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Schweißhände (Hyperhidrosis Palmaris)

Botulinum Toxin wird unter die Haut gespritzt
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Das Injizieren von stark verdünntem Botulinum Toxin unter die Haut ist eine der Therapiemöglichkeiten – allerdings eine schmerzhafte. (Dimid / Fotolia)

Die Hyperhidrosis Palmaris bezeichnet eine krankhafte Schweißabsonderung an den Händen, die derzeit noch ohne bekannte Ursache spontan und plötzlich in verschiedenem Ausmaß auftreten kann.

Manche Literaturstellen geben eine genetische Disposition (bis ca. 50%) für überempfindliche Schweißdrüsen als Ursache an, wobei neuere Arbeiten auf Grund geringer Evidenz dies als Ursache nicht anerkennen. Auffallend ist, dass meist jüngere Menschen mit verstärkter vegetativer Reaktion auf Stresssituationen betroffen sind. Im Unterschied zu den gar nicht wenigen Menschen, die in peinlichen Situationen anfangen, an den Händen zu schwitzen, sind Patienten mit Hyperhidrosis mit dauerhaften Beschwerden zu jeder Zeit konfrontiert. Nicht selten handelt es sich um Menschen, welche rasch nervös werden, schnell in Rage geraten und ängstlicher Natur sind.

 

Die soziale Beeinträchtigung, welche die Hyperhidrose palmaris mit sich bringt, ist enorm, wobei sich die Symptome im Teenageralter oft noch verstärken. Schon das Handgeben bei der Begrüßung wird meistens gemieden, da ein feuchter Händedruck als peinlich und unangenehm empfunden wird. Damit können schweißnasse Hände eine Einschränkung und Behinderung bei der Aufnahme von Sozialkontakten mit sich bringen. Das verringert sowohl Lebensqualität als auch Lebensfreude der Patienten und endet nicht selten in sozialer Isolation.

Symptome

  • Übermäßiger Bildung von Schweiß, unabhängig von anderen Faktoren, wobei sich nach Abwischen der Schweißtropfen unverzüglich neuer Schweiß bildet
  • Es ändert sich die Farbe der Hände (oft pink) entsprechend des Natrium- und Mineralgehaltes des Schweißes
  • Beginn der Symptome im Kindes- bis Jugendalter (< 25 Jahre)
  • Auftreten des Schwitzens temperaturunabhängig, unvorhersehbar und nicht willentlich kontrollierbar
  • Fokales Auftreten an einer oder mehreren Prädilektionsstellen mit symmetrischem Befall
  • Auftreten öfter als 1x pro Woche mit Beeinträchtigung des Alltags
  • Kein vermehrtes Schwitzen während des Schlafes
  • Positive Familienanamnese

Diagnostische Maßnahmen

Die Diagnostik der Hyperhidrosis palmaris wird zum Einen mittels Jod Stärke Test nach Minor gestellt, wobei hier das aktiv sezernierende Areal farblich abgegrenzt werden kann, zum Anderen kann zur quantitativen Diagnostik die Schweißmenge pro Zeiteinheit anhand der sogenannten Gravimetrie mittels Filterpapier, Stoppuhr oder Ultrafeinwaage gemessen werden. Die Diagnosestellung und Beurteilung des Schweregrades einer primären Hyperhidrose sind dem behandelnden Arzt vorbehalten, der auch über die am besten geeignete Therapie der Erkrankung entscheidet und dies durchführt oder bestimmt.

 

Diese Symptome können entsprechend der sichtbaren Ausprägung des Schweißes an den Handflächen in drei Schweregrade unterteilt werden:

 

Grad 1: Leichte Hyperhidrose:

  • stark erhöhte Hautfeuchtigkeit

Grad 2: Mäßig starke Hyperhidrose:

  • Schweißperlen bilden sich
  • Begrenzung der Schweißausbrüche auf den Schwitzherd

Grad 3: Starke Hyperhidrose:

  • Abtropfen von Schweiß
  • Transpiration betrifft auch die Streckseite der Finger, sowie den seitlichen Rand der Hand

Therapie

Es gibt eine Reihe von Behandlungsansätzen, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Sie reichen von konservativen, lokalen Maßnahmen bis hin zum chirurgischen Eingriff.

