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Durchblutungsstörungen (Ischämie, Minderdurchblutung)

Ärztin klärt Patient über Durchblutungsstörung auf.
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Durchblutungsstörungen entstehen durch Verengungen oder Verschlüsse von Blutgefäßen. (Image Point Fr / Shutterstock.com)

Als Durchblutungsstörung wird eine Behinderung des Blutflusses bezeichnet. Dies führt dazu, dass das betroffene Gewebe bzw. die Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden.

Am häufigsten sind die Extremitäten (Arme und Beine), das Herz und das Gehirn von einer mangelhaften Durchblutung betroffen. Aber auch Finger und Zehen können durch Durchblutungsstörungen unterversorgt sein. In selteneren Fällen sind Darm oder andere Organe von einer eingeschränkten Durchblutung betroffen.

Häufigkeit von Durchblutungsstörungen

In mitteleuropäischen Ländern wie Österreich sind Durchblutungsstörungen sehr häufig. Etwa jeder zehnte Mensch bis 70 Jahre ist davon betroffen, ungefähr 2 % der Bevölkerung haben bereits vor dem  45. Lebensjahr Probleme mit der Durchblutung. Männer sind ungefähr 4 Mal häufiger von diesem Krankheitsbild betroffen als Frauen im selben Alter. In anderen Ländern, vor allem in Entwicklungsländern, gibt es weitaus weniger Betroffene. Dies hängt sowohl mit dem Lebensstil, als auch mit den damit verbundenen Risikofaktoren zusammen.

Unterschied akute und chronische Durchblutungsstörungen

Akute Durchblutungsstörungen

Eine akute Durchblutungsstörung tritt plötzlich auf und kann sowohl die Arterien als auch die Venen betreffen.

  • Arterielle Verschlusskrankheit: Akute Arterienverschlüsse werden meist durch eine Embolie ausgelöst. Beispielsweise kann ein akuter Verschluss im Darm zu einem Darminfarkt führen oder eine verstopfte Hirnarterien einen Schlaganfall auslösen. Diese können lebensbedrohlich sein. Aufgrund dessen ist eine schnelle medizinische Behandlung erforderlich.

  • Venöse Durchblutungsstörungen: Meist sind Thrombosen Auslöser für eine venöse Durchblutungsstörung. Häufig sind die Venen in den Beinen betroffen. Diese sind druckempfindlich und schwellen plötzlich an. Zusätzlich kann die Haut sehr warm und gerötet sein. Außerdem kommt es zu starken Schmerzen, die sich durch Hochlagern der Beine mildern lassen.

 

Chronische Durchblutungsstörungen

Meist sind chronische Durchblutungsstörungen die Folge von Erkrankungen. Häufig entstehen sie auf Grund von einer Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose).

  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit: Hierbei handelt es sich um eine chronische arterielle Durchblutungsstörung in den Beinen (selten in den Armen oder Händen). Im Anfangsstadium bemerken die Patienten meist keinerlei Beschwerden. Im weiteren Verlauf hat der Betroffene Schmerzen bei der Belastung. Im Endstadium der Krankheit kommt es zum kompletten Gefäßverschluss und dem Absterben des Gewebes (Beininfarkt). Im schlimmsten Fall muss das betroffene Bein operativ entfernt werden.

  • Raynaud-Syndrom: Bei dem Raynaud-Syndrom treten die Durchblutungsstörungen anfallsartig in den Zehen oder Fingern auf. Diese werden meist durch äußere Faktoren wie Kälte oder Stress ausgelöst. Die betroffenen Zehen oder Finger erscheinen erst auffallend weiß und später eher bläulich. Dies ist jedoch meist harmlos.

  • Koronare Herzkrankheit (KHK): Bei der Erkrankung handelt es sich um eine chronische Durchblutungsstörung des Herzmuskels. Diese führt zu starken Schmerzen im Brustbereich und es kann im Ernstfall zu einem Herzinfarkt kommen.

Ursachen von Durchblutungsstörungen

Eine Durchblutungsstörung kann viele Ursachen haben. Zu den häufigsten Gründen zählen die Verengung oder der Verschluss von Arterien – verursacht durch eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) –, Gefäßverschlüsse (Embolien) oder Bildungen von Blutgerinnseln innerhalb der Arterie (Thrombose). Manchmal können auch Entzündungen von Gefäßen (Vaskulitiden), Krämpfe in der Muskulatur der Blutgefäße (Gefäßspasmen) oder ein zu niedriger Blutdruck (arterielle Hypotonie) Auslöser für eine Durchblutungsstörung sein.

