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Gesundes Herz: Mythen und Fakten

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Mit richtiger Vorsorge kann das Herzinfarkt-Risiko um 65 Prozent senken. (Africa Studio/Shutterstock.com)

Herzinfarkt-Prävention war das Thema beim 21. Innsbrucker Kardiologiekongress.

Österreich beklagte 2017 83.270 Todesfälle, 40 Prozent davon aufgrund von Herz-Kreislaufproblemen und 6 Prozent davon entfallen auf Herzinfarkte. Diese Zahlen sind seit Jahren stabil. Kardiologen wollen nun die Prävention an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse anpassen. Lesen Sie weiter, was das Herz wirklich gesund erhält und was in die Kategorie "Mythen" fällt.

"Acetylsalicylsäure verhindert Herzinfarkt"

Leider nein. Tatsächlich kann der Arzneistoff Acetylsalicylsäure (ASS, b. B. Aspirin) die Gerinnselbildung und damit das Risiko für einen Herzinfarkt verringern. Gleichzeitig erhöht er aber das Blutungsrisiko beim Patienten. Der Nutzen überwiegt das Risiko in Summe nicht. "Die tägliche Tablette Aspirin bringt nichts für gesunde Menschen, auch dann nicht, wenn sie erhöhtes Herzinfarkt-Risiko haben", sagt Prof. Dr. Dietmar Trenk, Leiter der Klinischen Pharmakologie am Universitäts-Herzzentrum Freiburg. Anders sei das hingegen bei Menschen, die schon einen Herzinfarkt hatten: Für sie bleibt die Empfehlung, ASS ein Leben lang zu nehmen, jedoch aufrecht. Hier überwiegt der Nutzen.

"Vitamine und Omega-3-Fettsäuren verhindern Herzinfarkt"

Leider auch nicht. Weil die Vitamine C, E und D entzündungshemmend wirken, hoffte man, damit auch Herzinfarkt und koronare Herzerkrankungen zu verhindern. "Die Vitamine C, E und D bringen diesbezüglich nichts. Hohe Vitamin E-Gaben steigern möglicherweise sogar die Sterblichkeit", so Univ.-Prof. Dr. Christoph Säly, Innere Medizin 1, Feldkirch. Ähnlich ernüchternd ist das Ergebnis mehrerer Studien, die die kardiologische Wirkung von Omega 3-Fettsäuren untersuchten: In Hinblick auf Herzinfarkt-Prophylaxe zeigte ein Gramm Omega-3 Fettsäuren pro Tag keine Wirkung.

"Sport ist gut für das Herz"

Jein. Regelmäßige körperliche Betätigung hat sich als echtes Super-Medikament erwiesen – auch in der Prävention gegen koronare Herzerkrankungen. Allerdings kommt es stark auf die richtige Dosierung an. Eine neue Studie gibt Hinweise darauf, dass beispielsweise Marathonläufer, die nicht austrainiert sind, ihr Herz mit dieser Höchstleistung schädigen können. In jedem Fall schädlich ist sportliche Leistung, wenn der Körper durch eine Infektion geschwächt ist.

"Wer richtig vorsorgt, kann das Herzinfarkt-Risiko bis zu 65 Prozent senken"

Ja, aber... "Wer nicht raucht, seine Cholesterinwerte und seinen Blutdruck 'im Griff' hat, Übergewicht vermeidet, weil er sich gesund ernährt und sich regelmäßig – mindestens 150 Minuten pro Woche – bewegt sowie Stress so gut wie möglich ausschaltet, hat gute Chancen, keinen Herzinfarkt zu bekommen", meint Primaria Univ.-Prof. Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer, Präsidentin der Österr. Kardiologischen Gesellschaft. Allerdings verlangt eine Umstellung des Lebenswandels und das Beibehalten eine große Portion Disziplin und Konseqzenz. "Jeder hat die Chance, sein Herzinfarkt-Risiko pro Risikofaktor zwischen 10 und 25 Prozent zu senken", ist Univ.-Prof. Dr. Guy Friedrich von der Innsbrucker Universitätsklinik für Kardiologie überzeugt. Während hierzulande das Rauchen als bedeutendster Risikofaktor gilt, nennt eine norwegische Studie die Senkung des Cholesterins als wesentlichsten Faktor des koronaren Risikos.

"Blutdruckwerte von bis zu 140/90 mm Hg als noch normal"

Nicht mehr. Die europäischen Gesellschaften für Kardiologie und Hypertensiologie haben 2018 eine neu überarbeitete Version der Leitlinien zum Vorgehen bei arterieller Hypertonie herausgegeben. Als normal gelten Blutdruckwerte bis 139/89. Eine Therapie sollte ab 140/90 eingeleitet werden. Wobei für Menschen unter 65 Jahren der Zielwert des systolischen Blutdrucks bei 120 bis 129 liegt und der diastolische Druck bei <80 mmHg. "Im Gegensatz zu den amerikanischen Leitlinien wird noch immer in der Diagnostik auf die Ordinationsblutdruckmessung zurückgegriffen, allerdings müssen die Messungen wiederholt durchgeführt werden und Heimblutdruckmessverfahren werden als eine gleichwertige Alternative gesehen", sagt Univ.-Prof. Dr. Gert Mayer, Direktor Univ.-Klinik für Innere Medizin IV, Innsbruck.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


12.03.2019

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