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Sport bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Mann joggt am Strand
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Joggen hat sich als Ausdauersportart bei herzkranken Menschen bewährt. (Maridav - Shutterstock.com)

Wurden herzkranke Menschen früher vor körperlicher Überlastung gewarnt, so weiß man heute: Herzkranke profitieren von einem moderaten Training.

Doch nicht jede Sportart ist für Menschen mit einer Herzkrankheit empfehlenswert. Zudem gilt für Untrainierte im Allgemeinen und für Patienten im Besonderen: Die Belastung langsam steigern! Mit der Zeit kommt der aktive Lebensstil Herz und Kreislauf zugute: Die Prognose verbessert sich und die Gefahr von Folgeerkrankungen sinkt.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen - positive Auswirkung von Sport

Bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) gilt körperliche Bewegung unter Experten als "ein stark wirksames Medikament". Studien belegen, dass typische Folgen der verengten Gefäße wie Herzinfarkte weniger häufig auftreten, wenn regelmäßig Sport betrieben wird. Auch kommt es zu weniger Krankenhauseinweisungen und einer besseren Lebensqualität, Lebenserwartung und größeren Anzahl von Lebensjahren mit hoher Lebensqualität. Die KHK lässt sich mit Sport in manchen Fällen sogar teilweise zurückbilden. Zu den positiven Auswirkungen von viel Bewegung auf die Gesundheit von Herzpatienten zählen:

 

  • Langfristig blutdrucksenkend: Durch Bewegung weiten sich die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt und das Herz muss gegen weniger Druck in den Gefäßen arbeiten, um den Organismus mit Blut zu versorgen.
  • Das Herz wird leistungsfähiger: Deshalb sinkt auch die Pulsfrequenz - und bei einem niedrigen Puls arbeitet das Herz effizienter.
  • Bessere Durchblutung für das Herz: Außerdem wird durch Ausdauersport die Durchblutung des Herzmuskels dadurch verbessert, dass sich kleine Gefäße erweitern bzw. zu größeren Gefäßen umgebaut werden (Verbesserung der Mikrozirkulation), sodass die Durchblutung des Herzmuskels nach der Verengung eines Herzkranzgefäßes verbessert wird.
  • Cholesterinwerte sinken: Zudem bringt Sport die Cholesterinwerte ins Lot. Ablagerungen von Fett und Kalk in den Gefäßen (Arteriosklerose) werden gebremst.

Richtig trainieren bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herzpatienten sollten sich immer an ihre individuelle, vom Arzt mittels maximalem Belastungs-EKG bestimmte Trainingsherzfrequenz halten. Nach Studien haben sich je nach Erkrankung in der Regel folgende Belastungen bewährt:

  • Für Herzinsuffizienz-Patienten (=Herzmuskelschwäche) zu Beginn zunächst eine Belastung von etwa 40 bis 55 % der maximal erzielbaren Herzfrequenz
  • Bei stabiler KHK mit fehlender Herzinsuffizienz eine Steigerung der Belastung auf 60 bis 70 % der maximalen Leistungsfähigkeit

 

Die Kontrolle der optimalen Trainingsintensität gelingt besonders leicht mithilfe eines Pulsmessers, z.B. Pulsuhr. Das Ziel von Herzpatienten ist beim Sport nicht Leistung, sondern ihr Herzproblem zu therapieren! Zu viel Ehrgeiz ist hier fehl am Platz. Was zählt ist Regelmäßigkeit. Anfangs reichen Trainingseinheiten von 15 Minuten, die langsam auf das optimale Maß von jeweils 45 Minuten an 6 Tagen der Woche gesteigert werden sollten. Das Mindeste an Bewegung, das Herzpatienten erreichen sollten, liegt bei 20 bis 30 Minuten an 3 Tagen in der Woche.

         

Dennoch ist Herzpatient nicht gleich Herzpatient. So werden die einen sich auch längerfristig nur gering belasten können und früh ermüden, während andere einen Marathon erfolgreich absolvieren. Sicher ist jedoch, dass alle vom Training profitieren, die zunächst gemütlich beginnen und dann gemäß ihren Verhältnissen das Training, am besten unter Hinzuziehen ihres Arztes bzw. eines Sportmediziners, angemessen steigern. Richtiges Trainieren kann auch im Rahmen einer wohnortnahen und auch berufsbegleitenden ambulanten Rehabilitation erlernt werden.. Die Kosten hierfür werden von den Kranken- und Pensionsversicherungen ohne Selbstbehalt übernommen.

 

Geeignete Sportarten

 

Bewährt haben sich vor allem Ausdauersportarten, zu denen u.a. die Folgenden zählen:

 

Je nach Schwere der Erkrankung kann auch

  • Aqua-Gymnastik
  • Rudern

 

ausgeübt werden.