 

  • Örtliche, äußerliche Behandlungsmethoden: Cremes, Tinkturen oder Puder werden auf die direkt betroffenen Areale appliziert. Die Wirksamkeit ist jedoch nur auf wenige Stunden begrenzt
  • Systematisch verabreichte Tees (Salbeitee)
  • Iontophorese: temporärer Verschluss der Schweißdrüsen mittels Gleichstrom
  • Behandlung mit Botox: schmerzhaftes Injizieren von stark verdünntem Botulinum Toxin unter die Haut, wobei pro Hand bis zu 50 Injektionspunkte festgelegt werden müssen, die Wirkung hält maximal 6 Monate an
  • Chirurgische Therapie mit der sogenannten ESB, der Endoskopischen Sympathikus Blockade

 

Sind auch die konservativen Therapieansätze mit Bädern, Tinkturen und Botox nicht erfolgreich, muss man bei Vorliegen einer Grad 2-3 Hyperhidrose die operative Therapiemöglichkeit anraten, da dies die einzige nachhaltige Therapieoption darstellt. Leider wird von dieser Behandlungsform oft erst sehr spät Gebrauch gemacht, und der Leidensweg der betroffenen Patienten verlängert, obwohl langfristig gesehen diese Therapieoption mit Abstand die besten Ergebnisse erzielt.

 

Endoskopische Sympaticus Blockade (ESB)

Bei dieser Operation werden Nerventeile (der sympathische Grenzstrang) blockiert, welche u.a. für das Schwitzen an den Händen verantwortlich sind, und somit das Problem der Schweißhände minimiert. Der Eingriff ist auch sehr gut zur Behandlung der axillären Form der Hyperhidrose geeignet.

 

Die Operation wird in Allgemeinnarkose mit einer 5-Millimeter-Optik und zwei kleinen Schnitten am Brustkorb der betroffenen Seite durchgeführt. Der sympathische Grenzstrang wird im Bereich der Rippenköpfchen neben der Wirbelsäule aufgesucht und mittels eines kleinen Titanclip in Höhe des 4. Brustwirbels blockiert (ESB4). Bei starkem Schwitzen mit Betonung der Achselhöhle kann auch ein zweiter Clip in Höhe des 5. Brustwirbels (ESB5) gesetzt werden. Die Methode ist nicht geeignet zur Behandlung eines vermehrten Schwitzens an den Füßen (Hyperhidrosis plantaris). Trotzdem wird in solchen Fällen bei der Behandlung einer axillären oder palmaren Hyperhidrose in 30 Prozent auch eine Verbesserung der Situation an den Füßen beobachtet.

 

Es werden auch andere Verfahren beschrieben, bei denen der Grenzstrang unterhalb des 2. Brustwirbelkörpers an mehreren Stellen geclipt oder durchtrennt wird. Diese älteren Techniken haben jedoch im Vergleich deutlich mehr unerwünschte Nebenwirkungen und haben die ausgezeichnete Methode über einige Jahre in Misskredit gebracht. Besonders das so genannte kompensatorische Schwitzen – ein einseitig massiv vermehrtes Schwitzen am Rücken oder der Brust bei gleichzeitig trockener Hand der operierten Seite – sind für die betroffenen Patienten sehr unangenehm. Dies kann mit sehr großer Sicherheit beim ESB4 Verfahren verhindert werden.

 

Die Verwendung eines Clips anstelle der Durchtrennung des Nerven sichert eine potentielle Reversibilität des Effektes der Operation, indem der Clip entfernt werden und der Nerv sich regenerieren kann, falls im Ausnahmefall der gewünschte Erfolg nicht gegeben sein sollte. Die Nervenblockade einer Seite ist in der Hand erfahrener Chirurgen ein sehr komplikationsarmer und kurzer Eingriff, der in 30 Minuten in einer Narkose an beiden Seiten durchgeführt werden kann. Die Operation wird ohne Platzierung von Drainagen durchgeführt, und der Patient kann das Spital bereits am Tag nach dem Eingriff wieder verlassen.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


16.11.2018
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Markus Marcher
Dr. Markus Marcher
Foto (c): privat
Facharzt für Thoraxchirurgie, Stationsführender Thoraxchirurg im Otto Wagner Spital, Arzt für Allgemeinmedizin

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