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Coronavirus: Warum sind Männer stärker gefährdet?

Covid-19 trifft Männer härter
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Das neuartige Coronavirus scheint Männer härter zu treffen als Frauen. (Corona Borealis Studio / Shutterstock.com)

Die Sterblichkeitsraten für Covid-19 sind bei Männern höher als bei Frauen. Eine genaue Erklärung dafür gibt es noch nicht, Theorien sind jedoch zahlreich vorhanden.

Erstmals offiziell berichtet wurde von einem neuartigen Coronavirus Ende des vergangenen Jahres in der chinesischen Provinz Hubei. Relativ früh kristallisierten sich Risikogruppen heraus. Ältere oder Vorerkrankte waren wesentlich stärker gefährdet, schwer zu erkranken. Junge gesunde Menschen steckten eine Infektion in sehr vielen Fällen verhältnismäßig locker weg. Soweit war das kaum überraschend, eine andere statistische Auffälligkeit sorgte jedoch für etwas Verwunderung: Bei Männern war die Sterberate wesentlich höher als bei Frauen.

 

Lange Zeit ging man davon aus, dass diese Ungleichheit auf den Tabakkonsum in China zurückzuführen ist. Dort raucht fast jeder zweite Mann, bei Frauen sind es nur rund 2 %. Covid-19, eine Krankheit die hauptsächlich die Lunge trifft, macht naturgemäß Rauchern stärker zu schaffen. So ließ sich für die unterschiedlichen Sterberaten eine leichte Erklärung finden: In China sterben wesentlich mehr Männer, weil sie einfach viel häufiger rauchen als Frauen.

 

Wenngleich dies ohne Zweifel ein wesentlicher Faktor ist, nähren sich die Vermutungen, dass es noch tieferliegende biologische Gründe für die Ungleichheit gibt. Denn auch in vielen anderen Ländern – unter anderem Deutschland, Iran, Italien, Frankreich – sterben mehr Männer an den Folgen einer Infektion als Frauen. Und das obwohl die Raucherzahlen nirgendwo so ungleich verteilt sind wie in China.

Zusammenspiel mehrerer Faktoren

Über weitere Gründe kann nur gemutmaßt werden. Zunächst gibt es eine recht oberflächliche Beobachtung, wonach sich Männer tendenziell weniger diszipliniert an öffentliche Gesundheitsempfehlungen halten, seltener zum Arzt gehen und beim Händewaschen weniger gründlich sind. Vergangene Studien haben außerdem eine höhere Empfindlichkeit des männlichen Immunsystems gegenüber bestimmten Infektionen, unter anderem Hepatitis C und HIV, gezeigt. Zu Sars-CoV-2 liegt zwar noch keine entsprechende Studie vor, Wissenschaftler könnten sich aber auch hier einen ähnlichen Effekt vorstellen.

 

Zu guter Letzt müssen noch die Hormone genannt werden. Das weibliche Sexualhormon Östrogen stärkt die antiviralen Kräfte des Immunsystems. Außerdem sind viele Gene, die das Immunsystem regulieren, im X-Chromosom kodiert und daher bei Frauen etwas aktiver. Zusammengefasst wird also ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren vermutet:

  • Rauchen: In vielen Ländern rauchen mehr Männer als Frauen
  • Hygiene: Männer neigen tendenziell zu schlechterer Hygiene
  • Immunsystem: Das männliche Immunsystem ist womöglich gegenüber Sars-CoV-2 empfindlicher
  • Hormone: Östrogen sorgt bei Frauen für einen hormonellen Vorteil im Kampf gegen Viren

 

Wie schwer welcher dieser Faktoren wiegt und ob es eventuell noch eine ganz andere Erklärung für die unterschiedlichen Sterberaten gibt, unterliegt vorerst der Forschung. Dass viele Länder exakte Statistiken zurückhalten, macht es den Wissenschaftlern nicht unbedingt einfacher. So gibt es etwa aus den USA, wo es weltweit die meisten bestätigten Infektionen gibt, keine geschlechtsspezifischen Statistiken.

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AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


31.03.2020

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