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FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Frau sprüht Kind mit Insektenschutz ein um FSME zu verhindern
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Vor Zecken sollte man sich immer in Acht nehmen, auch wenn man gegen FSME geimpft ist. (MNStudio / Shutterstock.com)

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) handelt es sich um eine virale Infektionskrankheit.

Hauptsächlich werden die Viren durch den Stich einer infizierten Zecke auf den Menschen übertragen. Bei FSME kann es zur Entzündung des Gehirns, des Rückenmarks und der Gehirnhaut kommen.

Häufigkeit von FSME

Österreich zählt zu den am stärksten von FSME betroffenen Ländern in Zentraleuropa. Auf Grund der hohen Durchimpfungsrate sind die FSME-Fälle jedoch stark zurückgegangen. Davor erkrankten in Österreich zwischen 300 und 700 Menschen jährlich. Bei einer Impfrate von etwa 85% der Bevölkerung sind die Erkrankungen auf 41 bis 113 Infektionen pro Jahr zurückgegangen.
 

Im Jahr 2018 kam es in Österreich jedoch zu einem vermehrten Auftreten von FSME-Fällen. Besonders Oberösterreich war davon betroffen. Insgesamt wurden im Jahr 2018 181 FSME-Fälle verzeichnet. „Nach dem letzten Rekordjahr 2018 lag die Zahl der hospitalisierten FSME-Fälle 2019 mit 108 Fällen wieder auf dem gewohnten Niveau. 14% davon waren Kinder unter 15 Jahren“, erklärt Univ.-Prof.in Dr.in Ursula Kunze, Zentrum für Public Health, MedUni Wien. In 48% der Fälle nahm die Erkrankung einen milden Verlauf (bspw. fieberhafter Infekt). Bei 52% der Erkrankten traten entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) (z. B. Meningitis, Enzephalitis, Myelitis) auf. 

 

Die Krankheit tritt abhängig von der Aktivität der virustragenden Zecken vor allem von Frühjahr bis Spätherbst, am häufigsten aber in den warmen Sommermonaten, auf. Bei warmer Witterung können Infektionen vereinzelt auch im Winter auftreten.

Ursachen von FSME

Das FSME-Virus wird hauptsachlich durch Zeckenbisse übertragen. In seltenen Fällen kann eine Infektion auch durch verunreinigte, nicht pasteurisierte Milch von Ziegen oder Schafen, in Ausnahmefällen von Kühen ausgelöst werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

 

Mehr lesen » Zecken: Fragen & Antworten

Symptome von FSME

Eine FSME-Erkrankung läuft typischerweise in zwei Phasen ab. In der ersten Phase treten grippeähnliche Symptome wie:

  • Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens

  • Fieber

  • Kopfschmerzen

  • Gleichgewichtsstörungen

  • Müdigkeit oder Desorientierung auf

 

Nach einem symptomfreien Zeitraum von bis zu einer Woche, kann die zweite Phase eintreten, bei der es zu einem weiteren Befall des zentralen Nervensystems kommt. Dabei kann es von einer Meningitis (Hirnhautentzündung) bis zu einer Enzephalitis (Gehirnentzündung) mit oder ohne Myelitis (Rückenmarksentzündung) und Lähmungserscheinungen kommen.
 

Bei 70 bis 95% der Fälle verläuft die FSME-Erkrankung ohne Symptome oder die zweite Krankheitsphase bleibt aus. Circa jeder zehnte Erkrankte stirbt trotz intensivmedizinischer Behandlung an der Infektion. Einer von fünf Überlebenden erleidet eine schwere körperliche oder neurologische Behinderung (Amputationen, Verlust des Hörvermögens oder epileptische Anfälle). Entgegen der verbreiteten Meinung, dass bei Kindern der Krankheitsverlauf schwächer verläuft, können auch bei Kindern sehr schwere Erkrankungen mit langwierigen Folgeschäden und sogar Todesfälle auftreten.

Diagnose von FSME

Zu Beginn der Diagnose wird der Allgemeinmediziner ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch führen, um festzustellen, ob die Symptome typisch für eine FSME-Erkrankung sind. Häufig wird die Diagnoseerstellung erschwert, da sich nur wenige Patienten an einen Zeckenbiss erinnern können.

 

Als Untersuchungsmethoden stehen folgende Verfahren zur Verfügung:

  • Nachweis von FSME-Virus-Antikörper IgG und IgM im Blut sowie Liquor (Körperflüssigkeit),

  • Nachweis des Virus im Blut mittels einer RT-PCR (reverse transcriptase polymerase chain reaction), aussagekräftig ab der ersten Krankheitsphase.

Therapie bei FSME

Die Therapie erfolgt symptomatisch. Dies bedeutet, dass die Beschwerden wie Fieber, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen behandelt werden. Eine spezifische antivirale Therapie ist nicht verfügbar.

Zeckenentfernung

Nach einem Aufenthalt in zeckengefährdeten Gebieten sollte der Körper sorgfältig nach Zecken abgesucht werden. Zecken müssen so rasch wie möglich entfernt werden. Am besten sind dafür Pinzette oder spezielle Zeckenentfernungsinstrument geeignet. Dabei soll die Zecke so nah wie möglich an der Haut gefasst, gerade herausgezogen und nicht gedreht werden. Außerdem sollte kein Öl bei der Entfernung verwendet werden. Danach ist es wichtig die Einstichstelle gründlich zu desinfizieren.

Zeckenschutzimpfung

Durch die FSME-Schutzimpfung kann einer Infektion vorgebeugt werden. Durch eine Impfung wird die Bildung von Antikörper im Körper bewirkt.

 

Die FSME-Impfung war bis jetzt ab dem vollendeten 1. Lebensjahr zugelassen. Zur Grundimmunisierung sind drei Impfdosen notwendig. Die 1. Auffrischungsimpfung ist 3 Jahre nach der Grundimmunisierung erforderlich. Weitere Auffrischungsimpfungen werden bis zum vollendeten 60. Lebensjahr alle 5 Jahre, ab dem vollendeten 60. Lebensjahr alle 3 Jahre empfohlen.

Situation in Österreich

Österreich ist eines der am stärksten von FSME betroffenen Ländern Europas. Kein Bundesland ist FSME-frei. Somit gilt ganz Österreich als sogenanntes "Endemiegebiet". Dies bedeutet, dass prinzipiell fast überall ein Infektionsrisiko besteht. Während Kärnten und die Steiermark in den vergangenen Jahren die meisten FSME-Fälle aufwiesen, melden Oberösterreich und Tirol mittlerweile jährlich eine der höchsten Werte von FSME-Erkrankten. Außerdem häufen sich in Vorarlberg, das über viele Jahre wenige FSME-Fälle verzeichnete, jährlich die Erkrankungsfälle.

AUTOR


Carola Bachbauer, BA
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Emanuel Munkhambwa


ERSTELLUNGSDATUM


28.09.2020
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. med. univ. Elisabeth König
Forschung, MedUni Graz - Diagnostik & Forschungsinstitut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin
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