzt der Hautabteilung, KH Hietzing, Wien
QUELLEN
Diagnostik und Therapie von Viruskrankheiten, Leitlinien der Gesellschaft für Virologie (Hrsg.), 2. Auflage, Urban & Fischer, München, 2004