 

Arterienverkalkung (Arteriosklerose)

Die häufigste Ursache einer Durchblutungsstörung ist die Arterienverkalkung. Dabei handelt es sich um eine Veränderung der Blutgefäße, welche über viele Jahre entsteht und meist lange unbemerkt bleibt. Die Gefäßwände verkalken, verlieren ihre Elastizität und der Gefäßdurchmesser wird zunehmend enger. Aufgrund dessen kann das Blut nicht mehr ungehindert durchfließen.

 

Thrombose

Ein Thrombus (Blutpropfen) kann sich in jedem Blutgefäß bilden. Hierbei setzen sich die Blutplättchen, auch Thrombozyten genannt, an der Gefäßwand festsetzen und verklumpen miteinander. Dadurch kann es zu einem teilweisen oder vollständigen Verschluss eines Blutgefäßes kommt.

 

Gefäßverschluss (Embolie)

Eine Embolie entsteht, wenn ein Gefäß plötzlich verstopft und tritt somit meist akut auf. Verursacht wird dies durch einen Blutpfropf, der verschleppt wird, meist in einem kleineren Gefäß hängen bleibt und dieses verschließt. In den meisten Fällen wird eine Embolie durch ein Blutgerinnsel (Thrombose), selten durch Fett, Luft- oder Gasblasen, Tumorzellen oder Fremdkörper ausgelöst.

 

Gefäßentzündung (Vaskulitis)

Gefäßentzündungen sind eine seltene Gruppe von Autoimmunerkrankungen, bei denen es zu Entzündungen und Schäden an den Blutgefäßwänden kommt. Dies kann zum Absterben von Gewebe und Zellen in der Blutgefäßwand führen und die Blutversorgung in der umliegenden Körperregion beeinträchtigen.

Risikofaktoren von Durchblutungsstörungen

Bestimmte Risikofaktoren können eine Durchblutungsstörung fördern:

Symptome von Durchblutungsstörungen

Je nachdem, ob Extremitäten oder Organe von Durchblutungsstörungen betroffen sind, können unterschiedliche Beschwerden auftreten.

 

Die 6P nach Pratt sind klinische Anzeichen, die auf eine  akute pAVK einer Extremität hinweisen:

  • pain (Schmerz),

  • pallor (Blässe),

  • paresthesia (Gefühlsstörung),

  • pulselessness (Pulslosigkeit: Fehlen eines fühlbaren Pulses in einer Körperregion),

  • paralysis (Bewegungsunfähigkeit),

  • prostration (Schock).

 

Mögliche Folgen einer Durchblutungsstörung in Organen:

  • Durchblutungsstörungen im Darm: starke Bauchschmerzen nach dem Essen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall. Bei einer eingeschränkten Durchblutung des Darmes kann es auch zu einem Darminfarkt oder einer Darmlähmung kommen.

  • Durchblutungsstörungen im Herzen: Schmerzen, Engegefühl in der Brust und im Extremfall Herzinfarkt

  • Durchblutungsstörungen im Gehirn: vorübergehende Erblindung eines Auges, Sehen von Doppelbildern, undeutliches Sprechen, Benommenheit, Gleichgewichtsstörungen, Ohnmacht, halbseitiges Lähmungs- und Taubheitsgefühl und Schlaganfall

Diagnose von Durchblutungsstörungen

Zu Beginn der Untersuchung führt der Arzt eine ausführliche Anamnese durch. Dabei stellt er Fragen zu der Krankheitsgeschichte sowie den Symptomen. Danach gibt es eine ganze Reihe von Untersuchungsmethoden, mit denen der genaue Schweregrad der Erkrankung festgestellt werden kann.

  • Knöchel-Arm-Index (Dopplerindex): Diese Untersuchung wird zur Diagnose von Durchblutungsstörung häufig durchgeführt. Dabei wird der Blutdruckwert der beiden Fußknöcheln mit jenem der beiden Oberarme verglichen. Weichen die Werte zu stark voneinander ab, besteht die Möglichkeit einer Durchblutungsstörung in den Beinen.

  • vergleichende Blutdruckmessung: Ist z. B. der Blutdruck im linken Arm niedriger als im rechten, deutet dies auf eine Gefäßverengung der linken Seite hin. Diese Methode wird jedoch selten durchgeführt.

