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"Dicke Luft" verstärkt Allergiesymptome

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Pollen liegen wieder in der Luft und machen Allergikern das Leben schwer. Dazu kommen Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid, Ozon oder Feinstaub, die zusätzlich Auswirkungen auf die Gesundheit haben können (zstock/Shutterstock.com)

Die Pollensaison hat begonnen. Experten gehen von einem eher pollenschwachen Jahr aus. Allerdings können schlechte Luftwerte die Beschwerden von Allergikern verstärken.

Ein kalter und schneereicher Jänner verzögerte dieses Jahr den Pollenflug der Frühblüher. "Der Belastungsschwerpunkt ist in den thermisch begünstigten Regionen und den Tal-, Tief- und Beckenlagen überstanden", so Mag. Dr. Katharina Bastl vom Österreichischen Pollenwarndienst der MedUni Wien. Die Prognose der Birkenblüte ist heuer etwas widersprüchlich. "Die Phänologie spricht für ein weniger starkes Jahr, die Modelldaten bringen ganz unterschiedliche Ergebnisse. Daher gibt es zwar berechtigte Hoffnung auf eine weniger starke Birkenblüte, jedoch nicht unbedingt in allen Regionen Österreichs."

"Es gibt zwar berechtigte Hoffnung auf eine weniger starke Birkenblüte, jedoch nicht unbedingt in allen Regionen Österreichs."

Mag. Dr. Katharina Bastl,
Österreichischen Pollenwarndienst der MedUni Wien
Foto: MedUni/WienMatern

Verschmutzte Luft belastet zusätzlich

Luftschadstoffe, die mit jedem Atemzug in unseren Körper gelangen, verstärken die Beschwerden von Allergikern. "Belastungen durch Feinstaub, Stickstoffdioxid oder Ozon beeinträchtigen nachweislich die Gesundheit der Bevölkerung und können sogar die Lebenserwartung verringern", weiß Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. Hans-Peter Hutter, stellvertretender Leiter der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin am Zentrum für Public Health, MedUni Wien. Laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) sterben jedes Jahr rund 7.500 Menschen in Österreich vorzeitig aufgrund der Luftverschmutzung.

 

Ozonalarm bei Asthma
Insbesondere erhöhte Ozonwerte belasten die ohnehin schon überreizten Atemwege. "Im Vergleich mit anderen Luftschadstoffen wird dem Reizgas die schädlichste Wirkung zugeschrieben", sagt DI Dr. Daniel Doberer, Leiter der Asthma-Ambulanz an der Klinischen Abteilung für Pulmologie, MedUni Wien. Er erklärt: "Ozon kann aufgrund seiner geringen Wasserlöslichkeit tief in die Lungen eindringen und führt zur Bildung von aggressiven Sauerstoffradikalen, die das Atemwegsepithel zerstören. Damit wird diese schützende Schicht für Allergene oder andere Luftschadstoffe durchlässiger."

 

Mehr Ozon – mehr Patienten in Notfall-Ambulanzen
Die Folgen für Asthmatiker sind verstärkte Symptome, mehr Bedarf an Medikamenten, Verschlechterung der Lungenfunktion, mehr Exazerbationen (plötzliche Verschlechterung der Erkrankung) und verstärkte Reaktion auf Allergene. "Das geht so weit, dass bei erhöhter Ozonkonzentration deutlich mehr Patienten in den Notfall-Ambulanzen landen." Schätzungen zufolge werden weltweit bis zu 23 Millionen Notfallbehandlungen pro Jahr durch Ozon verursacht. Allergiker sollten daher im Sommer gewarnt sein, denn "intensive Sonneneinstrahlung bringt erhöhte Ozonkonzentrationen", warnt Umweltmediziner Hutter vor dem sogenannten Sommersmog. "Von Mai bis September werden meist die höchsten Ozonwerte gemessen – genau dann, wenn Pollen in der Luft ist. Zusätzlich wirken sie gemeinsam mit Ozon noch stärker allergen."

