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Therapie bei Heuschnupfen

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Eine Pollenallergie ruft Symptome wie Heuschnupfen, Augenbeschwerden und Husten hervor. (Kzenon / shutterstock.com)

Juckende Nase, brennende Augen, rinnende oder verstopfte Nase: Jeder 5. Österreicher freut sich nur bedingt auf den Frühling, denn er bringt gesundheitliche Beeinträchtigungen: Etwa 1,6 Millionen Österreich sind Pollenallergiker.

Weltweit kennen 300 bis 500 Millionen Menschen die Symptome von "Heuschnupfen", die Allergie auf Gräser, Sträucher- und Baumpollen. Vielfach beginnt die Pollenallergie bereits im Kindesalter und sollte in diesem Stadium bereits behandelt werden, da in der Folge andere Allergien hinzukommen können. Ein unbehandelter
     
"Heuschnupfen" kann überdies eine Reihe von Folgeerkrankungen verursachen, wie Bindehautentzündung (Konjunktivitis), Neurodermitis oder Asthma. Therapeutische Maßnahmen können lokal (Sprays, Tropfen, Cremen) oder systemisch mit einer SIT erfolgen.

Unterschiedliche Intensität

 

Je nachdem, ob der Schnupfen ganzjährig oder zur Pollensaison auftritt, unterscheidet man 2 Formen:

  • Pollenbedingter Heuschnupfen wird typischerweise von Niesen, Bindehautentzündung und Sekretfluss begleitet.
  • Ein ganzjähriger Heuschnupfen macht sich durch eine ständig verstopfte Nase bemerkbar.

Jeder 5. Heuschnupfen-Betroffene leidet an einem pollenbedingten, fast die Hälfte an einem ganzjährigen Heuschnupfen. Eine länger andauernde Erkrankung kann dazu führen, dass die Nase "überreagiert" und selbst bei anderen, bisher nicht-allergieauslösenden Substanzen, wie z.B. Duftstoffe, Kerzen- oder Zigarettenrauch, mit Niesen und Sekretfluss reagiert.

Ein allergischer Heuschnupfen schmälert nicht nur die Lebensqualität, sondern kann auch viele unangenehme Begleiterkrankungen wie Schlafstörungen oder eine Entzündung der Nasennebenhöhlen mit sich bringen. Im schlimmsten Fall kann sich auch Asthma bronchiale entwickeln.

Symptome des Heuschnupfens

 

Von einem Heuschnupfen spricht man, wenn nachstehende Symptome auftreten:

  • Juckende Nase
  • Niesattacken
  • brennende und tränende Augen
  • Rötung der Bindehaut eventuell mit Fremdkörpergefühl weißliches Sekret fließt aus Nase und Augen
  • Müdigkeit, Krankheitsgefühl

Beim Auftreten dieser Krankheitsmerkmale sollte ein Allergologe aufgesucht werden, der eine genaue Diagnose stellt, auf welches Allergen das Immunsystem überempfindlich reagiert. Nach der Diagnose richtet sich auch die Therapie. Sie kann lokal (Sprays, Tropfen, Cremen) oder systemisch (Medikamente, Spezielle Immuntherapie, SIT) erfolgen.

Was passiert bei der Heuschnupfen-Therapie?
 

Im Zuge einer allergischen Rhinitis (Heuschnupfen) kommen 2 Prozesse in Gang:

  • Histaminausschüttung
  • Entzündung der Nasenschleimhaut

Ursachen dafür sind bestimmte Entzündungsstoffe, wie z.B. Leukotriene, Prostaglandine und bestimmte Interleukine. Diese werden von der Mastzelle in der Nasenschleimhaut freigesetzt und verursachen eine
          
Entzündung. Sie kann auch nach einem nur kurz andauernden Allergenkontakt ausgelöst werden und langwierig sein. Je länger dieser Prozess (unbehandelt) andauert, desto empfindlicher reagiert die Nasenschleimhaut.
Eine ausführliche Anamnese ist der erste Schritt. Anschließend gibt ein Hauttest (bei Pollen, Tierhaar- oder Staubmilbenallergie) Aufschluss darüber, um welche Art von Allergie es sich handelt. Dabei stehen, je nach Allergie-"Verdacht", Pricktest, Epikutantest, Reibtest oder Scratch-Test zur Verfügung. Wird angenommen, dass es sich um eine Pollen- und Tierhaarallergie handelt, wird ein Pricktest durchgeführt.
Eine Allergie ist auch mit einem Bluttest nachweisbar. Dabei wird die Menge an Immunglobulinen Typ E (IgE) bestimmt. Bei Allergien liegen diese Antikörper übermäßig stark vor.
 

