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Empfindliche Frauenherzen

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Frauen nehmen Angina pectoris anders wahr als Männer. (Elnur / Fotolia)

Herz-Kreislauf-Erkrankungen treffen das weibliche Geschlecht in der Regel schwerer als das männliche.

Bei 45% der österreichischen Frauen stellen jene Krankheiten die Todesursache dar, bei Männern sind es "lediglich" 38%. In den letzten Jahren konnte zwar eine Abnahme der kardiovaskulären Mortalität verzeichnet werden, bei Frauen war diese jedoch weniger stark ausgeprägt. „Das weibliche Geschlecht hat im ersten Jahr nach einem Herzinfarkt eine höhere Wahrscheinlichkeit zu versterben und weist eine schlechtere Prognose nach einer koronaren Bypass-Operation auf“, berichtet Prim. Univ.-Prof. Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer, 5. Medizinische Abteilung mit Kardiologie, Sozialmedizinisches Zentrum Süd – Kaiser Franz Josef-Spital.

 

Sowohl biologische als auch psychosoziale Unterschiede tragen zu den geschlechtsspezifischen Abweichungen in der Herzgesundheit bei. „Der Lebensstil ist ein bedeutender Faktor, um die Prognose zu verbessern, jedoch spielen auch die Gene eine wichtige Rolle“, erläutert Prim. Priv.-Doz. Dr. Georg Delle Karth, 4. Medizinische Abteilung mit Neurologie, Krankenhaus Hietzing mit Neurologischem Zentrum Rosenhügel. „Faktoren, die durch Arzt und Patient beeinflusst werden können, umfassen die Hypertonie-Einstellung und Blutzuckerkontrolle, die Senkung des Cholesterinspiegels sowie Rauchkarenz und Gewichtsreduktion.“

Das weibliche Geschlecht hat im ersten Jahr nach einem Herzinfarkt eine höhere Wahrscheinlichkeit zu versterben und weist eine schlechtere Prognose nach einer koronaren Bypass-Operation auf.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer
Foto: Podczeck-Schweighofer

Unterschiedliche Symptome

Ein großes Problem in der Diagnostik besteht darin, dass sich die Symptome bei Frauen anders präsentieren als bei Männern. Zwar kündigt sich die koronare Herzkrankheit (KHK) bei Frauen meist durch eine Angina pectoris (Herzenge) an – diese wird aber oft nicht durch den typischen Brustschmerz charakterisiert. Stattdessen stehen Symptome wie Magenschmerzen, Übelkeit, Atemnot und Müdigkeit im Vordergrund. In der klinischen Praxis erschwert das die Früherkennung – genauso wie die Umstände, dass Frauen frühe Symptome weniger als solche wahrnehmen und dass einige diagnostische Maßnahmen bei Frauen weniger sensitiv ausfallen.

Der Lebensstil ist ein bedeutender Faktor, um die Prognose zu verbessern, jedoch spielen auch die Gene eine wichtige Rolle.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Georg Delle Karth
Foto: Marion Carniel

LENA gibt Aufschluss

Die erste standardisierte Untersuchung der Lebensqualität von Patienten mit stabiler Angina pectoris in Österreich (LENA-Report) zeigt ebenfalls Differenzen zwischen den Geschlechtern auf. Zwar sind Männer zwischen 65 und 80 etwas häufiger von Angina pectoris betroffen, sie leben aber besser mit dem Symptom. „Frauen bewerten ihre Lebensqualität schlechter als Männer“, beschreibt Doz. Delle Karth. „Wenn Patienten von Einschränkungen berichten, ist das für Ärzte ein Signal, in manchen Bereichen noch einmal nachzufragen.“

 

Die Studienteilnehmer sind einerseits mit ihrer Behandlung durch Allgemeinmediziner, Fachärzte und Krankenhausambulanzen sehr zufrieden. Andererseits treten bei vielen trotz ihrer Therapie noch Angina-pectoris-Anfälle auf – und sie stellen Einschränkungen in ihrem täglichen Leben fest. 40% der 660 Befragten berichten über Probleme mit dem Treppensteigen, zügigen Gehen, Einkaufen, Staubsaugen und mit der Gartenarbeit. 41% haben mehrmals pro Woche oder sogar pro Tag mit Druckempfindungen in der Herzgegend, Schwere- oder Engegefühl in der Brust oder brennenden Schmerzen und Luftnot zu kämpfen. 45% geben eine Einschränkung ihrer Lebensfreude an, fast die Hälfte hat Ängste in Bezug auf Herzinfarkt oder Tod.

AUTOR


Mag. Marie-Thérèse Fleischer, BSc
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


11.12.2018
QUELLEN
Pressegespräch "Wie geht es Angina-pectoris-Patienten in Österreich?", Oktober 2018 Wien

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