Von Mai bis September werden meist die höchsten Ozonwerte gemessen – genau dann, wenn Pollen in der Luft ist. Zusätzlich wirken sie gemeinsam mit Ozon noch stärker allergen.

Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dipl.-Ing. Dr. Hans-Peter Hutter,
stellvertretender Leiter der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin am Zentrum für Public Health, MedUni Wien
Foto: MedUni Wien

Pollenflug, Luftqualität und Symptome

Im Rahmen einer Studienkooperation der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation an der MedUni Wien und der Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg wurde die Auswirkung von Luftverschmutzung in Wien durch Ozon, Stickstoff- und Schwefeldioxid sowie Feinstaub auf PollenallergikerInnen untersucht. "Vor allem Ozon scheint einen Einfluss zu haben, wie sich besonders bei Gräser- und BirkenpollenallergikerInnen zeigt – je höher die Ozonbelastung, desto stärker sind vor allem die Lungenbeschwerden", stellt Uwe E. Berger, MBA, Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes der MedUni Wien, erste Ergebnisse vor: "Damit kann künftig erklärt werden, warum auch dann starke Beschwerden vorhanden sind, obwohl sich nur relativ wenig Pollen in der Luft befindet."

 

Genauere Prognosen möglich
Die neuen Daten werden für künftige Prognosen eine wesentliche Rolle spielen. Denn um möglichst genau vorherzusagen, wie es Allergiker während der Pollensaison gehen wird, braucht es zum reinen Pollenflug auch Informationen zum Wetter, zum Blühverhalten der Pflanzen sowie zur Luftqualität. "Wir können erstmals zeigen, welche Parameter in welchem Ausmaß zusammenspielen, wenn Patienten Beschwerden haben", so Berger Die Services des Pollenwarndienstes entwickeln sich so immer mehr von der reinen Pollen- hin zur individuellen Belastungsprognose.

Tagebuch und App

Unentbehrlich für die Forschung sowie die Betroffenen ist das Pollen-Tagebuch, erreichbar über die "Pollen"-App oder auf www.pollentagebuch.at. Hier tragen Allergiker ihre Beschwerden möglichst täglich ein und können damit auf einen Blick erkennen, welche Belastungen tatsächlich in welchem Ausmaß für die Beschwerden verantwortlich sind, welchen Einfluss ein Ortswechsel hat und ob die Therapie den erwünschten Erfolg bringt.

Um die Services auf die jeweilige Lebenssituation noch besser zugeschnitten anbieten zu können, wurden neue Fragen integriert:

  • Wann im Tagesverlauf war die Belastung am größten?
  • Zu welcher Tages- und Nachtzeit hat man sich draußen aufgehalten?
  • Wie sehr hat die Belastung die Arbeits-/Leistungsfähigkeit beeinträchtigt? 

Mit dem jährlichen Update wurde auch das Design der Pollen-„App“ überarbeitet und entspricht allen optischen und funktionellen Anforderungen einer mobilen Applikation. Außerdem wurde erstmals auch das „Allergierisiko“ personalisiert. User, die ihre Symptomdaten regelmäßig in das Pollen-Tagebuch eintragen, erhalten damit einen Überblick, wie hoch ihre persönliche Belastung zu jeder Stunde des Tages ist. Bisher wurde nur der Durchschnittswert der allgemein empfundenen Belastung angezeigt. Nun steht diese Orientierung individuell zugeschnitten zur Verfügung. Die Pollen-App steht für Smartphones und Tablets mit iOS und Android zum kostenlosen Download auf www.pollenwarndienst.at sowie in den App-Stores zur Verfügung.

AUTOR


Margit Koudelka


ERSTELLUNGSDATUM


18.03.2019
QUELLEN
Pressekonferenz der Medizinische Universität Wien und der Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung (IGAV) vom 14.03.2019

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