Medikamentöse lokale Therapie


Bei einer allergischen Reaktion setzt der Körper Histamin frei. Spezielle Medikamente können diese Ausschüttung zwar unterbinden, sie lindern jedoch nur die Symptome, können aber die Ursache der Erkrankung nicht beseitigen. Folgende Medikamente können die Beschwerden lindern:

Abschwellende Nasensprays
wirken bei verstopfter Nase. Sie beinhalten gefäßverengende Substanzen und führen dazu, dass die Nasenschleimhaut abschwillt und dadurch das Atmen erleichtert wird. Derartige Sprays sollten, um einen Gewöhnungseffekt zu verhindern, nur etwa 5 bis 7 Tage angewendet werden.

Lokale Antihistaminika
Antihistaminika werden bei Beschwerden, wie Schnupfen, Niesen, rinnende Nase, tränende, juckende Augen oder Augenentzündungen, eingesetzt und als Nasensprays oder Augentropfen verabreicht. Ihre Wirkung beruht darauf, dass sie die Funktion von Histaminrezeptoren blockieren. Histamin wirkt gefäßerweiternd und löst die allergie-typischen Beschwerden, wie Juckreiz, Tränenfluss und laufende Nase aus. Sie werden als Nasensprays oder Augentropfen verabreicht.

Mastzellenstabilisatoren
Diese Substanzen unterdrücken die Histaminausschüttung, also jenes Botenstoffes, der die Symptome einer Allergie verursacht (Niesreiz, rote, tränende, juckende Augen). Diese Medikamente können sowohl im Akutfall helfen, als auch auch in der Langzeittherapie eingesetzt werden. Dabei verhindern sie eine zu starke Überreaktion des Immunsystems, also eine Freisetzung von Histamin. Diese Medikamente können jedoch auch langfristig eine Allergie nicht heilen, sondern nur die Symptome lindern.

 

Lokale Glukokortikoidtherapie
Die Medikamente sind stark entzündungshemmend wirksam und können als Nasenspray oder Augentropfen bei Heuschnupfen, bei Asthma durch Inhalation angewendet werden. Bei lokaler Anwendung bleiben Nebenwirkungen (u.a. Aufgedunsenheit, Verringerung der Knochendichte, Cushing-Syndrom, Bluthochdruck, Verschlechterung bei Diabetes mellitus) aus.

Systemische Therapie


Antihistaminika
Bei der systemischen Behandlung mit Antihistaminika sollten Substanzen der 2. Generation verwendet werden. Ältere Medikamente der 1. Generation passieren die Blut-Hirnschranke und machen müde, schlapp und rufen häufig Schwindelgefühle hervor. Bei Histaminika der 2. Generation wird die Blut-Hirnschranke nicht passiert, die beschriebenen Nebenwirkungen unterbleiben daher. Sie wirken, indem sie die Histaminausschüttung unterdrücken und stabilisieren außerdem die Mastzellen, sodass keine Entzündungsmediatoren freigesetzt werden.


Kortison in Tablettenform
Eine systemische Glukokortikoidtherapie (Kortison gehört der Gruppe der Glukokortikoide an) ist nur bei
schweren Erkrankungsfällen indiziert. Zu beachten ist auch, dass die Wirkung einer Kortison-Therapie erst nach 2 bis 4 Tagen einsetzt. Die Medikamente müssen nach Anweisung des Arztes genau angewendet und nach Therapieende "ausgeschlichen" – langsam abgesetzt - werden. Diese Substanzen werden meist nur in der Notfallsmedikation angewendet, z.B. um einen allergischen Schock zu behandeln. Allergiesymptome können auch mithilfe einer Kortisonspritze blockiert werden. Diese wirkt wie ein Depotpräparat und ist einige Wochen lang aktiv. Da es bei langfristiger Medikation jedoch zu Nebenwirkungen kommen kann (hoher Blutdruck, Infektanfälligkeit, Osteoporose, Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe, Cushing-Syndrom – also veränderte Fettverteilung im Körper), ist die Behandlung nur im Notfall angebracht.

