×
×
articleicon

Chlamydien

Chlamydia trachomatis zählt zu den häufigsten Auslösern
Diesen Artikel mit Freunden teilen
Um einer Ansteckung mit Chlamydien vorzubeugen sollten beim Geschlechtsverkehr stets Kondome verwendet werden. (Kateryna Kon / Shutterstock.com)

Chlamydien-Infektionen gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen weltweit.

Sie betreffen Frauen und Männer gleichermaßen, vor allem aber sexuell aktive Frauen unter 25 Jahren. Zusätzlich ist es möglich, dass eine infizierte, schwangere Frau die Chlamydien während der Geburt auf ihr neugeborenes Kind überträgt. Die Inkubationszeit beträgt einige Tage bis Wochen. Rückenschmerzen, Brennen, Fieber, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Zwischenblutungen können Anzeichen von Chlamydien sein. 80 % der Infizierten zeigen aber keine Symptome, daher wird die Erkrankung häufig erst spät diagnostiziert. Eine zuverlässige Diagnose kann mit entsprechenden Tests gestellt werden.

Häufigkeit von Chlamydien

Weltweit infizieren sich jährlich etwa 90 Millionen Menschen mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis, davon 5 Millionen in Westeuropa. In Österreich liegt das geschätzte Infektionsrisiko der Bevölkerung bei 3 bis 5 %, bei Jugendlichen sogar bei bis zu 10 %. Etwa 70 % aller Infizierten sind weiblich. In Entwicklungsländern ist der Erreger für 15 % aller Erblindungen verantwortlich.

Ursachen: 3 relevante Keime

Chlamydien sind Bakterien, die der Familie der Chlamydiaceae angehören. 3 dieser Keime sind für den Menschen krankmachend: Chlamydia trachmomatis, Chlamydia pneunomiae und Chlamydia psittaci.

 

Meist wird die Infektion durch die Bakterienspezies Chlamydia trachomatis verursacht, seltener auch von Chlamydien-Untergruppen wie Chlamydia pneunomiae und Chlamydia psittaci. Je nach Erreger finden sich unterschiedliche Symptome – bei Chlamydia trachomatis sind das Erkrankungen im Genitalbereich und Entzündungen am Auge, die eine Erblindung zur Folge haben können. Bei Chlamydia pneumoniae zeigen sich Entzündungen der Bronchien, Nasennebenhöhlen und Lungenentzündungen. Chlamydia psittaci ist der Erreger der sehr seltenen Papageienkrankheit (schwere Lungenentzündung).

 

Die Erreger sind sehr kleine, gramnegative, kugelförmige Bakterien, die an der Schleimhaut andocken und sich als Parasiten nur innerhalb einer Wirtszelle vermehren können. Außerhalb des Körpers sterben Chlamydien schnell ab. Die Inkubationszeit beträgt einige Tage bis Wochen, in seltenen Fälle aber auch Jahre.

Symptome und Verlauf der häufigsten Chlamydieninfektionen

Im Falle der häufigsten Infektionsart, der genitalen Chlamydieninfektionen durch Chlamydia trachomatis (Chlamydiaceae, Serotypen D-K), sind bei Frauen meist die Harnröhre und der Gebärmutterhals betroffen. 80 % der Infizierten zeigen keine Symptome – man nennt sie auch die "stille Krankheit" –, daher wird die Erkrankung häufig spät diagnostiziert.

 

Mögliche Symptome bei Frauen sind:

  • Rückenschmerzen
  • Unterbauchschmerzen
  • Harndrang
  • Brennen
  • Juckreiz
  • Ausfluss
  • Fieber
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Zwischenblutungen
  • Entzündungen an den Augen

 

Eine unter Mitbeteiligung der Gebärmutter, der Eileiter und des Eierstocks aufsteigende Erkrankung (Adnexitis) kann auch das Bauchfell betreffen (Peritonitis) und wird im Englischen Pelvic Inflammatory Disease genannt.

 

Bei Männern äußert sich die Infektion als eitrige Entzündung der Harnröhre mit Ausfluss, eventuell sind auch Anus und Nebenhoden betroffen. Etwa die Hälfte aller infizierten Männer bemerken ihre Erkrankung nicht, da sie – abgesehen von den genannten – kaum Beschwerden mit sich bringt. Die Gefahr ist jedoch, dass im Zuge von sexuellem Kontakt der Erreger – er "überlebt" in der männlichen Harnröhre, in der Prostata und im Nebenhoden – übertragen wird.

 

Studien haben gezeigt, dass die Infektion eng in Zusammenhang mit der Entstehung von Arthritis steht. Je nach den sexuellen Praktiken (Oral- oder Analverkehr) besteht auch das Risiko für Enddarmentzündung.

 

Sowohl bei Frauen als auch bei Männern können die Folgen dieser Entzündungen zu Unfruchtbarkeit führen. Bei Frauen kommt es durch Narbenbildung häufiger zu ektopischen (außerhalb der Gebärmutterhöhle eingenisteten) Schwangerschaften und chronischen Beckenschmerzen.

