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Impfungen für Risikogruppen

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Ein kleiner Pieks schützt vor langwierigen Folgen einer Infektion. (BlurryMe / shutterstock.com)

Schwangere, Kinder und Senioren haben ein erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten. Welche Impfungen sind jeweils empfehlenswert und worauf sollte dabei geachtet werden? 

Vor unterschiedlichen Viruserkrankungen ist niemand gefeit. Bestimmte Personengruppen tendieren jedoch zu schwereren Krankheitsverläufen mit höherer Komplikationsneigung. Man spricht dann von Risikogruppen, der unter anderem Schwangere, Senioren und Kinder angehören. Ao.Univ.-Prof. Dr. Heidemarie Holzmann, Virologen an der MedUni Wien erklärt, was diese beachten sollten. 

Schwangere

Warum zählen sie zur Risikogruppe?

In der Schwangerschaft arbeitet das Immunsystem weniger aktiv. Das ist einerseits wichtig, damit der mit väterlichen Merkmalen ausgestattete Embryo nicht abgestoßen wird. Andererseits macht das herabgesetzte Immunsystem die schwangere Frau anfälliger für Infektionen und Komplikationen, die im Zuge dessen auftreten können. Sie gefährden nicht nur die Gesundheit der Mutter selbst, sondern auch die des Föten. 
„Wenn die Mutter zum zweiten Mal schwanger ist, besteht außerdem die Gefahr, dass Erstgeborene Infektionskrankheiten aus dem Kindergarten mit nachhause nehmen und die werdende Mama damit anstecken“, nennt Holzmann einen weiteren Aspekt, der Schwangeren ein höheres Risiko für Infekte einräumt.

 

Warum sollten sie sich impfen lassen?

Ein guter Impfstatus gewährt nicht nur der Mutter, sondern auch ihrem Kind Schutz – den sogenannten Nestschutz. Die Virologen erklärt: „Gegen Ende der Schwangerschaft pumpen die Mütter ihre ganzen Abwehrstoffe in Form von Antikörpern zum Kind. Dadurch sind Neugeborene vor bestimmten Infektionserkrankungen anfänglich geschützt.“ 

 

Was sollten sie beachten?

Schwangere sollten während der Schwangerschaft möglichst nicht mit Lebensimpfstoffen geimpft werden. Vermehrungsfähige, attenuierte (abgeschwächte) Viren sind zum Beispiel in Impfstoffen gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen enthalten. Es empfiehlt sich demnach, alle im Impfplan vorgesehenen Impfungen bereits vor Beginn einer gewünschten Schwangerschaft, sprich mit beabsichtigten Kinderwunsch durchführen zu lassen. ("prepare for pregnancy!“)

 

Welche Impfungen sind sinnvoll?

Impfungen mit Totimpfstoffen, also Impfstoffen mit nicht vermehrungsfähigen Erregern (oder nur Teilen davon) sind hingegen auch während der Schwangerschaft möglich. Explizit in der Schwangerschaft empfohlen werden je nach Saison die Influenza-Impfung sowie die Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis)

Der Impfstatus sollte bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft, bestenfalls ab dem Zeitpunkt des Kinderwunsches kontrolliert werden.

Univ.-Prof. Dr. Heidemarie Holzmann, Virologen an der MedUni Wien.

Senioren

Warum zählen sie zur Risikogruppe? 
Etwa ab dem 60. Lebensjahr wird die natürliche Körperabwehr schwächer, wodurch Viruserkrankungen oft schwerer verlaufen und eine erhöhte Komplikationsrate bergen. Zudem haben ältere Menschen oft eine Reihe von Grunderkrankungen. „Eine hinzukommende Influenza oder eine andere Infektionskrankheit steigert nicht nur das Komplikationsrisiko, sondern führt auch zu einer Übersterblichkeit“, warnt Holzmann. 

 

Warum sollten sie sich impfen lassen? 
Senioren, die Enkelkinder oder Familienmitglieder mit chronischen Erkrankungen haben, sollten zudem beachten, dass Krankheiten, die selbst vielleicht nur als unangenehm wahrgenommen werden für andere gefährlich bis lebensbedrohlich sein können. Eine Impfung schützt auch sie. 