Spezifische Immuntherapie


Die spezifische Immuntherapie (SIT) - bekannt auch als Desensibilisierung oder Hyposensibilisierung - wirkt in erster Linie bei allergischer Rhinitis, die durch Pollen verursacht wird, zeigt aber auch bei Insektengift-, Hausstaubmilben- oder Tierhaarallergie gute Erfolge. Sie bekämpft die Ursachen einer Allergie und kann dadurch auch langfristig eine Erkrankung an Asthma bronchiale verhindern. Sie wird entweder als Spritze, in Tablettenform oder als Tropfen (unter die Zunge) verabreicht.


Subkutane Immuntherapie (SCIT)
Diese Form der Immunisierung mittels Spritze ist bei allergischer Pollinose, aber auch bei Hausstaubmilben- oder Tierhaarallergien wirksam.


Sublinguale Immuntherapie (SLIT)
Bei dieser Methode wird eine Lösung, die das Allergen enthält, unter die Zunge getropft.


Orale (mündliche) Verabreichung (Gräsertablette)
Die Immunisierung mit einer Gräsertablette täglich über 3 Jahre wird Betroffenen empfohlen, die aufgrund einer Gräserpollen-Allergie einen Heuschnupfen entwickeln. Seit 2006 bietet die Tablette (auch für Kinder) eine
vereinfachte Variante der SIT. Mit der Therapie muss mindestens 8, besser 16 Wochen vor der Gräser- Pollensaison begonnen werden.
 

Sanfte Methoden


Allergien sind ernst zu nehmende Erkrankungen, die schwere Folgeerkrankungen mit sich bringen können. "Sanfte" Behandlungsalternativen sollten daher unbedingt mit dem Arzt diskutiert werden. So etwa sind leichte Allergien mit Akupunktur behandelbar, allerdings sollte eine Kosten-Nutzen-Rechnung angestellt und mit dem Arzt besprochen werden. Günstige Auswirkungen auf die Atemwege haben z.B. Atemtherapie, Entspannungstechniken oder Kneipp’sche Anwendungen.

Was müssen Sie nach der Therapie beachten?


Eine lokale oder medikamentöse Therapie kann nur Symptome lindern, die einzige Methode, die auch die Ursachen der Allergie bekämpft, ist die spezifische Immuntherapie. Die besten Erfolge erzielt die SIT bei Kindern (ab dem 5. Lebensjahr).

Wer therapiert?


Die Therapie wird in Österreich von speziell ausgebildeten Allergologen durchgeführt. Allergologie ist in Österreich ein Weiterbildungsfach, das vor allem HNO-Ärzte, Lungen-, Haut- und Kinderärzte oder Innere Mediziner absolvieren.

Was können Sie zum Gelingen der Therapie beitragen?


Regelmäßige Einnahme der Medikamente, bzw. eine konsequente Therapietreue sowie Einhalten der Impftermine sind Voraussetzungen für den Erfolg der Therapie.

Wo liegen die Grenzen dieser Therapieform?

Da die spezielle Immuntherapie die einzige Therapie ist, die die Ursache der Erkrankung bekämpft, ist diese die einzige Form, die die Symptome einer Allergie merkbar lindern oder ganz beseitigen kann. Die Erfolgsquoten liegen bei 90 bis 100 %, sollte jedoch nach 2 Jahren Behandlungsdauer keine Besserung eintreten (wenn eine Allergie z.B. durch mehrere Allergene verursacht wird), sollte mit dem behandelnden Arzt möglicherweise eine Änderung der Dosis oder Indikation besprochen werden.

Kosten & Krankenkasse

Die Kosten für Diagnostik, für die spezifische Immuntherapie, für die Gräsertablette und rezeptpflichtige Medikamente werden von den Kassen übernommen.

AUTOR


Dr. Doris Simhofer
REDAKTIONELLE BEARBEITUNG


Mag. Sylvia Neubauer


ERSTELLUNGSDATUM


05.02.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
Dr. Andreas Temmel
Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten – Wahlarzt

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