 

Während früher vor allem Sport mit gleichbleibendem Puls propagiert wurde, haben neuere Arbeiten auch unserer Arbeitsgruppe zeigen können, dass ein intervallartiges Training, wie man es bei:

  • Kampfsportarten und
  • Ballsportarten, wie etwa Tennis & Squash, Fußball und Handball

 

findet, durchaus auch für Herzpatienten angeraten werden kann. Hierbei gilt jedoch, wie genau genommen auch bei allen anderen Sport- und Bewegungsformen, dass vor Beginn des Trainings eine gründliche Untersuchung mittels Belastungs-EKG erfolgen muss, welches dann mindestens einmal pro Jahr wiederholt gehört. In Abhängigkeit des Befundes kann dann eine individuelle Trainingsempfehlung und auch Trainingsberatung entweder durch den behandelnden Arzt oder einen Sportmediziner, so wie dies auch an unserem Institut der Fall ist, erfolgen.

  • Kraftsport
  • Klettern am Berg
  • Bogenschießen

 

Der Trainingseinstieg

 

Für Herzpatienten gilt immer: Vor dem Trainingseinstieg ihre individuelle Belastbarkeit durch den Arzt bestimmen lassen! Er kann aufgrund verschiedener Untersuchungen individuelle Trainingsempfehlungen aussprechen. Wer an einer ambulanten oder stationären Rehabilitation teilgenommen hat, sollte das Rüstzeug für das eigenständige Training erhalten haben. Sollte keine Rehabilitation stattgefunden haben, so sollte der Antrag auf eine solche gestellt werden. Dies geht auch für die ambulante Rehabilitation, die dort wo sie angeboten wird wohnortnah und berufsbegleitend durchgeführt werden kann. Bei Patienten, die an keiner Rehabilitation teilgenommen haben, sollte je nach Krankheitsbild und Schweregrad die erste Trainingseinheit unter kardiologischer bzw. sportmedizinischer Aufsicht erfolgen.

 

Für Patienten mit KHK oder stabiler Herzinsuffizienz ist es besonders günstig, zumindest anfangs in einer Gruppe (Herzsportgruppe, z.B. beim Herzverband) zu trainieren, da dort oftmals speziell ausgebildete Übungsleiter und teilweise auch ein Arzt die Sporteinheiten betreuen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen - Risiken beim Training

Bewegung und Sport sind prinzipiell gesund, werden in ihrer positiven Wirkung weiterhin von vielen Menschen unterschätzt und darüber hinaus viel zu oft verboten. Für die Allgemeinheit gilt, dass durch zu wenig körperliche Aktivität mehr Schaden für den einzelnen und für die Gesellschaft entsteht als durch zu viel Sport. Da alles was wirkt auch Nebenwirkungen hat, gilt dies auch für den Sport und es gibt Umstände, unter denen nicht trainiert werden sollte. Dazu zählen:

 

Alle Herzpatienten sollten bei ihrer sportlichen Betätigung besonders aufmerksam sein, wenn das Wetter extrem ist. Doch zum Glück leben wir in einer gemäßigten Klimazone, sodass es kaum Tage im Jahr gibt, an denen von einem Training abzuraten wäre. Selten ist die Hitze so groß oder die Kälte so eisig, als dass Patienten mit Herzproblemen hierauf Rücksicht nehmen müssten. Da Wetterextreme sich auf die Blutgefäße und damit den Blutdruck auswirken, gilt es, Folgendes zu berücksichtigen:

 

Im Hochsommer

 

Sporteinheiten auf die kühleren Morgen- oder späteren Abendstunden legen, um eine Überhitzung des Körpers zu vermeiden. Besonders Fahrradtouren sind bei Hitze zu empfehlen, da der Fahrtwind für Kühlung sorgt. Auch Schwimmen erfrischt; nach einem intensiven Sonnenbad jedoch stets langsam abkühlen und keinesfalls ins Wasser springen! Der plötzliche, große Temperaturunterschied kann schlimmstenfalls zum Kreislaufkollaps führen.

 

In strengen Wintern

 

kann es sinnvoll sein, Trainingseinheiten nicht draußen zu absolvieren. Bei frostigen Temperaturen können Blutgefäße stark verengen. Der Blutdruck steigt und das Herz muss stärker pumpen. Um eine Überlastung des Herzmuskels zu vermeiden, sollte Sport in die nächste Turnhalle verlegt oder daheim betrieben werden. Für diejenigen Patienten, denen Schwimmen empfohlen wurde, eignet sich im Winter auch ein regelmäßiger Ausflug ins Hallenbad.

 

Dennoch: wer es verträgt und Freude daran hat, kann auch bei winterlichen Temperaturen z.B. Winterwanderungen machen oder auch dem alpinen Skifahren, Skilanglauf, Schneeschuhwandern, etc. nachgehen.

 

Wann immer beim Sport Alarmsignale, wie etwa unverhältnismäßig starke Atemnot oder Schmerzen, Druck oder Brennen im Brustkorb auftreten, die Belastung sofort beenden und den Arzt informieren!

AUTOR


Anja Speitel
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Sylvia Neubauer


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


24.04.2017 / 04.03.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
Prim. Univ.-Prof. Dr. Dr. Josef Niebauer MBA
Innere Medizin – Kardiologie – Sportmedizin; Univ.-Institut für präventive und rehabilitative Sportmedizin, Uniklinikum Salzburg der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität
QUELLEN
Körperliche Bewegung - dem Herzen zuliebe: Ein Ratgeber für Herzpatienten, K. Meyer, Steinkopff Verlag, 5. Auflage, 2010

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