  • Gehstrecken-Provokationstest: Wird vor allem bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK), auch Schaufensterkrankheit genannt, eingesetzt. Dabei wird der Patient beispielsweise gebeten, eine Strecke zu gehen. Dadurch kann festgestellt werden, wie weit ein Patient schmerzfrei in einer bestimmten Geschwindigkeit gehen kann.

  • Angiographie: Hierbei gibt es drei verschiedene Möglichkeiten: konventionelle Angiographie, CT-Angiographie oder MRT-Angiographie (auch MR-Angiographie genannt). Bei einer konventionelle Angiographie wird dem Patienten ein Kontrastmittel injiziert, wodurch die Gefäße auf Röntgenbildern sichtbar werden. So lassen sich schlecht durchblutete Gefäße gut feststellen. Eine CT-Angiographie wird durchgeführt, wenn es um den Ausschluss bzw. Nachweis von Gefäßverengungen (Stenosen) und Gefäßverschlüsse geht. Es handelt sich dabei um Erkrankungen der Schlagadern im Hals-, Brust-, Bauch-, Becken- oder Beinbereich. Die MRT-Angiographie ermöglicht die exakte Darstellung blutführender Gefäße im Körper. Hierbei lassen sich nicht nur große Schlagadern, sondern auch kleinste Gefäße abbilden und beurteilen. Um die Gefäße gut darstellen zu können, ist bei einer MRT-Angiographie in der Regel ein Kontrastmittel erforderlich.

Therapie bei Durchblutungsstörungen

Die Behandlung einer Durchblutungsstörung hängt von der Ursache und ob eine akute oder chronische Durchblutungsstörung vorliegt, ab. Dadurch gibt es viele verschiedene Herangehensweisen. Zu den Therapieoptionen gehören Medikamente, medizinische Eingriffe sowie eine Physiotherapie.

 

Akuter-Notfall

In den meisten Fällen handelt es sich bei einer akuten Durchblutungsstörung um einen medizinischen Notfall, der einen operativen Eingriff notwendig macht.

 

Vorgehensweise bei chronischer Durchblutungsstörung

  1. Bewegungstherapie: Bei einer chronischen pAVK (Schaufensterkrankheit) können Geh-, Schwimm- oder Fahrradtraining und aktive Krankengymnastik die Sauerstoffversorgung des betroffenen Körperteils verbessern.

  2. Gefäßerweiternde Medikamente: Bei der medikamentösen Therapie kommen durchblutungsfördernde oder gerinnungshemmende Medikamente zum Einsatz. Diese müssen meist über drei Wochen stationär verabreicht werden. Des Weiteren verschreibt der Arzt bei Bedarf Schmerzmittel.

  3. Vasodilatation: Um das verengte Gefäße auszudehnen, setzt der Gefäßchirurg einen Ballonkatheter oder einen Stent ein.

  4. Bypass: Hierfür entnimmt der Chirurg, meist aus dem Unterschenkel, ein Stück Vene. Diese wird dazu verwendet die verengte Stelle des Gefäßes zu umgehen.

  5. Amputation: Liegt eine sehr schwere Durchblutungsstörung und somit eine langandauernde Unterversorgung des Gewebes vor, kann dieses absterben. Dies führt dazu, dass eine Amputation des betroffenen Körperglieds notwendig ist.

Was können Sie selbst gegen Durchblutungsstörungen tun?

Um einer Verschlechterung des Krankheitszustands vorzubeugen, sollte ein Augenmerk auf die Risikofaktoren gelegt werden. Bluthochdruck etwa muss medikamentös behandelt werden. Außerdem ist es empfehlenswert, mit dem Rauchen aufzuhören und Übergewicht zu reduzieren. Falls der Betroffene einen Diabetes hat, sollte dieser gut eingestellt sein, die Blutfette bzw. der Cholesterinspiegel müssen überwacht und gegebenenfalls medikamentös gesenkt werden. Zur Abklärung und Beratung sollte diesbezüglich ein Arzt aufgesucht werden. Des Weiteren ist regelmäßige Bewegung sehr wichtig. Diese verbessert die Durchblutung und fördert die Bildung von wichtigen Umgehungskreisläufen.   

AUTOR


Carola Bachbauer, BA
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


29.06.2021
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Niklas Spitzer
Foto (c): Andreas Kraus
Facharzt für Chirurgie und Gefäßchirurgie, St. Pölten
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