 

Was sollten sie beachten? 
„Da die Funktionsfähigkeit des  Immunsystem in fortgeschrittenen Lebensabschnitten abnimmt sind in manchen Fällen engmaschigere Impfintervalle vonnöten“, so Holzmann. Das ist etwa bei der FSME-Impfung der Fall, die vor dem 60. Lebensjahr im Abstand von 5, danach alle 3 Jahre erfolgen sollte. 

 

Welche Impfungen sind sinnvoll? 
Bei Erwachsenen jeden Alters ist alle 10 Jahre eine Auffrischung der Diphtherie- und Tetanusimpfungen ratsam. Wichtig ist auch die Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis)  –speziell für Senioren, die Umgang mit kleinen Kindern haben. Da Pneumokokken eine Lungenentzündung verursachen können, die bei älteren Menschen tödlich verlaufen kann, ist eine entsprechende Impfung ratsam. Dasselbe gilt für die Impfung gegen Grippe (Influenza), die jährlich, bestenfalls vor Beginn der Grippesaison aufgefrischt werden sollte. 
 

Eine Infektion mit Pneumokokken birgt für ältere Menschen die Gefahr für eine schwere Lungenentzündung.

Univ.-Prof. Dr. Heidemarie Holzmann, Virologen an der MedUni Wien

Säuglinge und (Klein-)Kinder

Warum zählen sie zur Risikogruppe? 
Das Immunsystem von Säuglingen gleicht einer leeren Festplatte, die erst beschrieben werden muss. Durch Impfungen lernt das kindliche Immunsystem Abwehrstoffe gegen unterschiedliche Erreger bereit zu stellen. Konkret entwickelt es Antikörper dagegen. 

 

Warum sollten sie sich impfen lassen? 
„Wenn Neugeborne infiziert sind, sieht das manchmal gar nicht so schlimm aus – man merkt oft nicht, dass diese Kinder erkrankt sind“, weiß die Virologin und nennt Masern und Hepatitis als Beispiele für verschleierte Krankheitsaktivitäten in der Neugeborenenphase. Die Gefahr dabei ist, dass Kinder, die im Säuglingsalter erkranken im späteren Leben oft mit Komplikationen zu kämpfen haben. So nimmt die Hepatitis beispielsweise einen chronischen Verlauf an. 

 

Was sollten sie beachten? 
„Säuglinge fiebern nach Impfungen leichter“, weiß Holzmann und beruhigt: „derartige Reaktionen sind nicht schlimm, sondern förderlich. Sie zeigen an, dass der Körper das in der Impfung enthaltene Fremd-Antigen erkannt hat und entsprechend darauf reagiert.“ 

 

Welche Impfungen sind sinnvoll? 
Es ist ratsam, nach den Empfehlungen des Österreichischen Impfplans zu impfen, der jährlich von einer Expertengruppe, dem Nationalen Impfgremium evidenz-basiert überarbeitet. Um die Anzahl der Injektionen möglichst gering zu halten, werden meist Kombinationsimpfungen angeboten.

Weitere Risikogruppen

Personen, die in nahem Kontakt zu anderen Menschen oder zu infektiösem Material stehen - zum Beispiel in Gesundheitseinrichtungen oder Krankenhäusern - sollten ebenfalls auf einen ausreichenden Impfschutz achten. Ebenso immunsupprimierte Menschen, sprich solche mit schwachem Immunsystem. Besonders wichtig ist der Gemeinschaftsschutz für Personen mit angeborenen Immundefekten, HIV und Autoimmunerkrankungen, die zum Teil selbst nicht geimpft werden können. Auch Medikamente nach Organtransplantationen und Chemotherapie schwächen das Immunsystem. 
 

AUTOR


Mag. Sylvia Neubauer


ERSTELLUNGSDATUM


12.02.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
Univ.Prof. Dr. Heidemarie Holzmann
Hygiene- und Mikrobiologin und Virologen an der MedUni Wien

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