 

Chlamydieninfektionen in der Schwangerschaft sind gefährlich! Schwangere, die mit Chlamydien infiziert sind, erleiden häufiger einen vorzeitigen Fruchtblasensprung und haben ein erhöhtes Risiko für Früh- bzw. Fehlgeburten. 30 bis 50 % aller infizierten Mütter übertragen den Erreger im Zuge der Geburt auf das Baby. Die möglichen Folgen sind u.a. eine Bindehautentzündung oder eine Mittelohrenentzündung des Neugeborenen.

Diagnose von Chlamydien

Für eine zuverlässige Diagnose werden Verfahren angewandt, die den Erreger direkt nachweisen, entweder molekularbiologisch mittels kulturellem Nachweis (Zellkultur) aus Urin und Genitalabstrich oder serologisch aus dem Blut im Rahmen von Antigen-Antikörper-Reaktion.

 

Nukleinsäure-Amplifikations-Techniken (NAT)

  • PCR-Analyse: PCR (polymerase chain reaction) – Dabei wird aus der Schleimhaut oder dem Urin ein Abstrich gemacht. Die Bakterien werden im Labor vervielfältigt, um die Empfindlichkeit des Tests zu erhöhen. Durch eine DNA-Analyse kann das Erbgut des Erregers nachgewiesen werden. Spezialisierte Tests im Bereich dieses Verfahrens ermöglichen es auch, den genauen Genotyp des Bakteriums zu dekodieren. Das Ergebnis liegt nach einem Tag vor.
  • ELISA: Mit diesem Antigen-Test werden im Labor mithilfe von Immunfluoreszenz markierte Antikörper sichtbar. Ist der erste Test positiv, sollte der Infektionstest mit einem zweiten Test bestätigt werden. Auch HIV wird mittels ELISA-Test diagnostiziert.
  • Antikörpernachweis: Im Falle einer Infektion bildet der Organismus Antikörper gegen den jeweiligen Erreger. Antikörper gegen Chlamydia trachomatis können jedoch erst nach 6 bis 8 Wochen festgestellt werden. Da die Antikörper monate- oder jahrelang überleben können, ist dieses Diagnoseverfahren vor allem bei Spätfolgen hilfreich, oder um festzustellen, ob eine Chlamydien-bedingte Sterilität vorliegt.

Therapie von Chlamydien

Die aktuellen und früheren Sexualpartner müssen im Falle einer Infektion immer mitbehandelt werden, um eine erneute Infektion und eine weitere Verbreitung zu vermeiden. Zur medikamentösen Behandlung werden orale Antibiotika eingesetzt, für die unkomplizierte Infektion in der Regel entweder Tetrazykline, z.B. Doxycyclin, oder Makrolide, z.B. Roxithromycin, Azithromycin und Erythromycin. Auch neuere Chinolone wie Ofloxacin und Levofloxacin kommen als Alternative in Frage. Azithromycin wird aufgrund der guten Verträglichkeit auch als 1000-mg-Einzeldosis verabreicht.

 

Wird die Infektion früh diagnostiziert und die Behandlung konsequent durchgeführt, ist mit keinen Spätfolgen zu rechnen.

Vorbeugungsmaßnahmen

  • Kondome: Zur Vorbeugung von Geschlechtskrankheiten sollten beim Geschlechtsverkehr Kondome Anwendung finden. Entsprechende Körperpflege ist zusätzlich wichtig.
  • Antibiotika-Therapie: Die jeweilige Antibiotika-Therapie sollte von beiden Geschlechtspartnern durchgeführt werden.
  • Zurückhaltung: Sexualkontakt darf erst nach Beendigung der Therapie erfolgen, andernfalls besteht eine weitere Ansteckungsgefahr.
AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Michael Leitner


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


29.12.2016 / 20.10.2020
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Doris Linsberger
Ärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
LETZTES REVIEW

Cookie-Informationen zu dieser Website


Wir verwenden Cookies zur Bereitstellung von minimed.at, für nutzerfreundliche Features und Social-Media-Funktionen, um Zugriffe zu analysieren, relevante Inhalte vorzuschlagen und gemeinsam mit unseren Werbepartnern auf das Surfverhalten abgestimmte Werbeanzeigen einzublenden. Hier können Sie alle zustimmungspflichtigen Cookies akzeptieren oder ablehnen:


oder weitere Informationen in unserer Cookie-Richtlinie einsehen. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit widerrufen. Informationen zu den Auswahl- und Kontrollmöglichkeiten und zur Ausübung des Widerrufs- oder Widerspruchsrechtes finden Sie in unserer Datenschutzinformation.

Bitte beachten Sie, dass manche Cookies für den reibungslosen Betrieb von minimed.at unerlässlich sind. Solange Sie zustimmungspflichte Cookies nicht akzeptiert haben, werden nur solche Cookies gesetzt, die erforderlich sind, um die reibungslose Nutzung von minimed.at zu ermöglichen. Diese dienen nicht dazu, personenbezogene Daten zu sammeln und werden von Ihrer Zustimmung unabhängig verwendet.

Information zur Datenverarbeitung in Drittstaaten
Die Informationen werden durch Partner und Anbieter ggf. auch in Drittstaaten (z.B. USA) verarbeitet. Damit besteht das Risiko, dass keine Datenschutz-Aufsichtsbehörde besteht und Betroffenenrechte u.U. nicht durchgesetzt werden können. Mit deiner Einwilligung erklärst du dich ungeachtet dessen mit der Verarbeitung deiner Daten in Drittstaaten einverstanden.